Offener Brief an den Präsidenten der Ukraine und den Innenminister bezüglich der antisemitischen Propaganda auf der Berkut-Seite im sozialen Netzwerk Facebook


Die ukrainische gesellschaftliche Organisation Ukrainischer unabhängiger Rat jüdischer Frauen und das Medienprojekt Das jüdische Kiew haben einen offenen Brief an Präsident Wiktor Janukowitsch und Innenminister Witalij Sachartschenko verfasst, in dem antisemitische Inhalte auf der Facebook-Seite der ukrainischen Spezialeinheit „Berkut-Ukraine“ kritisiert werden.

Im offenen Brief steht folgendes: „Wir sind empört über die Tatsache, dass auf der FB-Seite „Berkut-Ukraine“, die mit dem Ziel geführt wird, eine informationelle Unterstützung für die ukrainische Spezialeinheit Berkut zu leisten, antisemitische und extremistische Inhalte gepostet werden.“

Mehr als 1.500 FB-Nutzer sprechen über die Seite und mehr als 1.000 Nutzer haben diese Seite mit „gefällt mir“ markiert, darunter auch viele regierungstreue Personen des öffentlichen Lebens, Juristen, Politiker und Journalisten.

Die FB-Seite von Berkut ist voll mit Inhalten darüber, dass die Anführer der Opposition wie Julia Timoschenko, Witalij Klitschko, Arsenij Jazenjuk und Oleg Tjagnybok jüdische Wurzeln haben und Kontakte mit Juden pflegen. Alle Informationen sind vom Administrator der FB-Seite „Berkut-Ukraine“ gepostet“.

Es scheint, als ob die ukrainische Spezialeinheit Berkut die Schuldigen gefunden hätte, und das sind die Juden.

Auf der Seite sind viele Bilder und Artikel mit solchen Überschriften zu finden, wie Juden sind Nazi-Handlanger, Juden – im Dienst von Wehrmacht, Luftwaffe und Kriegsmarine, Juden – Kollaborateure, Zionisten – Hitlers Handlanger, Hakenkreuz mit Davidstern u.a.

„Berkut-Ukraine, Achtung! Die folgenden Informationen über die Beziehungen zwischen Nazis und Zionisten werden ausschließlich für Bildungszwecke verwendet!“, – steht unter diesen Inhalten. Auch eine große Anzahl von Bildern mit Hakenkreuz mit Davidstern ist hier zu finden.

Sehr geehrter Herr Innenminister,

Die Situation in der Ukraine ist instabil. Im Zentrum von Kiew stehen die Zelte des Euromaidan, überall im Land finden Demonstrationen statt, die sowohl von politischen Kräften als auch von gesellschaftlichen Organisationen organisiert werden. Jegliche Handlungen der Miliz, die zum Ziel haben, die Situation zu destabilisieren, können tragische Folgen mit sich bringen.

Wir sind der Meinung, dass die sogenannten „Bildungszwecke“ der Spezialeinheit Berkut-Ukraine im sozialen Netzwerk Facebook das Ziel haben, den Hass gegen die Juden als Schuldigen an allen Missständen des Landes, Volksverhetzung und Aufruf zur Gewalt gegen die Juden in der Bevölkerung zu provozieren. All das kann zu gewalttätiger Aggression gegen die Juden und Pogromen führen“, ‒ schließt den offenen Brief die Präsidentin des Ukrainischen unabhängigen Rates jüdischer Frauen und Hauptredakteurin des Medienprojektes Das jüdische Kiew, Eleonora Großmann, ab.

22. Dezember 2013

Quelle: Kiew Jewrejskij

Übersetzerin:   Ljudmyla Melnyk  — Wörter: 394

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