Ukrainische Industrieproduktion fällt im Oktober um fast 20%


Der Rückgang der Produktionsmengen in der Industrie beschleunigt sich – im Oktober betrug der Abfall 19,8% und das Wachstumstempo seit Anfang des Jahres verringerte sich auf 2,2%. Die Verminderung betraf Branchen die sowohl auf äußere als auch auf innere Märkte ausgerichtet sind. Bereits im November-Dezember wird die Industrie in den negativen Bereich gehen und es setzt eine umfassende Krise ein, sind Experten überzeugt. Und den Höhepunkt der Rezession erwarten Analysten Anfang 2009, wo erste Unternehmensbankrotte eintreten können.

Das Staatliche Komitee für Statistik veröffentlichte gestern die Daten zur Entwicklung der Arbeit der Industrie der Ukraine im Oktober. Sie erwiesen sich als äußerst negativ: den dritten Monat infolge wird eine Verringerung der Mengen der Industrieproduktion festgestellt, was eine technische Rezession der ukrainischen Industrie bedeutet. Doch wenn der Rückgang im August und September 0,5% bzw. 4,5% betrug, so fiel die Produktion im Oktober um 19,8%. Im Ergebnis verringerte sich der kumulative Wert des Industriewachstums in diesem Jahr über den gesamten Monat um 3,4% und beträgt nun 2,2%. Den Ergebnissen von Januar-Juli (bis zum Beginn des Rückgangs) betrug das Wachstumstempo 7,3%. Eine Verringerung der Produktionsvolumina unter Berücksichtung der Inflation wurde in zehn von zwölf Branchen festgestellt, welche die ukrainische Industrie bilden. Der Rückgang in der Metallurgie erhöhte sich um mehr als das Zweifache (auf 35,6%; seit Anfang des Jahres ein Rückgang um 3,6%) und den größten Abfall demonstrierte die Produktion von Koks und die Erdölverarbeitung (-43,9%; -15,7%), die chemische und die erdölchemische Industrie (-19,2%; +0,5%). Einen starken Produktionsrückgang im Oktober zeigten auch die Branchen, deren Arbeit bis vor kurzem als am stabilsten gesehen wurde: der Maschinenbau (-11,2%) und die Lebensmittelindustrie (-10,9%). Deren Wachstumstempo verringerte sich den Ergebnissen der zehn Monate nach auf 20,5% bzw. 0,4%.

Eine Abkühlung fand in den Branchen statt, die nicht nur auf den Export ausgerichtet sind, sondern auch auf den Binnenmarkt, und der Produktionsrückgang in der verarbeitenden Industrie um 21,1% überstieg den Rückgang in der fördernden (-10%). Dies führte zu einem starken Rückgang beim Verbrauch von Elektroenergie, Gas und Wasser (-14,4%). Ein Produktionswachstum konnten nur zwei Branchen ausweisen: die holzverarbeitende (+2,8%; +16,7%) und die Zellulose-Papier-Industrie (+1,3%; +12,2%). Es fielen auch die Werte für die Leichtindustrie (-6,3%), die sich erst zu entwickeln begann.

Ökonomen betonen, dass diese Werte lediglich vom Beginn der Krise zeugen, deren Ausmaße sich im November erheblich erhöhten. Viele Rohstoff- (beispielsweise, für Eisenlegierungen und Erze) und Maschinenbaufirmen stoppten ihre Produktion oder senkten diese stark eben zum 1. November. “Diese Daten werden als mittlerer Wert für den gesamten Monat berechnet.”, sagt der Analyst der Investmentfirma Concorde Capital, Jewgenij Tscherwjatschenko. “Daher erwies sich der Rückgang in der Metallurgie als mäßig. Tatsächlich senkten die führenden metallurgischen Werke ihre Produktion zum Ende des Oktobers um 40-60%”. “Der Rückgang in den Rohstoffbranchen führt zu einem Rückgang im Maschinenbau.”, gibt der Experte von Gainsfort Research, Alexej Nekrassa zu. “Aber es gibt die Hoffnung, dass dieser gleichmäßig sein wird, da die Unternehmen Exportverträge bis Ende des Jahres haben.”

Ein langgezogener Rückgang wartet auch auf die Lebensmittelindustrie. Der Direktor des Unternehmens AAA, Sergej Naliwka, erwartet einen Produktionsrückgang der Lebensmittelindustrie in diesem Jahr von 10%, in 2009 um 20%: “Wie die Verkaufswerte zeigen, begannen die Leute weniger Produkte der Premiumklasse und von Konditoreiwaren zu kaufen.”

Die fallende Dynamik einbeziehend, kann sich in den folgenden zwei Monaten die Industrieproduktion um weitere Prozente verrringern – und in der Ukraine wird zum ersten Mal seit 1999 ein Rückgang festgestellt werden. “Den Ergebnissen des Jahres nach könnte es einen Rückgang der Produktion um 1% und des BIP-Wachstums auf einem Niveau von 4% geben.”, betont der Analyst der Investmentfirma “Sokrat” Michail Salnikow. “Das führt dazu, dass wir wahrscheinlich anstelle einer technischen eine vollständige Rezession der Industrie erhalten, aus der man sehr schwer herauskommt.” Dabei hängen von der Industrie die Bereiche des Handels und Transports ab, die in das BIP eingehen, welches im Jahre 2009, der Prognose des IWF, auf 3% fällt. “Wenn wir momentan ein Industriewachstum um 2,2% in den zehn Monaten haben, dann sehen wir im November eine Null und diese Entwicklung verschlechtert sich lediglich bis Ende des Jahres.”, ist sich der Ex-Wirtschaftsminister Anatolij Kinach sicher.

Die Leiterin des Radaausschusses für Fragen der Industrie- und Regulierungspolitik und Unternehmertum, Natalja Korolewskaja, geht davon aus, dass das Kabinett den Unternehmen alle möglichen Ermäßigungen und Vorzüge gewährt hat. “Jetzt hängt die Frage des Auswegs der Industrie aus der Krise von der aggressiven Politik auf den ausländischen Märkten der Eigentümer dieser Unternehmen ab. Wie die kürzliche Stabilisierung der Nachfrage nach Metallwalzen zeigte, gibt es dafür Chancen.”, sagt sie. Die Regierung versprach den Metallurgen, Landwirten und Bauherren billige Kredite, eine Beschleunigung der Vorsteuererstattung und Investitionen in Infrastrukturprojekte. Doch ihre eigenen Positionen auf den Auslandsmärkten zu verbessern wird für die Industriellen schwer werden: der IWF erwartet ein Wachstum der Weltwirtschaft um lediglich 2,2% und die Wirtschaften der USA, Japans und der Eurozone werden zurückgehen.

Eine weitere Verringerung der Nachfrage nach der Produktion kann bereits Anfang 2009 zum Bankrott von vielen ukrainischen Unternehmen führen. “Die schlimmste Zeit für die Industrie beginnt ab Februar 2009, wenn die Banken bereits nicht mehr ihre eigenen Bilanzen ausgleichen können und mit der Prozedur der Bankrottierung der Schuldnerunternehmen beginnen.”, vermutet Naliwka.

Die monatliche Entwicklung der Arbeit der Industrie im Jahre 2008, in %

JanuarFebruarMärzAprilMaiJuniJuliAugustSeptemberOktober
Industrie im Ganzen5,711,55,88,38,35,25,1-0,5-4,5-19,8
Bergbau3,85,72,63,94,76,97,52,3-1,2-10
Verarbeitende Industrie5,412,56,59,29,55,55-1,1 -5,3-21,1

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 993

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