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Alexej Tolkatschow: Das Gespenst eines bevorstehenden Krieges

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Vor Beginn jedes Krieges gibt es in der Gesellschaft viele, die es bezweifeln. “Alles ist Unsinn! Es kann nicht sein!” , sagen sie. Doch das Krachen der Explosionen und der zahlreichen abgefeuerten Schüsse zwingen sie dann, ihre Meinung zu ändern.

“Der Krieg mit der Ukraine wird in Kürze beginnen”, hieß es auf den Flugblättern, die im Namen von Professor Michail Chomjakow, dem russischen Politemigranten, in ganz Sewastopol verteilt wurden.

Trotz dieser Warnungen glaubt die ukrainische Bevölkerung – von den Bergleuten bis hin zum kommissarischen Verteidigungsminister der Ukraine – nicht an diese Aussichten.

Westliche Beobachter glauben jedoch an eine Bedrohung von russischer Seite.
Die Schweizer Zeitung Neue Züricher Zeitung weist auf die Verletzung des internationalen Rechts durch Russland und auf direkte Drohungen von Moskau gegenüber Kiew hin – ähnlich, wie gegenüber Georgien am Vorabend der russischen Invasion.

Darüber hinaus haben die ausländischen Beobachter bemerkt, dass es eine massenhafte Ausgabe russischer Pässe auf der Krim gegeben hat, genauso wie in Abchasien und Südossetien vor dem Konflikt.

Russland setzt in der Ukraine das Szenario um, das in Georgien effektiv gearbeitet hat.

In den letzten Jahren hat Russland viel in die Unterstützung der prorussischen Organisationen auf der Krim, in Odessa, im Donbass, in der Region von Charkiw investiert. Wenn man nur das Jahr 2005 betrachtet, so war Russland bereit, für die Diskreditierung der Idee der NATO-Mitgliedschaft der Ukraine bis zu 15 Millionen Dollar auszugeben.

Bereits seit fünf Jahren wird die Ukraine vom informations-propagandistischen Apparat Russlands dauernd beschuldigt, eine Verschlechterung der bilateralen Beziehungen herbeizuführen. Gleichzeitig ist in der russischen Gesellschaft ein festes Bild entstanden, in dem die Ukraine als Feind angesehen wird – in einer Reihe mit Georgien.

Nach inoffiziellen Schätzungen in den Kreisen der ukrainischen Armee beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen der Ukraine und Russland in den nächsten sechs Monaten nicht 20, nicht 50, sondern über 70%!

Die Zeit der Informations-, Gas-und diplomatischen Verschärfungen ist vorüber. Die kalte Konfrontation entwickelt sich allmählich zu einem heißen Konflikt.

Am 11. August hat Dmitrij Medwedew, das Staatsoberhaupt der Russischen Föderation, mit seiner beispiellos harten Aussage über die Ukraine den Glauben von Millionen von Ukrainer an die “freundlichen” und “brüderlichen” Beziehungen zwischen den beiden Staaten untergraben. Die Art und Weise, wie diese Erklärung abgegeben wurde, deutet nicht auf eine schnelle und gütliche Beilegung der Konflikte zwischen den Parteien hin.

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Im September genehmigte die Staatsduma der Russischen Föderation die Änderungen zum “Gesetz über die Abwehr”. Nun kann Russland seine Truppen für einen Kampf ins Ausland schicken.

Laut Gesetz – sowohl für die Abwehr und Verhinderung von Aggressionen gegen einen anderen Staat oder für den Schutz der Bürger der Russischen Föderation auf dem Territorium eines fremden Staates.

Die ukrainischen Beobachter haben einen wichtigen Faktor übersehen. Vom 1. September an gilt der Erlass des russischen Präsidenten über die Unterordnung der Schwarzmeerflotte unter den Befehlshaber des Nordkaukasischen Militärbezirks (SCWO).

Somit werden die Schwarzmeerkräfte Russlands mit der 58. kombinierter Armee zusammen wirken, der kampffähigsten der allgemeinen Armeeeinheiten Russlands, die durch den zweiten Krieg in Tschetschenien und die Ertüchtigung in Südossetien gegangen ist.

Offensichtlich ist die Zentralisierung der 58. Armee und der Schwarzmeer-Flotte im Rahmen des Nordkaukasischen Militärbezirks für eine Verbesserung der Koordination notwendig. Was ist das, wenn nicht eine Vorbereitung für eine gemeinsame Operation?

Nun verläuft das geografische Gebiet des Verantwortungsbereiches des Nordkaukasischen Militärbezirks von Sewastopol, Jalta, Simferopol und Feodossija, wo sich die wichtigsten Objekte der Flotte auf der Krim befinden, überquert die Straße von Kertsch, durchläuft Noworossijsk, Gelendshik, Gudauta und weiter auf russischem Gebiet.

Am 29 September gab die ukrainische Gemeinde von Sewastopol eine Erklärung heraus, deren Informationen aus anderen Quellen bestätigt wurde.

“Wie aus den Quellen der Schwarzmeer-Flotte bekannt wurde, hat das Hauptquartier der Schwarzmeer-Flotte der Russischen Föderation die geplante Erforschung des Territoriums des Halbinsel abgeschlossen, damit die Planung und Vorbereitung ihrer Eroberung mit den Luftlandetruppen und Marinesoldaten der Schwarzmeer-Flotte unter Unterstützung der Kräfte der Lufttruppen aus Noworossijsk, die bereits über die Erfahrungen des letzten Krieges in der Kaukausregion verfügen, ermöglichend.”

“Entsprechende Fachkräfte aus dem Hauptquartier der Schwarzmeer-Flotte der Russischen Föderation haben bereits die Wege Sewastopol – Jalta – Feodossija, Sewastopol – Simferopol – Feodossija – Kertsch identifiziert und in operative Karten eingetragen. Außerdem wurden alle am Straßenrand stehende Gebäude und Bauten mit Kellern aus Beton berücksichtigt, die nach Meinung russischer Militärexperten von der ukrainischen Seite als Stützpunkte verwendet werden können.”

Zusätzlich ging die Information darüber ein, dass Truppen der 58. Armee Russlands in die unmittelbare Nähe der ukrainischen Grenze – nach Rostow am Don und Taganrog – verlegt wurden.

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Experten schließen nicht aus, dass ihre mögliche Verwicklung in den ukrainisch-russischen Konflikt die Verlagerung der Kämpfe über die Halbinsel Krim hinaus und eine mögliche Besetzung der Ost-Ukraine bedeuten kann.

Die militärische Führung der Ukraine ist sich, im Gegensatz zu Politikern, die nur an die bevorstehende Wahl und damit auch an den Wahlkampf denken, durchaus der Realität und die Nähe der russischen Bedrohung bewusst.

Ende September haben in der gesamten Ukraine groß angelegte Übungen stattgefunden. Auf der Krim wurden die Übungen mit dem Ziel durchgeführt, den russischen Eroberer aus der Halbinsel zu vertreiben, der die territoriale Einheit der Ukraine bedroht. An diesen Übungen haben mehr als 480 Soldaten und fast 80 Militärtechnik-Einheiten teilgenommen.

Erwähnenswert ist, dass die angenommene Stärke Russlands viel höher ist. Zu der Schwarzmeer-Flotte der Russischen Föderation gehören neben den 55 Kriegsschiffen, U-Booten und Booten auch das Sonderregiment der Marinesoldaten Nummer 810 sowie die Sonderbataillone der Marine, die Küsten-Einheiten.

Insgesamt – bis zu 25.000 Personen, 132 gepanzerte Kampffahrzeuge und 24 Artillerieeinheiten mit Kalibern von 100 Millimetern und mehr. Außerdem gibt es 20 Flugzeuge Su-24M und Su-24MR, AN-26 sowie 10 Hubschrauber Ka-27.

Die 58. kombinierte Armee hat einen Personalbestand von 70 Tausend.

Im Arsenal der Armee befinden sich 609 Panzer, fast 2 tausend BMP Infanteriepanzer und Schützenpanzerwagen (SPW), 125 Granatwerfer und Geschütze, 190 Vorrichtungen “Grad” und 450 Flak-Systeme

Allein diese Armee ist besser bewaffnet als das gesamte ukrainische Heer, das sich in unmittelbarer Nähe zu Russland und auf der Krim befindet.

Die Unterfinanzierung der ukrainischen Armee hat diese faktisch in die Knie gezwungen.
Ukrainische Soldaten haben einfach nicht genug Geld für Kleidung, Lebensmittel und Seife. Aber dem Militär ist es untersagt, sich über die Situation zu beklagen.

Wenn 1991 die Ukraine ausreichend Kapazitäten hatte, um über mehr als drei Jahre einen Krieg mit 5-Millionen-Mann zu führen, würde die Ukraine heute, nach Einschätzungen von Experten, sogar einen einwöchigen Krieg nicht überleben.

Die Situation in der Ukraine verschlimmert sich durch das politische Durcheinander, durch die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen und sowie durch die praktische Anarchie. Es ist unwahrscheinlich, dass der Kreml sich einen besseren Zeitpunkt für eine militärische Lösung der Krim-Frage erträumen konnte.

Natürlich beginnt die “gewaltsame Variante” nicht von Null an.

Dieser werden eine Reihe von Provokationen vorausgehen – vielleicht, Proteste und Unruhen prorussischer Organisationen (bei aktiver Unterstützung der Bürger der Russischen Föderation aus den Reihen verschiedener Kosaken-Organisationen und Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft) in den Unruheregionen der Ukraine, bis hin zu Blutvergießen unter der Zivilbevölkerung.

Kann die Ukraine noch etwas ändern, trotz des beklagenswerten Stands der Dinge? Ja, sie kann!

Die ukrainische Gesellschaft, die nicht an die Realität des Krieges glaubt, muss diese so schnell wie möglich anerkennen, bevor die Kanonen vom Krieg künden.

Die Ukraine sollte einen Informationspräventivschlag führen, dabei die Weltgemeinschaft vor dieser Bedrohung warnend. Die einzige Möglichkeit, den Status quo beizubehalten, ist solche Bedingungen zu schaffen, zu denen die Aggression für Russland unrentabel wird.

Dann wird jeder Angriff gegen die Ukraine für den Kreml zu einem Pyrrhussieg.

Die Bedrohung ist real. Und die, die daran zweifeln, seien an das berühmte Gespräch Winston Churchills mit dem Schriftsteller André Maurois erinnert, das noch vor dem Beginn der aktiven Kämpfe an der Westfront des Zweiten Weltkriegs geführt wurde.

Churchill fragte André Maurois, worüber er schrieb. “Wissen Sie, ich schreibe über das Leben, über den Tod, über Liebe, Erhabenheit, die Ewigkeit” – antwortete Maurois. Churchill sagte: “Ich würde es an Ihrer Stelle nicht so machen. Ich würde nur noch eins schreiben: Frankreich hat keine Flugzeuge”.

“Mein Gott, was für ein beschränkter Mensch”, dachte Andre Maurois nach dem Treffen mit Churchill. Aber nach 70 Tagen waren die Deutschen schon in Paris.

Oleksiy Tolkatschow

Quelle: Ukrajinska Prawda

Übersetzerin:   Ilona Stoyenko — Wörter: 1389

Ilona Stoyenko stammt aus Krementschuk (Ukraine) und hat an der Ludwig-Maximilians Universität München das Fach Wirtschaftswissenschaften mit einem Bachelor abgeschlossen. Dem folgte ein Master-Abschluss an der Fernuniversität Hagen. Sie arbeitet freiberuflich als Übersetzerin und von Zeit zu Zeit trägt sie zu den Ukraine-Nachrichten bei.

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„Hallo Bernd Es hängt etwas davon ab, wohin Du in Ukraine fahren möchtest. So wie es scheint möchtest Du (wie ich normalerweise) in Richtung Kiew fahren. Ich benütze deshalb seit Jahren den Übergang...“

„Ergänzend, möchte nach Luzk fahren, ist ja sicherlich nicht uninteressant für einen Ratschlag.“

„Möchte morgen über Nacht in die Ukraine fahren und plane die Ankunft an der Grenze sehr früh am Morgen. Fahre entweder über Polen oder ggf. über Tschechien, je nachdem was google maps empfiehlt. Normalerweise...“