E-Commerce in der Ukraine: Entwicklung trotz der Krise


Der globale E-Commerce-Markt wächst jedes Jahr weiter. Dazu tragen die stetige Weiterverbreitung des Internets in verschiedenen Regionen sowie die Zunahme der Online-Verkäufe auf den bereits bestehenden Märkten bei. Der ukrainische Markt für elektronischen Handel befindet sich in der Entwicklungsphase und hat dabei ein großes Entwicklungspotenzial.

Nach Angaben von Ekos Global belief sich der E-Commerce-Markt im Jahre 2014 in der Ukraine auf 1,6 Milliarden US-Dollar, in Polen auf 4,7 Milliarden US-Dollar und in Russland auf 17,5 Milliarden Dollar. Laut Prognosen des Ukrainischen Direktmarketing Verbands wird das Volumen des E-Commerce-Markts im Jahr 2015 um rund 45 Prozent auf 1,1 Milliarden US-Dollar sinken. Der Rückgang der Verkäufe in den inländischen Online-Shops erklärt sich durch die Abwertung der Hrywnja und die verringerte Kaufkraft der Bürger. Zum Teil ist dies der Grund für die Umorientierung der Käufer auf ausländische Online-Shops, insbesondere auf die chinesischen.

Jedoch bringt das Jahr 2015 auch Positives für den ukrainischen elektronischen Handel – zumindest durch die Verabschiedung des langerwarteten E-Commerce-Gesetzes. Dieses sollte viele Probleme beseitigen und neue Möglichkeiten für die Marktentwicklung eröffnen.

Ins Gesetz eintragen

In den meisten Ländern wurde das E-Commerce-Thema längst gesetzlich geregelt. In den USA erschienen die Gesetze, die diesen Sektor regulieren, bereits in den 1990er – Anfang der 2000er Jahre. „Die Ukraine verabschiedete so ein Gesetz als eins der letzten Länder. Das erste E-Commerce-Gesetz erschien 1996. Davor gab es den elektronischen Handel erst seit etwa fünf Jahren. Russland und Kasachstan verabschiedeten ihre E-Commerce-Gesetze auch vor der Ukraine. Allerdings wurde das Gesetz in Russland von oben nach unten verabschiedet und die Wirtschaft kämpft immer noch dagegen. Bei uns war alles andersherum – die Unternehmer selbst waren die Autoren des Gesetzes, was sich an manchen Formulierungen erkennen lässt“, sagt Dmytro Hadomskyj, der Anwalt der IT- und Medienrechtgesellschaft „Juskutum“.

Die Verabschiedung des E-Commerce-Gesetzes ist ein Ereignis, auf welches die Marktteilnehmer seit Jahren warteten. Unter anderem regelt das Dokument Vertragsabschlüsse in elektronischer Form. Experten sind sich sicher, dass das Gesetz Unternehmen aus der Grauzone der Wirtschaft heraus führen und Investoren einen Impuls geben wird, in diesen Sektor zu investieren.

„Das wichtigste Ergebnis für die Wirtschaft ist die Gleichstellung der Verträge in elektronischer Form zu schriftlichen Verträgen. Das Gesetz legt ebenfalls fest, welche Verträge nicht in elektronischer Form geschlossen werden können. Das sind Immobilienverträge und andere Verträge, die notariell beglaubigt werden müssen, Verträge, an welchen der Staat beteiligt ist, sowie Verträge, die Familienbeziehungen regeln“, erläutert Ruslan Kalnyzkyj, der geschäftsführende Gesellschafter der Anwaltskanzlei Prudens.

Das Gesetz beschreibt detailliert das Vertragsabschlussverfahren in elektronischer Form, insbesondere das Angebot, die Angebotsannahme, den Vertragsabschluss, die Unterzeichnung und die Ausführung. Laut Juristen wird das Gesetz den Dokumentendurchlauf reduzieren, weil es den Verkäufern ermöglicht, elektronische Dokumente als Originaldokumente zu verwenden.

Ein weiterer positiver Punkt ist die Einführung von Vermittlern als Teilnehmer des elektronischen Handels und die Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen ihnen und den Verkäufern von Dienstleistungen. „Online-Shops werden von einem Aspekt profitieren, der mit der Einhaltung des Gesetzes zum Schutz personenbezogener Daten verbunden ist. Durch das E-Commerce-Gesetz wird gewährleistet, dass der Käufer beim Betreten des Informationssystems automatisch zustimmt, dass der Online-Shop seine Daten bearbeiten darf“, sagt der Jurist.

Trotz der positiven Aspekte muss das Gesetz nachgebessert werden. Laut Kalnyzkyj schließt das Dokument die Zusteller aus diesem Tätigkeitsfeld aus. „Das ist unbegründet, da sie sich unmittelbar an der Durchführung beteiligen. Darüber hinaus sieht das Gesetz keine Vertragsbesonderheiten in einzelnen Bereichen vor“, sagt der Experte. Janika Merylo, Geschäftsführerin des ICT Competence Center, meint, dass für Investoren nicht die Verabschiedung des Gesetzes an sich wichtig ist, sondern seine Umsetzung. „Es gibt viele Gesetze, die nicht funktionieren“, betont sie.

Mobil kommt

Auf dem Weltmarkt des elektronischen Handels nimmt der Anteil des sogenannten Mobile Commerce, d.h. von Einkäufen über mobile Geräte, immer mehr zu. Nach Angaben des französischen Unternehmens Criteo entfielen im dritten Quartal 2015 35 Prozent aller E-Commerce-Transaktionen auf mobile Geräte. Criteo schätzt, dass diese Tendenz weiter steigen wird und bereits Ende 2015 der Anteil der Transaktionen mit Hilfe der Smartphones und Tablets 40 Prozent betragen wird.

Hier geht die Ukraine parallel mit der Welt. Das Wachstum beobachtet man sowohl beim Anteil der mobilen Besucher auf ukrainischen Webseiten als auch beim Anteil von Bestellungen und Einkäufen durch mobile Geräte. Der Anteil der Nutzer, die Webseiten von ihrem Mobiltelefon aus besuchten, stieg von 29,6 Prozent im Januar 2015 auf 34,6 Prozent im Oktober 2015.

“Das letzte Quartal ist in Bezug auf Verkäufe von mobilen Geräten am aktivsten. Anfang 2016 werden 40 Prozent erreicht. Im Laufe des Jahres 2016 versprechen Betreiber das gesamte Territorium der Ukraine mit 3G abzudecken. Dies bedeutet dass die Webseiten-Besuche über mobile Geräte in einem Jahr 50 Prozent erreichen werden“, sagt Iwan Fedorow, Entwicklungsdirektor bei Admixer.

Laut Serhij Hapotschenko, dem Generaldirektor von Olx.ua, besucht die Hälfte der Nutzer aus der Ukraine die Webseite von ihren mobilen Geräten aus. Es handelt sich um mobile Anwendungen, mobile Versionen und alle Typen von mobilen Geräten, erklärt er.

In der Ukraine betrug der Anteil der Bestellungen und Einkäufe über mobile Geräte im Jahr 2013 nur 4 Prozent. Jedoch sprang diese Zahl im Jahr 2015 auf 14 Prozent. Analysten gehen davon aus, dass diese Zahl im Jahr 2016 20 Prozent erreichen könnte. Laut Hapotschenko wird jede dritte Anzeige auf Olx.ua durch ein mobiles Gerät abgegeben.

Wachstumstreiber

Nicht nur das neue Gesetz, sondern auch andere Prozesse können die Entwicklung der E-Commerce in der Ukraine fördern. Zum Beispiel die Erweiterung der Zahlungsmittel für Käufer. „In der Ukraine bezahlen mindestens drei Millionen Menschen mit ihren Bankkarten im Internet. Wann kommen sie in den E-Commerce? Erst wenn man in Online-Shops mit einer Bankkarte zahlen kann. Momentan kaufen Ukrainer mit ihren Bankkarten mehr im Ausland als in der Ukraine“, – sagt Taras Wolobujew, Entwicklungsdirektor bei Portmone.com.

Kateryna Melesch, Generaldirektorin der Finanzgesellschaft „Zentr finansowych rischen“ („Zentrum für Finanzentscheidungen“), glaubt, dass das Verkaufsvolumen im E-Commerce durch die aktive Zusammenarbeit zwischen Online-Shops und Finanzierungsinstitutionen erhöht werden könnte. „Momentan werden nur ein paar Prozent der Einkäufe im Internet durch Finanzierung durchgeführt. Ein Online-Shop kann von Krediten sehr profitieren. Das beobachten wir jetzt schon. Unter anderem steigen die Verkäufe um 5-10 Prozent und die durchschnittlichen Einkaufsbeträge steigen um 20-25 Prozent“, erzählt Melesch.

Eine wichtige Rolle in der Zunahme von Online-Verkäufen spielt außerdem die Internetabdeckung in den Regionen der Ukraine. Nach den Angaben der Firma EY wird dieser Wert im Jahr 2015 auf 49 Prozent steigen im Vergleich zu 46 Prozent im Jahr 2014. Das heißt, dass theoretisch noch anderthalb Millionen Bürger online einkaufen könnten.

Des Weiteren kann die Entwicklung der Netzwerke von Logistikunternehmen und der Zahlungssysteme das E-Commerce-Wachstum vorantreiben.

27. Oktober 2015 // Olha Dubenska

Quelle: Ekonomitschna Prawda

Übersetzerin:   Halyna Schweizer  — Wörter: 1131

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