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Das Gesetz über die Magie

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Die Volksdeputierten stimmten mit 320 Stimmen dafür, dass „Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten“ künftig in den Massenmedien nicht mehr für sich werben dürften. Der Entscheidungsprozess war ein langer: Der erste Gesetzesentwurf über das Verbot von Wahrsagern in der Werbung wurde schon im April 2010 eingereicht. Dieser sah nicht nur ein Werbeverbot vor, sondern wollte auch die Tätigkeit von Hellsehern im Allgemeinen verbieten lassen. Gebilligt wurde der Entwurf jedoch nicht. Es wurde ein weiterer bei der Werchowna Rada eingereicht, bei dem jedoch nur ein Werbeverbot bisher vorgesehen ist. Mit ein bis drei Milliarden Griwna (ca. 100-300 Mio. Euro) im Jahr verdient das Magierpack nicht viel, aber auch nicht wenig.

Einer der Gesetzesautoren – der Kommunist Jewgenij Zarkow – meint, dass in der Ukraine etwa 60.000 Zauberer, Hexen und Wunderheiler arbeiten. Zarkow war der wichtigste Vertreter des „Antimagie“-Gesetzes. Er behauptet nun, dass Zauberer ihm mit einem Vergeltungsschlag drohen würden, der den Raub seiner Manneskraft vorsieht.

Für diejenigen, die die unglaublichen, magischen Ankündigungen in der Presse vermissen werden, hat LB.ua eine kleine Auswahl an „Magier-Werbung“ zusammengestellt.

Trotz des verführerischen Werbebudgets der Hellseher (die Rede ist von fünf Milliarden Griwna – ca. 500 Mio. Euro – im Jahr), haben einige Zeitschriften auch schon im letzten Jahr auf eine Veröffentlichung magischer Werbeanzeigen verzichtet. An Pressekiosken lassen sich nur schwer Veröffentlichungen finden, in denen Hellseher für sich werben. Aber wir konnten ein Stück ausfindig machen, erschienen im April 2011 in der Zeitung „Gordons Boulevar“.

Im Brief einer überglücklichen Klientin heißt es: „Als die Magierin all das Verderben von mir genommen hatte, dass mich mit meiner damaligen Schwiegertochter heimgesucht hat, hab‘ ich ganz eindeutig eine Wolfsschnauze mit riesigen, großen Augen sehen können. Um meinen Sohn zu verhexen, hat die Frau ihn in sprudelnden Wodka getränkt. Sie schaffte es, Jura zu verwünschen und machte damit seiner Alkoholsucht ein Ende.“

In der Zeitung „Ihr Schicksal“ heißt es: „Tamara Iwanowna – eine Frau mit seltener Gabe und gutem Herzen, erfühlt beim ‚goldenen Ritual‘ Geldgewinne und Erfolgsgeschichten, lässt den schwarzen Einsamkeitsschleier verschwinden, schützt vor Vampir-Energie-Feldern etc. Wichtig: Falls Sie Tamara Iwanowna kontaktieren wollen, nehmen Sie einen kleinen Spiegel in die Hand, den Sie mindestens drei Tage genutzt haben.“

Maria schreibt in „Mythische Geschichten“: „Maria Duval, das berühmteste Medium der Welt. Die Presse schreibt über sie: ‚Ein Mensch, wie ein Radar‘. 2000 TV-Auftritte und 8000 Radiosendungen besuchte sie. So gut wie immer schafft sie es, Vermisste wiederzufinden (19 Personen sind es bis zum heutigen Tag).“

(Diejenigen, die das Antragsformular ausfüllen, erhalten einen Talisman, mit dem sie eine größere Summe im Lotto gewinnen werden. Die Antragsteller werden darum gebeten Auskunft darüber zu geben, ob sie das Gefühl haben, unter einem „unglücklichen Stern“ geboren worden zu sein und ihre Kontaktdaten anzugeben. Weiter unten, im Kleingedruckten, heißt es: „Hiermit erkläre ich mich damit einverstanden, dass „Astroljabija 2000“ und Partner meine Daten weiterverarbeiten.“)

„Die Seherin Mutter Violetta hat eine Medaille des Heiligen Pantelemon. Ihre übernatürlichen Fähigkeiten überraschten nicht nur die Kommission der Hellseher und Heiler des Instituts für alternative Medizin, vielmehr lernte man dort auch von ihr. Mütterchen Violetta – die Meister-Hellseherin, Beschützerin und Schutzengel.“

Übrigens, im Januar 2012 gab’s in „Der geheime Stern“ neue Erlebnisse von Mütterchen Violetta, zu lesen gleich neben der Anmerkung: „Swetlana Loboda (Sängerin mit unzähligen Schönheitsoperation A.d.Ü.): ihr Gesicht veränderte die Gastritis!“.

Im selbigen Journal begegnet uns „Hexe Maja“: „Öffnen Sie zu Jahresbeginn, vor der Taufe, Ihre Planeten und stellen Sie Ihre Aura wieder her… Für ihre Arbeit verwendet Maja speziell aus Israel eingeführte Kerzen, Gebete, Mischungen und Wasser, das Johannes der Täufer zur Taufe verwendet hatte.“

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In der Zeitung „Kiev auf der Hand“ heißt es: „Führe starkes und schnell wirkendes Ritual der Liebesmagie durch. Sie erfahren eine einzigartige sexuelle Bindung zu einem Menschen, der Ihnen nahe steht… Es schützt ein Leben lang die ‚Goldene Kuppel‘.“

Die Zeitung „Doktor Nostradamus“ schlägt eine Heilung mithilfe einer magischen Zeichnung vor (anscheinend etwas für Menschen mit Paranoia):

„Die heilende Matrix hilft bei der Genesung. Platzieren Sie sie dort, wo das Bett steht! Das große Pentagramm Salomons – eine besondere Figur, die Wunder vollbringt. Benützen Sie das Pentagramm, um sich vor Krankheiten, Beschwerden und vor allem vor unliebsamen Missgünstigen zu schützen. Die Pentagramme in den Ecken schützen alle Bereiche unseres Lebens, da nicht bekannt ist, woher die nächste Gefahr kommt.“

Anscheint wird auch die Rubrik „Fialkoras Ratschläge“ in der Zeitschrift „1000 magische Ratschläge“ von dem neuen Gesetz nicht ausgenommen sein. „Die Hexe Fialkora – sie befolgt die Magie der Natur, ist Vertreterin der geistigen Strömung der Wicca in der Ukraine. Sie gibt Ratschläge darüber, wie man das chinesische Neujahr richtig begehen sollte: „Räumen Sie drei Tage vor dem Fest auf. Putzen Sie den Boden mit Salzwasser. Laufen Sie mit einer angezündeten Kerze in der Hand ein Mal um das Haus herum, um böse Geister zu verjagen. Danach folgt ein magisches Ritual mit Kerzen und Perlen, bei dem Sie sagen: Meine Majestät der Drache, Herr der Reinigung und Transformation, höre meinen Ruf!“

Übrigens, beim Verbot der magischen Werbung fiel kein Wort übers Internet. Falls das Gesetz verabschiedet wird, müssen sich die Internet-Nutzer also wohl immer noch vor übernatürlichen Werbeanzeigen schützen, wie z.B. dieser hier: „Zigeuner-Wahrsagerin Eleonora. Angehörige des ältesten Geschlechts Europas. Ihre Urgroßmutter war Wahrsagerin am Hofe des Zaren Nikolaj II.“

„24. Mai – Geburtstag Walentin Nikitenkos, Psychologe und TV-Moderator mit übernatürlichen Fähigkeiten. Wir laden Sie ein zum Bankett. Es erwartet Sie eine esoterische Ausstellung mit Bildern und Handwerksarbeiten, mit Büchern aus dem Puschkin-Museum, Bienenerzeugnissen und einer Wunderkanne, Auftritte Talentierter und Künstler, Valentina Nikolaevna und ihr Ball.“

26. Januar 2012 // Aljona Melnik

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:   Maria Ugoljew — Wörter: 929

Maria Ugoljew ist freischaffende Journalistin und Übersetzerin. Sie hat erst Slawistik, Kunstgeschichte sowie Musikwissenschaft in Greifswald und Brno studiert und dann bei einer Lokalzeitung volontiert. Heute lebt sie in Berlin.

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