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PromInvestBank wird von der ukrainischen Zentralbank mit fünf Milliarden Hrywnja gestützt

Die Zentralbank informierte über die Zuteilung einer Rekordsumme – fünf Mrd. Hrywnja (ca. 714 Mio. €) zur Unterstützung der PromInvestBank (PIB), wo Anleger ihre Einlagen seit Ende letzter Woche massenhaft abziehen. Bei der Bank teilte man dem “Kommersant-Ukraine“ mit, dass die konfliktbehaftete Kapitalerhöhung bereits abgesagt wurde und man beabsichtigt das Geld nicht nur für die Rückgabe der Einlagen, sondern auch für die Fortsetzung der Kreditvergabe zu verwenden. Banker sind sich sicher, dass die Zentralbank (NBU) es der PIB nicht gestatten wird ihre Aktiva auf Staatskosten zu erweitern, was die PIB dem Verkauf näher bringt.

Gestern gab die Zentralbank der Ukraine ihre erste offizielle Erklärung bezüglich der Situation um die PromInvestBank ab. “Die Raiderattacke auf die Bank rief eine panische Stimmung bei den Anlegern hervor und ein vorzeitiges Abziehen der Einlagen der Bevölkerung, was zur Ursache für Zahlungsschwierigkeiten wurde.”, heißt es in der Presseerklärung der NBU. “In Verbindung damit hat die Leitung der NBU, aufmerksam die Situation studierend, den Beschluss gefasst die Liquidität der Bank mit fünf Mrd. Hrywnja (ca. 714 Mio. €) sicherzustellen.” Dabei rief die NBU “die Anleger bei der Bank [dazu auf] sich nicht künstlichen, spekulativen Provokationen hinzugeben und von einem vorzeitigen Abzug der Einlagen Abstand zu nehmen”. “Alle gut funktionierenden Banken können ebenfalls auf die Unterstützung der Zentralbank zählen.”, versprach man bei der NBU. Die Summe von fünf Mrd. Hrywnja stellt fast 50% der Einlagen von physischen Personen dar.

Der ausführende Direktor der NBU bei der Bankaufsicht, Alexander Kirejew, erzählte dem “Kommersant-Ukraine“, dass am 29. September der Bank bereits 1 Mrd. Hrywnja überwiesen wurden und das restliche Geld wird in mehreren Tranchen überwiesen. Er betonte, dass am Morgen des 30. September sich bei der NBU die Leiter der größten Banken versammelten und auf die Frage des Zentralbankpräsidenten Wladimir Stelmach, wer von ihnen die Verbindungen zur PIB abgebrochen hat und die Limits der Bank schloss, antwortete niemand bestätigend. Übrigens, die Schließung der Limits für die PIB bestätigten dem “Kommersant-Ukraine“ Leiter von zwei Banken aus den TOP-10.

Wie der “Kommersant-Ukraine“ mitteilte, erklärte man am Montag bei der PIB, dass vom 26. September an die Anleger bei der Bank mehr als 300 Mio. Hrywnja abgezogen haben, darunter in Donezk 30 Mio. Hrywnja. Die Aufregung von Seiten der PIB Kunden erklärte man damals mit Gerüchten über einen möglichen Bankrott der Bank. “Wir verkünden, dass die finanzielle Situation der PromInvestBank stabil ist.”, erklärte man bei der PIB am 27. September.

Grund für diesen Konflikt um die PIB wurde, der Meinung von Kirejew nach, die harten gegenseitigen Beziehungen der Leitung der Bank zu den Minderheitsaktionären. “Der Hauptaktionär – der Vorstandsvorsitzende (Wladimir Matwijenko) – besitzt 0,1% der Aktien der Bank.”, erklärte er dem “Kommersant-Ukraine“. “Die Mitarbeiter der Bank sind ebenfalls Aktienbesitzer. Sie unterschrieben in ihrem Arbeitsvertrag, dass sie bei Entlassung verpflichtet sind die Aktien zum Nominalwert zu verkaufen. Und das ist das Hauptproblem.”

Den Angaben der Zentralbank nach, nahm die PromInvestBank unter den 178 Banken zum 1. Juli 2008 den 6. Platz bei den Aktiva (27,539 Mrd. Hrywnja, ca. 3,9 Mrd. €) bei einem Stammkapital von 200,175 Mio. Hrywnja (ca. 28,6 Mio. €), Eigenmitteln 2,8 Mrd. Hrywnja (ca. 400 Mio. €), Zahlungsverpflichtungen von 21,876 Mrd. Hrywnja (ca. 3,13 Mrd. €) ein. Dabei betrugen die Einlagen von physischen Personen 11,989 Mrd. Hrywnja (4. Platz, ca. 1,71 Mrd. €) und von juristischen Personen 10,564 Mrd. Hrywnja (3. Platz, ca. 1,51 Mrd. €).

Einige Male in den letzten Monaten führte die PIB eine Aktionärsversammlung durch, auf der sie versuchte eine Zusatzemission von Aktien in Höhe von 430 Mio. Hrywnja (ca. 61,43 Mio. €) durchzuführen. Auf der Versammlung waren nicht alle Aktionäre anwesend, die danach die Kapitalerhöhung vor Gericht anfochten. “Sicherheitsleute, mich erblickend, sagten, dass man dort nicht auf mich wartet und drängten mich höflich vom Eingang des Saales weg, wo die Versammlung stattfand.”, erklärte dem “Kommersant-Ukraine“ ein Aktionär, der ehemalige Mitarbeiter der PIB Nikolaj Bibik. “Nachdem ich versuchte den realen Wert der Aktien herauszufinden, stellte die Leitung der Bank Strafanzeige gegen mich und per Vorladung zum Ermittler versuchte man mich bereits zur vorigen Aktionärsversammlung nicht vorzulassen.” Für die Probleme der PIB interessierten sich Parlamentsabgeordnete und der Erste Vizepremier Alexander Turtschinow, die Anfragen an die Generalstaatsanwaltschaft mit der Bitte um Klärung schickten. Ein Informant bei der Staatsanwaltschaft bestätigte die Existenz von Anfragen: “Wir klären das, doch die Situation werden wir nicht kommentieren.”

Die Zusatzemission sollte den Anteil der Minderheitsaktionäre verwässern und das Paket der Bankleitung erhöhen. “Die Staatliche Komission für Wertpapiere und Wertpapiermärkte registrierte die zusätzliche Aktienausgabe der PIB.”, heißt es im Brief der Bank an den stellvertretenden Leiter der NBU Wladimir Krotjuk vom 12. September (eine Kopie liegt dem “Kommersant-Ukraine“ vor). “Ich bitte um Erlaubnis für die Erweiterung des existierenden Anteils von Matwijenko W. P. an der Prominvestbank.”

Bei der PIB erklärte man dem “Kommersant-Ukraine“, dass gestern der Aufsichtsrat des Institutes sich dazu entschieden hat die Zusatzemission abzusagen und der von der NBU erhaltene Stabilisierungskredit wird nicht nur für die Tilgung der Forderung der Anleger verwendet. “Das ist eine Kreditlinie, die von der Zentralbank gewährt wurde.”, sagte die Pressesprecherin der PIB Swetlana Kuschnir. “Doch das bedeutet nicht, dass wir die ganze Summe nutzen werden. Wenn wir es nutzen, dann nicht unbedingt für den Ersatz der Einlagen. Wir nutzen es für die Befriedigung der Kreditbedürfnisse unserer Kunden.”

Den Angaben eines Informanten des “Kommersant-Ukraine“, der mit den Bedingungen der Refinanzierung der PIB vertraut ist, ist dieser Kredit unter Vergabe von Bankbesitz als Sicherheit zustande gekommen. Ein Teil der Filialen der PIB wurde vorher an die Tochterbank “Nationalnyj Kredit” übergeben. Zum 1. Juli betrug der direkte Anteil der PIB 34,7481%, der indirekte 10,9996%. Einen solchen Anteil besitzt der Sohn Wladimir Matwijenkos.

Banker sind sich sicher, dass die PIB den Kredit der NBU nicht anderweitig verwenden kann. “Dies zerstört das Vertrauen zwischen der Zentralbank und der PIB.”, denkt der Vorstandsvorsitzende der Oschtschadbank, Anatloj Guljej. “Die NBU erlaubt der Bank nicht auf ihre (der Zentralbank) Kosten Kredite auszugeben.” Er geht davon aus, dass der von der NBU erhalten Kredit es der PIB erlaubt eine normale Liquidität über sieben bis acht Monate aufrecht zu erhalten. “Gestern wurden im Laufe einer halben Stunde aus der PIB von den Anlegern 300 Mio. Hrywnja (aus dem von der NBU erhaltenen Kredit) abgezogen.”, erzählte dem “Kommersant-Ukraine“ der Leiter einer der Banken. Ein anderer Informant betonte gegenüber dem “Kommersant-Ukraine“, dass er, sogar nach diesem Schritt der NBU, nicht entschieden hat die Limits für die PIB zu öffnen.

Banker gehen davon aus, dass der Konflikt der Leitung der PIB mit den Minderheitsaktionären nicht zufällig ist. “Das begann bereits vor einem Jahr und es gibt einige Käufergruppen.”, betonte Anatolij Guljej. “Ich denke, dass die Käufer ihre Sache erreichen und die Bank kaufen werden.”, sagte der Vorstandsvorsitzende der Industrialbank, Leonid Grebinskij. “Wenn von der Bank ein Erklärung abgeht, dass sie nicht verkauft wird, dann bedeutet das, dass bereits Verhandlungen geführt werden.(am 27. September verbreitete die PIB eine Erklärung davon, dass ‘die Bank nicht verkauft wird’)” Dabei sind sich Banker sicher, dass unter Einbeziehung des Verzichts auf die Zusatzemission und dem Erhalt des Kredits von der NBU die Käufer den Aktionären der PIB einen sehr niedrigen Preis vorschlagen werden. “Die Bank hat ein sehr gutes Netz, Spezialisten, Klienten, doch in der aktuellen Situation wird sie weniger als das Kapital kosten.”, denkt Anatolij Guljej.

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 1236

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