Regierung findet keine Mittel für den Abschluss angefangener Bauvorhaben


Das Bauministerium hat zugegeben, dass die Fertigstellung von Wohnhäusern mit einem Fertigstellungsgrad von mehr als 70% mit Staatsmitteln nicht möglich ist. Die Anleihen des Staatlichen Hypothekeninstitutes in Höhe von 1 Mrd. Hrywnja (ca. 100 Mio. €) haben bislang weder Banken noch die Zentralbank interessiert. Der Mangel an Mitteln verstärkt die Stagnation des Marktes, sind sich Experten sicher.

Der Stellvertreter des Leiters der Verwaltung der normativen Gewährleistung der Entwicklung des Wohnungsbaus beim Bauministerium, Wladimir Wysotschin, erklärte gestern, dass die Zentralbank keine Möglichkeiten hat Wertpapiere des Staatlichen Hypothekeninstituts (SHI) in Höhe von 1 Mrd. Hrywnja zu kaufen, deren Einnahmen in die Fertigstellung des Baus von Wohnobjekten mit einem Fertigstellungsgrad von mehr als 70% gehen sollten. “Wir haben uns an die NBU (Nationalbank der Ukraine) gewandt. Doch die Antwort ist heute negativ. Daher ist einer der realen Wege zum Abschluss des Baus von Wohnungen auf Staatskosten bislang nicht realisierbar”, sagte er. Im Haushalt ist eine solche Summe für den Bauabschluss der Wohnungen nicht vorgesehen, fügte Wysotschin hinzu.

Das SHI hatte bereits im Dezember 2008 staatliche Garantien für die Emission von Anleihen in Höhe von 1 Mrd. Hrywnja erhalten. Diese Mittel sollten für die Verwirklichung der Programme zum Bauabschluss von Wohnhäusern mit einem Fertigstellungsgrad von mehr als 70% verwendet werden. 452 Objekte dieser Art wurden vom Bauministerium bestätigt, dabei gibt es insgesamt 2.700 unfertige Objekte mit einem Vollendungsgrad von über 50%. Für deren Vollendung sind 10 Mrd. Hrywnja notwendig (ca. 1 Mrd. €). Doch am 14. Mai scheiterte bereits die vierte Auktion zur öffentlichen Platzierung der Anleihen des SHI der Serie Z-W2 an der Ukrainischen Interbankenwährungsbörse. Der Grund ist unverändert – das Fehlen von Anträgen potentieller Käuferbanken. Gestern wollte man das Fehlen der Nachfrage nach den Anleihen beim SHI nicht kommentieren.

Den Worten des Direktors der Abteilung für außerökonomische Beziehungen der NBU, Sergej Kruglik, nach, ist die Zentralbank nicht bereit Anleihen des SHI zu kaufen: “Die NBU wird keine Kaufanträge für die Anleihen abgeben, doch wird sie Banken gegen diese Anleihen refinanzieren, wenn diese sich mit derartigen Obligationen an die NBU wenden. Doch bis heute gingen keine Anfragen von Banken zum Aufkauf von Wertpapieren des SHI bei der Zentralbank ein”. “Die Banken sind nicht fähig die Obligationen des SHI zu kaufen, da sie keine überschüssige Liquidität haben. Sie kaufen nicht einmal Staatsanleihen (in Hrywnja)”, betont der Analyst von Galt&Taggart Securities, Alexander Wiktorow. Fünf- und siebenjährige Anleihen des SHI werden mit 12,1% p.a. verzinst und dreijährige Staatsanleihen (in Hrywnja) mit 22% p.a.. “Die NBU könnte die Wertpapiere der SHI aufkaufen, wenn sich das Kabinett mit der NBU einigt”, denkt Wiktorow.

Marktteilnehmer sind durch die Unfähigkeit der Regierung das Versprechen zu erfüllen, den Bau zu unterstützen, verstimmt, da es für sie immer schwieriger wird mit dem zweiten Wohnungsmarkt zu konkurrieren. “Die Baubranche hat bereits den Tiefpunkt erreicht und die Preise auf dem Markt für Neuwohnungen und für Altbauwohnungen haben sich angeglichen. Doch wenn die Preise für die fertiggestellten Wohnhäuser noch weiter fallen sollten, dann wird auf dem Neubauwohnungsmarkt niemand unter den Selbstkosten tätig sein”, unterstreicht der Generaldirektor der Global Solutions, Sergej Tumasow. “Bei den Bauherren tritt eine Pattsituation ein. Zum Winter könnten die Selbstkosten für den Quadratmeter von 800-1000$ auf 600-650$ zurückgehen. Bereits derzeit unterliegt Wohnraum auf dem zweiten Wohnungsmarkt einer erhöhten Nachfrage und zum Frühling könnten neue Objekte auftauchen”, sagt der Berater des Retailingunternehmens RED, Jaroslaw Zukanow. Das Fehlen der Finanzierung für die Fertigstellung der Wohnungsobjekte verstärkt die Stagnation der Branche und erhöht die Verluste der Bauherren, ist sich Tumasow sicher. “Der Abschluss von mehr als 400 Objekten – das sind Arbeitsplätze für die gesamte Branche, die sie aufgrund des Fehlens der notwendigen Mitteln verlieren könnte”, denkt Zukanow.

Maria Zaturjan

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 630

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