Ukrainische Industrieproduktion stieg 2010 um 11 Prozent


Die Verbesserung der Auslandskonjunktur erlaubte es der ukrainischen Industrie zu einem zweistelligen Wachstumstempo zurückzukehren – 11 Prozent – und den Rückgang der Krisenjahre 2008-2009 fast zu halbieren. Damit die Industrieproduktion im laufenden Jahr den Rückgang der letzten Jahre vollständig kompensiert, muss das Wachstumstempo 7,5 Prozent betragen, was im Falle der Beibehaltung des Niveaus der Auslandsnachfrage und des Wachstums des Binnenkonsums vollständig möglich ist.

Die Industrieproduktion hat den Ergebnissen des Jahres 2010 nach ein zweistelliges Wachstumstempo ausgewiesen – 11 Prozent, teilte man gestern beim Staatlichen Statistikdienst mit. Solch hohe Wachstumswerte werden zum vierten Mal in der fast 20-jährigen Geschichte des ukrainischen Staates gemessen. Ein größerer Anstieg der Industrieproduktion wurde lediglich in den Jahren 2000 (+13,2 Prozent), 2003 (+15,8 Prozent) und 2004 (+12,5 Prozent) beobachtet.

Die Branche erreichte diese positiven Ergebnisse dank der letzten Monate, da sich in diesen die Erwartungen der Analysten bezüglich des Rückgangs der Produktion in Verbindung mit der Verschlechterung der Auslandsnachfrage nach ukrainischen Produkten nicht bewahrheitete. Insbesondere im Dezember stieg die Produktion um 4,7 Prozent im Vergleich zum November und im Vergleich zum Dezember 2009 um 12,5 Prozent. Zum Novemberniveau erhöhten sich vor allem die Produktion und Verteilung von Elektroenergie, Gas und Wasser (+22,5 Prozent), die Koksproduktion und die Erdölverarbeitung (+18,8 Prozent) und die chemische Produktion (+15,4 Prozent). Dies erlaubte es den für den Dezember untypischen Produktionsrückgang in der Lebensmittelindustrie (-5,4 Prozent) und bei der Produktion von Elektroausrüstungen (-2,2 Prozent) zu kompensieren. „Im IV. Quartal stiegen die mittleren Exportpreise für Stahl um 11 Prozent, was eine Beschleunigung des Industriewachstums ermöglichte“, betont Nikita Michalitschenko, Analyst bei der Investmentfirma Concorde Capital. Im Endergebnis stieg die Produktion in der Metallwirtschaft um 2,4 Prozent. Daneben hatte die russische Nachfrage nach Produkten des ukrainischen Transportmaschinenbaus einen Einfluss, was die Branchenproduktion um 17,9 Prozent erhöhte, meint der Leiter der Analyseabteilung des Investmentunternehmens ICU, Alexander Waltschischen.

Den Ergebnissen des Jahres 2010 nach wurde lediglich ein Rückgang im Bereich der Förderung von Energierohstoffen (-3,1 Prozent) und der Erzeugung von Koks und Erdölverarbeitungsprodukten (-0,1 Prozent) festgestellt. In den Schlüsselbranchen wurde zweistelliges Wachstum gemessen: +34,5 Prozent – im Maschinenbau, +21,5 Prozent – in der chemischen und der erdölchemischen Industrie, +12,3 Prozent – in der Metallwirtschaft. Eine Ausnahme bildete lediglich die Lebensmittelbranche (+2,9 Prozent), die 2009 fast nicht litt (-6 Prozent).

Die positiven Ergebnisse des Dezembers verbesserten auch die Werte anderer Wirtschaftsbranchen. Der Rückgang in der Landwirtschaft verringerte sich von 1,3 Prozent auf 1 Prozent und im Bau von 8,2 Prozent auf 5,4 Prozent. Das Einzelhandelsvolumen stieg um 7,8 Prozent. „Die Finanzierung der Infrastrukturprogramme, darunter für die Euro-2012, erlaubt es die Verschlechterung der Außenkonjunktur auszugleichen. Daher erhielten wir zum Ende des Jahres ein BIP Wachstum von etwa 4,5 Prozent“, meint der Direktor des Instituts für Wirtschaft und Prognostizierung der Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Walerij Gejez. „Berücksichtigend, dass der Zufluss an ausländischen Investitionen wie gehabt nicht hoch ist, wird sogar ein Wachstum von 4 Prozent ein sehr gutes Ergebnis für die Ukraine“.

Die hohe Kennziffer für die Industrietätigkeit im letzten Jahr erlaubte es nicht den Einbruch des Jahres 2009 (-21,9 Prozent) zu kompensieren. Zumal die ukrainische Industrie es erneut nicht schaffte auf das Niveau der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik zu gelangen. Zur Erinnerung: die Branche konnte erst im Jahr 2006 den Wert von 1990 erreichen, doch der Rückgang der Jahre 2008-2009 verringerte das Produktionsvolumen in der Ukraine auf 84,1 Prozent des Werts der Sowjetzeit. Jetzt wurde das Niveau auf 93 Prozent verbessert. Damit die ukrainische Industrie 2001 erneut das Niveau des Jahres 1990 erreicht, muss das Wachstumstempo der Industrieproduktion 7,5 Prozent übersteigen.

Ein solches Wachstumstempo für die Industrie ist in diesem Jahr vollständig möglich. „Wir gehen von der Beibehaltung der derzeitigen Außenkonjunktur und ebenfalls einer leichten Verbesserung der Binnennachfrage aus. Jedoch sogar unter diesen Bedingungen wird aufgrund der Vergleichsbasis das Tempo des Industrieproduktionswachstums auf 7-7,5 Prozent sinken“, meint Nikita Michajlitschenko. Gejez vermutet, dass ein „Industriewachstum von 8 Prozent ein sehr gutes Ergebnis für die Ukraine sein wird“.

Jurij Pantschenko

Die Entwicklung einer Reihe von Wirtschaftsbranchen in den Jahren 2005-2010, in %

-200520062007200820092010
Industrie3,16,210,2-3,1-21,911
Landwirtschaft0,12,5-6,517,1-1,8-1
Bauwirtschaft-6,69,915,6-15,8-48,2-5,4
Einzelhandel23,426,419,517,9-20,67,8

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 748

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