Botschafter Olexandr Schtscherba: „Die Menschen hatten nicht genug Geld, um zurückzukehren – andere Passagiere begannen, für sie zusammenzulegen. Das sind erstaunliche Dinge.“


Österreich ist eines der Länder, in denen unsere Mitbürger festsaßen, nachdem der Luftraum im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Coronavirus gesperrt wurde. Die Mehrheit nicht aus eigener Schuld: Nachdem sie die entsprechende Meldung über den ukrainischen Luftraum erfahren hatten, stornierten Austrian Airlines und Lufthansa einfach ihre Flüge.

Leider sind ähnliche Fälle dieser Tage nicht selten – in analoge Schwierigkeiten gerieten Ukrainer in anderen Ländern, doch gerade in Österreich arbeitete unsere Botschaft vorbildlich. Seit 2014 wird sie von Olexandr Schtscherba geleitet, er ist einer der wenigen Botschafter, welche trotz des Regierungswechsels im Amt blieben. Seine private Facebook-Seite fungierte nun als Informationstableau, wo nacheinander Updates in Bezug auf die Ausreise von Ukrainern aus Wien veröffentlicht wurden. So kehrten am Mittwoch 174 Personen nach Hause zurück. Und während wir das Interview für die Veröffentlichung vorbereiteten, nahmen weitere 33 Personen von Wien aus die Präsidentenmaschine.

Über all diese Ereignisse sprach LB.ua mit Herrn Schtscherba.

Am Dienstag erschien die Information: Aus Wien können über 360 Ukrainer nicht abfliegen. Nichtsdestotrotz brachen heute nahezu 200 von ihnen in die Ukraine auf.

Ja, mit einem Flug der Austrian Airlines flogen 174 ukrainische Staatsbürger nach Hause. Unter diesen Bürgern sind jene, die früher Tickets für einen Flug der Austrian Airlines hatten und deren Flug jedoch storniert wurde, und auch jene, welche die Tickets heute zu einem recht hohen Preis (493 Euro) erworben haben, da es im Flugzeug noch freie Plätze gab. Sie flogen auch.

Was wird der Rest der Menschen tun, die in Wien geblieben sind?

Der Rest wartet auf einen Charterflug. Wir hoffen, dass er morgen stattfinden wird. Im schlimmsten Fall übermorgen. Der Charter wird einen erschwinglichen Preis haben – 149 Euro. Wir hoffen, dass wir den Rest der Menschen damit herausbringen werden und alles gut wird.

Es gab Informationen darüber, dass ein Teil der Menschen möglicherweise mit der Eisenbahn in die Ukraine geschickt wird.

Für Wien können sie nicht bestätigt werden.

Wie viele Menschen bleiben noch in Wien? Inoffiziellen Daten nach sind es 360. Gibt es irgendwelche offiziellen Zahlen?

Für eine Evakuierung haben sich bei uns 391 Menschen registriert. Doch einige von ihnen konnten sich selbstständig auf den Weg machen, als wir sie gestern und heute durchtelefoniert haben. Daher variiert die Zahl 391. Andererseits tauchen neue Personen auf. Aus diesem Grund kann ich ihnen momentan keine definitiven Daten nennen. Ich muss aber sagen, dass der Charterflug, auf den wir warten eine wesentliche und wichtige Hilfe sein wird.

Auch merke ich an, dass die Austrian Airlines großartige Partner sind. Dass sich zu der Zeit, als sie gezwungen waren, Österreicher aus allen Ländern der Welt auszuführen, bei ihnen eine Maschine gefunden hat, um die Ukrainer wegzubringen, ist eine große Sache.

Im Übrigen habe ich im Prozess der Geschichte mit diesem Flugzeug wunderschöne Momente gesehen. Zum Beispiel hatten einige Menschen heute nicht ausreichend Geld für das Flugzeug und andere Passagiere legten zusammen, damit sie fliegen konnten. Und sie sind geflogen. Oder im letzten Moment kam ein junger Mann, der nur 160 Euro hatte, das Ticket kostete in diesem Fall jedoch 493 Euro. Ich kontaktierte die Austrian Airlines und sie nahmen diesen Jungen nach Überlegungen an Bord.

Es gab enorme Hilfe von der ukrainischen Gemeinde in Wien. Als ich sagte, dass es nichts gibt, wo man die Leute unterbringen kann, begannen sie Matten und Schlafdecken usw. heranzuschaffen. Dafür möchte ich mich bei allen sehr bedanken.

Einige Ukrainer konnten seit dem 15. März nicht aus Österreich wegfliegen. Wo waren sie die ganze Zeit lang? Einem Teil wurden Zimmer in einem Hotel zur Verfügung gestellt, so wie ich es verstehe. Wo befand und befindet sich der Rest?

Die Passagiere des Flugs der Austrian Airlines wurden vom Unternehmen in einem schönen, komfortablen Hotel beim Flughafen untergebracht. Auch dafür gebührt ihnen großer Dank. Einen Teil haben wir in unserem Haus des Kultur- und Informationszentrums der Ukraine in Österreich in der Nähe von Wien untergebracht. Einem Teil half die ukrainische Gemeinde dabei, günstige Appartements für zehn Euro pro Tag zu finden. Durch gemeinsame Anstrengungen blieb keiner der Menschen auf der Straße zurück.

Weshalb sind die Leute überhaupt in eine Transportfalle geraten? Weil die Ukraine die Grenzen geschlossen hat oder aus anderen Gründen?

Die ersten Tage – Sonntag und Montag (15. und 16. März) – waren leider das völlige Chaos. Nicht nur bei uns. Überall. Austrian Airlines und Lufthansa sahen die Nachricht, dass die Ukraine den Luftraum geschlossen und sagten automatisch ihre Flüge ab. Ich begann ihnen zu erklären, dass der Raum erstens ein wenig später geschlossen wird. Zweitens ist er nicht für Flugzeuge geschlossen, die Ukrainer evakuieren. Austrian Airlines hörte zu, änderte ihre Politik und holte ihre Passagiere heraus.

Die Botschaft reagierte sehr effizient. Die Menschen konnten über das Außenministerium, die Website der Botschaft und Ihr persönliches Facebook um Hilfe ansuchen.

Derzeit haben alle Personen, die sich bei uns registriert haben, ihre E-Mails an die Botschaft per E-Mail gesendet. Jemand ruft über einen Messenger an, ein anderer über WhatsApp. Wir versuchen, allen zu antworten. Sobald nur Klarheit über den Charterflug herrscht, senden wir allen Instruktionen darüber, wie sie sich für dieses Flugzeug anmelden können.

18.03.2020 // Walentina Mereschtschuk

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Agnes Poitschek  — Wörter: 846

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