Ukraine könnte 2013 ihren ersten Satelliten starten


Nach 20 Jahren hat die Ukraine im Orbit einen Platz für ihren ersten Telekommunikationssatelliten erhalten. Das Staatsunternehmen „Ukrkosmos“ einigte sich mit dem Unternehmen Eutelsat auf die gemeinsame Nutzung einer Orbitalposition für den Sputnik „Lybid“, der Fernseh-, Telefonie- und Internetdienste anbieten soll. „Ukrkosmos“ hat ambitionierte Pläne – das Unternehmen erhebt Anspruch auf die Umsetzung des nationalen Projektes „Digitaler Landkreis“ im Gesamtwert von mehr als 450 Mio. Hrywnja (ca. 45 Mio. €).

Der erste ukrainische Telekommunikationssatellit „Lybid“ hat endlich einen Platz im Orbit erhalten. Gestern meldete das staatliche Unternehmen „Ukrkosmos“, welches das Projekt entwickelt, die Vereinbarung gemeinsam mit einem der größten Satellitenverbindungsbetreiber der Welt – der französischen Eutelsat – die Orbitalposition 48° östlicher Länge zu betreiben. Die Funktion von „Lybid“ an der anderen mit der Ukraine bereits 2000 vereinbarten Position – 38,2° östlicher Länge – störte die Satelliten des französischen Unternehmens. „Wir haben das gesamte letzte Jahr Verhandlungen geführt und uns entschieden den Satelliten auf eine Position zu bringen, an der es bereits Satelliten von Eutelsat gibt“, erzählte dem “Kommersant-Ukraine” der Direktor von „UkrKosmos“, Sergej Kapschtyk.

Die Arbeiten für „Lybid“ wurden bereits seit Anfang der 1990er Jahre geführt. An dem Projekt wurden mehrfach Änderungen vorgenommen und die Startfristen verschoben. Die Umsetzung des Projektes wurde 2009 aktiviert als das Ministerkabinett zur Finanzierung des Satelliten einen Kredit der Kanadischen Exportagentur in Höhe von 254,6 Mio. $ gegen staatliche Garantien aufnahm. 2010 begann der Bau von „Lybid“ unter gemeinsamen Anstrengungen des kanadischen Unternehmens Mac Donald Dettwiler and Associates und des russischen Unternehmens „Informazionnye Sputnikowyje Sistemy im. M.F. Reschetnewa“. Kapschtyks Worten nach nähert sich der Bau gerade seinem Abschluss. Der Satellit wird in Russland zusammengesetzt, von wo aus er zum Kosmodrom Baikonur geschafft wird. Der Start von „Lybid“ ist für Ende 2013 geplant.

Die neue Orbitalposition ist für den ukrainischen Satelliten vorteilhafter, obgleich sie höhere Ausgabe für die Signalbereitstellung erfordert, meint der Herausgeber des Branchenmagazins Mediasat, Alexander Gluschtschenko. „Auf der Position 38,2° östlicher Länge hätte der Satellit nur das Territorium der Ukraine abgedeckt. Die Abdeckungszone auszuweiten, ohne funktionierende Netze an benachbarten Orbitalpositionen zu berühren, wäre unmöglich gewesen“, erläutert der Regionaldirektor von Eutelsat in der GUS, Nikolaj Orlow. Kapschuk teilte dem “Kommersant-Ukraine” mit, dass auf „Lybid“ 30 Ku-Transponder (Übertragungsgeräte) installiert werden, was die Möglichkeit zu Abdeckung von drei Regionen gibt: Zentral- und Osteuropa, Indien, Zentral- und Westafrika. „Faktisch kann der Satellit eine Brückenfunktion erfüllen: ein Signal aus Ostasien in den Westen übertragen“, betont Gluschtschenko.

„UkrKosmos“ beabsichtigt mit Hilfe von „Lybid“ für Satellitenbetreiber traditionelle Dienstleistungen anzubieten, die im Ku-Bereich funktionieren: Satellitenfernsehen und Verbindungsdienstleistungen über die VSAT-Technologie, darunter Internetzugang. „Wir entwickeln das Projekt mit Kreditgeldern, die wir zurückzahlen müssen und suchen bereits aktiv nach Kunden“, sagt Kapschuk. Der Leiter der Staatlichen Kosmosagentur, Jurij Alexejew verlieh im Januar seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich das Projekt innerhalb von 7-8 Jahren rechnet.

Fernsehsender haben bisher noch keine Angebote von „UkrKosmos“ erhalten. „Derzeit sind wir mit der Funktion der Amos-Satelliten zufrieden. Doch hängt alles von den Preisen und der Qualitätsgarantien für die Signalübertragung ab“, sagt der Präsident der Mediagruppe StarLightMedia (ICTV, „Nowyj Kanal“, STB, M1), Alexander Boguzkij. Doch die Perspektiven von „UkrKosmos“ auf dem Markt für Internetzugänge bei der VSAT-Technologie halten Konkurrenten für fragwürdig. „Wir sind faktisch die einzigen Anbieter auf dem Markt, arbeiten bereits mehr als zehn Jahre und wir haben nur 6.700 Abonnenten. Wen wollen sie noch anschließen?“, wundert sich der Entwicklungsdirektor der „Datagroup“, Maxim Smeljanez.

Bei „UkrKosmos“ erhebt man sogar Anspruch auf die Beteiligung an nationalen Projekten. Das Staatsunternehmen erhielt im Tausch für die Orbitalposition Frequenzen auf dem Eutelsatsatelliten Ka-Sat, der einen billigeren und schnelleren Internetzugang als VSAT erlaubt. Im letzten Jahr hatte auch die „Datagroup“ den Erhalt von Frequenzen auf diesem Satelliten verkündet. „Die Möglichkeiten von Ka-Sat reichen in der Ukraine für die Umsetzung einer Vielzahl von Projekten“, erläutert Nikolaj Orlow. „Die ‘Datagroup’ arbeitet hauptsächlich im Unternehmensbereich und mit Privatpersonen, doch ist ‘UkrKosmos’ an nationalen Projekten zur Sicherstellung des Internetzugangs für die Bevölkerung interessiert“. Die Rede geht vom nationalen Projekt „Digitaler Landkreis“ im Wert von 465 Mio. Hrywnja (ca. 46 Mio. €; siehe Ausgabe des “Kommersant-Ukraine” vom 20. Januar). Auch die „Datagroup“ plant sich daran zu beteiligen. „Uns ist nichts bekannt von einer Beteiligung von ‘UkrKosmos’ am ‘Digitalen Landkreis’ bekannt, wir setzen die Arbeit mit den Autoren des nationalen Projektes fort“, teilte Semljanez mit.

Igor Burdyga

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 733

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