FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Ukrainische Fernfahrer begannen gestern mit Protestaktionen

0 Kommentare

Gestern begann in Kiew eine große Protestaktion von Lastkraftwagenfahrern gegen die Untätigkeit der Regierung unter den Bedingungen der ökonomischen Krise. Gestern Morgen trafen über die Haupteinfallsstraßen aus den unterschiedlichen Regionen des Landes etwa 160 LKW ein. Die Protestaktion der Fernfahrer wurde von den Korrespondenten des “Kommersant-Ukraine“, Alexander Rjabtschenko und Konstantin Ussow, beobachtet.

Die erste Kolonne von Protestierenden – etwa 40 Lastkraftwagen – traf in Kiew gestern gegen 5:00 Uhr ein und hielt im Bereich der Shuljanskij Überführung. Die Fernfahrer kamen in die Hauptstadt, um eine Verringerung der Kreditzinsen, ein Verlängerung der Fristen für die Kreditverträge, eine Umschreibung der Devisenkredite auf Hrywnja zum Währungskurs zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme, die Aussetzung der Kreditzahlungen während der Krisenzeit und ebenfalls die Diskontsatzsenkung der Zentralbank und die Einrichtung eines minimalen Einheitstarifes für den Transport von Waren zu fordern.

Die Autokolonne wurde von einigen Autos der ukrainischen Verkehrspolizei begleitet. Die Schlepper entlang des Straßenrandes parkend, sammelten sich die Fahrer um das Auto der Verkehrspolizei, um die weiteren Handlungen abzustimmen und diese mit den Vertretern der Regierung zu koordinieren.

“Wie viele LKWs werden es sein und woher werden sie kommen?”, fragte der Oberst der Verkehrspolizei.

“Nicht weniger als dreihundert. Die aus Charkow sind bereits in Borispol. Derzeit kommen die aus Tscherkassy heran, danach die anderen. Aus allen Oblasten kommen sie, aus allen Richtungen. Dabei sind die Kiewer nicht berücksichtigt – diese kommen als letzte. Wie viele von ihnen kommen, ist nicht bekannt.”, antworteten ihm die Teilnehmer der Aktion.

“Um den Verkehr nicht zu stören, bleiben sie in einer Reihe auf dieser Seite und in einer Reihe auf der gegenüberliegenden. Setzen sie sich mit den ihrigen in Verbindung, diese sollen Kolonnen an den Kontrollpunkten bilden. Unsere Autos geleiten sie hierher, dass sie sich nicht verirren. Die Telefonnummern haben wir ausgetauscht. Falls etwas ist, dann teilen sie es mit”, ordnete der Oberst an.

Einige der Fernfahrer, die an der Seite standen, unterhielten sich leise untereinander.

“Mit der Verkehrspolizei haben wir bisher keinen Konflikt und sie wollen sich mit uns auch nicht streiten”, sagte einer der Fahrer.

“Natürlich wollen sie nicht. Sie verstehen schon, dass wir nicht gekommen sind, um sie uns anzuschauen. Mit uns streitet man besser nicht”, fügte einer seiner Kollegen hinzu.

“Uns was weiter? Mit wem werden wir reden?”, fragte einer von ihnen.

“Warte, bald kommen sie zu uns. Sowohl Winskij (Minister für Transport und Kommunikation, Josef Winskij) als auch Kushel (Leiter des Staatlichen Ausschusses für Unternehmertum, Alexnadr Kushel) und Julka (Premierministerin Julia Timoschenko)”, antwortete ihm ein zweiter.

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Wie dem “Kommersant-Ukraine“ einer der Organisatoren der Aktion, Sergej Tschepurnyj, mitteilte, wurde die Annahme der Entscheidung bezüglich des weiteren Vorgehens der Streikenden auf den Morgen verschoben. “Warten wir ab, bis alle hergekommen sind, dann schauen wir. Möglich ist, dass wir zur Zentralbank gehen. Dorthin gelangen wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit den Lastern werden wir erst einmal nicht in die Stadt fahren. Wir wollen die Situation nicht verschärfen – das kann man immer noch erreichen. Um eine beliebige Straße zu versperren, reichen einige LKWs und hier wir haben einige davon”, sagte Tschepurnyj, auf die Kolonne zeigend.

“Sagen Sie, haben viele politische Kräfte Ihnen vorgeschlagen den Streik unter ihren Losungen durchzuführen?”, interessierte sich der “Kommersant-Ukraine“ bei ihm.

“Alle”, antwortete Tschepurnyj kurz.

Gegen 11:00 Uhr begannen Mitglieder der Hauptverwaltung des Innenministeriums in Kiew auf dem Territorium, welche von der Kolonne der Zugmaschinen besetzt wurde, zu patroullieren. Einige Fahrer schliefen noch, einige frühstückten bereits, sich um die Feldküche versammelnd. Aus den Fuhren mit Lwower Kennzeichen wurden auf den frischgefallenen Schnee zwei Bündel mit trockenem Holz ausgeladen. Neben den aufgeschlagenen Zelten wurden Feuerstellen errichtet.

“Jetzt, Männer, genießen wir erst einmal die Situation. Schwatzen, essen, spielen Karten, schlafen”, sagte einer der Fahrer. “Mir wird innerhalb von ein bis zwei Wochen die Bank so oder so die Wohnung nehmen, wie von vielen anderen, die sich hier versammelt haben. Also müssen wir nirgendwohin eilen, jetzt ist hier unser Haus”.

Am Shuljanskij Übergang trafen zu der Zeit ständig neue LKWs ein. Entdeckend, dass die Kolonne der bereits geparkten Laster dicht stand, hielten sie in einer zweiten Reihe und grüßten per Hupsignal.

“Seid gegrüßt, Jungs! Habt ihr euch mit Wodka versorgt?”, lehnte sich aus einem Fenster ein junger Fahrer mit Jeansmütze.

“Hallo. Wir können nicht in zwei Reihen stehen – die Verkehrspolizei hat es verboten. Bislang arbeiten wir mit ihnen zusammen, daher fahr weiter, dreh um und parke auf der gegenüberliegenden Seite”, antwortete man ihm.

Ganze zehn Schritte vom Hauptstab entfernt, fand zwischen einem Mitarbeiter der Miliz und einem der Teilnehmer der Aktion ein Gespräch völlig anderen Charakters statt.

“Das ist doch hier eine Umgehungs-/Nebenstraße, ja? Bei uns in Lwow kann man auf der Umgehungsstraße die Zeit nicht schlecht verbringen”, blinzelte der Fernfahrer verschwörerisch seinem Gesprächspartner zu.

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

“Weder heute noch morgen wird es hier Mädchen geben”, stoppte ihn der Milizionär. “Ich denke, dass sie die Kundenzahl fürchten, aber mal ernsthaft – es ist eine Anweisung der Vorgesetzten.”

Im Verlaufe des Tages und bis zum Abend blieben die Gespräche und Handlungen der Protestierenden unverändert. Auf die Frage, wann sie planen die Kolonne der Zugmaschinen ins Zentrum von Kiew zu bewegen, konnten die Fahrer nicht antworten, auf die Nichtbereitschaft “mit der Regierung zu streiten” verweisend.

“Derzeit haben wir etwa 160 Laster. Morgen (am Donnerstag) erwarten wir weitere 80, darunter 40 Betonmischer. Falls die Machthaber uns ignorieren – werden wir sie bestrafen”, erklärte dem “Kommersant-Ukraine“ der Fahrer eines 17-Meter Volvos.

Wo streikten Lastkraftwagenfahrer noch?

Gestern unterstützten die lokalen Vertreter der Assoziation der Lastkraftwagenfahrer in Iwano-Frankowsk die allukrainische Protestaktion, die darauf ausgerichtet ist, die Aufmerksamkeit der Regierungen auf die Probleme der Transportbranche zu lenken. Eine Kolonne aus einigen Dutzend Lastern, fuhr hupend am Rand der Stadt. Wie dem “Kommersant-Ukraine“ beim Pressedienst der Verwaltung der Verkehrspolizei der Oblast Iwano-Frankowsk mitgeteilt wurde, wurde diese Route ausgewählt, damit keine Hindernisse für den Transport innerhalb der Grenzen der Stadt aufkommen. “Die Aktion wurde von einer Streife der Verkehrspolizei begleitet”, betonte der Leiter des Pressedienstes der Oblastverwaltung der Verkehrspolizeit, Konstantin Kulak.

Doch die Fernfahrer von Nikolajew streikten mitten im Zentrum der Stadt. Fahrer von drei Dutzend Lastkraftwagen parkten ihre Fahrzeuge entlang der Nikolskaja Straße. Gegen 13:00 Uhr bewegten sich die Fahrzeuge hupend in Richtung der Puschkinstraße. Der Streik verursachte vielen Einwohnern der Stadt Probleme, insbesondere PKW Besitzern. “Ich musste etwa 15 Minuten hinter ihrer Kolonne herfahren. Aufgrund dessen verspätete ich mich zu einem wichtigen Treffen”, erklärte dem “Kommersant-Ukraine“ der Unternehmer Wiktor.

Bogdan Skawron, Iwano-Frankowsk; Alexander Seryj, Nikolajew

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 1131

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 6.0/7 (bei 3 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)3 °C  Ushhorod7 °C  
Lwiw (Lemberg)5 °C  Iwano-Frankiwsk4 °C  
Rachiw3 °C  Jassinja4 °C  
Ternopil2 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)4 °C  
Luzk5 °C  Riwne5 °C  
Chmelnyzkyj2 °C  Winnyzja1 °C  
Schytomyr1 °C  Tschernihiw (Tschernigow)1 °C  
Tscherkassy1 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)2 °C  
Poltawa1 °C  Sumy1 °C  
Odessa4 °C  Mykolajiw (Nikolajew)3 °C  
Cherson5 °C  Charkiw (Charkow)1 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)5 °C  Saporischschja (Saporoschje)7 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)3 °C  Donezk1 °C  
Luhansk (Lugansk)1 °C  Simferopol13 °C  
Sewastopol12 °C  Jalta11 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„..... Mir liegen von meinen Eltern unterzeichnete Generalvollmachten in deutscher Sprache vor. ..... Grundsätzlich wirst du mit Vollmachten in deutscher Sprache bei einem ukrainischen Konsulat nicht weit...“

„2016? Das Konsulat ist doch in Hamburg. Warum rufst dort nicht an?“

„Sehr geehrte Damen und Herren, meine Eltern sind ukrainische Staatsbürger und leben seit 2008 mit einer unbefristeten Aufenthaltserlaubnis in Deutschland, genauer gesagt in Hamburg. Im Juni 2016 läuft...“

„Hallo an ALLE, ich vermute meine Beteiligung hier entspricht nicht meinen Erwartungen und Hoffnungen. Mein Anliegen war in Erfahrung zu bringen,was ich beachten muss,wenn ich mit einer ukrainischen Frau...“

„Das sind Untermenschen, normale Menschen verhalten sich anders. Slava Ukraine Nachricht von Moderator Handrij volontaer45 wurde für diesen Beitrag verwarnt. Nazisprache ist hier unerwünscht! Un|ter|mensch,...“

„Hallo Lev, habe das im Internet gefunden, Probleme ist wohl die Grenzkontrolle ohne EU Pass, dann wird es eine Warterei von 2h..., Mein Browser hat mir das automatisch auf Deutsch übersetzt.“

„Hat eventuell jemand hier im Forum, Erfahrung mit der neuen Zugverbindung und dem Umstieg in Przemyel ?“

„Zuletzt war ich zweimal kurz hintereinander in Ustyluh/Zosin im Röntgenapparat (Polen), kostet halt jedes Mal auch noch ca. 15 - 20 Minuten..., das nervt. Nach Kiew würde ich ebenfalls die "nördliche"...“

„Kowel-Sarnyj-Korosten-Kiew, weil wesentlich weniger Verkehr als die A4-Route im Süden. Ach die Strecke kann man normal fahren? Da ist nur der Grenzübergang Dorohusk nicht möglich.“

„Das hat sich spätestens erledigt seitdem "die Russen" ein Teil der Russen von damals hinterhältig überfallen hat. Und ein Teil der Russen von damals über "den Russen" von heute genauso denkt. Heisst...“

„In diesem Zusammenhang würde mich ja Mal interessieren welche Rolle E-Autos in UA unter den derzeit herrschenden Bedingungen spielen ?“

„Gerade wir als Deutsche sollten uns jetzt hüten wieder in alte verhängnisvolle Denkmuster gegenüber "den Russen" zu verfallen !“

„Ja das könnte passen. Der stand da mitten im Wald auf der Strasse mit der Kalaschnikow um den Hals. Da waren es noch paar km bis zur Grenze. Hatte da nur den EU-Pass gezeigt, hat er mich durch gewunken....“

„Bin erst 2025 das erste Mal bei Uhryniv über die Grenze, der Blockposten ist Schätzungsweise 7 Kilometer von der Grenze weg. Ansonsten lässt sich noch vermuten ggf. Gibt da was in der Nähe, dass gerne...“

„Interessant, Blockposten gibt es an den anderen Grenzorten schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Budomierz oder Korczova, Astey, Kosun, Richtung Ungarn. Uhryniv .... Ist das nicht der wo Armeeposten...“

„"RESPEKT " ist vermutlich das "Fremdwort" schlechthin für einen Russen. Meine Erwartungshaltung wurde " leider " nicht enttäuscht, faschistisches Russenpack, ist bleibt was es ist, ein Haufen voller...“

„Wieso Respekt? Werden die Russenfaschisten mit Absicht gemacht haben - wie kann man auch die Feiertage wie im Westen nutzen ....“

„Ja, das ist interessant, eigentlich sollen ja mit unter, Männer vor der Annäherung zur Grenze abgehalten werden und natürlich dann die Flucht außer Landes. Du hast recht, im Sommer hatte ich in Astey...“

„War über die Feiertage in der Ukraine in Luzk bei der Familie, die Russen sind schon blöde Arschlöcher, Luzk als Stadt zählt meiner Ansicht nach auch eher noch zu den ruhigeren Plätzen im Kriegsgebiet,...“

„Interessant, Blockposten gibt es an den anderen Grenzorten schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Budomierz oder Korczova, Astey, Kosun, Richtung Ungarn.“

„Grenzübergang Urgyniw - Dolgobytschuw Wollte in der Nacht von Samstag 3.1.26 auf Sonntag 4.1.26 am Grenzübergang Urgyniw um ca 2 Uhr ausreisen, daraus wurde aber nichts, da wir am "Blockposten" - Kontrollpunkt...“

„Was wohl die Russen davon halten, dass die Ukrainer beinahe schon nach belieben jede Raffinerie erfolgreich angreifen können, Putins Residenz aber so derartig gut gesichert ist, sodass sie angeblich 91...“

„Was wohl die Ausgebombten aus Dnipro oder die Bauern im Kursker Gebiet denken wenn sie erfahren würden daß sich ihre Kriegsherren selbst gegenseitig nur mit Samthandschuhen anfassen ?“

„Also bisher habe ich nichts davon gelesen dass es entsprechende Angriffe gab. Letztes Jahr gab es mal ein Ziel in der Nähe vom Präsidentenpalast. ... denke mal das läuft auf Gegenseitigkeit hinaus...“

„Mal ganz abgesehen davon daß dieses behauptete Ereignis vermutlich nur als Vorwand konstruiert wurde um sich vor ernsthaften Friedensverhandlungen drücken zu können: Putin scheint wohl ein schlechter...“

„Bin am 24.12.25 in Zosin/Ustyluh in die Ukraine eingereist, war das erste und einzige Auto, in ca. 45 Minuten durch gewesen. Ausreise nach Polen, ca. 10 PKW zu der Zeit.“

„Typisch Russenkasper welche vom korrupten Putin und der Machtelite um ihn herum verarscht werden. Zu mehr als zivile Ziele in Städten zu zerstören reicht es nicht.“

„Warum sollten die sich auch trollen?? Für mich ist es immer wieder eine Offenbarung, wenn man mal wieder feststellen kann, mit welch limitierten Fähigkeiten und Qualitäten jene Russlandfans unterwegs...“

„Hallo Hendrij, habe mal ne Frage zu der neuen Zugverbindung Leipzig - Krakau - Przemyel. Wir fahren ja seit vielen Jahren immer mit dem Wohnmobil und im Winter mit dem Bus nach Lwiw. Da wir unweit von...“

Newsletter jeden Morgen

Sie möchten täglich über Neuigkeiten auf der Seite benachrichtigt werden? Dann ist vielleicht ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Beiträgen der vergangenen 24 Stunden für Sie interessant. Der Versand erfolgt jeden Tag 6.00 Uhr morgens.




Nach dem Eintrag Ihrer E-Mailadresse erhalten Sie eine E-Mail zum Bestätigen Ihrer Adresse und können dann die Eintragung abschließen (so genanntes "Double Opt-In-Verfahren"). Ihre E-Mailadresse wird dabei nur auf unserem Server in Deutschland gespeichert und nicht an Dritte übermittelt.