Die charismatische Partei der Ukraine des Tages des Jüngsten Gerichts: Über politische Sektiererei


Im Laufe der Menschheitsgeschichte gab es immer irrationale Kulte, einige verwandelten sich sogar in mächtige Religionen. Die Menschen wollen glauben und wer etwas anbietet, „an das man glauben kann“, befriedigt grundlegende Bedürfnisse. Unter anderem ist das keine üble Methode, sich für die Führung zu bereichern.

Frei zugänglich gibt es viele Beschreibungen, Indikatoren und sogar Instruktionen in Bezug auf die Funktionsweise eines irrationalen Kults. Wenn man es maximal vereinfacht, sind das schlichtweg „Handbücher für Propheten“.

Erstens muss man auf einfache Art mit verständlichen Worten, laut und entschlossen sprechen. Ja, als ob man die Wahrheit sagen würde, ohne alle erdenklichen Tricks. Doch die Essenz des Gesagten muss ein Rätsel bleiben und zukünftige Veränderungen unkonkret und vage. Einfacher gesagt: „Sie sind Verbrecher und wir werden sie bestrafen, aber dann wird es für alle besser.“ Alle Wörter sind verständlich, aber wie man bestraft, wer sie sind und für wen es besser wird, darunter kann sich jeder vorstellen, was er selbst möchte.

Zweitens sind visuelle Bilder und Emotionen wichtiger als logische Argumente. Die Fäuste zu ballen, mit dem Finger zu zeigen und auf den Tisch zu schlagen, ist viel effektiver, als jemanden von irgendetwas zu überzeugen. Es lohnt sich, dort aufzutauchen, wo man gebraucht wird, um das eigene helle Abbild zu verfestigen und zu verschwinden, ohne sich auf Diskussionen mit den Opponenten einzulassen. Die menschliche Aufmerksamkeit durch eine Rede zu erhalten, vermag nicht jeder, doch einen effektvollen Auftritt zu planen, ist nicht schwer.

Denn – und das ist auch wichtig – ein Anführer muss diejenigen unterhalten, die betrübt sind, und diejenigen von sich forttreiben, die zweifeln. Wenn ein Gaukler einen Trick zeigt, müssen sich gutgläubige Dummköpfe im Saal befinden, aber kein Ingenieur, der alles erklärt und die Tricks während der Vorführung entlarvt.

„Gläubige“ müssen organisiert und strukturiert werden. Die Menschen sind gerne Teil von etwas Größerem, insbesondere dann, wenn es die Möglichkeit gibt, zu „wachsen“. Wichtig sind Riten, Einweihungen und Rituale.

Ein Anführer sollte nicht leiden, um potenzielle Unterstützer nicht zu verschmähen. Egal, was sie über Moral und Selbstaufopferung sagen, die Menschen wenden sich an die Wohlhabenden und Erfolgreichen. Selbst im Fall von irrationalen Kulten, die wegen der Spenden ihrer Anhänger existieren. Das ist wichtig, damit die Menschen glauben, dass auch sie reich und erfolgreich werden.

Und die Hauptregel lautet „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“. Man kann nicht zulassen, dass irgendein Fremder Zweifel sät und die Autorität der Führung untergräbt. Dieses Prinzip wurde von allen möglichen Betrügern perfekt ausgearbeitet, die, ehe sie sich auf ein Opfer einlassen, dessen soziale Bindungen zerstören und somit die einzige „Verbindung zur Welt“ bleiben.

Das sind die Hauptpostulate, doch wenn man will, kann man mehr finden. Letztendlich kommt angesichts dessen, was es bereits gibt, die Frage auf: Aber worin unterscheidet sich das von der modernen ukrainischen Politik?

Kein Politiker wird es riskieren, sich langweilig zu geben, indem er kompliziert und unverständlich spricht. Alle Wörter sind sogar den Schülern der jüngeren Klassen bekannt. Doch mehr konkrete Einzelheiten hierzu werden nicht ausgebreitet. Das traditionelle „für alles Gute und gegen alles Schlechte“.

Image, Stil, Zeit und Dauer von Auftritten in der Öffentlichkeit werden bis ins kleinste Detail poliert. Die Menschen warten auf den nächsten Auftritt ihres Lieblingspolitikers als Unterhaltung. Und die bekommen sie. „Zufällige“ Kritik verwandelt sich in einen „Shitstorm“ und der Politiker selbst ist schon weit weg und bereitet sich auf den nächsten öffentlichen Auftritt vor.

Wenn die Angelegenheit erfolgreich verläuft, kommt es zu einer Strukturierung der Schafherde. Es tauchen Zellen, Koordinatoren, schöne Abzeichen und stilvolle Visitenkarten auf. Die Menschen wählen jemanden und delegieren Autorität an jemanden. Einige „wachsen“ und andere hoffen in Zukunft zu „wachsen“.

Wie wichtig ein Anführer für die politische Kraft ist, ist allen schon lange bekannt. Tatsächlich ist das „Gesicht“ des Anführers die politische Kraft, um die sich alles dreht.

Wenn ein politisches Projekt nicht unmittelbar nach den Wahlen beendet wird, ist die Isolation der Anhänger vom Einfluss der Konkurrenten wichtig. Denn: „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns.“ Gemeinschaftliche Aktionen, Foren und Gruppen sollten einen Kommunikationskreis bilden. Die Verwendung von Symbolen „markiert“ buchstäblich die Eigenen und trennt sie sogar physisch von den „Fremden“. Und dann wird die menschliche Natur das Ihre tun, die Menschen „kämpfen gegen die Feinde“ selbst im Offline-Modus.

Und hier kommen wir zu Frage Nummer zwei: Wenn die Art der Bildung sowie die Funktionsweise bei politischen Projekten und irrationalen Kulten einander ähneln, könnte es dann auch sein, dass das Ziel ihrer Tätigkeit ebenso ähnlich ist, rein merkantilistisch? Denn wie kann man die Interessen der Wähler verkörpern, wenn sie „für alles Gute und gegen alles Schlechte sind“?

01. Juni 2020 // Nasar Kis

Quelle: Zaxid.net

Übersetzerin:   Agnes Poitschek  — Wörter: 764

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