Statistiken zur Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 in der Ukraine - Stand 2. August 2020


In der Ukraine hat sich die Ausbreitungsdynamik des Coronavirus Sars-CoV-2 Ende Juli wieder erhöht. In der vergangenen Woche wurden neue Rekordwerte bei den Neuinfektionen gemeldet. Zum Stand 2. August 2020 sind im Land 72.168 Infektionen per Labortest nachgewiesen worden. 1.725 Menschen starben bisher in der Ukraine an der Lungenkrankheit Covid-19. 39.543 Kranke sind der offiziellen Statistik nach wieder genesen. Nach einer Änderung der Kriterien für die Einreise in die Ukraine sind Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der roten Liste gelandet.

Am Sonntag gab es einen Anstieg der Neuinfektionen um 1.112 Fälle. Der Rekordwert wurde am 30. Juli mit 1.179 neuen Fällen verzeichnet. Im Schnitt waren vergangene Woche täglich 1.045 neue Infektionen verzeichnet worden. Die Woche zuvor waren es mit 858 deutlich weniger. Über den gesamten Juli lag der Wert bei 824 täglichen Neuinfektionen. Im Juni waren es noch nur 688. Durchschnittlich starben seit dem 1. Juli täglich etwa 17 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19. Im Schnitt täglich zwei Tote mehr als im Juni und drei mehr als im Mai. Am 17. Juni gab es den bisherigen Tageshöchstwert bei Verstorbenen mit 31 Toten.

Nach den vorliegenden Statistiken ist medizinisches Personal in der Ukraine aufgrund mangelhafter oder fehlender Schutzkleidung besonders betroffen. Zum Stand 2. August gab es unter Ärzten und Pflegekräften 8.755 nachgewiesene Coronavirus-Infektionen. Das entsprach einem Anteil von etwas weniger als 12 Prozent mit sinkender Tendenz. Im Mai lag dieser Wert noch bei etwa 21 Prozent.

Die ukrainische Statistik unterliegt wie alle anderen Statistiken im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 einer großen Unsicherheit. Zum einen aufgrund der geringen Zahl der Tests in der Ukraine. Täglich werden nur zwischen sieben- und sechzehntausend Verdachtsfälle getestet. Vergangene Woche waren es im Schnitt 13.548 Tests, was etwa 1.000 mehr als in der Vorwoche sind. Über den gesamten Juli waren es durchschnittlich etwa 12.000, im Juni waren es nur rund 10.000 und im Mai etwa 7.900 Tests täglich. Vergangene Woche waren dabei etwas mehr als sieben Prozent der Tests positiv. Das entspricht etwa den Werten über den gesamten Juni und den gesamten Mai. Insgesamt wurden zum Stand 2. August 1.058.483 Labortests gemacht. Aktuell sind es etwa 2.529 Tests auf 100.000 Einwohner seit Anfang März. Daher und aufgrund der Unsicherheiten bei den Tests ist von einer großen Dunkelziffer bei der Verbreitung von Sars-CoV-2 auszugehen.

Wie hoch die Sterberate im Land liegt, ist aus diesem Grunde noch schwerer zu sagen. Der vorliegenden Statistik nach sterben rund 2,4 Prozent der Infizierten. Ende Mai und Anfang Juni lag dieser Wert noch bei 3,0 Prozent. Da mutmaßlich wesentlich mehr Menschen in der Ukraine sich bereits angesteckt haben, ist ebenso zu vermuten, dass die Sterberate um einiges niedriger als diese 2,4 Prozent liegt. Das auch trotz des Umstands, dass sicherlich nicht alle an Covid-19 Verstorbenen erfasst werden. Früheren Angaben des Gesundheitsministeriums nach sind 44,8 Prozent der Toten Frauen und 55,2 Prozent Männer. 85 Prozent der Verstorbenen sind über 50 Jahre alt gewesen und 71 Prozent hatten Vorerkrankungen.

Ausgehend von den veröffentlichten Sterbestatistiken für Januar bis einschließlich Mai dieses Jahres sind bisher keine Anomalien festzustellen. 2020 starben in den ersten fünf Monaten im Regierungsgebiet 239.967 Ukrainer. Das sind, wenn man der offiziellen Statistik vertraut, 20.967 weniger als im Vorjahr, als 260.934. Ukrainer starben. Von Januar bis einschließlich Mai fielen 5.057 Ukrainer Erkrankungen der Atemorgane zum Opfer. Darunter waren 2.699 Tote durch Grippe oder Lungenentzündung. Zum Vergleich starben 2018 im gesamten Jahr in den Regierungsgebieten etwa 13.000 Ukrainer an Atemwegserkrankungen.

Zur gleichen Zeit wurden im Donezker Separatistengebiet nach den Angaben der örtlichen Machthaber bei 1.785 Menschen Infektionen nachgewiesen. 836 sollen bereits genesen sein und 106 Menschen starben an der Krankheit. Im Luhansker Separatistengebiet gibt es nach örtlichen Angaben 612 bestätigte Infektionen. 584 sollen dabei genesen sein. Mindestens 15 Kranke starben. Auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim und in Sewastopol gibt es russischen Angaben nach insgesamt 1.593 Infizierte, 1.212 Genesene und 24 Tote.

Die zum 12. März verhängten Quarantäne-Maßnahmen sind zum großen Teil gelockert worden. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen wurde die allgemeine Quarantäne jedoch vorerst bis Ende August verlängert und eine Verlängerung ist zu erwarten. Seit dem 1. August findet in Abhängigkeit von der jeweiligen epidemiologischen örtlichen Situation eine Zuordnung zu einer von vier Quarantänezonen statt. Aktuell werden die Städte Luzk und Ternopil und der Kreis Kizman im Gebiet Tscherniwzi zu den roten Zonen gezählt, in denen der öffentliche Nahverkehr, Restaurants und Einkaufszentren geschlossen sein sollen. Mehrere west- und zentralukrainische Regionen gehören zu den orangen und gelben Zonen, in denen es im Unterschied zu den landesweiten Regelungen schärfere lokale Einschränkungen gibt.

Anfang Juni wurden die inländischen Eisenbahnverbindungen wieder aufgenommen. Menschen über 60 dürfen ihre Wohnungen inzwischen wieder auch ohne triftigen Grund wieder verlassen. Der Besuch von Parks ist seit geraumer Zeit wieder erlaubt. Kindergärten, Bibliotheken, Museen, Friseure, Schönheitssalons, Geschäfte und Einkaufszentren wurden wieder geöffnet. In Kiew dürfen Restaurants und Cafés ihre Innenräume für Besucher öffnen. Überall gilt weiter ein Mindestabstand zwischen den Tischen von 1,5 Metern und nicht mehr als vier Personen an einem Tisch. Die Metros der drei Großstädte Kiew, Charkiw und Dnipro wurden genauso wie der übrige städtische Nahverkehr wieder in Betrieb genommen. Abweichend von den landesweiten Vorgaben kann es beispielsweise wie die Sperrstunde von 23 Uhr abends bis 7 Uhr morgens in Kiew regionale Einschränkungen geben. Des Weiteren gilt an „öffentlichen Orten“, im Nahverkehr und in Geschäften eine Maskenpflicht. Auf der Straße sind Dokumente immer bei sich zu führen. Zum 1. September sollen die Schulen wieder ihren normalen Betrieb aufnehmen.

Nach den Inlandsflügen wurden auch die internationalen Flugverbindungen wieder aufgenommen. Zugleich wurde die Grenze für Ausländer geöffnet. Einreisende müssen in Abhängigkeit vom Herkunftsland eine 14-tägige Observation absolvieren. Kriterium ist eine schlechtere Epidemiesituation in dem Abreiseland als in der Ukraine oder ein starker Anstieg der Infektionszahlen in diesem Zeitraum um mehr als 30 Prozent. Aktuell liegt der Wert für die Ukraine bei etwa 66 aktiven Kranken auf 100.000 Einwohner. Das Gesundheitsministerium stellt alle drei Tage eine Länderliste zusammen und teilt diese in rote – verpflichtende Observation – und grüne – ohne Observation – ein. Aufgrund der Änderung der Kriterien und der sich verschlechternden Epidemiesituation wurden Deutschland, Österreich und die Schweiz auf die rote Liste gesetzt. Einreisende aus diesen Staaten müssen entweder bei der Einreise einen negativen Test auf eine Coronavirusinfektion vorlegen oder sich in Selbstisolation begeben. Bei der Einreise muss auch eine Versicherung nachgewiesen werden, die sowohl die Kosten für eine mögliche Quarantäne als auch die Behandlung bei einer Covid-19-Erkrankung abdeckt.

Verteilung der Infizierten und Toten nach Regionen

GebietInfektionenTote
¹ nur die von der Regierung kontrollierten Gebiete
Winnyzja2.79052
Wolhynien3.88884
Dnipropetrowsk1.42128
Donezk¹89812
Schytomyr1.92138
Transkarpatien5.267201
Saporischschja82321
Iwano-Frankiwsk4.795141
Kirowohrad71036
Stadt Kiew8.452134
Gebiet Kiew3.82364
Lwiw9.783265
Luhansk¹1281
Mykolajiw62114
Odessa3.41448
Poltawa45915
Riwne6.19594
Sumy5298
Ternopil3.08639
Charkiw3.862132
Cherson2303
Chmelnyzkyj1.18024
Tscherniwzi6.061216
Tscherkassy94937
Tschernihiw88318
Insgesamt72.1681.725

Quellen:
Coronavirus_Info
Grenzschutzdienst
Statistikamt – Todesursachen Januar-Mai 2020
Statistikamt – Sterbefälle Januar-Mai 2020
Russische Statistiken

Autor:   Andreas Stein  — Wörter: 1239

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