Ukrainisches Wirtschaftswachstum bricht im Oktober ein


Im Oktober wurde in der Ukraine zum ersten Mal seit 2005 ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts festgestellt – um 2,1%. Zur Produktionsabnahme in der Industrie kam noch eine starke Verringerung des Tempos beim Handelswachstum und die Vertiefung des Rückgangs in der Bauwirtschaft. Experten sind sich sicher, dass, den Ergebnissen des Jahres nach, das BIP-Wachstumstempo auf 3-4% fällt, wo dieses in den ersten zehn Monaten noch bei 5,8% lag. Jedoch, sogar diese Werte überzeugten die Experten im Wirtschaftsministerium nicht davon, dass die Ukraine an der Schwelle zur Rezession steht.

Am Freitag informierte das Staatliche Komitee für Statistik über den Rückgang des BIP im Oktober um 2,1%. Infolge dessen verringerte sich das Wachstumstempo der Wirtschaft in einem Monat sofort um 1,1% – von 6,9% den Ergebnissen von Januar bis September nach auf 5,8%, auf das Februarniveau zurückfallend. Das letzte Mal wurde ein Rückgang der Wirtschaft vor drei Jahren festgestellt, im November 2005 – um 2,7%. Damals wurde dies von Problemen in der Bauwirtschaft (über elf Monate des Jahres 2005 gerechnet, betrug der Rückgang 6,9%) und im Handel (-8,5%) verursacht.

Den Daten des Statistikamtes nach, betrug das nominelle BIP von Januar bis Oktober 2008 799,996 Mrd. Hrywnja (ca. 109 Mrd. Euro; im Oktober – 85,101 Mrd. Hrywnja, ca. 11,66 Mrd. Euro) und der BIP Deflator lag bei 132,9%.

Die Verringerung des Wachstumstempos wurde in praktisch allen Branchen festgestellt, mit Ausnahme der Landwirtschaft (Wachstum um 2,6%, auf 18,3 ), den Steuereinnahmen aus der Produktion (um 0,2 auf 14,6%), Transport und Kommunikation (Beibehaltung des Wachstumswertes von 10,4%). In der verarbeitenden Industrie verringerte sich das Tempo um 0,3% auf 2,9%, im Bergbau um 1,5%, auf 3,2%, aufgrund des Rekordrückgangs in der Industrieproduktion im Oktober um 19,8% (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine“ vom 13. November). Den Ergebnissen des Oktobers nach gab es zum ersten Mal einen Rückgang in der Erzeugung und Verteilung von Elektroenergie, Gas und Wasser (1,5%) und die Abnahme der Baumenge betrug 12,7%. Eine starke Verlangsamung der Entwicklung wurde im Groß und Einzelhandel festgestellt – von 9,1% auf 6%.

Den Einschätzungen von Experten nach, wird bereits in den nächsten Monaten die Verringerung der Wachstumstempi in der Mehrzahl der Branchen in einen Rückgang übergehen. “Den Ergebnissen des Jahres nach, kann man einen Rückgang der Produktion sowohl im Bergbau, als auch in der verarbeitenden Industrie, dem Bau, der Produktion (sic!) und der Verteilung von Elektroenergie, Gas und Wasser erwarten. Im Handel nähert sich der Wert stark der Null.”, prognostiziert die Expertin von Gainsfort Research, Jewgenija Achtyrko. Auf diese Weise könnten am Jahresende nur die Landwirtschaft, der Transport und das Steueraufkommen positive Werte ausweisen. “Ein bedeutender Teil der Steuereinnahmen aus der Produktion ergibt sich aus dem Import. Aber es ist wahrscheinlich, dass sich bereits ab November das Wachstumstempo der Steuereinnahmen zu verringern beginnt – beim Zoll meldete man bereits eine Verringerung der Importmengen.”, fügt der Analyst der Investmentfirma Concorde Capital, Andrej Parchomenko an.

Diese Wirtschaftsdaten zwingen die Experte dazu ihre Prognosen zu überarbeiten. Bei der Investmentgruppe “Sokrat” wurde, den Worten des Analysten Michail Salnikow nach, die BIP Prognose für 2008 auf 4% verschlechtert. Und Achtyrko schließt nicht aus, dass das Wirtschaftswachstum noch schlechter ausfällt – bis zu 3%. “2009 würde ein guter Wert ein Rückgang des Wachstums auf lediglich 5% sein.”, betont sie. Mit diesen pessimistischen Prognosen stimmt Parchomenko überein: “Wir überarbeiten unsere Prognose des BIP Wachstums für 2008 – auf 3%, die Landwirtschaft allein zieht die Wirtschaft nicht heraus. Die Prognose für 2009 wird noch vorbereitet, doch orientieren wir uns auf einen Rückgang (des Wachstums) auf 1%.”

Die letzten Daten zum Rückgang der Industrieproduktion und des BIP berücksichtigend, plant das Wirtschaftsministerium bis zum 20. November die Prognosen für die Makrowerte in 2008 und 2009 zu revidieren. Im Ministerium erwarten man übrigens, dass sich die negative Entwicklung der Industrie bereits im März 2009 wieder verbessert. “Obgleich der Wert von Januar bis März negativ sein wird, wird bereits im März die Industrie eine positive Wachstumsentwicklung zu demonstrieren beginnen.”, versicherte dem “Kommersant-Ukraine“ die Stellvertreterin des Wirtschaftsministers Irina Krjutschkowa. “In diesem Falle, wird bereits in der Mitte des Jahres das Industriewachstum auch die anderen Wirtschaftsbranchen mitziehen und das BIP beginnt erneut zu wachsen.”, fügte Jewgenija Achtyrko hinzu. “Doch diese Prognose des Wirtschaftsministeriums sieht bislang zu optimistisch aus.”

Jurij Pantschenko

Kumulierte Wachstumstempi der Wirtschaft für das Jahr 2008, in %

JanuarFebruarMärzAprilMaiJuniJuliAugustSeptemberOktober
BIP im Ganzen4,95,86,06,26,46,36,57,16,95,8
Handel13,213,513,714,314,813,910,99,89,16
Landwirtschaft0,10,80,30,30,4-0,10,620,514,6>. 17,1
Industrie5,78,87,88,08,07,57,36,35,12,2

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 853

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