Warum fing das BRSM-Öltanklager Feuer? Bericht eines Augenzeugen



Ein Öltanklager unweit von Kiew brennt seit nunmehr neun Tagen (inzwischen wurde das Feuer gelöscht, A.d.R.). Das Objekt unterliegt der Firma BRSM (gleichnamige Kette BRSM und AZS), welche mit dem ehemaligen Minister für Energie und Kohleindustrie Eduard Stawizkij in Verbindung steht. Laut Angaben des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU (Slushba Bespeky Ukrajiny), unterlag der Betrieb des Tanklagers Anatolij Danilenko, dem ehemaligen Vertreter des Ex-Generalstaatsanwalts Witalij Jarema.

Angesichts der allgemeinen Auffassung über den Brandhergang in dem Öltanklager im Kreis Glevacha zieht die Firma BRSM-Nafta vorsätzliche Brandstiftung in Betracht.

??,,Unsere grundlegende Annahme für die Ursache der Tragödie in dem Tanklager ist ein vorsätzlicher Sabotageakt. Der Vorfall reiht sich in eine Kette terroristischer Angriffe auf Tankstellen unserer Firma seit April 2014 ein. Nicht einer der sieben Vorfälle auf den Tankstellen der BRSM-Nafta mit der Detektion von Sprengstoff konnte durch die Strafverfolgungsbehörde ordnungsgemäß eingestuft und untersucht werden. Die Täter konnten bisher noch nicht gefasst und zur Verantwortung gezogen werden, trotz zahlreicher offizieller Aufrufe unseres Unternehmens.“??Das ist der Webseite des Unternehmens BRSM zu entnehmen.

Die Anzahl der Todesopfer aufgrund des Unfalls beträgt aktuell fünf. Premierminister Arsenij Jazenjuk wies den staatlichen Zivilschutz an, eine Klage gegen die BRSM-Nafta aufgrund des durch den Brand verursachten Schadens dem Staat gegenüber vorzubereiten und Schadensersatz zu fordern. Der leitenden Ingenieur des Öltanklagers der BRSM Jurij Jushanin wurde von einem Gericht am 15. Juni unter Hausarrest gestellt.

Sergej Sdorenko, der Chef des Öltanklagers der KLO, welches sich auf dem Nachbargrundstück des brennenden Tanklagers befindet, erzählte INSIDER von den Ursachen des Brands:

Ich war bei dem Öltanklager der Firma KLO, als das Benzin im benachbarten Tanklager der BRSM-Nafta anfing zu brennen. Der Schichtleiter kommt zu mir gerannt und sagt: „Schauen Sie, was dort passiert.“ Ich schaue aus dem Fenster und dort steht alles in Flammen.

Wir haben unsere Leute zusammengerufen, die Feuerlöschanlage aktiviert, die Löschschläuche in Richtung des BRSM-Lagers ausgerollt, das Tor geöffnet und sind zu dem brennenden Tanklager geeilt. Vorort hatten schon zwei Personen Brandverletzungen erlitten.

Wir sind zur Station der BRSM gerannt, als uns 6-7 Personen entgegenkommen. Der eine ist am ganzen Körper mit Verbrennungen übersät. Ich frage jemanden: „Was ist passiert?“ Er antwortet, dass ein Schlauch gerissen sei, während Kraftstoff abgepumpt wurde. Die Kabel an der Pumpe waren nicht isoliert und die Leute haben das Benzin abbekommen. Alles stand sofort in Flammen. Der Mann, der die meisten Verbrennungen erlitten hat, bekam das Benzin von allen Seiten ab.

Wir riefen den Rettungsdienst und die Feuerwehr. Nach etwa 15 Minuten tauchte das erste Feuerwehrauto auf, nach 20 Minuten zwei weitere. Sie fingen an, das Feuer mit Wasser zu löschen. Aber was sollte das noch bringen? Das Benzin hatte sich schon überall verteilt und brannte.

Sie (BRSM) verfügten nicht über ein Brandsicherheitssystem. Als wir anfingen, Diesel in unser Lager zu pumpen, damit, dieser nicht auch noch zu brennen begann, konnte man sehen, dass die Dieseltanks nicht mit einem Schutzanstrich versehen (sie wurden erst vor Kurzem dort installiert) und an kein einziges System angeschlossen waren.

Eine Schutzmauer gab es genauso wenig wie ein Brandlöschsystem. Feuerlöscher waren vorhanden, in der Anzahl jedoch eher symbolisch.

Warum konnte soviel Benzin ausfließen? Tankbehälter sollten immer durch eine Schutzmauer gesichert sein. Als ich auf dem betroffenen Gelände herumlief, nachdem der Brand etwas abgeschwächt war, konnte man sehen, dass die Schutzmauer aus Betonblöcken gebaut war. Es sollte jedoch immer im Ganzen mit Bewehrung gebaut werden, damit keine Risse oder Löcher entstehen können. Da dies nicht gegeben war, konnte soviel Kraftstoff ausfließen.

Irgendwie überstanden wir die Nacht und am nächsten Morgen, etwa zwischen 8 und 10 Uhr, explodierten die Dieseltanks, die dichter an unserer Tankstation lagen. Genau drei Minuten vor der Explosion beendeten wir unsere Besprechung und jeder ging seiner ihm zugeteilten Arbeit nach. Ich ging los, um die Gasleitungen zu bewässern, damit sie nicht überhitzten. Ich war gerade auf die Waage (für Tanklaster) gestiegen, als die Explosion passierte und eine flammende Druckwelle auf uns zu kam.

Ich legte mich hinter einem Pfahl flach auf den Bauch, aber die Druckwelle erwischte mich dennoch am Kopf. Danach wollte ich mich hinter unserer Feuerwehrstation in Sicherheit bringen, wurde jedoch von einer weiteren – diesmal Hitzewelle, eingeholt. Wir hatten übrigens unsere Leitungen mit brandfestem Material bedeckt. Nach der Explosion aber sind sie abgebrannt, obwohl wir sie andauernd mit Wasser begossen.

Unweit von unserem Öltanklager befindet sich ein Löschteich, aus dem die Feuerwehr drei Tage Wasser pumpte. Fast hätten sie ihn leergepumpt. Sie fingen schon an, mit ihren Schläuchen das Wasser aus einem anderen See in unseren Wasserspeicher zu pumpen.

Vorgestern ist schon wieder ein Ölbehälter durch Überhitzung geplatzt. Er bekam einen Funken ab und es gab erneut einen Brand. Ich könnte eine Prognose geben, wenn ich wüsste, was und wie viel sich in den übrigen Tanks befindet. Mein Verdacht geht auf einen weiteren Tank mit einem Fassungsvermögen von 900 Kubikmetern, da er angeschwollen ist. Aber wir wissen nicht, was sich darin befindet. Daneben steht ein Behältnis im Zustand träger Verbrennung, es ist aufgeblasen und verbogen.

Einer der Stellvertreter der BRSM, der leitende Ingenieur einer BRSM-Tankstation in Perejaslaw-Chmelnizkij, wird gefragt, was sich in dem Tank befindet. Er sagt, es sei Benzin, aber er wisse nicht, wie viel. Außer eines PR-Managers und einigen Ingenieuren, die aus anderen Tankstationen kamen, waren keinen weiteren Stellvertreter der BRSM präsent – kein Führungspersonal und keine verantwortlichen Personen.

Weißt du, was das Schlimmste ist? Menschen sind ums Leben gekommen, und die Verantwortlichen verstecken sich. Wir vom KLO organisierten für die Sicherheitskräfte des Zivilschutzes die Versorgung mit Lebensmitteln dreimal täglich. Niemand sonst organisierte etwas für sie. Bis jetzt versorgen wir sie mit Essen. Diese Männer leisten sehr gute Arbeit.

Wie wird die BRSM die Verantwortung für den Vorfall übernehmen? Sie verbreiten weiterhin absurde Informationen, erzählen, es hätte irgendwelche Explosionen gegeben. Eine Explosion hätte man gehört, aber das war nicht der Fall. Erinnerst du dich, als sie erzählten, auf eine Tankstelle im Kiewer Gebiet wäre ein Anschlag verübt worden? Tatsächlich aber waren dort ein Haufen Gasflaschen und verschmutzte Luft, so dass das nötige Maß an Sicherheit nicht gewährleistet werden konnte.

Eine sehr gute Positionierung natürlich: ,,Inwiefern soll uns dieser Brand betreffen? Schließlich wurden wir in die Luft gesprengt. Wir sind nicht verantwortlich für den Tod und wir sind nicht verantwortlich für die Menschen, die bei dem Brand ums Leben gekommen sind.“ Auf die Hotline der KLO wird permanent angerufen und um Hilfe für die Betroffenen der auf dem BRSM-Lager gebeten. Welch ein Zynismus!

Ja, ihr helft den Leuten, gebt ihnen Technik und Löschschaummittel. Sie haben 10-12 Fässer geliefert. Das reicht nicht für einen Schaumeinsatz des Zivilschutzes aus. Ein Brand in so einem Ausmaß hat es in der Ukraine bisher nicht gegeben. Deshalb sollte man mit den Einsatzkräften des Zivilschutzes nachsichtig sein. Sie haben nie zuvor brennende Treib- und Schmierstoffe in einem solchen Ausmaß gelöscht.

Wir beten zu Gott, dass es nicht regnet und das Wetter so bleibt, wie es ist. Auf dem BRSM-Gelände stehen einige Vertikaltanks mit 900 Kubikmetern Fassungsvermögen. Ich habe zwei Tanks im Verdacht. Sie sind angeschwollen, aber bis jetzt halten sie. Man darf sie jetzt nicht bewässern aufgrund des Temperaturunterschiedes. Nimm mal eine Tasse aus dem Kühlschrank und schütte kochendes Wasser hinein. Die Tasse wird platzen. Das gleiche passiert auch mit einem Tank.

Ich sehe nicht, wie die BRSM arbeitet. Um das Gelände herum ist ein hoher Zaun, damit niemand etwas sehen kann. Ich habe gehört, dass sie Benzin-Komponenten gemischt haben sollen. Die Frage ist jedoch eine andere: Man kann Benzin-Komponenten mischen, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Bei ihnen gab es überhaupt keine Sicherheitsvorkehrungen. Sie haben Geld verdient und verdient, die Sicherheit aber stand an 10. Stelle. Sie haben sogar nicht mal an den Tanks Schaumgeneratoren.

Das ist wirklich Zynismus. Menschen sind ums Leben gekommen, lasst uns helfen! Niemand, niemandem, nichts. Dafür wurde eine PR-Kampagne gestartet. Das heißt, das Geld mit welchem sie (die Führung der BRSM) den Opfern des Brands hätten helfen können, wurde dazu verwendet, ihre Weste reinzuwaschen.

16. Juni 2015 // Jurij Winnitschuk

Quelle: Insider

Übersetzerin:   Helena Hempel  — Wörter: 1334

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