”Der teutonische Marsch” von Herrn Bondarenko ist ein für den ukrainischen Medienbereich zugleich gewöhnlicher und ungewöhnlicher Artikel. Ungewöhnlich, da es offensichtlicher Unsinn mit einem antieuropäischen Beigeschmack ist. Doch derartiger Unsinn ist Teil der offiziellen Propaganda und wird mehr und mehr gebräuchlich je weiter sich die Ukraine von Europa wegbewegt.
Zusätzlich muss man wissen, dass Herr Bondarenko kein unabhängiger Kommentator ist. Er ist der Vizevorsitzende von “Sylna Ukrajina/Starke Ukraine”, deren Vorsitzender Vize-Premier Serhij Tihipko ist. “Sylna Ukrajina” wird mit Janukowytschs Partei der Regionen fusionieren – die Entscheidung ist bereits seit langem getroffen worden. Unter diesem Deckmantel veröffentlicht er zeitweise Artikel, in denen er die Sichtweise der Präsidialadministration darstellt und rechtfertigt. Beispielsweise beharrte er in seinem kürzlichen Artikel “Ukraine: Isolation is not the way forward” darauf, dass der Tymoschenko-Prozess nicht politisch motiviert ist.
Jetzt ist es offensichtlich geworden, dass die “europäische Integration” von Präsident Janukowytsch an ihr Ende kommt. In Wahrheit war es eine Pseudointegration. Janukowytsch wird nicht in der Lage sein, dieses Spiel zu Ende zu spielen: einerseits die Absicht zu erklären, das Land in die EU zu integrieren und zur gleichen Zeit den Autoritarismus zu stärken. Höchstwahrscheinlich wird das Assoziierungsabkommen nicht abgeschlossen und der nächste EU-Ukraine Gipfel, der für den 19. Dezember angesetzt ist, wird keine guten Nachrichten bringen – wenn er überhaupt zustande kommt. So sieht sich Herr Janukowytsch genötigt diesen Fehlschlag vor der Gesellschaft zu rechtfertigen und jemanden zu finden der Schuld hat. Für dieses Ziel muss die Präsidialadministration die Menschen davon überzeugen, dass es nicht Herr Janukowytsch ist, welcher der Ukraine die europäische Zukunft vorenthält, sondern das Fehlen der Mitgliedschaftsperspektive im Text des Assoziierungsabkommens. Für diesen Fall ist Deutschland der perfekte Kandidat für die Position des “Schuldigen”.
Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland die Mitgliedschaftsperspektive der Ukraine nicht unterstützt. Jeder weiß, dass Berlin spezielle Beziehungen zu Moskau hat und kein derart prominenter Unterstützer für die europäischen Bestrebungen der Ukraine wie Polen ist. Die deutsche Visastelle in Kiew ist wohl bekannt für ihre absurden Visaverweigerungen, die oft wie die Errichtung einer modernen Berliner Mauer zwischen der Ukraine und Europa wirken.
Doch ungeachtet all dessen, sind es nicht Deutschland oder die Deutschen, welche die europäische Zukunft der Ukraine zerstören und den Abschluss des Assoziierungsabkommens unmöglich machen. Alle Hindernisse und Gründe liegen in der Ukraine und nicht im Ausland. Es sind weder Deutschland, Frankreich oder die Niederlande die Herrn Janukowytsch und seine Entourage ermutigen Julija Tymoschenko ins Gefängnis zu stecken, die Demokratie zu unterdrücken, gegen Menschenrechte zu verstoßen und die Korruption zu fördern. Schlussendlich ist Deutschland nicht das einzige EU-Land, das gegen die Gewährung der Mitgliedschaftsperspektive für die Ukraine ist. Wenigstens die Hälfte der Mitgliedsstaaten haben dieselbe Sichtweise. Ebenso ist wohl von Anfang an bekannt, dass die Mitgliedschaftsperspektive nicht das Subjekt von Verhandlungen über das Assoziierungsabkommen sein kann.
Indirekt zeigt der “teutonische Marsch”, dass Präsident Janukowytsch die Konfrontation mit Europa gewählt hat. Damit gibt es weniger und weniger Hoffnungen auf ein Happy End. Die sich häufenden Parallelen zum belarussischen Präsidenten Lukaschenko und seinem Regime und Artikel wie ”Der teutonische Marsch” sind Bestätigung dessen.
Anatolij Marzynowskyj – Journalist der Gaseta po-ukrajinsky
Anatoliy Martsynovski: "Real problem is Yanukovych’s marsh, not Teutonic" [0,05 MB]
Eine weitere Replik auf Kost Bondarenkos Artikel findet sich hier: Eine weitere von den ukrainischen Journalisten Dmytro Tusow hier: Das reale Problem ist Janukowytschs Marsch und nicht der “teutonische”


Forumsdiskussionen
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich habe mal sie Einreise in die UA (aus Polen), am Grenzübergang Uhryniw gemacht. Inzwischen 3 Mal am Freitagabend 21 Uhr MEZ. Nur zwei bis drei PKW, was schon gut ist. Aber der Hit ist, dort gibt es...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“