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Wolodymyr Schejko: „Das Ukrainische Institut wird die Interessen und Werte der modernen ukrainischen politischen Nation vertreten“

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Das Ukrainische Institut ist eine der in den letzten Jahren geschaffenen staatlichen Kulturinstitutionen, deren Hauptaufgabe die Repräsentation der ukrainischen Kultur in der Welt ist. Vor einigen Wochen hat das Außenministerium offiziell den Kulturmanager Wolodymyr Schejko zum Gewinner des Wettbewerbs um die Stelle des Generaldirektors des Instituts erklärt. Zuvor hat Schejko zehn Jahre lang in verschiedenen Positionen beim British Council in der Ukraine gearbeitet. Am Vorabend der Ernennung des neuen Direktors hat LB.ua ihn nach der Entwicklungsstrategie des Instituts, den Plänen für das erste Arbeitsjahr und den wichtigsten Herausforderungen, die das Institut erwartet, befragt.

Wolodymyr SchejkoWolodymyr Schejko - Facebook/Dowschenko-Zentrum

Wolodymyr, was sind die wichtigsten Aufgaben und Ausrichtungen der Arbeit des Ukrainischen Instituts?

Das Ukrainische Institut ist eine neu geschaffene (aber lange ersehnte) Institution im Bereich des Außenministeriums, die konzipiert ist, umfassend die Ukraine in der Welt durch Kultur, insbesondere Kunst, Bildung, Wissenschaft und Sprache zu vertreten und außerdem das internationale Image der Ukraine zu verbessern. Kultur ist genau das Instrument der öffentlichen Diplomatie, das eine Alternative zu den negativen Narrativen bietet, die heutzutage über die Ukraine aus gegebenen Gründen existieren.

Das heißt, das Ukrainische Institut kann mit dem British Council, dem Institut Français, dem Instytut Polski usw. verglichen werden?

Richtig, das Ukrainische Institut passt vom Standard her in diese Reihe. Die Ukraine institutionalisiert ihre Kulturdiplomatie jedoch 111 Jahre nach Frankreich, 84 nach Großbritannien, 67 nach Deutschland und 18 nach Polen, allerdings unter völlig anderen Umständen.

Der Prozess der Schaffung der Institution und ihres Modells dauerte mehrere Jahre. Natürlich waren seine Schöpfer von internationalen Erfahrungen geleitet, aber das Institut wird keine Kopie davon, sondern eine völlig neue Organisation, die an den ukrainischen Kontext angepasst ist. Mit eigenen Aufgaben, die ihren ausländischen Gegenstücken nicht eigen sind.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel ist es notwendig, das Verständnis für die ukrainische Kultur zu erweitern. Ihr Umfang sollte deutlich erweitert werden, sowohl um die zeitgenössischen Kunstpraktiken als auch durch die Modernisierung des eigenen Erbes und durch die Aneignung von Personen und Phänomenen, die heute nicht als ein Teil von ihr wahrgenommen werden.

Es ist bekannt, dass das Institut dem Außenministerium angegliedert ist, es wird aber eine gewisse Autonomie haben wird. Wie sieht das genau aus?

Das Institut gehört zum Bereich des Außenministeriums. Politisch und administrativ sind wir an das Ministerium angegliedert, es behält sich das Recht vor, mit uns geografische Prioritäten unserer Aktivität und die Länder zu vereinbaren, in denen die ersten Niederlassungen eröffnet werden. Wir stimmen auch mit dem Außenministerium den Plan der Tätigkeiten und den Rahmen der Ausgaben ab. Aber, und das ist sehr wichtig, wir haben eine öffentlich erklärte Autonomie bei der Gestaltung unserer Programme.

Wo werden die ersten Niederlassungen des Ukrainischen Instituts eröffnet?

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Diese Liste ist bereits vereinbart, sie ist durch drei Faktoren beeinflusst: außenpolitische Prioritäten, das Bestehen von Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit mit anderen Ländern und Räumlichkeiten, die Niederlassungen aufnehmen können.

Wahrscheinlich werden die ersten Destinationen Paris, Warschau und Berlin sein. Hier gibt es ein gewisses Eintreten für die Ukraine, eine Chance für institutionelle Zusammenarbeit und aktive ukrainische Gemeinschaften. Ich werde die Eröffnung von zwei Niederlassungen im Plan für 2019 vorsehen. Aber vieles wird davon abhängen, an welchem gesetzlichen Modell wir arbeiten. Die Niederlassungen werden keinen diplomatischen Status haben, sondern müssen die maximale Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung ihres Haushaltes haben.

ukrainisches Kulturzentrum in Parisukrainisches Kulturzentrum in Paris

Mittelfristig können Österreich, Belgien, Italien, die Vereinigten Staaten, die Türkei und die Tschechische Republik in diese Liste aufgenommen werden. Aber um fundierte Entscheidungen treffen zu können, müssen wir den lokalen Kontext dieser Länder genauer untersuchen.

Das Institut wird sich auch mit dem Kulturbereich im Inland beschäftigen. Was genau wird im Land passieren?

In den ersten Jahren wird die Förderung des Instituts sowohl in der Regierung als auch in der Zivilgesellschaft und ihre Entwicklung als Institution stattfinden. Wir müssen möglichst viele Gleichgesinnte gewinnen und eine gemeinsame Vereinbarung über die Stellung und die Rolle jeder neuen nationalen kulturellen Einrichtung schaffen, aus denen das Ukrainische Institut ein einziges Ökosystem formt.

Natürlich sollte das Institut nicht nur auf der auswärtigen Arena arbeiten, weil das Publikum im Inland und die Stakeholder nicht weniger wichtig sind. Ein Teil der Aktivitäten sollte in der Ukraine stattfinden: das können Künstler-Residenzen, Forschungsprogramme, lokale Elemente internationaler Projekte usw. sein. Schließlich exportieren wir nicht nur ukrainische Kultur, sondern bauen auch bilaterale Beziehungen zwischen Menschen und Institutionen auf.

Kehren wir zurück zum Wettbewerb um die Stelle des Generaldirektors des Ukrainischen Instituts. Wurden die Kandidaten gebeten, ihre Vision von der Entwicklung der Organisation vorzustellen? Worauf haben Sie Ihr Bewerbungsprogramm aufgebaut?

Richtig, das Konzept der Entwicklung des Instituts war das Hauptdokument, das ich beim Wettbewerb eingereicht habe. Darin sind die Prioritäten für die Entwicklung für ein Jahr und für drei Jahre aufgeschrieben (für diesen Zeitraum wird der Vertrag mit dem Direktor unterzeichnet).

Die Grundlage meines Standpunktes war, dass das Ukrainische Institut eine moderne Institution sein sollte, durch die die Ukraine mit der Welt in einer Sprache sprechen wird. In der Sprache der universellen kulturellen Codes, Bedeutungen und Repräsentationen des Landes als ein modernes Land.

Das Institut wird nicht im traditionalistischen, ethnozentrischen und konservativen Paradigma der ukrainischen Kultur arbeiten.

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Leider ist dies immer noch der dominierende Faktor bei den Aktivitäten der Ukraine und der ukrainischen Gemeinschaften im Ausland. Wir müssen eine Alternative anbieten. Das Ukrainische Institut sollte die Interessen, Stimmen und Werte der modernen ukrainischen politischen Nation vertreten.

Gibt es Ihrer Meinung nach hierfür Verständnis in Ihrer vorgesetzten Institution?

Ich denke, die Leitung des Außenministeriums ist sich dessen bewusst. Vor meiner Ernennung habe ich betont, wie wichtig es ist, dieses Konzept vom Aufsichtsrat und allen Stakeholdern zu unterstützen, um spätere Differenzen in den Ansichten und Visionen zu vermeiden. Ich bin dem Außenministerium dankbar für die Unterstützung des Instituts und den transparent durchgeführten Wettbewerb. Sie sind bereit, sich die Institution zu betreuen, den politischen Willen zu zeigen, unsere Positionen anzuhören und die Verantwortung an den neu gewählten Direktor zu delegieren.

Was werden Ihre ersten Schritte auf der neuen Stelle sein? Was gilt es bis Ende 2018 zu tun?

Wir müssen das Team bilden. 2018 haben wir zwölf feste Einheiten. Meine Aufgabe ist es, die administrative und kreative Ebene abzugrenzen. Das Außenministerium hat in die Struktur des Instituts eine „Sicherung“ in Form der Position eines Verwaltungsdirektors eingeführt, der die administrativen – also rechtliche, finanzielle und wirtschaftliche – Funktionen zu übernehmen hat.

In Hinblick auf die kreative Ebene: vor allem wird die Programm-Abteilung gebildet, die sich mit der Ausarbeitung von kurz- und langfristigen Projekten, internationalen Partner-Institutionen befassen wird. Es wird auch eine Kommunikationsabteilung geben, die sowohl im Inneren des Landes als auch nach außen arbeiten wird.

Unter den Namen der Mitarbeiter des Instituts kann ich Tetjana Filewska nennen, die in der Rangliste des Wettbewerbs den zweiten Platz belegte. Tetjana wird in der Programmabteilung arbeiten. Ich empfehle auch, ihr Team mit Leuten zu verbinden, die bereits an anderen Projekten gearbeitet haben. Der Rest der offenen Stellen wird offen ausgeschrieben.

Tetjana FilewskaTetjana Filewska - artukraine.com.ua

Eine weitere Aufgabe des ersten Jahres ist die Erstellung von Prinzipien für die Auswahl von Inhalten. Das Feld der ukrainischen Kultur ist groß, aber im Moment ist wenig Inhalt für die Außendarstellung des Landes geeignet.

Was ist Ihrer Meinung nach für die Außendarstellung geeignet?

Inhalte und Ideen, die sich an einen modernen Menschen richten. Zu denjenigen, die wir versuchen, im Ausland zu gewinnen, und die in einem etwas anderen kulturellen Paradigma aufwuchsen, müssen wir in der Sprache unserer Zeit sprechen. Wichtig ist die Fähigkeit, die professionelle Bereitschaft von ukrainischen Institutionen und Kulturschaffenden, international zu arbeiten. Diese Erfahrung haben bei weitem nicht alle.

Ein weiterer Aspekt unserer Arbeit ist die Aufarbeitung unseres kulturellen Erbes. In der Welt und selbst in der Ukraine gibt es kein Verständnis für die Kontinuität und Multidimensionalität der ukrainischen Kultur. Wir müssen uns unserer Vergangenheit zuwenden, die modernisiert und in den globalen Kontext eingeschrieben werden muss: der ukrainischen Avantgarde, den literarischen Prozessen zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, der Kunst der sechziger Jahre, der spätsowjetischen architektonischen Moderne, den sozialen und künstlerischen Transformationen der Zeit der Perestrojka und der Unabhängigkeit usw.

Es ist bekannt, dass das Ukrainische Institut sowohl auf Kosten des Staates als auch durch Stiftungsbeiträge finanziert wird. Was ist das Budget in diesem Jahres?

Das Budget für 2018 beträgt 20 Millionen Hrywnja (circa 650.000 €). Dies ist ein sehr kleiner Betrag für eine solche Organisation. Aber er genügt, die Institution zu gründen und die ersten wichtigen Schritte zu machen. Ich möchte nicht in die Situation anderer kultureller Einrichtungen geraten, die mit einem viel größeren Budget aus irgendeinem Grunde nicht in der Lage waren, erfolgreich eine Institution aufzubauen. Wir dürfen nicht in diese Falle laufen.

Was für Schritte werden erfolgen? Und wohin genau werden die Mittel gehen?

Erstens, in den Lohnfonds, die Büromiete und die Nebenkosten. Zweitens, in die Schaffung eines Logos, einer Identity, einer Website. Darüber hinaus in die Durchführung punktueller Forschungen in den Ländern, in denen die ersten Niederlassungen geöffnet werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ausarbeitung des rechtlichen Rahmens für die Arbeit des Instituts in der Ukraine und im Ausland. Ich würde hierfür gerne mit internationalen Audit-Unternehmen zusammenarbeiten.

Die verbleibenden Mittel fließen in die ersten Projekte, die am wenigsten Verwaltungsaufwand erfordern. Man könnte mit Programmen internationaler Mobilität, Forschungsprojekten, kleinen Reisestipendien beginnen, um das Ukrainische Institut im Ausland bekanntzumachen. Wir werden uns auch anderen Projekten anschließen, die bereits von anderen Institutionen geplant wurden.

Erzählen Sie uns vom Aufsichtsrat des Ukrainischen Instituts: Wer ist dabei und mit welchen Funktionen?

Der Aufsichtsrat ist ein Beratungs- und Aufsichtsorgan, das Vertreter aus öffentlichen und unabhängigen Institutionen mit Glaubwürdigkeit und Reputation umfasst, das auch eine „Sicherung“ in Krisensituationen sein kann: im Falle des Versuchs von Einflussnahme auf das Institut oder bei Schritten, die nicht seine Satzung erfüllen.

Der Vorstand billigt den Finanz- und Projektplan des Instituts, die Grundsätze der Inhaltsauswahl sowie Verträge für Beträge, die das 100-fache des Mindestlohns überschreiten. Die Präsenz von Persönlichkeiten wie Wlad Trojizkyj, Iryna Podoljak oder Olesja Ostrowska-Ljuta legitimiert bereits die Arbeit des Ukrainischen Instituts. Und ich wiederum habe jemanden, an den ich mich im Fall einer möglichen Krise wenden und wo ich Unterstützung finden kann. Ich sehe im Aufsichtsrat ein Organ der Unterstützung und freue mich auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit ihm.

Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Herausforderungen für das Ukrainische Institut in der Phase seiner Gründung?

Die größte Herausforderung besteht darin, etwas zu schaffen, das noch niemand in der Ukraine geschaffen hat. Auch die internationalen Beispiele, an denen wir uns orientieren, sind für uns nicht absolut: Wir müssen sie anpassen, nicht kopieren. All dies geschieht zudem am Vorabend des Wahljahres, unter sehr schwierigen Bedingungen.

Wolodymyr Schejko auf dem Forum "Unlimited: Kunst ohne Grenzen"Wolodymyr Schejko auf dem Forum "Unlimited: Kunst ohne Grenzen"

Es gibt noch größere Herausforderungen, für mich: das Fehlen notwendiger gesetzlicher Rahmenbedingungen und Verfahren, ein heftiger Widerstand des Systems, Bürokratie, niedrige Gehälter im Staatssektor.

Ja, all das sind wohlbekannte Dinge, auf die jede ukrainische Kultureinrichtung trifft. Die größte Herausforderung für mich ist das Verständnis des Kultursektors und der Regierung, was ist das Ukrainische Institut und warum ist seine Mission wichtig? Darüber hinaus werden viele unserer Bemühungen nicht sofort im ersten oder zweiten Arbeitsjahr manifest werden. Und das ist auch eine Herausforderung.

Zu den Gehältern: Ich fühle die Verantwortung für das Team, und ich glaube, dass Menschen, die sehr ernste Herausforderungen voranbringen, ein angemessenes Gehalt erhalten sollten. Ich habe Garantien vom Außenministerium erhalten, dass wir das von mir vorgeschlagene Gehaltsniveau haben werden.

Gibt es ein Bewusstsein für diese Gefahren seitens des Staatsapparates? Und gibt es dort eine konsolidierte Vision dessen, was ukrainische Kultur ist und wie man sie präsentiert?

Ich denke, dass das Entstehen des Ukrainischen Instituts in seiner jetzigen Form schon ein sehr gutes Zeichen ist.

Es gibt keine konsolidierte Vision darüber, was diese ukrainische Kultur ist und wie man sie repräsentiert, aber dies wird durch Gespräche geklärt. Wie die meisten unserer Probleme.

Aber es gibt bereits genug Fälle, in denen neu geschaffene Kultureinrichtungen Opfer der aufgezählten Risiken werden. Wie werden Sie damit zurechtkommen?

Wenn ich auf die Erfahrungen meiner Kollegen zurückblicke, pflege ich nicht Illusionen, und ich werde mein Team aufrufen, dasselbe zu tun. Ich bin mir bewusst, dass die Überregulierung und in einigen Fällen auch die Absurdität des bestehenden Systems es uns nicht erlauben werden, viele Dinge in meiner Strategie zu tun. Dies muss anerkannt und zu ändern versucht werden, auch durch Gesetzesinitiativen.

Nennen Sie die drei wichtigsten Dinge, ohne die die Errichtung des Ukrainischen Instituts nicht stattfinden wird.

Die erste ist die Konsensunterstützung des Kultursektors und der Regierung in der Phase der Gründung der Institution. Die ersten Jahre werden schwer sein. Es mag von außen scheinen, dass wir etwas falsch machen oder nicht alles machen, was wir brauchen. Ich werde die Kollegen bitten, uns Zeit und Gelegenheit zu geben, auf die Füße zu kommen.

Dies ist eine kollektive Arbeit. Ich bin in diesem Prozess eine Variable. Meine Aufgabe ist es, eine nachhaltige Institution aufzubauen, die unabhängig davon, wer in ihr arbeiten mag, existieren wird. Der letztendliche Nutznießer ihrer Arbeit ist die ukrainische Gesellschaft, und deshalb muss sie auch an ihrer Entwicklung beteiligt werden.

Die zweite ist das Budget. Ich konstatiere, dass die Bereitschaft, Mittel für die Entwicklung des Instituts bereitzustellen, noch nicht im erforderlichen Umfang vorhanden ist. Das bedeutet nicht, dass sie nicht vorhanden sein werden, aber hierfür müssen noch große Anstrengungen unternommen werden.

Die dritte ist die Deregulierung der Arbeit der Institutionen auf dem Gebiet der Kultur. Wir arbeiten mit öffentlichen Mitteln, und dies stellt eine Verpflichtung dar, aber die Aufgabe und Besonderheiten der Arbeit solcher Institutionen erfordern eine besondere Herangehensweise an wirtschaftliche Arbeit, Besteuerung, Freiheit von taktischen Entscheidungen.

Wie sehen Sie die erforderliche staatliche Finanzierung für die Zeit Ihrer dreijährigen Kadenz?

Ich habe ziemlich ehrgeizige Pläne. Zum Beispiel glaube ich, dass das Ukrainische Institut im Laufe der Zeit Manager des ukrainischen Pavillons auf den architektonischen und künstlerischen Biennalen in Venedig werden sollte, Partner der Manifesta, Garant der Präsenz der Ukraine auf den großen Kulturforen weltweit. Dies ist natürlich eine große Freude, aber ebenso eine Frage des Dialogs mit dem Bildungsministerium und dem Außenministerium. Wenn jedoch bereits eine eigene Institution geschaffen wurde, deren Aufgabe es ist, die Ukraine im Ausland zu vertreten, dann sollten die Funktionen der Kulturdiplomatie um sie herum konsolidiert werden. Das System der kulturellen Einrichtungen sollte nicht so divergent sein wie jetzt.

ukrainischer Pavillon auf der Biennale in Venedig 2017ukrainischer Pavillon auf der Biennale in Venedig 2017

Ich denke, dass unser Budget auf nationaler Ebene dem Budget der Ukrainischen Kulturstiftung oder des Ukrainischen Buchinstituts (Anfang 2018 bzw. Anfang 2017 gegr., Anm. d. Ü.) entsprechen sollte. Die Unterhaltung internationaler Niederlassungen ist ebenfalls teuer. Daher gibt ohne die Summe der Höhe von 200-300 Millionen Hrywnja pro Jahr in den ersten Jahren des Bestehens der Einrichtung nichts, um sich auf stetigen Erfolg zu verlassen. Natürlich kenne ich gut die Trägheit des Systems, das nicht bereit ist, der neu geschaffenen Kulturinstitution auf einmal, und zwar ein Jahr vor den Wahlen, so große Mittel zu geben. Aber ich habe Garantien von der Führung des Außenministeriums erhalten, dass sie auf jegliche Weise zur Erhöhung des Budgets beitragen werden.

Zum Sponsoring. Für jede ausgegebene Hrywnja öffentlichen Geldes müssen wir zusätzliche Mittel anwerben. Hier habe ich Hoffnung auf die Gemeinschaften von ausländischen Ukrainern und des Business. Der Staat sollte natürlich Geld in seine Außenpolitik investieren, aber warum nicht mit vereinten Kräften?

Wie sehen Sie das Ukrainische Institut am Ende Ihrer ersten Kadenz in drei Jahren? Was muss in dieser Zeit erreicht werden?

In den nächsten drei Jahren sollte die Institution als solche aufgestellt sein. Ab 2021 sollte sie fünf bis sechs ausländische Niederlassungen haben. Grundlegende Vereinbarungen müssen mit großen internationalen Kulturforen, Buchmessen, der Biennale, Festivals über das System der Darstellung von ukrainischen Kulturinhalten dort getroffen werden. Wir müssen stabile Beziehungen zu wichtigen ukrainischen Schlüssel-Institutionen und ausländischen Partnern aufbauen.

Ein Prinzip einer landesweiten Auswahl von Inhalt sollte ausgearbeitet sein, das auf einem Experten- und Wettbewerbssystem und nicht auf irgendeiner persönlichen Entscheidung gründet.

Es sollte auch ein in der jetzigen ukrainischen Kulturdiplomatie fehlendes System der Bewertung von Arbeitsergebnissen (sowohl quantitativ wie qualitativ) geben, und unser jährlicher Rechenschaftsbericht für 2021 sollte sollte die Tatsache der Verbesserung des internationalen Images der Ukraine bezeugen.

Darüber hinaus sollte das Institut Initiator von Gesetzesänderungen sein. Hier setze ich große Hoffnungen auf die Aufsichtsratsvorsitzende Iryna Podoljak, die ihr Impulsgeberin sein könnte. Aber das sollte natürlich in Synergie mit anderen staatlichen Institutionen geschehen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

13. Juni 2018 // Das Interview führte Anastassija Platonowa

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzer:    — Wörter: 2680

Christian Weise trägt seit 2014 übersetzend und gelegentlich schreibend bei zu den Ukraine-Nachrichten. Im Oktober 2020 erschienen von ihm zwei literarische Übersetzungen: Vasyl’ Machno, Das Haus in Baiting Hollow. Leipziger Literaturverlag und Yuriy Tarnawsky, Warme arktische Nächte. Ibidem, Stuttgart. Im Januar 2020 bereits erschien seine Übersetzung des Bandes Verfolgt für die Wahrheit. Ukrainische griechisch-katholische Gläubige hinter dem Eisernen Vorhang. Ukrainische katholische Universität, Lwiw.

Mit ukrainischen Themen ist er seit 1994 vertraut, als er erstmals Kiew und Lemberg besuchte und sich zunächst mit kirchengeschichtlichen Fragen beschäftigte. Wenn nicht Pandemien hindern, bereist er etwa fünfmal im Jahr die Ukraine.

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