Die Ukraine kann vorläufig ein Offshore-LNG-Terminal nutzen


Der Vorsitzende des Koordinationsrates des Nationalprojektes LNG (Flüssigerdgas)-Terminals, Witalij Demjanjuk, erklärte beim Treffen am 14. Dezember bei der Besprechung „Perspektiven der Diversifizierung der Bezugsquellen von Gas für die Ukraine durch den Bau eines LNG-Terminals und der Gewinnung nichttraditionellen Gases“: „Das LNG-Terminal ist eines der Infrastruktur-Projekte der Ukraine, das für die Stabilität des Gasmarktes unseres Landes sorgen wird. Das Terminal muss aus der Sicht von Ingenieuren und Ökonomen in das nationale Gassystem, in Tarifbildung und die Gasbilanz in der Ukraine eingebettet sein.“

„Wenn man damit beginnt, ein LNG-Terminal zu bauen, ist es rentabel, während des Baus des stationären Terminals ein Offshore-Terminal (Plattform in Küstennähe) mit den entsprechenden Schiffen zu benutzen. Bei der Nutzung eines solchen Offshore-Terminals können 3-4 Milliarden Kubikmeter Flüssiggas im Verlauf von zwei Jahren importiert werden. Das ist ein bemerkenswerter Gasumfang, der es erlaubt, das Gas aus den Pipelines des Landes zu strecken. Außerdem gibt es nun eine Grundlage, um über Konkurrenzbildung auf dem heimatlichen Gasmarkt zu sprechen, auch aus Sicht der Energieerzeuger, im Hinblick auf die Pipelines und die Lieferungsweise. Nun wird geplant, Investoren für ein Offshore-Terminal zu gewinnen – für den Bau von Kompressoren und unterirdischen Gaspipelines, durch die das Gas dem Verbraucher zur Verfügung gestellt wird“, erklärt W. Demjanjuk. Eine zeitweise Nutzung eines Offshore-Terminals erlaubt für ein- bis eineinhalb Jahre eine beschleunigte Diversifikation der Erdgasquellen, so die Expertenbeurteilung.

Nach Auffassung der Teilnehmer der Diskussion, die vom ukrainischen Zentrum ökonomischer und politischer Forschungen „Alexander Rasumkow“ mit Unterstützung des parlamentarischen Komitees in Fragen zu Brennstoff und Energie, Kernpolitik und atomare Sicherheit organisiert wurde, ist das LNG-Terminal ein klares, infrastrukturelles Objekt des ukrainischen Gasmarktes, doch es kann durch politischen Willen und Unterstützung zu einem effektiven Hebel für die Stabilität der Arbeit aller gastransportierender Systeme des Landes und des nationalen Gasmarktes werden.

Exemplarisch führt der Direktor des Energieprogrammes des Zentrums „Nomos“, Michail Gontschar, die Erfahrung Polens an. Als unsere westlichen Nachbarn mit der Diversifikation der Erdgasgewinnung begannen und sich entschieden, ein LNG-Terminal zu bauen, haben sie schnell ihre marode nationale Gasfirma reformiert (die als Monopol genau die Funktionen erfüllte, wie die NAK „Naftogas Ukrainy“), indem sie die Gasförderungsabteilung abgesondert haben. Auf dem polnischen Markt tauchte so zeitgleich eine Perspektive für Investoren, Lieferanten und Käufer des Gases auf – sie können entweder das traditionelle Gas aus der Pipeline wählen (wobei das russische oder norwegische Gas heute für die Polen deutlich billiger ist, als das „Gas aus der Leitung von Gasprom“) oder auch das über das LNG-Terminal angelieferte.

Schon alleine die Existenz einer solchen potentiellen Wahlmöglichkeit wirkt sich positiv auf die Gaspreise für die polnischen Verbraucher aus. Außerdem wurde sie zu einem gravierenden Argument in den Verhandlungen über die Gaslieferungen mit verschiedenen Gaslieferanten, insbesondere mit der russischen Firma „Gasprom“.

„Solange die Ukraine einen einzigen monopolisierten Erdgas-Lieferanten hat, ist der Gasmarkt der Markt des Händlers. Unser Ziel ist es, das zu ändern und den Gasmarkt zu stabilisieren – besser noch, ihn zu einem Markt der Verbraucher zu machen. Unser Ziel ist es, einen ausschließlich wirtschaftlichen Basispreis für Gas ohne politische Preissenkung oder Preissteigerung. Ein LNG-Terminal ist ein Objekt, das Monopolpreisen entgegenwirkt. Sobald der Gaspreis auf dem Markt das wirtschaftlich begründete Niveau übersteigt, bedeutet das, dass ein LNG-Terminal im Interesse eines Landes wirtschaftlich begründet werden kann. Unsere energiepolitische Verbindung mit der Russischen Föderation und der Einkauf russischen Gases, das ausschließlich über Pipelines zur Verfügung gestellt wird, macht die Ukraine zu einem regionalen Markt. Ein LNG-Terminal würde es erlauben, andere Mechanismen und Lieferquellen einzusetzen und damit die Ukraine zu einem vollwertigen Mitglied des Weltenergiemarktes machen“, so W. Demjanjuk.

Die Teilnehmer an der Diskussion, die die Grundlagenforschung der Experten des Zentrums A. Rasumkowa über die Perspektiven eines LNG-Terminals besprechen, kommen zu dem Entschluss, dass ein solches Objekt tatsächlich die Diversifikation der Erdgasquellen und der Wege der ukrainischen Gasversorgung begünstigt. Allerdings, so bemerken Spezialisten und Politiker, lohnt es sich nicht, das als alternativen Austausch der existierenden Erdgasförderstätten zu sehen, ebenso wie auch die Vergrößerung der Gewinnung nichttraditionellen Gases.

Das Flüssiggas soll das Energieangebot der Ukraine vervollständigen und mehr noch den Einwohnern einen geringstmöglichen Gaspreisanstieg in Europa und der Welt sichern. Tatsächlich zweifeln einzelne Politiker und Experten, die an der Diskussion über die Perspektiven eines LNG-Terminals in der Ukraine teilnahme, an der Lebensfähigkeit des Projektes, weil die „Energiefrage in der Ukraine schon seit langem nicht strategisch zum Wohle des Staates entschieden wird, sondern in den Interessen bestimmter Amtsträger, die heutzutage auf den Hügeln von Petschersk (Kiewer Stadteil) regieren….“

Allerdings, bemerkt Demjanjuk, wird in der Ukraine schon fast seit 20 Jahren über das Terminal gesprochen, die Vorarbeiten für seinen Bau begannen aber erst vor eineinhalb Jahren.

Auf der Basis eines Business Case (Kosten-Nutzen-Analyse), den die spanische Firma Socoin zum 31. Januar ausarbeitet (siehe auch den Artikel von ZN.ua vom 5. November 2011 „Spanische Firma Socoin beginnt mit der Ausarbeitung eines Business Case zum ukrainischen LNG-Terminals“), werden Investitionsangebote ausgearbeitet, ein sogenanntes „Investitionsmemorandum“. „Anhand dieses Dokuments können sich die Investoren ein Bild darüber machen, welcher Umfang von Investitionsmitteln für diese Objekte gefordert wird sowie über die Finanzkennziffern von Betriebstätigkeiten, die Rückzahlungsfristen der Mittel, das Rentabilitätsniveau und alles weitere, was unumgänglich für Investoren ist, um Entscheidungen zu treffen.“

Weil das ein Infrastrukturprojekt ist, soll der Staat bis zu 25 Prozent des Baus des Terminals, der vorbereitenden Arbeiten des Baus der Pipelines und die Baggerarbeiten zahlen.

„Die Beschaffung von Investitionen erfolgt durch einen Bund, in dem Teilnehmer des Staates und einem Konsortium von Investoren sitzt. Ich denke, dass wir mit den ersten 30 Prozent der Investitionen den Teil der Arbeit erledigen können, der die Arbeit des Offshore-Terminals sichert. Wir werden eine Pipeline bis zu einem Anschluss an das existierende Gastransportsystem bauen, die Kanäle für die Schiffe vertiefen und einen Platz für die Verflüssigungsanlage bauen. Dann haben wir auf unserem Territorium bereits alternatives Gas. Dieses Projekt kann man der Bank vorschlagen und 70 Prozent Kreditmittel erhalten, um Tanks zur Gaslagerung zu bauen“, erklärt Demjanjuk.

16. Dezember 2011 // Ganna Ljuta

Quelle: Serkalo Nedeli

Übersetzerin:   Corinna König  — Wörter: 1000

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