Ukraine hat Winterzeit abgeschafft


Gestern hat die Werchowna Rada eine Anordnung beschlossen, welche die Praxis des jährlichen Übergangs zur Winter- und zur Sommerzeit abschafft. Der Meinung des Autoren des Dokuments, des Parlamentsabgeordneten Oleg Nadoschi, nach wird sich das positiv auf die Gesundheit der Ukrainer auswirken, die aufgrund der Zeitumstellung unter Stress und der Verschärfung chronischer Krankheiten leiden. Mediziner bezogen sich positiv zu dieser Entscheidung. Derweil erinnert eine Reihe von Experten daran, dass der Verzicht auf die Winterzeit zu wirtschaftlichen Verlusten führt.

Die Werchowna Rada hat gestern den jährlichen Übergang zur Winter- und zur Sommerzeit abgeschafft. Gemäß der Anordnung „Zur Änderung der Ordnung der Zeitberechnung in der Ukraine“ ist auf dem Territorium des Landes die Zeit der zweiten Zeitzone eingesetzt worden. Derart wurden die Ukrainer von der Notwendigkeit befreit im Herbst die Uhren eine Stunde zurückzustellen und im Frühling eine Stunde voraus.

Der Übergang zur Winter- und Sommerzeit wurde 1917 eingeführt, als der Rat der Volkskommissare das Dekret „Zur Zeitumstellung“ beschloss, das bis 1930 galt. Erneut begann man 1981 mit der Zeitumstellung und verzichtete 1990 erneut darauf. In der Ukraine kehrte die Praxis der Zeitumstellung im Mai 1996 zurück, als das Ministerkabinett die Sommerzeit über die Vorstellung der Zeit um eine Stunde und der Winterzeit um eine Stunde zurück einführte.

Der Übergang zur Saisonzeit wirkt sich der Meinung des Autoren des Entwurfs, des Parlamentsabgeordneten Oleg Nadoschin (Partei der Regionen), negativ auf die Gesundheit der Bürger aus. „Jährlich ruft die Zeitumstellung zeitlichen Stress hervor und beeinflusst den psychischen und physischen Zustand der Leute negativ und am Ende führte das zu größeren Ausgaben, als die unbedeutende Elektroenergieeinsparung“, heißt es in dem Erklärungsanhang zum Dokument. Der Abgeordnete führt Daten darüber an, dass in den Zeiten, die der Zeitumstellung folgen (ungefähr zwischen zwei Wochen und einem Monat) sich gewöhnlich die Zahl der Arztbesuche erhöht.

Im Entwurf für die Anordnung, der gestern von 266 Abgeordneten unterstützt wurde, heißt es: „Der Beschluss dieser Anordnung gestattet es das Auftauchen neuer und verschärft auftretender Krankheiten bei den Bürgern der Ukraine zu vermeiden. Mit der Verringerung der Erkrankungen verringern sich die Ausgaben des Staatshaushaltes für die Hilfe bei den sozial ungeschützten Bevölkerungsschichten“.

Die Prüfung der Frage zur Aufhebung des Übergangs zur Winterzeit rief Diskussionen im Sitzungssaal hervor. Bei der Opposition meinte man, dass die Vertreter der Regierungspartei mit der Einbringung dieser Initiative ein weiteres Mal versuchen die Ukraine Russland unterzuordnen. „Ich denke, dass die vordergründige Ursache für das Auftauchen dieser Anordnung eine gewöhnliche Nachäfferei ist“, erklärte der Parlamentsabgeordnete Jaroslaw Kendsor („Unsere Ukraine – Nationale Selbstverteidigung“). „Also wenn Russland bei sich die Zeitzone von Wladiwostok (+8h von der Kiewer Zeit) eingesetzt hätte, dann bin ich mir sicher, dass sich ein paar Schlauberger bei der Partei der Regionen gefunden hätten, die vorgeschlagen hätten, diese Zeitzone auch in der Ukraine einzuführen“.

In Russland ist am 5. August das Gesetz „Zur Zeitberechung“ in Kraft getreten, welches die Praxis der Zeitumstellung aufhob. Das letzte Mal wurden in Russland die Zeiger am 27. März um eine Stunde vorgestellt und am 30. Oktober braucht man sie bereits nicht mehr umzustellen.

Spezialisten haben die Entscheidung der Werchowna Rada positiv bewertet. „Das normalste für die Gesundheit der Leute ist Stabilität. Die Zeitumstellung hat sich wirklich negativ auf ihre Gesundheit ausgewirkt“, erklärte dem “Kommersant-Ukraine” des korrespondierende Mitglied der Akademie der medizinischen Wissenschaften der Ukraine, der Ex-Gesundheitsminister Nikolaj Polischtschuk. Seinen Worten nach schadet jegliche unwirkliche Änderung des Lebensrhythmus dem Wohlbefinden. „Öfter als andere klagen in Verbindung mit der Zeitumstellung Menschen über Probleme, die an Herzkreislaufkrankheiten und verschiedenen Neurosen leiden. Ebenfalls fühlen sich diejenigen unkomfortabel, die an Krankheiten des Magendarmtraktes leiden, da sich mit der Zeitumstellung auch die Zeit der Nahrungsaufnahme ändert. Jetzt sollten diese negativen Momente zurückgehen“, erläuterte Polischtschuk dem “Kommersant-Ukraine”.

Derweil führt die Abschaffung der Winterzeit zu wirtschaftlichen Verlusten. So erklärte die Pressesprecherin der „Meshdunarodnyj Avialinii Ukrainy“, Jewgenij Sazkaja, dass „die Fluglinien, möglicherweise die Abflugszeiten aus einigen Punkten in östlicher Richtung ändern müssen“. „Ebenfalls sind wir gezwungen die lokale Abflugzeit von Reisen vom Flughafen ‘Borispol’ zu ändern“, teilte sie mit. Derweil ist man bei der Staatlichen Verwaltung des Eisenbahntransports bei der „Ukrsalisnyzja“ überzeugt davon, dass „es wegen der Aufhebung des Übergangs zur Winterzeit keine Probleme und Unterbrechungen bei den Zugbewegungen geben wird“.

Neben möglichen Diskrepanzen beim Transport, wird sich der Verzicht auf die Winterzeit auf den Energiebereich auswirken. Wie dem “Kommersant-Ukraine” das Mitglied des Ausschusses für Fragen der Wirtschaftspolitik in der Werchowna Rada, Alexej Plotnikow (Partei der Regionen) mitteilte, werden die Leute nach der Einführung mehr Elektroenergie benutzen. „Nach einigen Berechnungen werden die Menschen nach der Neueinführung den Elektroenergieverbrauch erhöhen. Die Ausgaben dafür steigen etwa um 300 Mio. Hrywnja (ca. 27,3 Mio. €) im Jahr, doch wenn die Leute keine Zeitumstellung wollen, warum dann nicht mit dieser Initiative einverstanden sein“, betonte der Abgeordnete.
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Artjom Skoropadskyj

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein  — Wörter: 796

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