Der Gaskonflikt zwischen der Ukraine und Russland führte zum Stillstand chemischer Unternehmen. Die von “Naftogas Ukrainy” eingerichteten Gaslieferlimits erlauben es Unternehmen nicht zu arbeiten, obgleich an der Schwelle zur Frühjahrsaussaat die Nachfrage nach Mineraldünger in der Welt angestiegen ist. Die zukünftige Wiederaufnahme der Branchentätigkeit wird von den Preisen für Gas abhängen: bei Kosten von mehr als 200$ für tausend Kubikmeter und den aktuellen Preisen für Ammoniak wird dessen Produktion unrentabel.
Gestern erklärte der Minister für Industriepolitik, Wladimir Nowizkij, dass unter den Bedingungen der Unterbrechung der Lieferungen von Importgas die Staatliche Aktiengesellschaft “Naftogas Ukrainy” die Gaslieferungen an die größten Chemieunternehmen des Landes spürbar gekürzt hat. Den Angaben des Ministeriums nach, wurden die Lieferungen in Abhängigkeit vom Unternehmen auf zwischen einem Siebtel und einem Viertel gekürzt. Den Worten des Ministers nach, führte das dazu, dass am 12. Januar die Hauptproduktion des Odessaer Hafenwerks, des Konzerns “Stirol”, von “Asot” in Tscherkassy und Sewerodonezk, “Dneproasot”, “Rownoasot” und “Sumychimprom” und ebenfalls beim Sodawerk auf der Krim und dem “Krimskij Titan” gestoppt wurde. “Die Ammoniakpipeline (Togliatti-Gorlowka-Odessa) steht ebenfalls still”, erklärte der Minister.
Die chemische Industrie belegt 6,4% (45,68 Mrd. Hrywnja; ca. 3,97 Mrd. Euro) der gesamten Industrieproduktion, die in 11 Monaten des Jahres 2008 erzeugt wurde. In diesem Bereich arbeiten mehr als 350.000 Menschen. Mehr als 60% der gesamten im Lande erzeugten Chemieproduktion geht auf die Hersteller von Mineraldüngern.
Die von “Naftogas Ukrainy” auferlegten Gaslieferlimits erlauben es nicht die Produktion aufrechtzuerhalten, erläuterte der stellvertretende Direktor des Odessaer Hafenwerks, Walerij Sewastjanow. “Die für das Werk eingerichtete Quote liegt unter der dem Reglement nach zulässigen und die Arbeit in diesem Regime könnte zu einer technogenen Katastrophe führen. Daher, ungeachtet dessen, dass es gerade einen Markt für Karbamid gibt, sind wir gezwungen die Herstellung einzustellen”, betonte er. “In zwei Monaten fängt die Saatzeit an und wir haben keine Vorräte und praktisch wurde die Produktion eingestellt”, fügt der leitende Ingenieur von “Rownoasot”, Wladimir Kowalenko, hinzu. In dieser Situation erleiden die Hersteller täglich Millionenverluste, sagt man bei “Dneprasot”.
Bei “Naftogas Ukrainy” verzichtete man gestern auf Kommentare. Doch bei “Gas Ukrainy” präzisierte man gegenüber dem “Kommersant-Ukraine“, dass man sich, bei der Einführung der Limits für die Industrie, “von der Notwendigkeit der Lieferung in erster Linie für die Bevölkerung des Landes leiten ließ”. Die Situation steht damit in Verbindung, dass die Ukraine 2009 ohne Gasvertrag dasteht und seit dem 1. Januar die russische “Gasprom” die Gaslieferungen ins Land eingestellt hat. Die russische Seite besteht auf einem Gaspreis für die Ukraine von 450$ pro tausend Kubikmeter, doch die Ukraine ist bereit für 201$.
Wladimir Nowizkij erklärte gestern, dass bei den heutigen Preisen für Ammoniak (130-140$ FOB Schwarzes Meer) dessen Produktion bei einem Gaspreis von mehr als 200$ für tausend Kubikmeter überhaupt nicht rentabel wird. “Für einen Preis von 450$ für tausend Kubikmeter gibt es überhaupt keine ökonomische Grundlage: der Preis für Erdöl hat sich gedrittelt und, dementsprechend, sollte sich der Preis für Gas dritteln, welcher an den Erdölpreis gebunden ist”, sagt der Präsident der Chemieunion der Ukraine, Alexej Golubow. Seinen Einschätzungen nach, kann der Preis für Gas bei den aktuellen Ölpreisen die 150$ pro tausend Kubikmeter nicht übersteigen.
Eine weitere Eskalation des Gaskonfliktes zwischen der Ukraine und Russland kann zu einem Defizit an Mineraldüngern auf dem Binnenmarkt führen, denkt der Leiter der Abteilung für Fragen des industrielandwirtschaftlichen Komplexes und der chemischen Industrie des Staatsunternehmens “Goswneschinform”, Dmitrij Gordejtschuk. “Wir sind in der stillen Ecke. Unsere Unternehmen stehen und Produkte aus Russland oder Europa zu importieren gelingt nicht, da in Verbindung mit der Saatzeit der Verbrauch von chemischen Düngern in diesen Länder wächst”, betont er.
Alexander Tschernowalow
Quelle: Kommersant-Ukraine


Forumsdiskussionen
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