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Ultranationalisten demonstrierten am Sonnabend in Kiew und provozierten schwere Zusammenstöße mit der Miliz

In Kiew führten am Sonnabend ultrarechte Organisationen einen Marsch durch, welcher der Ukrainischen Aufstandsarmee gewidmet war (UPA). Während des Zugs kam es zu Konfrontationen zwischen den Nationalisten und Mitarbeitern der Miliz, im Laufe dessen Tränengas zur Anwendung kam. Im Ergebnis erhielten 22 Milizionäre Augenschäden und befinden sich in medizinischer Behandlung. Festgenommen wurden 142 Teilnehmer des Marsches. In Verbindung damit wurde gegen acht ein Strafverfahren eingeleitet.

In der Hauptstadt führten nationalistische Organisationen, die sich selbst “antisystemische” nennen, am Sonnabend einen “Marsch der UPA” durch. Etwa 150 junge Menschen versammelten sich gegen 11 Uhr vor dem Taras Schewtschenko Denkmal und entfalteten ein Transparent mit der Aufschrift “Gegen Kommunismus und Kapitalismus! Setzen wir den Kampf für die Nation und die Arbeitenden fort!”. Die Vorgänge beobachteten etwa 150 Kämpfer der Spezialabteilung des Innenministeriums “Berkut”, die in einer Kolonne hinter dem Denkmal standen. Derweil teilten die Organisatoren den Anwesenden mit, dass sich zum Platz der Versammlung sich noch eine Kolonne von Demonstranten bewegt.

Die Versammlung begann. Der ehemalige Führer der Kiewer Organisation der Sozial-Nationalistischen Partei der Ukraine, Oles Wachnij, sagte, dass die Feiern, die am 14. Oktober anlässlich des 66. Jahrestages der UPA abliefen (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine” vom 15. Oktober), formelle waren und “unter der Kontrolle von Miliz und Sicherheitsdienst” abliefen.

Die Versammelten redeten von einer “politischen, ökonomischen und geistigen Unterjochung der Ukraine”, riefen die Soldaten der UPA ins Gedächtnis, die “für die Ehre und Würde des ukrainischen Staates” kämpften, verurteilten die kommunistische Ideologie und beschuldigten die an der Regierung sich befindenden Nachkommen der Mitglieder der KPdSU “der Gleichgültigkeit den Interessen des ukrainischen Volkes gegenüber”. Fast jeder Redner endete seine Rede mit dem Ausruf: “Ruhm der Nation!”

“Tod den Feinden!”, erwiderte die Menge drohend.

Ungefähr eine Stunde später kam die zweite Kolonne von Demonstranten zum Schewtschenko Denkmal und die Menge der ultrarechten erhöhte sich auf 400 Menschen. Unter ihnen waren viele Leute, die mit Camouflagearmeesachen, schweren Schuhen und Helmen bekleidet waren. Einige von ihnen hielten in ihren Händen Speerholzschilde und Flaggen mit langen Stangen. Sie stellten sich für den Zug auf, dessen Marschroute über die Straßen Wolodimirska, Bogdana Chmelnizkogo, den Kreschtschatyk und weiter nach Podil gehen sollte. In diesem Moment wurde der Weg der Kolonne von einem Major der Miliz versperrt.

“Auf dem Kreschtschatyk befinden sich Vertreter der linken Kräfte. Das Gericht hat weder Ihnen noch den anderen die Aktionen verboten, doch ihr Erscheinen auf dem Kreschtschatyk könnte Massenunruhen hervorrufen.”, sagte der Major. Er rief die Demonstranten dazu auf ihre Marschroute zu ändern und entlang der Wolodimirska bis zum Sofienplatz zu gehen, danach sich zum Europäischen Platz hinunter zu begeben und die Bewegung nach Podil fortzusetzen.

“Kommunisten gibt es keine auf dem Kreschtschatyk. Sie sind alle beim Lenindenkmal. Wir gehen getreu den Gesetzen, auf der angekündigten Marschroute!”, antwortete der Leiter der Organisation “Patriot Ukrainy”, Sergej Bews, scharf.

Die Kolonne bewegte sich auf der Wolodimirska. Bis zur Kreuzung mit der Bogan Chmelnizkij Straße gehend, versuchten die Demonstranten zum Kreschtschatyk hinunterzugelangen, doch der Weg wurde ihnen von einer Milizabsperrung versperrt. Die fortgesetzten Wortgefechte zwischen den Führern der rechten Organisationen und den Offizieren des Innenministeriums endeten damit, dass die Kolonne ihre Bewegung auf der Wolodimirska fortsetzte. Danach verließten die “Berkut” Mitglieder die Absperrung an der Kreuzung Wolodimirska und Bogdan Chmelnizkij Straße und gingen dazu über die anderen Zugänge zum Kreschtschatyk zu blockieren, dabei die Kolonne überholend. Mitarbeiter der Miliz gingen der Kolonne voraus und zusätzliche Gruppen der Spezialeinheiten begleiteten die Kolonne von beiden Seiten im Schritt ihrer Bewegung. Die Absperrung der Miliz an der Kreuzung der Straßen Irininska und Wolodimirska (unweit des Geheimdienstgebäudes) sah am schwächsten von allen aus, da diese nur von 20 Milizionären bewacht wurde. Eben neben dieser setzte ein Handgemenge ein. Den jungen Leuten Camouflage und Helmen gelang es die Miliz zurückzudrängen. Doch
zu den Ordnungshütern eilte unverzüglich bedeutende Verstärkung. Die “Berkut” Kämpfer hielten dem ersten Druck der Kolonne stand, wonach sie die sich einkeilenden Demonstranten abriegelten. Die Hauptkräfte der Rechten wurden in der Mitte der Wolodimirska zurückgeschlagen. In der Luft roch es nach Tränengas. Im Zentrum für Verbindungen zur Öffentlichkeit der Hauptverwaltung des Innenministeriums in Kiew informierte man über die erhaltenen Schäden an den “äußeren Augenhäuten” von 22 Milizionären und beschuldigte die Teilnehmer des Marsches in der Anwendung von Gas. Nach den Zusammenstößen wurden die Verletzten zum Erhalt medizinischer Hilfe gesandt.

Die Nationalisten, welche sich im Kessel befanden, wurden von den Spezialkräften auf die Mostowaja Straße gedrängt und systematisch mit den Knüppeln bearbeitet, Schläge auf den Körper solange anbringend, bis der Widerstand endete. Einige der Spezialkräfte verloren ihre Helme und verließen mit blutenden Schrammen den Platz der Ereignisse.

Nach dem Handgemenge luden die Milizionäre die Festgenommen auf einen Lastwagen und sammelten vom Fahrweg die Teile der Flaggen, Schilde und Überreste der Stangen ein. Danach erlaubten die Rechtshüter die Fortsetzung des Marsches. Den Angaben des Innenministeriums nach wurde 142 Menschen festgenommen.

Der “Marsch der UPA” setzte seine Bewegung unter vollständiger Kontrolle der Miliz fort und wurden gegen 15 Uhr mit einer weiteren Kundgebung auf dem Kontraktowa Ploschtscha nahe dem Denkmal des Hetmans Sagajdatschnyj beendet.

“Wir haben die Straßen der Stadt durchschritten und gezeigt, wer Herr auf dieser Erde ist.”, sagte Oles Wachnij während der Kundgebung. Nach diesen Worten verbreitete sich in den Reihen der Milizionäre ironisches Gelächter.

Gestern wurde im Zentrum für Verbindungen mit der Öffentlichkeit der Hauptverwaltung des Innenministeriums von Kiew mitgeteilt, dass aufgrund des Faktes der sonnabendlichen Ereignisse Strafverfahren nach Absatz 3 Artikel 296 des Strafgesetzbuches (Hooliganismus, entspricht ungefähr dem Landfriedensbruch), in Verbindung mit den “acht festgesetzten Teilnehmern der Aktion” eingeleitet wurde. Der Entscheidung des Gerichts nach wurde den anderen 135 Festgenommenen administrative Sanktionen erlassen – eine Strafe (Strafzahlung) oder ein administrativer Arrest.

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 976

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Leserkommentare

kauschat in Unser Sudetenland

«Interessanter Vergleich: tatsächlich so einige Parallelen. Noch hat "der Westen" nicht die Annektion auch offiziell akzeptiert....»

Wolfgang Krause in Wir müssen hier leben

«Verglichen mit anderen Kommentaren ist dieser erfreulicherweise so geschrieben das er den Versuch wagt unterschiedliche Meinungen...»

Густаво Фан Хоовен in Wir müssen hier leben

«Zunächst vermittelt der Artikel den Eindruck einer neutralen Zustandsbeschreibung. Die Bezeichnungen "pro-sowjetisch" und...»

«Ich finde den Kommentar des Übersetzers nicht ganz glücklich, da er dazu einlädt, Dinge zu "vereinfachen". Ob die Antwort...»

«Würden sich die Menschen der Ukraine doch auf die Machnobewegung besinnen, die ganze Welt könnte Hoffnung schöpfen. Der...»

«WAS soll denn an dem was der Autor geschrieben hat unfassbar sein? Ich lese da keinen Widerspruch. Wenn du eine solche Phrase...»

«Danke für Ihre Darstellung der Hintergründe der Vertriebenen Gesetze und für die Einordnung der Russlanddeutschen. Es...»

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