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Der Markt für Internetanschlüsse ist in der Ukraine in die Phase der Sättigung getreten. Die Kundenanzahl wächst in den letzten zwei Jahren nicht mehr, Netzbetreiber sind gezwungen, Preisdumping zu betreiben, um die Kunden irgendwie zu halten. Dabei müssen die Netzbetreiber die Anschlussgeschwindigkeit erhöhen, da die Nutzer vermehrt Videos und TV und dabei in HD-Qualität anschauen.

„Was den Markt für Breitbandverbindung angeht, haben wir nach Quartalsende in Ballungsräumen sogar einen Rückgang der Marktdurchdringung festgestellt. Er ist bisher lediglich auf dem Niveau der Standardabweichung, aber dies zeigt deutlich, dass der Markt gesättigt ist.“, bemerkt Anatolij Frolenkow, geschäftsführender Gesellschafter des Forschungsunternehmens Expert & Consulting.

Nach Anzahl der Kunden ist die Ukrtelekom weiterhin auf dem ersten Platz, gefolgt von Kyivstar und Volia. Diese Netzbetreiber agieren als Massenanbieter, da sie ihre Netze in vielen Städten der Ukraine haben, Ukrtelekom sogar in den Dörfern. Um jedoch weiterhin auf den oberen Plätzen zu bleiben, müssen sie ständig die eigene Infrastruktur moernisieren, denn dicht hinter ihnen wachsen kleine lokale Anbieter.

Der Einfluss von 3G und 4G

Seit einem Jahr bauen die drei führenden Mobilfunkanbieter mit großen Schritten ihr 3G-Netz aus, und es gibt Orte, wo es Nutzern sinnvoll erscheint, den stationären Internetanschluss zu kündigen, um doppelte Zahlungen für die gleiche Leistung zu vermeiden.

In den Städten, wo mittlerweile eine Netzabdeckung vorhanden ist, ist es möglich, Smartphone, Tablet-PC oder Modem nicht nur während der Fahrt in der Stadt oder auf der Arbeit, sondern auch zu Hause zu nutzen. Besonders deswegen, weil die Mobilfunkbetreiber verschiedene Pakete mit hohem Datenvolumen für vergleichbar niedrigen Preis anbieten. So beispielsweise bietet Kyivstar heute für 110 Hrywnja in Monat (neben kostenfreien netzinternen Anrufen und 100 Minuten in andere Netze) noch 4 Gigabyte Datenvolumen für seine Kunden an. Bei Vodafone bekommt der Kunde für 90 Hrywnja in Monat 5 Gigabyte und 90 Minuten in andere Mobilfunknetze. Lifecell bietet einen ähnlichen Tarif an, jedoch erhält der Kunde mit 5 Gigabyte schon 150 Minuten in andere Netze.

Allerdings liegt die maximale Geschwindigkeit der 3G-Netze bekanntlich bei 42 oder 63Mbit/s, in Wirklichkeit jedoch lag die Geschwindigkeit der 3G-Netze bei mehreren Testen bei 10 Mbit/s. Zur gleichen Zeit liefern stationäre Netze bei Ethernet-Anschluss 100 Mbit/s, ganz zu schweigen von Glasfaser mit ihrem Gigabit-Anschluss. Aus diesem Grund bleiben anspruchsvolle Kunden weiterhin dem stationären Internet treu.

„Es gibt natürlich einen insignifikanten Wechsel zu mobilem Internet, aber in diesen Fällen nutzt der Kunde in der Regel sowohl das stationären als auch das mobile Internet“, sagt Frolenkow. „Sogar die Geschwindigkeitsstandards der nächsten Generation des mobilen Internets (4G) sind nicht in der Lage alle Bedürfnisse der Haushalte zu befriedigen. In diesem Zusammenhang ist es relativ schwer, eine Alternative zum stationären Internet zu finden.“

Andererseits gewährleistet das schnelle Mobilfunknetz die ständige Nutzung des Internets, das Betrachten von Videos wie zu Hause, wo immer man auch ist. Dies führt zu einem rasanten Anstieg des Datenvolumens. Nach Angaben des Unternehmens Cisco wird der lawinenartige Anstieg der Nutzer des Mobilfunknetzes, von „smarten“ Geräten, mobilen Videos und 4G-Netzen in den nächsten fünf Jahren zu einem achtfachen Anstieg der mobilen Datennutzung führen – von 3,7 auf 30,6 Exabyte im Monat.

Bewegung hin zum Gigabit

Die Technologieentwicklung, Verbilligung von Glasfaser und der hohe Wettbewerb haben zur Marktsättigung und einem Preisrückgang bei Gigabit-Anschlüssen geführt.

„Heute bauen sogar kleine Netzbetreiber sowohl in den Städten als auch in den Dörfern ihre Netze, indem sie Glasfaserleitungen nutzen. Größere Akteure ziehen Gigabit-Netze in Betracht. In Kiew arbeiten bereits einige dieser Unternehmen. Der Wettbewerb findet in der Ukraine sowohl auf der Ebene der Geschwindigkeit und Stabilität der Verbindung als auch auf der Ebene des Preises für den Endkunden statt“, unterstreicht der Experte.

So bieten beispielsweise in Kiew Gigabit-Internet inklusive IPTV-Betreiber wie Lanet für den Preis von 89 Hrywnja pro Monat, Sunnet für 200 Hrywnja, Sinet für 199 Hrywnja, Domonet für 185 Hrywnja und so weiter an. Triolan biete einen solchen Anschluss für 150 Hrywnja pro Monat. Dabei gelten noch unterschiedliche Werbeaktionen für den Erstanschluss, um Kunden von Konkurrenten wegzuholen.

„Bei der heutigen Geschäftslage gewinnt nur der Kunde. Denn er erhält eine vergleichbar günstige und qualitative Dienstleistung. Doch inwieweit die Netzbetreiber davon profitieren ist eine große Frage“, bemerkt Frolenkow.

Und was machen die großen Unternehmen? Von den fünf Großen bietet, wie man sieht, lediglich Triolan für Privatkunden die Gigabit-Option an. Kyivstar legt Glasfaser in jedes Haus, und verteilt später per Kupferdraht entsprechend Ethernet (100 Mbit/s). Volia orientiert sich in erster Linie auf das Kabelfernsehen und Internet kommt auf demselben Kabelnetz mit der Notwendigkeit ein Extramodem (EuroDocSIS — maximal 200/100 Mbit/s) anzuschließen. Und schlussendlich stellt die Ukrtelekom bisher einen Internetzugang über ADSL (bis 24 Mbit/s) zur Verfügung.

Und hier kann man sehen, dass die Ukrtelekom, die Marktführerschaft bei der Anzahl der Kunden innehabend, technologisch zurücksteht.

Auf Messers Schneide

Um nicht endgültig zurückzubleiben entschloss sich die Unternehmensführung, mit einer umfassenden technischen Modernisierung zu beginnen, in deren Rahmen geplant ist, die Netze in sechs großen Städten umzubauen und die Abdeckung mit Glasfaser auf ländliche Gebiete auszuweiten.

Die technische Modernisierung umfasst Ersatz von veraltetem passivem Gerät (TK-Anlagen und Kupfer-Infrastruktur) auf moderne aktive Geräte. Das heißt, in Wohngebieten werden einige aktive Kästen aufgebaut, von denen Glas- und Kupferfaser zu Häusern und Wohnungen führen. Gleichzeitig werden Gehäuse von älteren TK-Anlagen frei, die zum Verkauf oder zur Miete angeboten werden. Das überschüssige Kupferkabel wird verschrottet.

Dieses Projekt wurde dank der Partnerschaft mit dem Unternehmen Huawei und China Development Bank möglich, die im Rahmen der ersten Etappe der Modernisierung eine Kreditlinie in Höhe von 50 Millionen US-Dollar eröffnete. Ende 2018 wird die technische Modernisierung ein Territorium umfassen, auf dem sich 30 Prozent der Haushalte der Ukraine befinden.

„Die Modernisierung, mit welcher die Ukrtelekom begonnen hat, ist wahrscheinlich die größte in Osteuropa, denn schon in der ersten Phase der Modernisierung sind es 1,6 Millionen Kunden und 230.000 Breitband-Abonnenten“, sagt Dmitrj Mikitjuk, Leiter der technischen Direktion des Unternehmens. „Auf der letzten Meile wechseln wir die ADSL-Technologie auf VDSL und FTTH (Glasfaser in jedes Haus) und FTTC (“Glasfaser zu jedem Nutzer”). Zugleich modernisieren wir auf fast allen Ebenen des Netzes.“

Zunächst hat die Ukrtelekom ein Pilotprojekt verwirklicht, indem es das Netz des Arkadija-Viertels in Odessa modernisiert hat. Jetzt wurde die neue Infrastruktur der Ukrtelekom in Arkadija auf der Basis von 43 aktiven Verteilerkasten von Huawei errichtet, mit denen die alten drei TK-Anlagen ersetzt wurden. Heute gibt es in Arkadija 12.500 Telefonkunden und 1.260 Internetkunden, wobei die Internetgeschwindigkeit auf Basis der bestehenden Linien bis auf 20 Mbit/s gestiegen ist. Außerdem kann man auch VDSL mit einer Geschwindigkeit von 50 Mbit/s oder Glasfaser mit einer Geschwindigkeit von 1 GB/s bestellen.

„Wenn die Ukrtelekom ihre Position über länger als ein Jahr halten und stärken möchte, dann stellt die Modernisierung und aktive Marketing-Politik – eine Frage von “Leben und Tod” für das Unternehmen dar. Im Erfolgsfalle in dieser Richtung kann das Unternehmen Kunden erkämpfen, nicht nur eigene halten, sondern von Konkurrenten abwerben. Natürlich, die aktuelle Marktsättigung berücksichtigend, wird es sehr schwer, den Kundenstamm schnell zu erweitern. Genau aus diesem Grund es jetzt sehr wichtig, bestehende Kunden zu halten, indem man ihnen eine qualitative Dienstleistung und neue moderne Dienste anbietet“, unterstreicht der Analyst von Expert & Consulting.

Es sollte hinzugefügt werden, dass auch andere Anbieter damit fortsetzen ihre Netze aktiv auszubauen und die Geschwindigkeiten zu erhöhen. Letztlich gewinnen davon die Verbraucher und die Ukraine insgesamt auf dem Wege der Digitalisierung.

12. August 2016 // German Bogapow

Quelle: Serkalo Nedeli

Übersetzerin:   Ilona Stoyenko  — Wörter: 1289

Ilona Stoyenko stammt aus Krementschuk (Ukraine) und hat an der Ludwig-Maximilians Universität München das Fach Wirtschaftswissenschaften mit einem Bachelor abgeschlossen. Dem folgte ein Master-Abschluss an der Fernuniversität Hagen. Sie arbeitet als Key Account Managerin bei der RYDOS UG (haftungsbeschränkt) und von Zeit zu Zeit trägt sie zu den Ukraine-Nachrichten bei.

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