Ukraine vor Kreditkrise?


Die internationale Ratingagentur Standard & Poor`s (S&P) informierte darüber, dass der finanzielle Sektor der Ukraine sich auf dem letzten Platz zwischen den sich entwickelnden Ländern Europas und der GUS bei der Bewertung des Kreditportfolios einnimmt. Der Wert der potentiell problematischen Aktiva der ukrainischen Banken beträgt 75%. Experten gehen davon aus, dass die reale Summe der problematischen Kredite der Banken noch nicht das kritische Niveau erreicht habe, doch die Erklärung S&Ps kann die Möglichkeiten der Banken beim Anlocken von Investitionen verringern und zwingt diese die Bedingungen der Kreditvergabe zu verschärfen.

Die Ratingagentur S&P verbreitete gestern über die Massenmedien eine Nachricht, in der sie ihre Besorgnis in Bezug auf “das zweistellige Wachstum der Ziffern der Budgetausgaben und die Anzeichen einer ‘Überhitzung’ der ukrainischen Wirtschaft” ausdrückte. Bei S&P erklärt man, dass einer der Gründe für die “negative” Prognose für das Rating der Ukraine die Entscheidung der Regierung Julia Timoschenko über die teilweise Rückgabe der Einlagen der Sberbank der UdSSR an die Bevölkerung sei, welche 24% des BIP betragen, was von der “Tendenz zur Beschleunigung der Ausgaben, in Verbindung mit dem Wahlzyklus” zeugt. “Im Land ist die ‘‘Lohn-Preis’ Spirale in Schwung gekommen, welche mit hoher Wahrscheinlichkeit sich in der ökonomischen Stabilität und den langfristigen Perspektiven des Wachstums widerspiegeln wird.”, merkt man bei S&P an.

Unter Einberechnung der Ausweitung des Auslandschuld des Finanzsektors der Ukraine auf 28 Mrd. $ “beunruhigt die Agentur das bedeutende Risiko der Refinanzierungsumstände des ukrainischen Bankensystems”. Die Banken tilgen in 2008 11,5 Mrd. $ von denen nur 4,6 Mrd. $ aus Kreditlinien der Mutterbanken sind. “Doch die restlichen Verpflichtungen müssen refinanziert werden, obgleich die Umstände auf den Märkten sich verschlechtern.”, heißt es in der Mitteilung von S&P.

Dabei hat S&P berechnet, dass der Qualität des Kreditportfolios nach, der finanzielle Sektor der Ukraine gemeinsam mit Georgien den letzten Platz in der GUS und den sich entwickelnden Staaten Europas besetzt. “Ihr (der Ukraine) Wert der potentiell problematischen Aktiva beträgt 75%.”, erklärt die Agentur. Den Worten der stellvertretenden Direktorin der Pariser Vertretung von S&P, Jekaterina Trofimowa, nach, besteht das Hauptrisiko im “hypothetischen Niveau der Bruttoproblemaktiva im Finanzsystem im Rahmen des realistischen Szenarios einer ökonomischen Rezession”. “Die problematischen Aktiva schließen in Verzug geratene Kredite, restrukturierte Aktiva (bei Änderung der anfänglichen Bedingungen des Kredites), eingelöste Pfände in Form von Immobilien und anderen Aktiva und gleichfalls problematische Aktiva, die speziellen juristischen Personen zur Verwaltung übergeben wurden.”, erläuterte Trofimowa dem “Kommersant-Ukraine“.

Banker sind verwundert von der Nutzung einer solchen Berechnungsmethode für problematische Verpflichtungen, sie dabei als übertrieben bezeichnend. “Das Portfolio der in Verzug geratenen Kredite des ukrainischen Bankensystems ist besser als das kasachische, moldawische oder aserbaidschanische.”, ist sich der Berater des Vorstandsvorsitzenden der UkrGasBank, Alexander Ochrimenko, sicher. Obgleich die Menge der realen Problemkredite die offizielle Statistik übersteigt (den Angaben der Zentralbank nach, zum 1. März 2008 1,41%), befindet sich ihr Anteil noch im zulässigen Bereich. “Problemkredite bei den ukrainischen Banken erreichen 3-5% Anteil am Portfolio und nur bei einer der Banken werden 30% erreicht.”, erzählte dem “Kommersant-Ukraine“ der Vertreter des Generaldirektors für Fragen der Forschung und Entwicklung der Agentur “Kredit-Rating”, Grigorij Pererwa. “Doch sehen wir nicht den Anteil an Krediten, bei dem Rückstände auftreten.”

Der Direktor des Institutes für ökonomische Forschungen und Politikberatungen, Igor Burakowskij, geht davon aus, dass S&P in die Menge der problematischen Aktiva die Komponenten der Bankenbilanzen einbezogen hat, welche in der Ukraine nicht als problematisch gesehen werden. “Die Krise, mit welcher die Weltfinanzinstitute auf dem Immobilienmarkt konfrontiert wurden, zeigte, dass die Probleme nicht an einer Leerstelle auftreten.”, sagt der Experte. Daher deckte S&P, in dem sie die amerikanische Krisenerfahrung beim Subprimesegment auf die Ukraine übertrug, ein riesiges potentielles Risiko auf. “Bei der Entwicklung eines jeden Marktes gibt es eine Übersättigung und es beginnen die Probleme mit der Bezahlung von Krediten. Es wächst die Zahl der Zahlungsunfähigen scharf und die Banken unterschiedlicher Größe durchleben Schwierigkeiten. Dies ist ein lautes Platzen der Kreditblase. Niemand nimmt es auf sich zu sagen, ob wir bereits diesen kritischen Punkt erreicht haben und ob wir Unannehmlichkeiten erwarten müssen.”, merkt er an.

Nach der Erklärung von S&P können die Anleihen für das Ausland noch schwieriger für die Ukrainer zu emittieren sein, sind sich Experten sicher. “Wenn sich im Land die Risiken erhöhen, dann beginnen risikoscheuere Investoren zu verschwinden oder kommen gleich gar nicht.”, führt Igor Burakowskij aus. Dies zwingt die Banken die Kreditmenge zu beschränken, deren Wachstumstempo sich im Februar bereits verringerte. “Die Banken verschärfen die Kontrolle über die Ausgabe von Krediten und müssen diese mit hoher Qualität sicherstellen.”, ist sich Grigorij Pererwa sicher.

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 818

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