Kiewer Mieten sanken im Oktober um 10-30% zum September


Die Finanzkrise provozierte einen Verfall der Mieten für Wohnraum in Kiew. Den Hauptschlag bekam das Segment der Luxuswohnungen ab.

Zum ersten Mal in den letzten zehn Jahren wurde im Herbst in der Hauptstadt kein Wachstum, sondern ein Rückgang des Mietzinses für Wohnraum festgestellt. Im Vergleich zum September betrug der Rückgang, nach unterschiedlichen Angaben, 10-30%.

Makler konstatieren, dass an allem die Finanzkrise schuld ist. Die Menschen begannen stark zu sparen. Und die Unternehmen verzichten öfters darauf teure Luxuswohnung für ihre Spezialisten und Manager anzumieten, die aus anderen Städten eingeladen wurden.

Der Kurs der Währung erlaubte sich einen bösen Scherz

Wie Ruslan Besuglyj, Generaldirektor der Immobilienagentur “Ukrainskij Dom”, erläuterte, wurde der Schlag auf den Mietmarkt in Kiew von der scharfen Abwertung der Landeswährung verursacht. Für die, welche ihre Gehälter in Hrywnja erhalten, macht der Anstieg der amerikanischen Währung die festlegte Mietzahlung einfach untragbar. Obgleich noch Anfang des Herbste die Mieter diese für annehmbar hielten. “Jetzt sind 800 Dollar überhaupt nicht die Summe in Hrywnja, wie sie das im Sommer waren. Daher sinken die Dollarmieten.”, resümiert der Generaldirektor der Immobilienagentur.

Tatsächlich fallen auch die in die Landeswährung umgerechneten Mieten heftig. Die Zeitung “Delo“ führte ein Monitoring der Anzeigen über die Vermietung von Wohnungen im letzten Quartal durch. Wie sich herausstellte, wurde ein und dieselbe Einraumwohnung in einem neuen Haus bei den Karajewyje Datschi (Rajon Solomjanka) vor drei Monaten für 800 Dollar im Monat vermietet, momentan für 600. Einfache Mathematik: Im Sommer kostete eine solche Wohnung etwa 4.000 Hrywnja, momentan (wenn man zum Kurs von 6 Hrywnja für den Dollar rechnet) beträgt die Mietsumme 3.600 Hrywnja. Im Endeffekt beträgt der Nachlass in Hrywnja 10% in Dollar 25%.

Handeln sie, und die Preise fallen

Versuche mit den Maklern und den Eigentümern der zu vermietenden Wohnungen zu handeln tragen Früchte. Broker geben selbst sofort zu, dass die Eigentümer der Wohnungen jetzt bereit sind spürbar nachzugeben. Und um so höher die Mietenpreise ausgewiesen sind um so mehr können sie aushandeln.

So, wurde eine Vierzimmerwohnung auf der Artjomastraße, die für 3.900 Dollar im Monat angeboten wurde, nach einem kurzen Telefongespräch um 400 Dollar billiger angeboten. “Ich rede mit der Eigentümerin, dass es 3.500 werden, doch nicht weniger. Weil in einem Sandsteinhaus im Rajon Obolon mit einer bescheideneren Sanierung die Wohnung 3.000 Dollar kostet. Und diese hier liegt im Zentrum.”, überzeugte der Makler.

Im Rajon Obolon unweit der Metrostation “Helden des Dnepr” wurden anfänglich für eine Dreizimmerwohnung 1.500 Dollar verlangt, ein anderer Makler ging gleich um 300 Dollar herunter.

“Handeln ist zur Zeit angebracht, da einige Eigentümer sehr viel wollen.”, gibt Ruslan Besuglyj zu. “Persönlich wären wir Makler sogar froh, wenn diese teuren Wohnungen ein wenig im Preise fallen, damit es leichter fällt mit ihnen zusammenzuarbeiten. Die Mieter stöhnen über die Wolkenpreise.”

Makler geben zu, dass die Vermieter momentan überaus bereitwillig handeln. Doch in unterschiedlichen Segmenten unterschiedlich. “Wenn man das Billigsegment nimmt, dann gib man dort 100 Dollar zu, doch wenn man Luxuswohnungen nimmt, dann sogar mehr.”, betont Besuglyj.

Tatsächlich, wurde bei einer Einraumwohnung im Rajon Darnizkij für 600 Dollar im Monat vom Makler am Telefon sofort auf 550 Dollar gegangen. Verstehend, dass dies den potentiellen Kunden nicht sonderlich zufrieden stellte, schlug er sofort eine “Gastwohnung” für 450 Dollar vor, doch bereits auf dem rechten Ufer des Dnepr.

Das teure verbilligt sich schneller

Zu den ersten Opfern der sich verstärkenden Krise wurden die großen Wohnungen der Premium- und Businessklasse. “Die Preise haben sich in erster Linie für die großen Appartements verringert.”, sagt Andrej Sokur, der Generaldirektor der Immobilienagentur “Allianz-Brok”. “Die Verringerung der Mietzinsen findet vor allem im Luxusbereich statt.”, bestätigt Sergej Slyden, der Vizepräsident der Assoziation der Immobilienspezialisten der Ukraine. Er erläuterte diese Tendenz damit, dass wenn ein Mensch mit einem stabilen Arbeitseinkommen und Sicherheit im morgigen Tag es sich erlauben konnte eine weite “verpackte” Wohnung, dann muss er heute zu einer einfacheren Variante übergehen. “Es ist eine wirkliche Tendenz – die Verringerung der Ausgaben unter Bedingungen der Krise.”, gibt Slyden zu.

“Diejenigen, die Wohnungen zu hohen Preisen vermieten, werden diese senken, damit die Wohnungen nicht leer stehen und um wenigstens etwas Geld zu bekommen.”, fügt Dennis Morosow hinzu, führender Spezialist für Immobilien des Beratungsunternehmens “Kansas”.

Makler schließen nicht aus, dass zukünftig noch größere Mietpreissenkungen in allen Segmenten stattfinden können. Dies geht in dem Fall vor sich, wenn die hauptstädtischen Unternehmen ihren Personalbestand kürzen. “Wenn der vorliegende wirtschaftliche Rückgang ein starker wird, werden wir eine reelle Verringerung der Arbeitsplätze beobachten, was einen Rückgang der Bevölkerung in Kiew nach sich ziehen wird.”, sagt Ruslan Besuglyj. Und das bedeutet, dass sich auch die Nachfrage nach Mietwohnungen verringern wird.

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 803

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