Außenhandelsbilanz der Ukraine verschlechtert sich weiter


Das staatliche Amt für Statistik informierte gestern darüber, dass in 2007 der negative Außenhandelssaldo rekordhafte 11,4 Mrd. $ erreicht hat. Allein im Dezember überstieg der Import den Export um 1,8 Mrd. $. Die Verschlechterung der Handelsbilanz trat ungeachtet der Belebung des Exportes in die GUS Staaten ein, dessen Mengen die des Exportes nach Europa um 4 Mrd. $ überstiegen. Experten sagen, dass sich der negative Außenhandelssaldo in 2008 13,5 Mrd. $ übersteigen und eine Bedrohung für die Zahlungsbilanz darstellen kann.

Am Donnerstag veröffentlichte das Statistikamt die Kennzahlen für den Außenhandelsumsatz der Ukraine in 2007. Das Amt stellte dies bereits vor zwei Wochen in Aussicht, doch ohne Angabe von Gründen verschob es die Veröffentlichung der Daten für einen unbestimmten Zeitraum. Gemäß den Daten, wuchs der Export von ukrainischen Waren um 28,4% auf 49,2481 Mrd. $, der Import um 34,7% auf 60,6699 Mrd. $. Auf diese Weise, erreichte der negative Außenhandelssaldo die Rekordsumme von 11,428 Mrd. und verdoppelte sich praktisch im Vergleich zum Jahr 2006 (damals 6,6706 Mrd. $).

Wie der “Kommersant-Ukraine“ vorhersagte (Ausgabe vom 13. Dezember 2007), waren die Werte für den Dezember die schlechtesten des gesamten Jahres. Im letzten Monat des Jahres vergrößerte sich das Außenhandelsdefizit um 1,8221 Mrd. $ (Exportwachstum um 33,2% auf 4,8079 Mrd. $, Importwachstum um 39,1% auf 6,63 Mrd. $). Bei der Warenstruktur im Export erhöhte sich der Anteil des Maschinenbaus (um 2,9 % auf 15,8%), verringerte sch der Anteil der Erzeugnisse aus Eisenmetall (um 0,3% auf 5,9%), Energie (um 1,4% auf 5,4%), anorganischer Chemie (um 0,5% auf 2,3%) und Getreide (um 1,9% auf 1,6%).

Ungeachtet dessen, dass das Wachstumstempo der Importe jenes der Exporte bereits mehrs als zwei Jahre übersteigt, erwartet die Regierung eine Verringerung des Handelsdefizits auf 9,174 Mrd. $. Den Bewertungen von Experten nach, gibt es jetzt keine Grundlage für die Annahme einer Verbesserung der Außenhandelssituation. “Das hohe Wachstum des negativen Saldos setzt sich auch in 2008 fort. Dies wird begünstigt von dem hohen Wachstum der Konsumnachfrage im Land, wie auch dem Preisanstieg bei Energieträgern.”, ist sich der Senior Economist der Blayzer Foundation, Oleg Ustenko, sicher. Den Bewertungen des Direktors für ökonomische Programme des Rasumkowzentrums, Wassilij Jurtschischin, nach, werden allein diese beiden Gründe in diesem Jahr den Handelswarensaldo um 2 Mrd. $ verschlechtern.

Ernsthafter noch, der Meinung von Ökonomen nach, erscheint die Tatsache, dass in 2008 der Zustrom an ausländischem Kapital bereits das weitere Wachstum des negativen Handelssaldos nicht mehr vollständig abdecken kann und das Außenhandelsdefizit wird so zur Bedrohung der Wirtschaft. “Wir erwarten ein Wachstum des negativen Saldos der Zahlungsbilanz von 5% des BIP. In Verbindung mit der weltweiten Finanzkrise wird es schwieriger dieses Defizit mittels der in die Ukraine strömenden ausländischen Direktinvestitionen zu decken.”, befürchtet Oleg Ustenko.

Beunruhigt sind die Experten auch von den strukturellen Änderungen im ukrainischen Export, die in 2007 vor sich gingen. Wenn in 2006 die Mengen an gelieferten ukrainischen Waren in die GUS Staaten und nach Europa ungefähr gleich waren, dann besetzten die GUS Staaten im letzten Jahr den ersten Platz, dabei den Anteil der Exporte nach Europa um 8% übersteigend. Dies geschah hauptsächlich aufgrund des Wachstums an Lieferungen ukrainischer Waren nach Russland – von 22,5% auf 25,7% (in die GUS, Russland eingeschlossen, von 33% auf 37,8%). Der Anteil der europäischen Staaten verringerte sich von 32,9% auf 30%, was die Abhängigkeit der Ukraine vom russischen Markt verstärkte. Bleibt noch anzumerken, dass sich der Export in die nord- und südamerikanischen Staaten und Afrika faktisch nicht geändert hat.

Den Bewertungen von Experten nach, wird die Tendenz des Wachstums des Anteils der GUS beim ukrainischen Export auch nicht vom WTO Beitritt der Ukraine überwunden, wodurch insbesondere die Beschränkung für den Export von Walzprodukten nach Europa fallen soll. “Am wahrscheinlichsten ist, dass das Wachstum der Lieferungen in die EU erst in der zweiten Jahreshälfte einsetzt, wenn die Ukraine auch de-facto der WTO betritt und sich dann erhöht die Freinhandelszone zwischen der EU und der Ukraine anfängt zu wirken.”, denkt der Analyst der Investmentfirma “Millenium Capital”, Walentin Selenjuk. Er erwartet eine Ausweitung der Lieferung von chemischen Produkten in die EU. Weitaus skeptischer ist Usenko: ??“Obgleich der ukrainische Export nach Europa wächst, kann die Situation nur ein Markteintritt auf den europäischen Markt von ukrainischen Produkten mit hohem Wertanteil ändern, zum Beispiel dem Maschinenbau. Doch in der nächsten Zeit ist dies nicht zu erwarten.

Der negative Außenhandelssaldo der Ukraine in 2007, in Mio. $
JanuarFebruarMärzAprilMaiJuniJuliAugustSeptemberOktoberNovemberDezember
492,2885,6843,6753,3750,1437,81053,3824,9 730,21528,8577,11822,1
Export ukrainischer Waren von 2005-2007, in Mrd. $
Region200520062007
GUS10,73912,66518,615
Europa10,89212,62914,774
Asien8,3778,13510,364
Afrika2,3942,3742,792
Nord- und Südamerika1,8312,5442,683
Australien und Ozeanien0,01370,01790,0157

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 846

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und per täglicher oder wöchentlicher E-Mail.