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Wie viele Homosexuelle gibt es in der Ukraine?

In diesem Monat sind ukrainische Politiker mit homosexuellen Beziehungen beschäftigt. Leidenschaften entbrannten sowohl in der Partei der Regionen als auch innerhalb der Opposition. Anlass für den Ausbruch sind zwei Worte, welche die Regierung dem 2. Paragrafen des Arbeitsrechts hinzufügen möchte. Dieser Paragraf spricht von der „Gleichheit der Arbeitsrechte aller Bürger unabhängig von Abstammung, sozialem Stand und Vermögensverhältnissen, Rasse und Ethnie, Geschlecht, Sprache, politischen Ansichten, religiöser Überzeugung, Art und Charakter der Tätigkeit, des Wohnortes und anderer Gründe“. Nach dem Wort „Geschlecht“ wird vorgeschlagen nach einem Komma in den Gesetzentwurf zwei Wörter zu schreiben – „sexueller Orientierung“.

Dieser Gesetzentwurf wurde vor einem halben Jahr ins Parlament eingebracht – bereits am 18. Februar. Doch bislang wurde er nicht zum Gegenstand von öffentlichen Diskussionen und sogar jetzt gibt es keine Diskussionen und Streitereien – es gibt nur Leidenschaften und Zwist.

Jedoch ist eine derartige Diskussion notwendig und vor allem braucht sie die Gesellschaft. Damit sie einsetzt ist es notwendig, dass die Bürger und dabei die Politiker wenigstens über ein Minimum an Informationen über ihre Landsleute mit homosexueller Orientierung verfügen, wie viele es sind und warum so viele. Beginnen wir mit der ersten Frage.

Wir haben weniger Gays als Weißrussland

Schätzungen zur Zahl der Männer, die Sex mit Männern haben, werden systematisch von der internationalen Stiftung «Internationle Allianz zu HIV/AIDS in der Ukraine» betrieben, die bereits länger als zehn Jahre aktiv ist (vom Justizministerium im März 2003 registriert). Die erste komplexe Untersuchung wurde 2005 im Rahmen der Umsetzung des Programms «Überwindung der HIV/AIDS Epidemie in der Ukraine durchgeführt». Im Ergebnis kam eine Schätzung im Bereich von 177.000 – 430.000 Menschen heraus. Die zweite komplexe Untersuchung wurde 2009 gemacht und gab eine Schätzung von 95.000 – 210.000 Menschen. Schlussendlich wurde nach weiteren zwei Jahren eine dritte komplexe Untersuchung durchgeführt. Prinzipiell ist es wichtig, dass das Protokoll mit dem Staatlichen Dienst der Ukraine zu Fragen von Gegenmaßnahmen zu HIV-Infektionen/AIDS und anderen sozial gefährlichen Erkrankungen abgestimmt wurde und die Ergebnisse wurden von den regionalen Koordinierungsräten zu Fragen der Bekämpfung von Tuberkulose- und HIV-Infektionen/AIDS bestätigt. Derart sind es nicht nur einfache Expertenschätzungen sondern staatliche bestätigte. Sie sind in nachfolgender Tabelle angeführt – gesondert nach jeder Regionen und für die gesamte Ukraine zusammengefasst.

Bestätigte und zur Nutzung empfohlene Werte zur Zahl der Männer, die Sex mit Männern haben

Regionenbestätigte WerteUntersuchungswerte
AR Krim6.0006.000
Winnyzja4.2004.200
Wolhynien2.3002.300
Dnjepropetrowsk17.60017.600
Donezk31.00031.000
Shitomir2.4002.400
Transkarpaten1.5001.500
Saporoshje5.6005.600
Iwano-Frankiwsk3.0003.000
Kiew3.0003.000
Kirowograd5002.300
Lugansk2.50013.600
Lwiw10.10010.100
Nikolajew2.0003.200
Odessa8.00015.400
Poltawa3.9003.900
Rowno2.0002.000
Sumy3.6003.600
Ternopil2.1002.100
Charkow15.60015.600
Cherson2.3003.500
Chmelnizky2.5002.500
Tscherkassy2.6002.600
Tschernigow1.8501.850
Tscherniwzi1.3001.300
Stadt Kiew36.30036.300
Stadt Sewastopol2.0002.000
Ukraine175.750198.450

Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, gibt es in den Regionen in denen eine große Einwohnerzahl in großen und mittleren Städten lebt mehr Männer, die Sex mit Männern praktizieren. So gibt es 36.300 Männer in Kiew, 31.000 im Donezker Gebiet, in Dnjepropetrowsk 17.600, im Gebiet Charkow 15.600. Unterdessen wurden in fünf Regionen merklich geringere Zahlen bestätigt, als den Untersuchungen zugrunde lagen. Beispielsweise wurden im Gebiet Odessa 8.000 anstatt 15.400 und im Gebiet Lugansk insgesamt nur 2.500 anstelle von 13.600 Männern bestätigt. Natürlich ist schwer zu glauben, dass im Lugansker Gebiet die Zahl der Einwohner dieser Kategorie nur ein Zwölftel der des Donezker Gebietes beträgt. Insgesamt beträgt die Zahl der regional bestätigten Schätzungen 175.750 Menschen. Wenn man die Schätzungen berücksichtigt, die von den Forschern empfohlen wurden (sie sind in der dritten Spalte der Tabelle angegeben), dann erhält man eine Summe von 198.450 Menschen.

Doch auch diese Schätzungen kann man als zu niedrig ansehen. Wie die Autoren der Untersuchungen hervorheben, wurden in die Kategorie «Männer, die Sex mit Männern praktizieren» Männer aufgenommen, die sexuelle Erfahrungen im Verlaufe der vergangenen sechs Monate vor der Untersuchung hatten. Derart blieben die unberücksichtigt, die Erfahrungen vor längerer Zeit hatten und den Wunsch verspüren, diese zu wiederholen, doch aus dem einen oder anderen Grund dies nicht konnten.

In Russland haben die Spezialisten des Föderalen HIV-Zentrums zur Zahl der Männer, die Sex mit anderen Männern praktizieren, Männer aufgenommen, die Geschlechtsverkehr mit anderen Männern im Verlauf der letzten zwölf Monate hatten und meinen, dass diese Ziffer in ihrem Land 2,1 Millionen beträgt. Die Ukraine hat nur etwa ein Drittel der Bevölkerung von Russland. Wenn die Zahl der Männer, die Sex mit Männern praktizieren, in der Ukraine ebenfalls nur knapp ein Drittel der in der Russland beträgt, dann würde sich ihre Zahl auf 665.000 belaufen.

In Weißrussland schätzen die Experten der Abteilung für HIV-Prophylaktik beim republikanischen Zentrum für Hygiene, Epidemiologie und öffentliche Gesundheit die Zahl der Männer, die regelmäßig (wenigstens einmal in den letzten zwölf Monaten) Geschlechtsverkehr mit anderen Männern hatten, auf 70.000 (der Meinung lokaler Spezialisten nach ist diese Zahl ebenso zu niedrig angesetzt). Die Bevölkerungszahl der Ukraine ist 4,8 mal so hoch wie in Weißrussland, damit könnte der Zahl der Männer, die Sex mit Männern praktizieren, 336.000 betragen. Aus diesen Vergleichen – mit Weißrussland und mehr noch mit Russland – ist ersichtlich, dass diese fast 200.000, die bei den ukrainischen Forschern herauskommen, offensichtlich eine zu niedrige Zahl sind, doch keineswegs überhöht. Einfach gesagt, von der vergleichenden Beurteilung ausgehend, können wir behaupten, dass die reale Ziffer von Homosexuellen im Land bei 400.000 – 500.000 Männern liegt, was etwa annähernd 1 Prozent der Bevölkerung ausmacht.

Bis zu den kirgisischen Brüdern ist es noch weit

Gesondert müssen die zentralasiatischen Republiken der ehemaligen UdSSR hervorgehoben werden. Dort hatten mehr als 50 Prozent der Männer wenigstens einmal im Leben eine Verbindung mit anderen Männern. Man muss jedoch den Vorbehalt machen, dass es für Usbekistan keine derartigen Angaben in Verbindung damit gibt, dass dort noch der Strafparagraf für gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen aus dem sowjetischen Strafgesetzbuch beibehalten wurde. Was die anderen Republiken Zentralasiens betrifft, so bemüht sich die Regierung diese Tatsache nicht zu bemerken. Doch wenn man zu Expertenschätzungen zurückkommt, dann ist diese hohe Zahl an Menschen, die gleichgeschlechtlichen Sex praktizieren, der Meinung der Spezialisten nach, in erster Linie mit den kulturellen Besonderheiten dieser Region verbunden, in der «aktive» Beziehungen mit einem anderen Mann (hauptsächlich prostituierten Männern) nicht beschämend sind.

Wie viel mehr werden es?

Derzeit begreifen sogar die ärgsten Homosexuellengegner ausgezeichnet, dass Homosexualität keine Krankheit ist und der Gay-Prozentsatz nicht gegen Null gehen wird. In den letzten Jahrzehnten sind Mediziner und Biologen zu dem harten Schluss gekommen, dass einige Prozent von Jungen (und Mädchen) mit einer sexuellen Orientierung für Menschen des gleichen Geschlechts geboren werden. Und sie können nicht korrigiert werden, höchstens zusätzlich verletzt.

Ein weiteres Mal steht das, was Wissenschaftler herausgefunden haben, im Gegensatz zu religiösen Lehren. Was für Jahrhunderte als Laster der Zügellosigkeit galt, erwies sich in Wirklichkeit als Nachteil der Verdammung – als angeborener Makel des Organismus.

Derzeit beruht die hauptsächliche Diskussion, die von den «Gegnern der Homosexualität» aufgedrängt wird auf zwei Thesen:

- die Homosexualität ist eine Verwestlichung und für uns fremd – das «Betrachten» von Gay-Paraden erhöht die Zahl von Gays unter Minderjährigen und der Jugend.

Was die erste These anbelangt, so gab es fraglos bei uns niemals eine Homosexuellenkultur. Doch das, was die Apologeten der Homophobie sagen, führt zum für unsere Breiten traditionellen «in der Sowjetunion gab es keinen Sex». Und das ist glücklicherweise oder leider eine Sackgasse. Wir haben keine Diskussionen zu diesem Thema. Das Geschwür wird weiter vor sich hin eitern.

Was die zweite These anbelangt, so kann man ihr ebensowenig zustimmen. Eine Legalisierung von Lesben-Gays-Bisexuellen-Transsexuellen im Verstand der Ukraine (eben im Verstand und nicht in den Gesetzen) führt einen Teil der latent Homosexuellen aus dem Schatten und offensichtlich zieht sie einen Teil der sogenannten «Experimentierer» in diese Sphäre. Doch die Frage besteht nicht darin, ob neue Homosexuelle auftauchen – sie werden es in jedem Fall tun. Die Frage besteht darin, um wie viel sich ihre Zahl erhöht. Die gesamte Erfahrung des Westens gibt uns das Recht zu unterstellen, dass sich ihre Zahl um 0,3 – 0,5 Prozent der Bevölkerungszahl erhöht. Das heißt ihre Zahl erreicht dabei innerhalb von 5 bis 8 Jahren 1,3 – 1,5 Prozent der Bevölkerung erreichen.

19. September // Wadim Denissenko

Quelle: Lb.ua

Übersetzerin:    — Wörter: 1391

Olena Ryeznikova arbeitet als freiberufliche Übersetzerin/Dolmetscherin

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