Regierung Timoschenko plant den Binnengaspreis für die Industrie quartalsweise zu bestimmen


Am Freitag hatte Premierministerin Julia Timoschenko erklärt, dass sich die Gaspreise beginnend mit nächstem Jahr für Industriekunden quartalsweise ändern werden. Produzenten gehen davon aus, dass die Initiative der Regierung ihre Produktion konkurrenzfähiger auf den Weltmärkten machen wird. Und Experten betonen, dass unter den sich einstellenden Bedingungen die Industriellen versuchen würden, Gas in unterirdischen Speichern in den Zeiten zu sammeln, wenn es billiger ist, was zur Reform des gesamten Gasmarktes und einer Revision der Vereinbarung mit “Gasprom” führen könnte.

Davon, dass die Ukraine einem einheitlichen mittleren gewichteten Gaspreis für die Industrie entsagen und von 2010 an zu einer quartalsweisen Änderung der Preise übergehen könnte, redete Premierministerin Julia Timoschenko auf einer Konferenz mit den Leitern der Oblastverwaltungen, Bürgermeistern der größten Städte und Leitern von Unternehmen der kommunalen Energieunternehmen, die der Gasabrechnung gewidmet war. Sie erinnerte daran, dass, gemäß dem unterzeichneten zehnjährigen Vertrag über die Lieferung von Gas zwischen der NAK (Nationalen Aktiengesellschaft) “Naftogas Ukrainy” und der russischen “Gasprom”, der Preis für importiertes Gas nach einer Formel quartalsweise bestimmt und abgerechnet wird. Doch auf dem Binnenmarkt verkauft der Monopolist Gas zu einem mittleren gewichteten Preis über das gesamte Jahr, was zur Kassenlücken und einem Mitteldefizit des Unternehmens im ersten Halbjahr geführt hat.

Die Industriellen bewerten die Idee der Premierministerin unterschiedlich. Der Vertreter des Vorstandsvorsitzenden des Mariupoler Metallkombinates namens Iljitsch, Sergej Matwijenko, sagt, dass das Fehlen eines klaren Preises für das gesamte Jahr die Finanzplanung erschwert und infolge dessen die Anwerbung langfristiger Kredite. “Dem Abkommen zwischen ‘Gasprom’ und ‘Naftogas’ nach, wird der Preis für das neue Quartal fünf Tage vor dessen Beginn festgelegt. Und den Tatsachen nach wird der Preis erst hinterher bekannt”, unterstreicht Matwijenkow. Gleichzeitig hebt der Direktor des Odessaer Hafenwerks, Alexander Fedtschun, hervor, dass um so mehr der Gaspreis an die Welttrends gebunden wird, es besser für die chemische Industrie ist. “Im ersten Halbjahr lag der mittlere gewichtete Gaspreis für die ukrainischen Industrieunternehmen um 20-25% höher, als der faktische Preis in den Ländern Europas, wo Börsen existieren. Im Ergebnis erwiesen wir uns beim Preis als nicht konkurrenzfähig, die Mehrzahl der Kapazitäten stand still. Und obgleich für das IV. Quartal erwartet wird, dass bei uns der Preis niedriger als in den Ländern Europas sein wird und wir unsere Kapazitäten auslasten können, werden wir den Ergebnissen des Jahres nach trotzdem im Verlustbereich landen”, bekräftigt er. Beim Pressedienst der OAO (Offene Aktiengesellschaft) “Dneprasot” nannte man das derzeitige Preisbildungssystem bei Gas “tödlich für die Chemieunternehmen”.

Vorher hatte das Kabinett der Minister eine Anordnung veröffentlicht, mit der sie den Grenzpreis des Gases an den offiziellen Hrywnjakurs band. Außerdem erlaubte die Regierung der Nationalen Regulierungskommission für den Elektroenergiemarkt Grenzpreise für den Transport von Gas ohne Zustimmung mit den Ministerien für Wirtschaft und Finanzen. Alle diese Entscheidungen führten zum Anstieg der Gaspreise für die Industrie in Hrywnja (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine“ vom 3. Februar).

Der Stellvertreter des Direktors des wissenschaftlich-technischen Zentrums “Psicheja”, Gennadij Rjabzew, betont, dass es für die Industrieunternehmen jetzt wesentlich einträglicher wird Gas in den Zeiten zu kaufen, wo es billiger ist und dieses in unterirdischen Speichern anzusammeln. “Man kann erwarten, dass die Verbraucher bei ‘Naftogas’ eine Revision der Vereinbarungen mit ‘Gasprom’ erreichen, so dass Gas ungleichmäßig im Laufe des Jahres gekauft wird, wie es beispielsweise in einigen Ländern der Europäischen Union stattfindet. Falls ‘Naftogas’ dieses Problem nicht lösen kann, stellt sich erneut die Frage der Reformierung des Marktes und des Übergangs zu direkten Verträgen mit ‘Gasprom’”, sagt das Mitglied des Radaausschusses für Energiefragen, Sergej Tulub. Den ersten Schritt zur Demonopolisierung des ukrainischen Gasmarktes hat das Ministerkabinett bereits getan, den Herstellern von Mineraldüngern erlaubend, Erdgas bei ausländischen Unternehmen (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine“ vom 10. April) zu kaufen. Übrigens, ungeachtet dessen, liefert “Gasprom” bislang den ukrainischen Chemieunternehmen Gas nicht direkt. Wie man dem “Kommersant-Ukraine“ bei der OAO “Dneprasot” erläuterte, erklärt das der russische Monopolist dies mit der Existenz des Vertrages mit der NAK “Naftogas Ukrainy”, welcher “Gasprom” verpflichtet Gas in das Land nur über dieses Unternehmen zu verkaufen.

Oleg Gawrisch

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 703

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