FacebookTwitterVKontakteTelegramWhatsAppViber

Süßer Boykott: Ist der Kauf belarussischer Produkte ein Zeichen der Solidarität mit den Demonstranten oder eine Unterstützung des Regimes?

0 Kommentare
Süßer Boykott - Belarus / Weißrussland

Am 10. August musste ich von Schytomyr nach Hause zurückkehren. Daher wollte ich heimische belarussische Süßigkeiten kaufen. Jedoch begannen am Tag zuvor in Minsk und in anderen Städten des Nachbarlandes Massenproteste wegen der Fälschung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen. Und dann dachte ich mir: In einer solchen Zeit belarussische Waren zu kaufen – drückt man damit Solidarität mit den Demonstranten aus oder unterstützt man das Regime?

Bonbons sind Bonbons. Nichts Ungewöhnliches. Einige sind köstlich, einige – gelinde gesagt – nicht besonders. Doch der Babrujsker Zefir [im Raum der ehemaligen Sowjetunion beliebte Süßspeise, „Fruchtschaumküsse“ A. d. Ü.] gefiel mir. Als ich also etwas freie Zeit am Abend nach den Aktivitäten der Residenz hatte, machte ich mir Tee, nahm einen Zefir und las die Nachrichten über den Verlauf der belarussischen Kampagne. Und als ich die Ereignisse im Nachbarland in der Nacht vor der Wahl beobachtete, stellte ich mir die Frage: Ist der Kauf belarussischer Produkte jetzt ein Zeichen der Solidarität mit den Demonstranten oder eine Unterstützung des Regimes?

Die Antwort ist nicht so simpel, wie sie erscheint. In einer symbolischen Dimension kann man es auf beide Arten darlegen, abhängig davon, wie Sie es interpretieren. Eine wichtige Nuance der belarussischen Wirtschaft ist jene, dass ein beträchtlicher Teil der Unternehmen im Land dem Staat gehören. Doch sogar den Kauf von Produkten staatlicher Unternehmen kann man als einen Akt der Solidarität mit den Arbeitern des Werks oder der Fabrik darstellen, wenn sie ihre Unterstützung der Demonstranten und/oder des Streiks erklärt haben. Doch die finanzielle Komponente in diesem Fall bezeugt etwas Anderes. Und wenn man noch zu Beginn der Kundgebungen sagen konnte, dass dies es ermöglichen würde, die Demonstranten zu unterstützen, wie nach der Logik: Wenn sie Arbeit haben, haben sie ein Einkommen, was die Möglichkeit bedeutet, von etwas zu leben. Dann nach der Ankündigung des Streiks nicht mehr. Wenn die Arbeiter selbst streiken, bedeutet das, sie definieren ein ökonomisches Motiv als Möglichkeit, um auf das Regime Druck auszuüben. Daher sind Einnahmen im Budget eher eine Unterstützung des Regimes.

Und die Unterstützung des Regimes erfolgt unmittelbar. Ein erheblicher Teil des erhaltenen Geldes wird doch an die Silowiki [Sicherheitskräfte] als Grundlage für die Macht Lukaschenkos gehen. Für neue Schlagstöcke, Granaten, automatische Waffen, Wasserwerfer usw., weil in Krisenmomenten Diktatoren nicht nach einer Methode suchen, wie man die Zuneigung des Volks für sich selbst gewinnt, da sie es als Schwäche betrachten. Ein paar Belohnungen können sie springen lassen für die Unternehmen, die keinen Streik erklärt haben, wo es gelang, den Widerstand der Streikenden zu brechen, oder für denjenigen, der die meisten Arbeiter zum örtlichen Anti-Majdan schickte. Doch grundlegende Geldmittel werden für die Verteidigung des Regimes und zur Aufrechterhaltung der Loyalität der Sicherheitskräfte verwendet – für höhere Gehälter, hochwertigere Munition, ein aufgeblähtes Personal von Spezialeinheiten, welche sich gegenüber den Demonstranten am grausamsten verhalten, für Prämien und Boni für denjenigen, der am grauenvollsten gefoltert und die Augen vor der unmenschlichen Behandlung von Häftlingen verschlossen hat.

Doch wenn die belarussische Wirtschaft verrottet, werden die Belarussen noch mehr in der Klemme stecken – das bemerkt der wachsame Leser. Dieses Argument hätte wiederum vor den Streiks funktionieren können. Wenn die Arbeiter der für die belarussische Wirtschaft wichtigsten Unternehmen so handeln, sind sich alle der Gefahr bewusst. Das bedeutet, für sie ist es wichtiger, den langjährigen Diktator loszuwerden, der das Land in den Abgrund führt und das Volk wird nicht einfach in Angst hält, sondern tötet, als ein Gehalt zu erhalten.

Aber was ist mit privaten Unternehmen und denjenigen, die keine Steuern zahlen? Private Unternehmer erklärten ebenso den Boykott und zahlen Steuern ins Budget. Doch jene, die das nicht tun, brechen das Gesetz. Daher lohnt es sich hier, eine eigene Entscheidung zu treffen, ob es für Sie akzeptabel ist, auf diese Weise zu unterstützen. Dasselbe gilt für den Kauf von belarussischen Büchern und anderen kulturellen Produkten, insbesondere in jenen Geschäften, welche die Demonstranten definitiv unterstützen.

Schließlich, wenn es sehr schwierig ist, die belarussische Freiheitsbewegung zu unterstützen, kann man das besser tun, indem man Geld in den Fonds der Opfer der Polizeiwillkür überweist. Das ist definitiv effektiver und nimmt das beißende Gefühl, falls Sie sich Sorgen darüber machen, dass ihr Geld nicht dafür verwendet werden kann.

Doch zuallererst lohnt es sich, daran zu erinnern, dass Ihre Ablehnung belarussischer Waren in erster Linie eine Geste ist. Dass Ihr Beitrag zum Kampf gegen das Regime ein symbolischer, aber ein wichtiger ist. Daher kann man für kurze Zeit dasjenige verweigern, was nicht lebenswichtig ist.

Am 10. August ging ich somit keine belarussischen Süßigkeiten kaufen. Stattdessen schaffte ich es, kurz zu einer Kundgebung in der Nähe der belarussischen Botschaft in Kyjiw zu laufen und am Abend mit einem Bla-Bla-Car [Mitfahrgelegenheit] nach Hause zu kommen.

Aber einen belarussischen Zefir werde ich sicherlich kaufen, wenn sich im Land eine demokratische Macht aufbaut. Dann – vielleicht – wird es möglich sein, das unmittelbar in einer Stadt oder in einem Dorf des Nachbarlandes zu tun. Endlich frei von der langjährigen Diktatur. Dann werden diese Süßigkeiten den langersehnten Beigeschmack der Freiheit haben.

15. September 2020 // Nasarij Sanos

Unseren Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Quelle: Zaxid.net

Übersetzerin:   Agnes Poitschek — Wörter: 832

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Facebook, Google News, Telegram, Twitter, VK, RSS und per Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.0/7 (bei 2 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Ist die Vereinbarung zwischen den USA und Deutschland zu Nord Stream 2 wirklich gut für die Ukraine, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am 22. Juli meinte?
Ja!
47% / 35 Teilnehmer
Nein!
43% / 32 Teilnehmer
Weiß nicht ...
9% / 7 Teilnehmer
Stimmen insgesamt: 74
Abstimmen
Frühere Umfragen
Kiewer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)8 °C  Ushhorod11 °C  
Lwiw (Lemberg)10 °C  Iwano-Frankiwsk10 °C  
Rachiw8 °C  Jassinja5 °C  
Ternopil9 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)12 °C  
Luzk7 °C  Riwne7 °C  
Chmelnyzkyj11 °C  Winnyzja8 °C  
Schytomyr6 °C  Tschernihiw (Tschernigow)7 °C  
Tscherkassy9 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)9 °C  
Poltawa7 °C  Sumy7 °C  
Odessa14 °C  Mykolajiw (Nikolajew)11 °C  
Cherson12 °C  Charkiw (Charkow)9 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)10 °C  Saporischschja (Saporoschje)12 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)10 °C  Donezk11 °C  
Luhansk (Lugansk)13 °C  Simferopol12 °C  
Sewastopol14 °C  Jalta14 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Ja so war es auch... Leider... Ich hatte ja nur 3 Wochen Zeit, da konnte ich nicht durch ganz UA gurken.)) Du kennst meine Frau schlecht. Ich habe warscheinlich die sturste ukrainische Frau geheiratet,...“

„Hatte ich schon mal gesehen und mich gefragt was das soll ...“

„Ach so, ihr seit wohl hinter Uman sozusagen "querfeldein" direkt nach Mykolajiw gefahren (?) So direkt bin ich da wohl noch nicht lang. Letztes Jahr war ich auch Uman-Odessa unterwegs und da ich noch viel...“

„Ja Frank, mit Navi...))) Zurück, nach Hamburg bin ich von Odessa zuerst auf der E95, dann auf der E40 Richtung Lemberg gefahren. Wir haben noch einmal in der UA übernachtet... Alles Top Straßen! Der...“

„Ja, wir sind mit dem Navi gefahren, da mein Handy ein Roaminglimit hat und das Handy meiner Frau noch keine UA-Sim hatte. Irgendwann kamen wir ja dann auch auf eine Strecke, die Abschnittsweise ausgebaut...“

„Nach dem Grenzübergang Smilnyzja/Krościenko Richtung Lemberg, sind die Straßen sehr schlecht, aber befahrbar. Die ist im Unterschied zu "früher" recht gut. Ich denke ihr seit die falsche Straße gefahren...“

„Das mit Googlemap sagen wir ja auch immer. Smilnyzja/Krościenko bin ich ja letztens auch rüber in 15 Minuten (incl. Rückfahrt vom UA-Schlagbaum da ich die UA-Grenzer ignoriert hatte) Die Strecke von...“

„Nur gut, daß ich meiner Frau abgeraden habe, Tomaten, Paprika und Kartoffeln einzukaufen, auch wenn wir versichert hätten, das dies nur zum Eigenbedarf gekauft wurde. Ich kann froh sein, daß wir die...“

„Servus Leute, nach 3 Wochen Ukraine-Urlaub mit dem Auto bin ich wieder am Schaffen... Warum bin ich kein Rentner? Also los, doch vorher noch einen gutgemeinten Rat! Kauft euch ein anständiges Navi! Oder...“

„Also mit Dorohusk hast dich bestimmt vertan. Meinst Medyka? Da bin ich noch nie drüber, nach der Grenz-HP stehen da in der Regel die meisten Fahrzeuge. Ja vor 5 Jahren war die Strecke direkt nach Uman...“

„Gibt es hier einen Übersetzungsfehler? 280 Millionen griwna für 100 mitarbeiter, das sind 2,8 Millionen Griwna gehalt. Also 89000 Euro. Ist das pro jahr? oder 10 Jahre?“

„! Und ich shee das genau jetzt in China ein Sack reis umfällt.“

„Also da hilft nur eines, parkhäuser bauen. Wenn man sich anschaut, wie viel Wohnungen gebaut werden ohne Parkplätze, man muss sich nicht wundern. Für mich war das abzusehen. Am besten man entscheidte...“

„Hallo Robin 427 Ich fahre seit über 4 Jahren die Strecke von Acheresleben nach Izmail über Odessa mindestens einmal im Jahr.Also die polnische A 4 bis Przemisl,dann nach Dorohusk/Shegeni,weiter über...“

„Googel fahre ich auch regelmäßig nach Odessa, auf der Strecke ein paar Baustellen und Straße schlecht! Aber die kürzeste und schnellst strecke dank Googel. Viel spaß bin gerade wieder zu Hause angekommen“

„Danke für die Erklärung mit der grünen Karte, das habe ich vollkommen falsch interpretiert.. da frage ich nochmal nach. mein Schwager wird auch nochmal bei einer seriöseren Agentur nachfragen.. die...“

„Naja Planen muss man gar nicht grpßartig, einfach los bringt meist mehr. Ein Bekannter von Bekannten war jetzt auch dort mit seiner ukr. Freundin und fährt jetzt langsam wieder zurück nach Sachsen....“

„Vor "Pandemie" schaffen Briefe von Hamburg nach Slowjansk in 9-16 Tagen. In "Pandemie" über Kiew dauert Briefzustellung 2-3 Wochen. Flug Frankfurt-Kiew war jeden Montag. Nach Juli 2021 Briefe fliegen...“

„Das kommt ja sicherlich über Luftpost. Und da kann man nur raten dass vll. die Flughafengebühren in Lviv günstiger sind.“

„Hallo allerseits! Ich sende wöchentlich Briefe (mit Sendungsverfolgung) aus Deutschland nach Slowjansk: "Ukraine Украiна, Донецька обл. 84122 Слов’янськ ..." Seit diese Sommer...“

„Du musst aufmerksam lesen was ich schreibe, die Versicherung schränkt die Fahrten ein, die grüne Karte ist nur die Internationale Karte zum Nachweis des Versicherungsschutzes. Was bedeutet das jetzt?...“

„Naja Planen muss man gar nicht grpßartig, einfach los bringt meist mehr. Ein Bekannter von Bekannten war jetzt auch dort mit seiner ukr. Freundin und fährt jetzt langsam wieder zurück nach Sachsen....“

„meine Erfahren früher waren auch das google meist die besseren Routen vorgeschlagen hat.. wir haben uns eben entschieden dieses mal zu fliegen und die Tour mit bisschen mehr Zeit zu Planen“

„Kurzzeitkennzeichen funktioniert nicht. Du benötigst ein Zollkennzeichen, dafür sind die auch da. Kurzzeitkennzeichen sind für solche Strecken nicht vorgesehen, hier kommt Dir der Versicherungsschutz...“

„Sowas hatte ich anfangs auch vor aber das hat sich einfach nicht gelohnt. Alte Kisten wollen sie in der Ukraine auch nicht haben, also Schadstoffklasse sollte stimmen. Und Zoll war damals auch sehr teuer....“

„Sowas hatte ich anfangs auch vor aber das hat sich einfach nicht gelohnt. Alte Kisten wollen sie in der Ukraine auch nicht haben, also Schadstoffklasse sollte stimmen. Und Zoll war damals auch sehr teuer....“