Die vorgezogenen Neuwahlen werden am 30. September stattfinden, darüber informiert der Kommersant-Ukraine in seiner heutigen Ausgabe. Dieses Datum wurde in der Vereinbarung angegeben, welche in der Nacht vom 26. auf den 27. Mai von Präsident Juschtschenko, Premier Janukowitsch und Parlamentssprecher Moros unterzeichnet wurde. Die Teilnehmer vereinbarten, dass diese Übereinkunft von den oppositionellen Kräften Block Julia Timoschenko (BJuT) und “Unsere Ukraine” mitgetragen werden muss. Diese haben entsprechende Parteikongresse für diese Woche anberaumt. Heute wurde eine Sitzung der Werchowna Rada einberufen, auf der die für die Neuwahlen notwendigen Gesetze beschlossen werden sollen.
Der finale Teil der Unterredungen zur Überwindung der politischen Krise begann am 26. Mai um 14:30 Uhr im Büro des Präsidenten. Die anfänglichen Teilnehmer des Treffens sind bis heute nicht bekannt. Eine Variante besagt, dass sich anfangs nur Wiktor Janukowitsch und Wiktor Juschtschenko unter vier Augen trafen. Im Laufe des Tages gab es die Meldung, dass die Parteivorsitzenden Wjatscheslaw Kirilenko (Unsere Ukraine) und Julia Timoschenko (BJuT) ebenfalls zu den Gesprächen hinzugestoßen waren. Doch wurden von den Informanten des “Kommersant-Ukraine“ diese Meldung nicht weiter kommentiert, lediglich die Anwesenheit der genannten im Präsidialbüro wurde bestätigt.
Etwa gegen 17:30 Uhr machten die Herren Juschtschenko und Janukowitsch eine Pause. Um 19:00 Uhr wurden die Gespräche bereits in einem erweiterten Personenkreis fortgesetzt. Hinzu stießen, der Sekretär des Rates für Nationale Sicherheit und Verteidigung (RNSV) Iwan Pljuschtsch, das Haupt des Sekretariats des Präsidenten Wiktor Baloga und sein erster Vertreter Iwan Wasjunyk. Die Koalition wurde von dem Ersten Vize-Premier Nikolaj Asarow, Parlamentssprecher Aleksandr Moros und seinem ersten Stellvertreter Adam Martynjuk vertreten. Die Interessen der Opposition wurden von wechselnden Personagen vertreten. So waren Julia Timoschenko (BJuT), der Abgeordnete Nikolaj Onischtschuk (Unsere Ukraine) und der Vertreter des Präsidenten im Parlament Roman Swarytsch anwesend.
Bis zum späten Abend gab es keine Informationen aus dem Präsidialamt, doch die Menge an anwesenden Personen legte nahe, dass es zu einem Ergebnis kommen wird. In den Fenstern des Amtes im zweiten Stock, war von Zeit zu Zeit zu sehen, wie von Kabinett zu Kabinett von Iwan Wasjunyk Ordner getragen wurden. Um Mitternacht erschien an einem Fenster der Abgeordnete David Shwanija (Unsere Ukraine) – er winkte den müden Journalisten und zeigte den Zeigefinger, damit zu verstehen gebend, dass bis zum Ende der Gespräche nur eine Stunde verblieben war. Doch bewahrheitete sich seine Prognose nicht, erst um 3:30 Uhr machte sich eine Belebung im Saal der Unterredungen auf der vierten Etage bemerkbar. Präsident und Premier kamen zum Fenster. Es war sichtbar, dass sie sich über etwas stritten. Wiktor Juschtschenko sagte dem Premier etwas und zeigte mit dem Arm auf die Freitreppe, wo die Ergebnisse der fast zwölfstundigen Unterredungen von den Journalisten erwartet wurden.
Kurz nach vier kamen Wiktor Juschtschenko, Wiktor Janukowitsch und Alexander Moros mit einer Erklärung vor das Präsidialgebäude. Alle drei sahen sehr müde aus und ließen keinerlei Emotionen erkennen. Als erster ergriff der Präsident das Wort: “Danke für die Geduld, dass sie bis zum frühen Morgen gewartet haben. Wir haben eine würdige Neuigkeit für diesen großen Tag – dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit (in der Ostkirche an Pfingsten). Jetzt können wir bereits sagen, dass die politische Krise beendet wurde.“. Er informierte darüber, dass vor wenigen Minuten eine allgemeine Erklärung über einen Ausweg aus der politischen Krise unterzeichnet wurde. Die Hauptsache, worauf die Journalisten warteten, war die Festlegung des Datums für die Neuwahlen, den 30. September.
Die Seiten vereinbarten, dass die Verbesserungen im Wahlgesetz und Änderungen im Budget, welche für die Durchführung der Wahlen unumgänglich sind, werden innerhalb von zwei Tagen durchgesehen – 29. und 30. Mai. In das Paket gingen ebenfalls erneute Abstimmungen über die seit dem 2. April von der Rada beschlossenen Gesetze ein und die gemeinsame Annahme der Gesetze, welche für eine Aufnahme in die WTO unumgänglich sind.
Wiktor Juschtschenko zeigte sich überzeugt, dass die politische Krise der letzten zwei Monate, letzten Endes zum Nutzen des ganzen Landes war und forderte die Politiker unterschiedlicher Ideologien dazu auf, gegenseitiges Verständnis zu finden. “Ich möchte einzeln Alexander Alexanderowitsch Moros und Wiktor Fedorowitsch Janukowitsch als meinen direkten Partnern danken, mit denen wir, leider oder glücklicherweise, sehr viele Nächte verbrachten. Doch ich bin froh, dass wir heute, meiner Meinung nach, zu einem wundervollen Resultat gekommen sind.”, freute sich der Präsident.
Die Stimmung des Präsidenten übertrug sich auch auf den Parlamentssprecher. In dieser Nacht war er dazu bereit, alles zu vergessen, was er vorher an die Adresse des Präsidenten gerichtet, gesagt hatte. Beispielsweise, dass er früher alle Vorgänge in der Ukraine als Putsch bezeichnet habe und Wiktor Juschtschenko der Verursachung eines Bürgerkrieges bezichtigt habe. Über den Präsidenten vergaß Moros nicht Wiktor Janukowitsch zu erwähnen. “Wir haben mit Wiktor Fedorowitsch mehrfach gesagt, dass vorgezogene Neuwahlen möglich sind, doch nur auf gesetzlicher Grundlage. Die Erlasse des Präsidenten, vom 2. und 26. April, waren aus dieser Sicht fragwürdig und riefen im politischen Leben Spannungen hervor. Vorgezogene Neuwahlen sind nicht die beste Variante für die Ukraine. Doch das gibt die Möglichkeit aus der sich erschwerenden Situation einen Ausweg zu finden.”, so der Präsident.
Bei seinem Auftritt versäumte Moros nicht, den Fakt der Übereinkunft sogleich im Nutzen für die Vorwahlkampagne zu nutzen. Er sagte, dass als eine wichtige Folge der getroffenen Vereinbarung erscheint, dass die Rada Änderungen im Staatsbudget machen kann und vor allem die Gehälter und Pensionen erhöhen kann. “Auf diese Weise, wird in der Praxis die Effektivität der Regierung demonstriert. Ich hoffe, dass sich dies im Wahlergebnis niederschlagen wird.“, sagte der Parlamentssprecher im Stile einer Nebenbemerkung.
Wiktor Janukowitsch erklärte, dass der erreichte Kompromiss erlaubt die Spannung vom Land zu nehmen, in welcher sich dieses in der letzten Woche befunden hat. “Die Gegnerschaft unserer Bürger hätte negative Folgen haben können. Besonders in den letzten Tagen sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass wir schnell alle Handlungen abbrechen müssen, welche dazu führen können.”, erklärte Janukowitsch. Weiterhin sagte er, dass die Politiker ihre Lektion gelernt haben und es zu solchen Fehlern nicht mehr kommen wird.
Die Daten für die Durchführung der Parteikongresse von BJuT und “Unsere Ukraine”, an denen über die Abgabe der Abgeordnetenmandate entschieden werden soll, sind bisher noch unklar. Vertreter beider Parteien erklärten jedoch, dass die Parlamentsabgeordneten der Opposition die Gesetzesänderungen im Wahlgesetz mittragen und danach ihre Mandate niederlegen werden.
Bleibt noch anzumerken, dass bereits am vergangenen Sonnabend 65 Abgeordnete von “Unsere Ukraine” und 106 Abgeordnete von BJuT bereit waren ihre Mandate vorzeitig, auf einem überparteilichen Kongress, niederzulegen. So wurde eine Stunde vor Beginn der Unterredung zwischen Premier und Präsident von Seiten der Opposition offen ein letztes Ultimatum gestellt. “Wenn zum Ende der Gespräche im Büro des Präsidenten uns kein genaues Wahldatum genannt wird, dann werden wir eine Entscheidung treffen, die es der 5. Rada endgültig unmöglich machen wird zu handeln.”, erklärte der Vorsitzende von “Unsere Ukraine” entschieden, sich dabei auf den 82. Artikel der Verfassung berufend.
Eindeutig sagen, wer am Ende der Verhandlungen in der Gewinnerposition blieb, ist schwer. Einerseits, haben der Präsident und die Opposition die Hauptsache erreicht, sie überzeugten den Premier und die Koalition davon, den vorgezogenen Neuwahlen zuzustimmen. Doch, wenn man analysiert, womit Präsident Juschtschenko und seine Mitstreiter in die Verhandlungen hineingingen, dann wird verständlich, dass die Wahlen nach dem Szenarium von Wiktor Janukowitsch und der Koalition von statten gehen.
So stimmten alle Seiten zu, dass für die Durchführung der Wahlen eine Bedingung die Einrichtung eines einzigen Wahlregisters ist. Der “Kommersant-Ukraine“ erinnert daran, dass dies eine der Forderungen der Kommunisten und der Sozialisten war. Unmittelbar dieser Punkt stellte den Hauptgrund für die Verlegung der Wahlen in den Herbst dar. Wie dem “Kommersant-Ukraine“ von Teilnehmern der Unterredungen zugetragen wurde, versprachen die Vertreter des Regierungskabinetts sogar die Arbeit zur Erstellung dieses Wahlregisters in vier Monaten durchzuführen. Doch, wie der Vorsitzende der Wahlkommission Jaroslaw Dawidowitsch direkt sagte (zum letzen Mal am 26. Mai) “… die Erstellung eines Registers ist keine Frage eines Monats und auch nicht eines Jahres.”. Formell, könnte das Fehlen eines Registers zum 30. September ein Anlass dafür werden, dass die Koalition von der Teilnahme an den Wahlen absieht.
Noch ein Sieg der Koalition verbirgt sich in der Formulierung der juristischen Grundlage für die vorgezogenen Neuwahlen. In der gemeinsamen Erklärung des Präsidenten, des Premiers und des Parlamentssprechers erkennen sie an, dass die vorgezogenen Neuwahlen auf der Grundlage des zweiten Absatzes des 82. Artikels der Verfassung durchgeführt werden. Dieser besagt, dass für Parlamentsauflösungen eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Weder im ersten noch im zweiten Erlass des Präsidenten über den Entzug der Vollmachten des Parlamentes (=Auflösung) wird sich darauf bezogen.
Die Nutzung dieser Norm erzeugt einen gefährlichen Präzedenzfall für die Zukunft. So obliegt die Initiative über den Entzug der Vollmachten 150 + 1 Abgeordneten (ein Drittel plus ein Abgeordneter) und damit momentan bei BJuT und “Unsere Ukraine”. So wurde von der Kommission des Präsidenten eindeutig jeder politischen Kraft die 151 Abgeordnete zusammenbringt die Möglichkeit gegeben, die Rada aufzulösen. Und wenn diese Möglichkeit einmal genutzt wird, so in der Zukunft noch des Öfteren.
Ein weiterer Sieg der Koalition, stellt die Neuzusammenstellung der Zentralen Wahlkommission dar. Den Informationen des “Kommersant-Ukraine“ nach werden die 15 Mitglieder der Kommission folgendermaßen ernannt. Jeweils sieben Kandidaten ernennen Koalition und Opposition und die Kandidatur des letzten Mitgliedes und Vorsitzenden wird persönlich zwischen Wiktor Janukowitsch und Wiktor Juschtschenko ausgemacht.


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich habe mal sie Einreise in die UA (aus Polen), am Grenzübergang Uhryniw gemacht. Inzwischen 3 Mal am Freitagabend 21 Uhr MEZ. Nur zwei bis drei PKW, was schon gut ist. Aber der Hit ist, dort gibt es...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
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Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“