Janukowitsch vor Parteimitgliedern in Simferopol


Der Vorsitzende der Partei der Regionen, Wiktor Janukowitsch, nahm gestern an der Arbeit der Versammlung der Abgeordneten aller Stufen der Partei der Regionen (PR) auf der Krim teil. Janukowitsch erklärte deutlich, wer die Ukraine am normalen Leben hindert und das nur die PR, der man oft vorwirft, dass ihre Vertreter nicht zu reden verstehen, etwas konkretes für das Land tun kann.

Wiktor Janukowitsch traf auf zwei Versammlungen in Simferopol. Am Morgen protestierten etwa 50 Anhänger der “Russischen Front Sergej Schuwajnikows” vor dem Gebäude des “Hohen Rates” der Autonomen Republik Krim. Sie riefen dazu auf bei den anstehenden Wahlen nicht für die PR zu stimmen, da die “Regionalen”, als sie sich an der Macht befanden, nicht eines der Wahlkampfversprechen erfüllten und vor allem nicht für den Status der russischen Sprache als zweiter Amtssprache eintraten.

Die zweite Versammlung – von Anhängern der PR – fand vor dem ukrainischen Schauspielhaus der Krim statt, wo die Versammlung aller Abgeordneten aller Niveaus der PR stattfinden sollte. Das Thema Russland war anwesend und hier traf Janukowitsch auf Aktivisten, die Partei- und Russlandflaggen in den Händen hielten.

“Wir gehen zu den Wahlen und geben alle Stimmen gegen Juschtschenko ab!”, versprach dem Parteivorsitzenden ein älterer Mann, dem es gelang nahe an ihn heranzukommen.

Die Teilnehmer der Versammlung – etwa 900 Menschen – begrüßten Wiktor Janukowitsch stehend im Theatersaal. Die Hymne der Ukraine und der Partei anhörend, begann der Vorsitzende der PR mit seinem Auftritt.

Janukowitsch versuchte sofort der Versammlung einen ungezwungenen Charakter zu geben.

“Ich habe einen Text für die Ansprache vorbereitet, doch werde ich ihnen diesen nicht verlesen.”, sagte er und warf den roten Ordner mit der vorbereiteten Rede auf den Tisch. Und ohne Redetext konnte Janukowitsch sagen, dass die Schuld an den Geschehnissen im Lande bei der “orangen” Regierung liegt und vor allem bei der Regierung Julia Timoschenkos.

“Wir haben verstanden, dass in die Sache der Demokratie Lügendemokraten gelangt sind, da sie nach den Präsidentschaftswahlen damit begannen ihre Opponenten im ganzen Land zu verfolgen, um die Beziehung mit den Regionen des Südens und Ostens der Ukraine zu klären und vergaßen dabei absolut, dass es ein Land gibt und eine Wirtschaft!”, überzeugte Wiktor Janukowitsch seine Anhänger. Sein Auftritt erinnerte sogar nicht an einen Wahlkampfauftritt, er war einfach so. Es drängte sich der Eindruck auf, dass der Vorsitzende der PR nicht an einem Parlamentswahlkampf teilnimmt, sondern am Präsidentschaftswahlkampf.

“Ich weiß, dass auf der Krim noch nicht in allen Städten die Heizungsversorgung eingeschalten wurde. Ist es so oder nicht?”, frage Wiktor Janukowitsch in den Saal.

“Es ist so.”, kam es aus dem Saal mit Bereitschaft. “Überhaupt nicht angestellt.”

“Überhaupt nicht angestellt.”, wiederholte Janukowitsch und dachte nach.

Wahrscheinlich entscheidend, sich an den Saal mit rhetorischen Fragen zu wenden und offensichtliche Antworten zu erhalten – eine gute Vorgehensweise, wandte er sich nach einigen Minuten erneut an den Saal:

“Ist hier jemand, der die Tarife für die kommunalen Dienstleistungen erhöhen möchte?”

“Nein.”, sprach jemand im Saale aus.

“Dann, warum erhöhen sie sie?”, fragte Janukowitsch unerwartet zurück den Saal zur Ruhe bringend. Die Frage erwies sich als zu provokant – niemand wollte zugeben, dass er in irgendeiner Weise mit dem Anstieg der Tarife zu tun hatte.

Aus dem Auftritt von Wiktor Janukowitsch konnte man schlussfolgern, dass wenn die Regierung nicht ausgewechselt wird, dann erwartet die Ukraine in nächster Zeit “ein ganzes Spektrum an Problemen, die in den ersten Jahren der Unabhängigkeit bereits auftraten”.

“Wir haben uns unter Schwierigkeiten aus dieser Scheiße (sic!) in acht Jahren befreit: von 1991 bis 1999.”, erinnerte der Vorsitzende der Partei der Regionen. Seiner Meinung nach, gibt es nur einen Ausweg – die momentane Regierung muss schnellstens zurücktreten und Julia Timoschenko muss “bereuen”.

“Wir haben das Potential, das Personal, die Experten, welche fähig sind weniger zu reden und mehr zu tun, da man uns nicht beibrachte viel zu reden! Wir sind nicht in Theatern ausgebildet worden! Man lehrte uns Produktion, Industrie, rund um die Uhr zu arbeiten – das ist was wir können, doch schwatzen mit der Zunge, das hat man uns in der Tat nicht beigebracht und dies wirft man uns oft vor.”, diese Worte des Vorsitzenden wurden mit stürmischen Applaus geehrt.

Es ist wahrscheinlich, dass nicht alle verstanden haben, das zum Hauptprinzip der aktuellen Wahlkampagne die Losung “nicht mit Worten, sondern mit Taten” wurde. Nach Wiktor Janukowitsch trat die Vorsitzende des Frunser Gemeinderates, Walentin Genri, auf die Bühne, die zum direkten Gegenteil aufrief.

“Wir müssen heute Artisten werden. Müssen die Sympathien absolut aller erkämpfen, vor nichts zurückschreckend. Es ist nötig, dass jeder Politiker ein Artist ist.”, rief Genri auf und gab einen tatkräftigen Rat: “Trainieren sie vor dem Spiegel.”

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 808

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