FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Ein Tablettchen für Putin

0 Kommentare

Die Schlichtung des Konflikts im Osten wirft berechtigte Fragen bei den Ukrainern auf. Warum sollte man überhaupt mit den „Diversanten“ (Wort aus dem kommunistischen Sprachgebrauch: feindliche Agenten und Saboteure) sprechen? Woher kommen diese unverständlichen Leuten hinter den Verhandlungsstühlen? Was sind das für seltsame Entscheidungen der neuen Machthaber?

Dabei stellt sich jedoch niemand die Frage: was wäre die Alternative, um eine Konfliktbeilegung zu versuchen? Die Anti-Terror-Operation dauerte bis zur Wahl des neuen Präsidenten bereits fast zwei Monate an. Die Entscheidung des Staatsoberhaupts ist kein Wunder. Der neue Oberkommandierende hat es mit der gleichen Armee, denselben Machtstrukturen, denselben Terroristen, und dem gleichen Russland, das bereit ist, seine Agenten für einen unbegrenzten Zeitraum mit Technik auszurüsten und neue Leute zu schicken, zu tun. Natürlich kann man die Grenzen schließen, aber nichtsdestotrotz bleiben Lücken und Möglichkeiten übrig, umso mehr in solch einem korrumpierten Land wie der Ukraine. Wenn wir dann zur Korruption auch noch eine gewisse Anzahl von Staatsbürgern hinzufügen, die mit dem Aggressor Mitleid haben und sich als seine „Maulwürfe“ erweisen… Mit einem Wort: wir können uns auf einen langen Krieg – oder einen dünnen Frieden einstellen. Aber ein dünner Friede ist unter unseren Bedingungen nur bei einer aktiven Zusammenarbeit mit dem Westen möglich. Es fällt nicht schwer zu bemerken, dass Poroschenko häufig nicht selbst mit Putin spricht, sondern durch die Vermittlung von Hollande und Merkel – dieses Phänomen konnte man erstmalig in der Normandie betrachten, wo allem Anschein nach eine Übereinkunft bezüglich der Rahmenbedingungen einer ukrainischen Konfliktbeilegung erzielt wurde. Jedoch kann der Westen diese Schlichtung weder so betrachten, wie Russland es tut, noch so wie wir es tun.

Für den Westen ist es wichtig, die Anzahl der Toten unter der Zivilbevölkerung so gering wie möglich zu halten – für jedweden europäischen Politiker ist dies wichtiger als die Vertreibung der Terroristen. Für den Westen ist es ebenso wichtig, dass Putin nicht den wilden Mann spielt – nicht weil Merkel und Hollande ihn so sehr lieben, aber weil sie kein Öl dort ins Feuer gießen wollen, wo er, Putin, es entfachen kann.

Ja, natürlich, wenn irgendwie möglich, möchte die Europäische Union auch kein Geld verlieren – das heißt, keine Sanktionen der dritten Stufe einleiten, sondern von Putin ein solches Verhalten abtrotzen, das es gestatten würde, diese Sanktionen zu vermeiden. Aber hierfür sind bestimmte Handlungen unsererseits unumgänglich, die es dem russischen Präsidenten nicht erlauben, zu behaupten, dass wir keinen Frieden wollen und nicht alle Möglichkeiten für einen Dialog nutzen und so weiter. Merkel und Hollande sprechen mit Putin wie mit einem gefährlichen Kranken, dem man ins Gewissen reden und beruhigen muss. Manchmal gesellt sich diesem Gespräch auch Obama hinzu, der den Kranken daran erinnert, was mit ihm geschehen würde, falls er die Einnahme der Tabletten verweigerte. Das ist das Konsilium eines dünnen Friedens. Poroschenko ist in diesem Konsilium die Rolle des Pharmazeuten zugeteilt, der einfach nur die verschriebenen Tabletten ausgibt. Der Apotheker kann es sich nicht erlauben, eigene Medikamente für die Behandlung vorzuschlagen, nicht einmal Vitamin-Tabletten; er darf sogar nicht lächeln, damit der Kranke nicht misstrauisch wird und erneut in Rage gerät. Falls etwas Ähnliches geschehen sollte, können die Ärzte aufhören, den Patienten zu behandeln, der dann beginnt, zu wüten, in der Apotheke die Vitrinen einzuschlagen, die Instruktionen, die in einer falschen Sprache geschrieben sind, zu zerreißen und über die „russische Welt“ (Konzept, das auf die historische „Heilige Rus´“ und das russische Imperium zurückgreift, und eine bis heute bestehende Einheit des orthodoxen slawischen russischsprachigen Raumes behauptet) zu schreien. Aber uns ist es genauso wichtig, unsere Apotheke zu erhalten, wie der Westen seine Poliklinik schützen möchte.

27. Juni 2014 // Witalij Portnikow

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Jasmin Söhner — Wörter: 597

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 4.9/7 (bei 15 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)11 °C  Ushhorod17 °C  
Lwiw (Lemberg)14 °C  Iwano-Frankiwsk14 °C  
Rachiw14 °C  Jassinja13 °C  
Ternopil13 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)15 °C  
Luzk13 °C  Riwne13 °C  
Chmelnyzkyj14 °C  Winnyzja13 °C  
Schytomyr12 °C  Tschernihiw (Tschernigow)12 °C  
Tscherkassy15 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)16 °C  
Poltawa20 °C  Sumy18 °C  
Odessa15 °C  Mykolajiw (Nikolajew)16 °C  
Cherson16 °C  Charkiw (Charkow)22 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)18 °C  Saporischschja (Saporoschje)22 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)22 °C  Donezk25 °C  
Luhansk (Lugansk)26 °C  Simferopol21 °C  
Sewastopol16 °C  Jalta17 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Falls dann da eine Erweiterung der APP kommt oder was neues, werde ich natürlich ausprobieren und dann berichten. Hab mir jetzt mal die APP geholt, derzeit funktionieren ja nur Busse und LKW, im Grunde...“

„Ich vermute Geldmacherei! Immerhin kostet die bescheuerte Karte über 1000 Hrivnas+ Krankenversicherung für 2000 Hrivnas und ungefähr 300 Euro Absicherung beim Ernstfall, die aber kein Arzt der Ukraine...“

„Bekannte (UA) ist gestern gegen 17 Uhr wieder in Korczowa eingereist - ca. 1h“

„Bin gestern Nachmittag um 15.00 Uhr Kiewzeit am Grenzübergang Zosin / Ustiluh eingereist. 12 PKW in der Schlange nach ca. 20 Minuten war ich im Grenzbereich, da erstmals die EU Spur nur EU Kennzeichen,...“

„Gestern ist ein Bekannter (Ukrainer) über Krakowez mit dem Auto ausgereist. 1h vor der Grenze und 0,5h im Grenzbereich“

„Sie kann als Untermieterin bei Dir einziehen dadurch bildet Ihr keine Bedarfsgemeinschaft. Womöglich keine gute Idee. Unser Sozialamt z. B. wollte die Nebenkosten in einer ähnlichen Situation detailliert...“

„Weshalb wollt ihr zusammenziehen, wenn Deine Rente nicht reicht? Du kannst diese Frau nicht ernähren? Dann ist sie doch bisher besser dran, hat ihr Bürgergeld und Wohnraum etc., Krankenversicherung hat...“

„Sie kann als Untermieterin bei Dir einziehen dadurch bildet Ihr keine Bedarfsgemeinschaft. Nur Ihr BG wird gekürzt, wie viel weiß ich nicht. Erkundige Dich mal in diese Richtung.“

„Wenn die Ukrainer/innen schon einen Flüchtlingsstatus haben, ist ein weiterer Status als Flüchtling in Europa nicht mehr möglich. Es zählt das Erstaufnahmeland. In Deutschland wird sie dann nicht mehr...“

„Was soll der Quatsch wieder? Der Krieg noch voll im Gange, aber schon wird wieder an solchem Zeug raumgemacht. Haben die keine anderen Probleme?“

„Mittlerweile sind wieder Blockposten bei Korczowa bzw. Krakovez. Am letzten Dienstag jedenfalls wurde ich angehalten im Wald kurz vor der Grenzkontrolle. Wahrscheinlich brauchen sie wieder Männer an deren...“