Der Donbass gleicht dem Donbass nicht


In Donezk schloss man die letzte Mine und beendete damit die Gewinnung von Kokskohle. Fast anderthalb tausend Bergleute riet man, sich eine neue Arbeit zu suchen. Darüber, das sich Wiktor Juschtschenko und Julia Timoschenko als „die Schuldigen“ erwiesen haben, wunderte sich niemand. Tatsächlich zählt man zu den „Schuldigen“ auch Rinat Achmetow.

Das Ereignis geschah 2009 in Russland. Der „Sapadnaja“ Schacht, der zu diesem Zeitpunkt geschlossen wurde, befand sich in der Stadt Donezk in der Rostower Oblast. Aber bei ihr handelt es sich um den östlichen Donbass in der Russischen Föderation, dessen Existenz bereits viele zu vergessen begannen. Zu Sowjetzeiten war er der jüngere Bruder des „großen“ Donbass, danach aber bekam jeder seine eigenen Probleme.

Aber wenn in der unabhängigen Ukraine der Begriff „Kohlelobby“ einen stolzen Klang hat, so hat ihn in Moskau die Gasbranche. Dieser Umstand hatte eine ganze Menge von Konsequenzen, wozu die gewaltige Umstrukturierung der Branche seit 1993 gehört. Eine Folge dessen war das Erreichen der Profitzone. Aber der Preise einer solchen Reform ist hoch: Die Anzahl der Arbeiter in der Kohlebranche verringerte sich von 860 000 auf 230 000. Allein in den ersten 15 Jahren der Reform schloss man 188 Schächte und 15 Tagebaugruben. Die Veränderungen betrafen 67 Bergbaustädte und –siedlungen. Der schwerste Schlag traf den Untertagebergbau – von 220 Minen blieben nur 91, einschließlich der während der Reform errichteten. Die Förderung verlagerte sich hin zu Tagebaugruben (150 solcher erbringen zwei Drittel der in Russland gewonnenen Kohle).

Die Kohleregionen teilen sich klar in aussichtsreiche (in erster Linie der Kusbass und die Tagebaue des Kansko-Atschinski-Bassin) und solche, die es weniger sind. Auf die alten Bezirke wirkt es sich aus, als ob eine Eisenbahn über sie hinweg gefahren wäre. Das bei Moskau gelegene Kohlebassin (wo einmal der junge Geologe Nikolai Asarow seine Tätigkeit begann) wurde „auf unter Null heruntergefahren“. Zu Beginn der Reform gab es dort 25 Schächte und 4 Kohletagebaugruben. 2009 wurde in der genannten Region die letzte Mine geflutet, die von der Vereinigung übriggebliebene winzige Grube „Lwowski“. Der Versuch, die Förderung durch die Exploration und Ausbeutung neuer Lagerstätten zu erhalten, endete mit einem traurigen Witz. Sie wurden fast ein Vierteljahrhundert gebaut, aber geflutet wurden sie in 5 Wochen nach ihrer feierlichen Inbetriebnahme.

Vor diesem Hintergrund ist die Situation der Rostower noch nicht ganz so schlimm. Von 64 aus der Zeit vor der Reform stammenden Schächten sind gerade einmal ein Dutzend übrig geblieben. Real arbeiteten im letzten Jahr noch 8. Die Menge der geförderten Kohle fiel von 28 Mio. t 1990 auf 7,1 Mio. t im Vorkrisenjahr 2008. Danach brach sie auf unter 5 Mio. t ein, im letzten Jahr erhöhte sie sich nur unwesentlich. Die Zahl der Orte, wo Kohle noch gefördert wird, verringerte sich von 114 im Jahr 1995 auf 18 vor der Krise. Durch das Feuer der Krise kämpften sich nur noch 8 hindurch.
Mit den Menschen machte man sich ebenfalls keine großen Umstände: von 117,3 Tsd. Menschen, die zu Beginn der 90er Jahre in der Kohleförderung arbeiteten (wovon etwa 15 000 aus Luganschtschina kamen), blieben im vorigen Jahr 9400 übrig.

Von sieben Bergbaustädten behielt die Kohleförderung nur in einer ihre Rolle. Der Gerechtigkeit wegen lohnt es sich anzumerken, dass die staatliche finanzielle Unterstützung in geringerem Ausmaße ausgeplündert wurde als in der Ukraine, der Zustand der Städte ist besser als der der ukrainischen.

Es gibt natürlich auch Positives. In den Jahren der Reform stieg die Arbeitsproduktivität der Untertage-Bergarbeiter auf mehr als doppelte. Und danach ist ein schreckliches Ende manchmal einem Schrecken ohne Ende vorzuziehen. In diesem Jahrzehnt gab es neue Projekte bezüglich der Eröffnung neuer Minen. Und die Aussicht auf die Ankunft neuer Investoren. Gerade letzteres ist die Schlüsselfrage für die Region.

Im Unterschied zur Ukraine, wo die Umwandlung der Bergwerke in Aktiengesellschaften bis auf wenige Ausnahmen nicht durchgeführt wurde und die Privatisierung der Kohleförderung mit dunklen Methoden vonstatten ging, anfangs mit der Pacht einzelner Orte, mittlerweile ganzer Schacht-Vereinigungen, erfolgte in Russland die Umwandlung in Aktiengesellschaften noch in den 90ern bis Anfang des letzten Jahrzehnts.

Im östlichen Donbass verlief der Prozess stürmisch, an ihm waren die unterschiedlichsten Unternehmen beteiligt, sowohl örtliche als auch Moskauer Gruppen. Aktienpakete wanderten von Hand zu Hand, uns verwundert ein Wechsel der Führungen ganz sicher nicht mehr.

All das geschah buchstäblich wenige Kilometer entfernt von der ukrainischen-russischen Grenze und betraf damit auch die Ukrainer. Angefangen damit, dass einige Rostower Bergwerke ausgerechnet mit der Begründung geschlossen wurden, dass ihre Flöze zu uns reichten. Die Eigentümer des Schachtes „Sapadnaja“, die im russischen Donezk geschlossen wurde, führten einige Jahre lang Verhandlungen über ein Ausbeuten des 5 Mio. t starken Flözes „Suchodolski“, das sich auf dem Territorium der Ukraine befindet.

Der offiziellen Version nach war der Grund für das Scheitern der Gespräche der Machtwechsel zugunsten der „Orangenen“ und die nachfolgende Verschlechterung der russisch-ukrainischen Beziehungen, „was die Pläne zum Erhalt des Unternehmens, das nach der Normalisierung der Situation auf dem Markt für Kokskohle wieder hätte erfolgreich arbeiten können, durchkreuzte“.

Es gibt hier aber noch eine kleine Besonderheit. Die besteht darin, dass es „nicht gelang, mit den Eigentümern von „Krasnodonuglja“ (Donbasser Wärme- und Energieunternehmen, DTEK, Rinat Achmetow) eine gemeinsame Sprache zu finden“. Nach Angaben der Rostower Verwaltung schlug man Rinat Achmetow sogar vor, in die angrenzenden russischen Bergwerke zu investieren, aber dazu kam es nicht. Nebenbei gesagt, der russischen Version nach zahlte das Bergwerk 2007 bis zu 1,5 Mio. $ „an die Eigentümer der anliegenden ukrainischen Minen“ (eben derjenigen „Krasnodonuglja“), damit diese die Flutung der stillgelegten Minen, was wiederum die Flutung auch der russischen Förderanlagen nach sich gezogen hätte, verschieben. Im Ganzen verblieben in ihr nach Angaben der Verwaltung der russischen Bergwerke zum Zeitpunkt der Schließung etwa 800 Tsd. t förderbarer Kohle, von der sich die Hälfte auf ukrainischem Gebiet befindet.

Eigentlich schlug man den Bergwerken vor, jedem beliebigen Interessenten für einen Dollar verkauft zu werden (zu dem „Geschenk“ gehörten auch bis zu 15 Mio. $ offener Schulden).

Aber der eigentliche Grund für die schnelle Schließung waren niedrige Preise für den Koks, den man wiederum in die Ukraine ausführte. Außer mit den Geschichten zu Kohle und Wasser „erleuchtete“ die DTEK die Rostower mit dem Projekt des Zukaufs der naheliegenden Mine „Michail Tschich“ mit Reserven von 50 Mio. t Kohle für die Anthrazitgewinnung und der Aufbereitungsanlage „Oktjabrskaja-Juschnaja“. Es wird vermutet, dass die geförderte Kohle an das Lugansker Kraftwerk geht. Den Ukrainern schlug man vor, noch eine Lizenz zum Bau einer neuen Mine zu erwerben, doch DTEK lehnt höflich ab. Danach brach die Krise aus und den Zukauf legte man auf Eis…

Bei den Aktionären von „Zaproschstal“ kamen die Projekte bis in das Stadium der Realisierung. Zu Beginn kauften sie die zentrale Aufbereitungsanlage „Scholochowskaja“, in der Kokskohle erzeugt wird. Seit 2006 baut man die Kohlemine „Bystrjanskaja 1-2“ zu Ende, die man bereits zu Zeiten der RSFSR begonnen hatte. Es wird vermutet, dass sie in der ersten Ausbaustufe 750 Tsd. t Kohle erbringt.

Den Erfordernissen von „Saproschstal“ genügt das nicht, das Unternehmen benötigt etwa 1 Mio. t Kokskohle, die Mine erbringt dafür gerade einmal die Hälfte, unter Anwendung der Technologie des Einblasens von Kohlestaub etwas mehr. Die Reserven reichen für die nächsten 60 Jahre. Anfangs sah man vor, dass die Mine die Arbeit Ende 2010 aufnimmt, aber wegen der Krise verschob man die Pläne um ein Jahr.

Die Frage, inwieweit das gegenwärtige Projekt eine ukrainische Investition in Russland darstellt, ist recht interessant. In dieser Zeit erwarben unbekannte Investoren, anscheinend mit Moskauer Registrierung (ebenso mit einer Importregistrierung der Firma), ein Kontrollpaket eben dieser „Saporoschstal“. Der Bau erfolgt mittels eines siebenjährigen Kredits der russischen staatlichen Sberbank.

Unsere anderen Hüttenwerker sah man im östlichen Donbass nicht und wird sie auch wohl kaum sehen. Die Gruppe „Donezkstal“ von Viktor Nusenkis müht sich am Kusbasser Schacht „Saretschnaja“ ab. ArcelorMittal versucht ebenfalls, diesem näher zu kommen, wie auch der Mine „Perwomaiskaja“. V. Nusenkis schlug man sogar vor, für ihn die gemeinsame Gewinnung von Kokskohle zu organisieren.

Aber im russischen Donbass können weniger Spieler dabei sein. Ukrainische Firmen werden spürbar weniger verwöhnt als russische, die an überaus starke Kohleflöze gewöhnt sind, und müssen sich daher auch mit schwerer zugänglicher Kohle zufrieden geben. Um so mehr, da um alle „guten“ Reserven in der Ukraine ein heftiger Kampf entbrannt ist. In Russland ist es damit leichter, und die Reserven an zu verkokender und für die Energiegewinnung zu verwendender Kohle guter Qualität in der Grenzregion können sich ebenfalls als attraktiv erweisen. Die DTEK schloss die Projekte im östlichen Donbass zwar nicht, verschob sie aber „auf bessere Zeiten“.

Für die Bürgermeister unserer Städte lohnt es sich, ein wenig durch die russischen Bergarbeitersiedlungen zu fahren und sich dafür zu interessieren, wie es ihnen ohne die Kohle geht. Je nachdem, in welchem Maße die Ukraine mit zehn Jahren Verspätung die Reform der Kohlebranche in Angriff nimmt, wird eine Optimierung unvermeidbar, d.h. die Schließung einer Reihe von Minen. Im Prinzip genügt die Erfahrung auf diesem Gebiet. Aber es soll vorkommen, dass die Erfahrung der Nachbarn auch nicht stört. Es ist ohnehin ein Lauf über Harken.

28. Januar 2011 // Igor Maskalewitsch

Quelle: Serkalo Nedeli

Übersetzer:   Andre Müller  — Wörter: 1499

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