Wird in der Ukraine die Synchronisation von Filmen in die ukrainische Sprache zerstört?


In der Ukraine ist die Arbeit des Synchronisationsstudios “Le Doen” (Tochtergesellschaft des Filmverleihs B & H), das für 60% aller Synchronisationen ausländischer Filme in die ukrainische Sprache verantwortlich ist, lahmgelegt worden. Wie aus einer Mitteilung der Freiwilligenorganisation “Prostir Svobody” (wörtl. “Raum der Freiheit”) hervorging, drang die Steuerfahndung am 5. April in das Studio ein.

Der Vorwand (die angebliche Nichtzahlung von Steuern nicht etwa des Studios selber, sondern von dessen Partnern), unter dem die “Maskenshow” stattfand (so werden in der ukrainischen Umgangssprache Einsätze maskierter Polizeieinheiten genannt, Anm. d. Übers.) ist weit hergeholt. Der eigentliche Zweck und das wichtigste Ergebnis der Razzia sei es gewesen, die für Synchronisation notwendige Computer- und Tonaufnahme-Ausrüstung zu entfernen, heißt es in dem Brief.

Am 1. Februar 2012 verabschiedete das Kabinett der Minister die Resolution Nr. 168 “Über Änderungen der Verordnungen für die staatliche Zertifizierung für den Vertrieb” und der Aufführung von Filmen. Mit dieser Resolution kassierte die Regierung die obligatorische Synchronisation oder Vertonung von Filmen (in beliebige Sprachen) auf dem Territorium Ukraine.

So ist es jetzt nicht mehr notwendig, Filme, die in russischer Sprache gezeigt werden sollen, in der Ukraine zu synchronisieren oder zu vertonen, stattdessen ist nun auch der Import fertiger Filme aus Russland möglich.

“Somit hat die Regierung eine protektionistische Regelung für die russische Filmindustrie geschaffen, die Verleihunternehmen ermutigt, die Arbeit ukrainischer Schauspieler, Übersetzer und Synchronstudios abzulehnen. Das ist der Grund dafür, dass im bereits März die ersten in Russland synchronisierten westlichen Filme in russischer Sprache gezeigt wurden”, heißt es weiter bei “Prostir Svobody”.

Anmerkung des Übersetzers: Weitere Information zu diesem Thema (in dem es sowohl um Geschäftsinteressen als auch den Sprachstreit in der Ukraine geht) kann im Interview mit Bohdan Batruch, dem Besitzer des oben erwähnten Studios (in ukrainischer Sprache) nachgelesen werden.

Quelle: Ukrajinska Pravda

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