Facebook hat Saborona für Kritik an Neonazis blockiert. Es zeigte sich, dass die ukrainischen Faktenchecker des sozialen Netzwerks eng mit ihnen befreundet sind


Anfang 2020 wählte sich Facebook Partner in der Ukraine um Fälschungen und Desinformationen entgegenzuwirken. Neben VoxCheck fiel die Wahl des sozialen Netzwerks auf StopFake – ein Internetprojekt, das sich seit 2014 mit der Aufdeckung russischer Propaganda beschäftigt. Diese Entscheidung wird als interpretationsbedürftig angesehen, denn die Vertreter von StopFake sind mit bekannten rechtsextremen Funktionären befreundet, unter denen sich wegen Mordes aus Hass Verurteilte befinden. Der Journalist von Saborona, Samujil Proskurjakow berichtet, warum die Bestimmung von StopFake hypothetisch zum Problem werden könnte.

Diese Geschichte beginnt am 2. Juni als Saborona den Artikel über Denys Nikitin [Denis Nikitin] veröffentlichte. Er ist ein russischer Fußballhooligan, Gründer der unter Leuten mit rechtsextremen Ansichten populären Marke White Rex und einer der Haupt-Neonazis Europas, die in den letzten Jahren in der Ukraine leben.

Der Beitrag mit dem Link auf das Material erschien auf unserer offiziellen Seite in Facebook am Abend. Der Artikel gefiel den Abonnenten von Saborona und sie diskutierten und verbreiteten ihn aktiv. Jedoch 18 Stunden nach der Veröffentlichung verschwand er von der Seite, unsere Moderatorin erhielt einen Bann und die Seite wurde bei der Monetarisierung eingeschränkt. Wir wussten nicht warum, doch wollten wir das erfahren und den Eintrag zurückholen. Damals rieten einige unserer Leser dazu die wahrscheinliche Antwort im neuen Partner Facebooks in der Ukraine zu suchen – dem Internetprojekt StopFake. Und obgleich das soziale Netzwerk später erklärte, dass der Eintrag wegen eines Fehlers gelöscht wurde und diesen am nächsten Tag reaktivierte, erfuhren wir für uns viel interessantes.

Was ist StopFake?

Das ist ein Projekt, das 2014 von Studenten und Dozenten an der Journalistenschule der Kyjiwer Mohyla-Akademie gegründet wurde. StopFake beschäftigt sich mit der Aufdeckung von falscher Information und genießt das Vertrauen von vielen führenden westlichen Medien. Darunter war, dass seinerzeit das Projekt die Falschinformation des russischen Ersten Kanals über den Abschuss der malaysischen Boeing MH17 unweit von Tores im Donezker Gebiet durch ein ukrainisches Militärflugzeug nachwies. Die Untersuchung von StopFake bewies, dass die vom Fernsehsender gezeigten Satellitenaufnahmen gefälscht waren.

2016 geriet das Projekt in die Liste „New Europe 100“ der Zeitung Financial Times – einer Liste von Leuten und Organisationen, die dabei helfen, die Gesellschaft zum Besseren zu wandeln. Unter den Sponsoren von StopFake sind das Außenministerium von Tschechien, die Botschaft Großbritanniens in der Ukraine, der Nationale Fonds zur Unterstützung von Demokratie, der von der Regierung der USA finanziert wird und ebenfalls die Internationale Stiftung „Renaissance / Widrodschennja“.

Am 27. September 2020 wurde StopFake zum Teilnehmer des Faktenüberprüfungsprogramms von Facebook. Es hilft dem sozialen Netzwerk im Kampf gegen Fälschungen und Desinformationen. Es sieht so aus, dass wenn ein Experte zur Überprüfung von Fakten die Information als Fake kennzeichnet, dann taucht sie im Nachrichtenverlauf weiter unten auf, was die Verbreitung von unwahrem Inhalt vermindert und ebenfalls die Zahl der Ansichten minimiert. Nach der Kennzeichnung des Eintrags als Fake warnt Facebook die Leute, die es sehen oder es verbreiten wollen davor, dass die Information nicht wahr ist. Außerdem verlieren die Seiten und Domains, die regelmäßig Fakes verbreiten, die Möglichkeit zur Monetarisierung der Inhalte und der Platzierung von Werbung.

StopFake und die Rechtsextremen

Als erstes veröffentlichte die Pressemitteilung von Facebook zur Wahl ukrainischer Partner der Journalist der amerikanischen Website BuzzFeed, Christopher Miller, bei Twitter. Er betonte, dass der Kampf gegen die Desinformation gut ist, doch nur in der Theorie. Seiner Meinung nach müsse die Beteiligung von StopFake am Prozess Beunruhigung hervorrufen. „Der Mitarbeiter von StopFake Jewhen Fedtschenko [einem der Gründer und Chefredakteur des Projekts, Direktor der Journalistenschule der Kyjiwer Mohyla-Akademie] tritt gegen die Pressefreiheit und gegen Nachrichten auf, welche die Regierung kritisieren oder nicht die Sprache nutzen, die seiner Meinung nach zu bevorzugen sei“, sagt Miller.

Jewhen Fedtschenko hat wirklich einige Rechtsextreme öffentlich unterstützt. Beispielsweise kritisierte er 2018 den Eintrag von Hromadske Telebatschennja, über die Festnahme des brasilianischen Kämpfers Rafael Lusvarghi, der auf der Seite der Separatisten im Donbass kämpfte, durch Vertreter der Organisation S14. Hromadske berichtete darüber und bezeichnete die Gruppe als „Neonazis“, wogegen S14 vor Gericht „zur Verteidigung der Ehre, Würde und des Geschäftsrufs“ ging. Im August 2019 gab ein Gericht der Klage der Rechtsradikalen statt.

Fedtschenko hob in seinem Twitter hervor, dass einer der „Neonazis“, Olexander Wojtko, der Lusvarghi festnahm, Veteran des Krieges im Donbass, Journalist des Fünften Kanals [einer der Nachrichtensender von Ex-Präsident Petro Poroschenko, A.d.Ü.], Absolvent und Dozent der Journalistenschule der Kyjiwer Mohyla-Akademie sei. Der Korrespondent der französischen Zeitung Le Figaro, Stephane Siohan schrieb damals, dass Fedtschenko versucht S14 nur deswegen reinzuwaschen, weil sein Kollege Wojtko zu dieser Organisation gehört.

Es gab auch andere Situationen. 2016 wurden die Daten von über 4.000 Journalisten, die eine Akkreditierung in den sogenannten Luhansker und Donezker Volksrepubliken erhielten auf der Seite Myrotworez [Friedensstifter] veröffentlicht. Das ist ein Projekt, das 2014 zur Offenlegung der Basis der Separatisten auftauchte und derjenigen, die sie unterstützen. Einer der Initiatoren der Schaffung war der damalige Berater und jetzige Stellvertreter des Innenministers, Anton Heraschtschenko. Die Veröffentlichung der Daten der Journalisten, unter denen Vertreter von weltweiten Medien waren (darunter Associated Press, AFP, Al Jazeera), führte zu einem internationalen Skandal. Denn auf der Seite wurden nicht nur die Familien- und Vornamen veröffentlicht, sondern auch Mobiltelefonnummern, E-Mail-Adressen und einige Passdaten. Viele Journalisten erhielten Drohungen wegen „Zusammenarbeit mit den Terroristen“, der sie beschuldigt wurden. Obgleich eine Akkreditierung in den nicht anerkannten Republiken ein erzwungener Schritt für Medienarbeiter ist, die das beleuchten wollen, was dort stattfindet.

Im gesamten Konflikt stellte sich Fedtschenko auf die Seite von Myrotworez. Er behauptete, dass die Verantwortung für die Datenpreisgabe allein bei den Medienvertretern liege. „Bis dahin, als die Journalisten die Informationen über den Datenabfluss veröffentlichten, wusste niemand von [der Seite] Myrotworez“, sagte Fedtschenko und fügte hinzu, dass der Skandal wie es ihm scheint „unbedeutend und belanglos, von vielen Journalisten aufgebauscht sei.“

Christopher Miller schrieb ebenfalls, dass Großbritannien die Finanzierung von StopFake „wegen Befürchtungen bezüglich der Fähigkeiten zur Faktenüberprüfung und öffentlichen Kommentaren vonseiten des Mitgründers Fedtschenko, der Journalisten und die Pressefreiheit angreift“ gekürzt habe. Saborona hat diese Informationen teilweise widerlegt.

Beim Pressedienst der Botschaft Großbritanniens in der Ukraine wurde uns erzählt, dass StopFake 2015-2018 unterstützt wurde, „und wir sind stolz auf die von ihnen im Verlauf dieser Zeit erreichten Ergebnisse.“ Der Wechsel der Projektpartner von einem Jahr zum anderen sei eine normale Praxis – StopFake gelangte, den Worten des Pressedienstes nach, auf das geplante Niveau und die Notwendigkeit zu dessen Finanzierung verschwand, doch kooperiert die Botschaft mit der Internetressource in anderen Richtungen. „Experten von StopFake setzen die Zusammenarbeit im Projekt der Medienkompetenz ‚Untersuche und unterscheide‘ fort, das vom Rat für internationale wissenschaftliche Forschung und Austausch (IREX – International Research & Exchanges) mit Unterstützung der Botschaften Großbritanniens und der USA in Partnerschaft mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaften der Ukraine umgesetzt wird. Großbritannien unterstützt die Tätigkeit bei Gegenmaßnahmen gegen Desinformation und Programme, die auf die Entwicklung der Medienkompetenz in der Ukraine und der erweiterten Region ausgerichtet sind“, betonten sie beim Pressedienst.‘

Marko Suprun und die „Brüder“

Das Hauptgesicht von StopFake – Marko Suprun, ist der Ehemann der ehemaligen geschäftsführenden Gesundheitsministerin Uljana Suprun. Die englischsprachige Version des Youtube-Kanals des Projekts besteht beinahe komplett aus Videos mit seiner Beteiligung. Suprun analysiert russische Fakes, darunter über die „Ausbreitung“ des Faschismus in der Ukraine. Doch Marko selbst kann man oft in Begleitung von anrüchigen Rechtsradikalen treffen.

Im September 2017 wurde Suprun zur Veranstaltung des „Jungen Nationalistenkongress“ eingeladen. Dort erzählte, was ihn dazu brachte von Kanada [Die Supruns kommen eigentlich aus den USA. A.d.Ü.] in die Ukraine überzusiedeln und wie man den „Minderwertigkeitskomplex loswerde.“

Auf der Bühne standen neben Marko zwei kräftige Männer. Der erste ist der Gründer der unter Rechtsextremen populären Kleidungsmarke Svastone und der Führer der Hatecore-Band Sokyra Peruna / Peruns Axt [Perun ist eine vorchristliche Gottheit, vergleichbar mit Thor in der germanischen Mythologie. A.d.R.], Arsenij Bilodub.[eigentlich Arsenij Klimatschow] Der andere ist der Frontmen der Rockgruppe Komu Wnys, Andrij Sereda, der irgendwie erzählt, dass er, Marko Suprun und Bilodub sich seinerzeit über das kosakische Ritual der „Verbrüderung“ versippten, was Blutsvermischung vorsieht. Daher sind die Sprecher auf der Seite von Komu Wnys als „Brüder“ gekennzeichnet.

Sokyra Peruna ist eine der populärsten Gruppen unter den Rechtsradikalen, auf welche die Gruppe auch abzielt. In ihrem Lied „Sechs Millionen Worte Lüge“ leugnen sie den Holocaust. Und der Song „17. August“ ist dem Todestag des Nazis Rudolf Hess (er starb als einer der letzten Naziführer) gewidmet.

2018 machte Saborona eine Fotoreportage vom Jubiläumskonzert von Sokyra Peruna, auf dem Naziflaggen und Hakenkreuze gezeigt wurden. Aufgrund der Materialien der Reportage eröffnete die Polizei ein Strafermittlungsverfahren. Die Fotografien des Konzerts nutzten wir als Illustration der Nachforschungen über den Neonazi Denys Nikitin, dessen Link Facebook von der Facebookseite Saboronas einige Zeit nach der Veröffentlichung löschte.

Die Perunleute positionieren ihre Kunst selbst als White Power Rock. Diese musikalische Richtung propagiert über die Texte und Bühnengestaltung Ideen des Rassismus, Antisemitismus und der Homophobie und sind der Meinung der Experten der Australischen Menschenrechtskommission ein wichtiges Instrument der internationalen Neonazibewegung, um Einnahmen zu erhalten und neue Anhänger zu werben.

Der ehemalige Trommler von Sokyra Peruna, Dmytro Wolkow, saß seinerzeit eine Strafe für die Beteiligung am Pogrom in der Brodsky-Synagoge in Kyjiw ab. Konzerte der Gruppe besuchte 2017 der Russe Olexander Skatschkow, den ukrainische Geheimdienste vor kurzem wegen der Propagierung der Ideen des australischen Terroristen Brenton Tarrant festnahmen.

Der Frontmen von Komu Wnys, Andrij Sereda, hob in einem Interview hervor, dass er sich selbst als selektiven Antisemiten ansieht. Bei der Feier des 20. Jahrestages der ultrarechten Partei Swoboda 2011, erzählte der ans Mikrofon gerufene Musikant, dass die ukrainische Erde die „Mutter der arischen Rasse“ sei. Seine Rede beendete er mit einer Geste, die sehr an den Nazigruß erinnert. Er hat ein Tattoo in Form des Keltenkreuzes auf der Brust, das unter Skinheads, Rassisten und Neonazis als Kennzeichen der Überlegenheit der weißen Rasse benutzt wird. Das Symbol figuriert ebenso auf Fotos im Proberaum der Gruppe.

Arsenij Bilodub und Andrij Sereda sind die „Patriarchen“ der ukrainischen ultrarechten Szene. Sokyra Peruna und Komu Wnys sind seit langem und fruchtbar befreundet, treten auf vielzahligen „patriotischen“ Festivals und Konzerten zusammen mit anderen rechtsradikalen Musikformationen auf, darunter der russischen Black-Metal-Gruppe M8L8TH. Der Name wird als „Molot Hitlers / Hammer Hitlers“ dechiffriert, wobei anstelle des Buchstaben „o“ im Namen die Ziffer „8“ steht und auf den Neonazigruß „Heil Hitler!“ verweist (der Buchstabe „H“ steht im lateinischen Alphabet an achter Stelle).

Der Journalist von Bellingcat, Michael Colborn, richtete als einer der ersten seine Aufmerksamkeit auf die Verbindung von Marko Suprun mit bekannten ultrarechten Personen. Er meint, dass der Führung von Facebook die Frage gestellt werden sollte, warum ihr Partner mit „Neonazis kommuniziert.“

Marko Suprun und S14

Am 23. Januar 2020 tauchte bei Instagram ein Foto von Sokyra Peruna auf, dass während der Premiere des ukrainischen Blockbusters [sic!] „Naschy Kotyky / Unsere Katerchen“ gemacht wurde.[Die „patriotische“ Kriegskomödie wurde von den Supruns mitfinanziert. A.d.Ü.] Auf diesem ist Marko Suprun nicht nur in Gesellschaft von Arsenij Bilodub, sondern auch von Diana Wynohradowa (Kamljuk) zu sehen. Am Anfang der Nuller griff Kamljuk gemeinsam mit einer Gruppe von Gleichgesinnten einen Bürger Nigerias an, traten ihn mit den Füßen und ihr Kamerad stach mit dem Messer auf ihn ein. Der Nigerianer starb durch die Verletzungen. Auf die Frage zu den Gründen für den Angriff, antwortete der Kamerad von Diana: „Mir gefallen Neger nicht.“ Kamljuk wurde zu 4,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Hinter Gittern schrieb sie Gedichte für Sokyra Peruna, und nachdem sie aus dem Gefängnis rauskam, deklamierte sie antisemitische Gedichte von der Bühne des Majdans.

Neben Marko Suprun ist auf dem Foto ebenfalls einer der Führer der aggressiven ultrarechten Gruppierung S14 [Aussprechbar als Sitsch, womit die „Hauptstadt“ der Kosakengemeinschaft gemeint ist, aber über die Zahl 14 wurde der Bezug zu den 14 Words vom Nazi David Lane hergestellt, der um das Überleben seiner imaginierten weißen Rasse fürchtete. Der Nazi-Verein wird vom ukrainischen Geheimdienst SBU gedeckt und zumindest indirekt finanziert. A.d.Ü.], Olexander Wojtko. 2018 verjagte S14 Roma auf dem Lyssa Hora [Kahlen Berg] in Kyjiw, verbrannte ihre Zelte und Sachen. Auf dem Video, das einige Tage später von LB.ua veröffentlicht wurde, werfen die Rechtsradikalen Steine auf die Roma und greifen sie mit Tränengas an, während sie diese auf der Straße verfolgten.

Ebenso unter den Adepten von S14 sind einige Leute, die in Strafsachen wegen der Verübung schwerer Verbrechen figurieren. Darunter auch die Mitglieder Andrij Medwedko und Denys Polischtschuk, die des Mordes an Oles Busyna beschuldigt werden – dem ehemaligen Chefredakteur der Zeitung Segodnja und Schriftstellers mit prorussischen Ansichten, der viel in Unterstützung der Politik des Kremls zur Okkupation des Donbass sagte. Beide Figuranten in der „Angelegenheit Busynas“ wurden aus der Untersuchungshaft entlassen. Polischtschuk gegen eine Kaution in Höhe von fünf Millionen Hrywnja [circa 167 Millionen Euro].

Im November 2017 hat das Konsortium Terrorism Research & Analysis Consortium TRAC, das Terrorismus und politische Gewalt erforscht, einen Artikel über S14 veröffentlicht. Die Gruppierung gelangte nicht in die Liste der terroristischen Gruppen, jedoch interessierte sich das Konsortium dafür.

Marko Suprun und der Rechte Sektor

Marko Suprun ist seit langem mit dem Sprecher der ultrarechten Partei Rechter Sektor, Dmytro Sawtschenko, befreundet. Letzterer ist der Gründer des Verlags Eisernes Tattoo, in dem der Ideologe des christlichen Nationalanarchismus, Dmytro Kortschynskyj seine Werke veröffentlicht. Einmal sagte Kortschynskyj, dass seine Partei Bruderschaft anstrebt, in der Ukraine „orthodoxe Taliban“ zu schaffen. Auf der Facebook-Seite des Eisernen Tattoos gibt es ebenso eine Vielzahl von Fotos mit der Symbolik der Karpatska Sitsch / Karpaten-Sitsch. Das ist eine aggressive ultrarechte Gruppierung, deren Mitglieder LGBT-Vertreter, Feministinnen und Leute mit mentalen Besonderheiten angreifen.

Im Februar 2018 feierten Suprun und Sawtschenko gemeinsam den 30. Jahrestag der Gruppe Komu Wnys auf dem Majdan Nesaleschnosti / Unabhängigkeitsplatz [in Kyjiw], wo ebenfalls Dmytro Kortschynskyj anwesend war. Ein Jahr später tauchte Dmytro Sawtschenko gemeinsam mit Arsenij Bilodub vor den Mauern des Bezirksverwaltungsgerichts in Kyjiw auf, wo die Angelegenheit zur Entfernung der geschäftsführenden Gesundheitsministerin, Uljana Suprun, von ihrem Posten behandelt wurde. Sawtschenko machte ein gemeinsames Foto mit Marko und Bilodub.

Dmytro Sawtschenko saß zehn Jahre wegen eines Terrorakts ab – einer Explosion auf dem Kyjiwer Markt in der Trojeschtschyna, infolge dessen ein Mensch starb. 2014 wurde er gemeinsam mit politischen Gefangenen befreit, aber nicht amnestiert. Seine Schuld hat er nicht eingestanden.

Was sagen Experten

Das, mit wem Marko Suprun befreundet ist, ist seine persönliche Sache. Eine andere Sache ist, ob das auf seine Arbeit bei StopFake – einem journalistischen Projekt Einfluss ausübt, das maximal objektiv und unvoreingenommen sein sollte. Der Meinung von Experten nach, die Saborona befragte, kommen in letzter Zeit dazu Fragen auf.

Der Rechtsextremismusforscher Anton Schechowzow hebt hervor, dass StopFake in den letzten Jahren „zu politisiert“ geworden sei. Besonders war das bemerkbar während des Präsidentschaftswahlkampfs 2019, meint er. Wir untersuchten einige Publikationen von StopFake in dieser Zeit und tatsächlich dementierte das Projekt in dieser Zeit viele Fakes zum damaligen Staatsoberhaupt und Präsidentschaftskandidaten Petro Poroschenko. Dagegen waren einige Publikationen merkwürdig und entsprechend um einiges nicht dauf em Niveau, das StopFake am Anfang seiner Tätigkeit zeigte. Beispielsweise dementierten sie den „Fake“, dass Poroschenko die Debatten im Stadion mit Wolodymyr Selenskyj absagte, obgleich das eher eine Manipulation der russischen Medien war. Oder während der Wahlen richtete StopFake seine Aufmerksamkeit auf die Nachwahlbefragung einer Organisation, darauf verweisend, dass diese nur wenige Wochen vor den Wahlen gegründet worden war. Übrigens erwiesen sich die Daten dieses soziologischen Dienstes, dass Poroschenko etwas mehr als 20 Prozent der Stimmen erhielt und Selenskyj etwas über 70 Prozent als genau.

„Wenn StopFake früher 2014-2015 wirklich nützlich war, so fand in den folgenden Jahren eine Politisierung des Projekts statt. Jetzt lässt sich bei ihnen ein national-patriotischer Diskurs verfolgen“, sagt Schechowzow.

Der Journalist von BuzzFeed, Christopher Miller, hat keinen Zweifel daran, dass die Kontakte zur ultrarechten Umgebung sich auf die Position von Jewhen Fedtschenko und Marko Suprun zu Hassgruppen und ihrer Berichterstattung bei StopFake auswirken.

„Der Mitgründer von StopFake, Jewhen Fedtschenko, fasste die Kritik ultrarechter Gruppen vonseiten internationaler und ukrainischer Journalisten als ‚Fake-News‘ und ‚Echo der russischen Propaganda‘ auf“, sagte Miller Saborona. „Die Rolle Supruns bei StopFake, als Poroschenko an der Macht war, und seine Frau geschäftsführende Gesundheitsministerin, kann man als Interessenskonflikt betrachten, denn die Internetressource unterstützte die Position der Regierung in allen Fragen.“

Darunter antwortete StopFake auf die manipulative Nachricht von Strana.ua über die Kyjiwer Vereinigung „Munizypalna Warta / Stadtwache“, in der behauptet wurde, dass während der Quarantäne „Ultrarechte Dokumente im Kyjiwer Nahverkehr überprüfen“, mit einer nicht weniger merkwürdigen Veröffentlichung, in welcher der Versuch das Image der „Stadtwache“ reinzuwaschen beobachtbar ist. [Die Munizypalna Warta ist ein von der Stadt Kyjiw bezahlter Wachdienst, der faktisch keine Befugnisse hat, aber die Basis für eine spätere städtische Polizei bilden soll. Bisher gibt es keine Gesetzesgrundlage dafür. Der Verein besteht angeblich vornehmlich aus Neonazis der S14-Gruppierung. A.d.Ü.] Auf die Anschuldigungen von Strana.ua zur Verfolgung von Roma durch die Kyjiwer Stadtwache, dementierte StopFake die Beteiligung der Formation an dem Pogrom auf der Lyssa Hora, sich dabei auf einer Erklärung der „Wache“ berufend. Und das unter der Bedingung, dass gerade über diesen Vorfall in der Publikation von Strana.ua kein Wort steht – die Seite schrieb über Angriffe auf Roma in allgemeinen Phrasen und verwies auf einen Kommentar des Sprechers der Patrouillen-Polizei, Jurij Sosulja: „Wir können nicht mit Leuten zusammenarbeiten, die Rassenhass vertreten.“

„Die Möglichkeit die ‚Bemerkbarkeit‘ des einen oder anderen Inhalts zu lenken ist ein großer Anreiz und das Vorhandensein beständiger persönlicher und politischer Sympathien kann zum Motiv für Missbrauch werden“, sagt der Forscher rechtsextremer Bewegungen und Koordinator der Gruppe zum Monitoring der Rechte nationaler Minderheiten, Wjatscheslaw Lichatschow, Saborona. „Beispielsweise, warum nicht wegen freundschaftlicher Beziehungen den Beitrag als Fake kennzeichnen, in dem daran erinnert wird, dass Diana Wynohradowa (Kamljuk) für die Beteiligung an einem rassistischen Mord eine Gefängnisstrafe abgesessen hat, wenn sie selbst behauptet, dass das ‚politische Verfolgung‘ war? Warum nicht Dmytro Sawtschenko helfen, seltener auf die Erinnerung an zehn Jahre Freiheitsentzug zu stoßen, nach dem misslungen Versuch in der Trojeschtschyna einen ‚heiligen Rassenkrieg‘ zu entfesseln, bei dem eine Reinigungskraft des Marktes umkam?“

Lichatschow sagt, dass er keine derartige Voreingenommenheit vonseiten StopFakes zu Beiträgen bei Facebook bemerkt habe, doch ist er überzeugt, dass wenn die Mitglieder der für die Kontrolle der Echtheit von Inhalt zuständigen Organisation ständig in Gesellschaft von beispielsweise Anatolij Scharij [Videoblogger und Ex-Journalist, der im niederländischen Exil lebt. Kritisierte Ex-Präsident Petro Poroschenko hart und inzwischen ebenso Präsident Wolodymyr Selenskyj. Wird von seinen Gegnern als Kreml-Projekt bezeichnet. A.d.Ü.] oder Wiktor Medwedtschuk [Chef der Partei Oppositionsplattform, die enge Verbindungen zu Russland anstrebt. War unter Präsident Leonid Kutschma Chef des Präsidialamts. A.d.Ü.] gesehen würden, „der Skandal nicht nur im ukrainischen Facebook-Segment dröhnen würde.“

„Übrigens, ein gekonnt ausgearbeiteter Arbeitsalgorithmus, klare Kriterien und das Vorhandensein von Leute mit verschiedenen Ansichten im Team können das Risiko der Voreingenommenheit von Moderatoren minimieren“, meint Lichatschow. „Und die Hauptsache ist sicher eine maximale Transparenz der Bewertungskriterien, Mechanismen und eine Begründung der getroffenen Entscheidungen insgesamt und besonders in jedem Fall eines potenziellen Interessenkonflikts.“

Der Bürgerrechtler und Koordinator des Projekts „Bes kordoniw / Ohne Grenzen“, Maxym Butkewytsch, meint, dass Marko Suprun einerseits bei StopFake nicht als Moderator von Facebook arbeitet. Und wenn er die Ziele und Werte von StopFake teilt und er in der Lage zur Erfüllung der Aufgaben des Projekts ist, dann kann das für die Organisation ausreichend sein. Andererseits wurde die Rolle dieser Internetressource, die mit einem wichtigen und nützlichen Ziel gegründet wurde, im Kontext der Zusammenarbeit mit Facebook noch wichtiger und daher ist eine scharfe Aufmerksamkeit für die Unvoreingenommenheit von StopFake folgerichtig.

„Daher denke ich, dass eine entsprechende Frage an StopFake, darunter von Journalisten, komplett logisch und gerechtfertigt wäre und darauf muss man eine Antwort haben. Das ist auch schlussendlich nützlich für das Projekt selbst, sein Image und für das Verständnis von dessen Werten durch das Auditorium“, sagt Butkewytsch.

Saborona hat sich an StopFake und dessen Führung mit der Bitte um einen Kommentar bezüglich der Verbindungen von Marko Suprun zu Ultrarechten gewandt und zur Dementierung oder Bestätigung der Beteiligung an der Löschung des Beitrags von Saborona über den Neonazi Nikitin, doch erhielt keine Antwort. Wir haben ebenso Marko selbst geschrieben und wandten uns an die Vertreterin von Facebook in der Ukraine, Kateryna Kruk, und erhielten ebenfalls keine Antwort. Saborona ist bereit Platz für die Darstellung der Position zu gewähren.

3. Juli 2020 // Samujil Proskurjakow, Kateryna Serhazkowa

Quelle: Saborona

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 3356

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