FacebookTwitterTelegramVKontakteMail

Gnadenlose Revolutionäre

0 Kommentare

geschäftsführende Gesundheitsministerin Uljana Suprundie geschäftsführende Gesundheitsministerin Uljana Suprun, Foto: Max Trebuchow
Manchmal möchte ich aufhören. Einfach aufhören und nicht mehr mit dem Kopf gegen die unzerstörbare Wand aus Zynismus und Gleichgültigkeit der Machthaber rennen. Damals, in meiner Jugendzeit, war alles einfacher. Es gab einen klaren, brutalen Feind. Er hatte einen Namen: der totalitäre imperiale Staat. Er war allmächtig und per definitionem schrecklich, und mit ihm brauchte man nicht zu streiten. Es gab nur eine einzige Möglichkeit. Widerstand.

Jetzt ist alles anders. Die UdSSR gibt es nicht mehr. Das Land ist offen. Man riskiert keine Strafe, wenn man nicht zur Wahl geht. Die Wahrheit zu sagen und zu schreiben erfordert keine besondere Tapferkeit mehr. Und es ist auch kein Zeichen von Unvernunft, wie meine Eltern mein Verhalten noch bezeichnet haben. Den Präsidenten, den ich heute verachte, habe ich selbst gewählt. Anders als seinen Vorgänger, Janukowitsch, für den ich nicht gestimmt habe. Aber ich war Mitglied seines Präsidentschaftsrats. Und auch des Gesundheitsrats von Wiktor Juschtschenko.

Ich bin Arzt. Gefängnis, Lager, Verbannung und die Jahre danach haben in mir den Instinkt zu heilen nicht abgetötet. Heute lebe und arbeite ich in der fast demokratischen Ukraine und versuche, meinen verlogenen, impotenten und gleichgültigen Staat zu heilen. Denn ich weiß: er ist krank. Der Tumor aus Lügen und unbestraftem Diebstahl zerfrisst auch noch die letzten Reste gesunden Gewebes. Wenn er nicht therapiert und von den Bürgern, die ihn ausmachen, gestützt wird, kann er sterben.

Ich versuche, ihn mit meinen Worten zu heilen. Manchmal, dann und wann, gehen sie in Schreie über. Ich schlage Alarm mit öffentlichen Erklärungen an den jeweiligen Präsidenten. Heute versuche ich, wegen der zerstörerischen Aktivitäten von Frau Suprun und ihrem selbstgefälligen Team Alarm zu schlagen. PR, begeisterte Lügen, die überzeugte Ablehnung (oder die Unfähigkeit) jedweden Dialogs sind ihre zerstörerischen Werkzeuge. Es gibt nichts Konstruktives. Begreift Herr Poroschenko, dass er eine Zerstörerin zur Ministerin gemacht hat? Ich weiß es nicht. Aber ich lege ihm permanent Papiere und Argumente vor. Steht in diesen Papieren die Wahrheit über unser Land? Ich weiß es nicht.

Mir tut mein Land aufrichtig leid. Radikale Umstrukturierungen sind ein schlechtes Instrument, wenn man das Gesellschaftssystem heilen will. Besonders, wenn sie nicht durchdacht sind, nichts mit den tatsächlichen Gegebenheiten zu tun haben und nicht durchgerechnet wurden. Warum, aus welchem Grund hat Herr Poroschenko Alexander Kwitaschwili, der bis dahin in Georgien sein Unwesen getrieben hat, die Leitung des Gesundheitssystems anvertraut? Warum, auf wessen Rat hin hat Herr Poroschenko Uljana Suprun, als Managerin eine Null, und ihr Team, das für unser Land gefährlich ist, ins Gesundheitsministerium gebracht? Warum hält unser rechtmäßig gewählter Präsident so wenig von dem Volk, das ihn gewählt hat und das über seine eigenen herausragenden Spezialisten verfügt, die unser öffentliches Gesundheitssystem modernisieren können? Wir haben doch gebildete und ehrliche Gesundheitsmanager, Experten in Gesundheitsrecht und kompetente Ökonomen.

Die Monate vergehen und das Geheimnis wird ans Licht kommen. Und wir, das ukrainische Volk, werden die Wahrheit erfahren, die heute vor uns verborgen wird. Währenddessen verfolge ich mit Entsetzen die zerstörerischen Unternehmungen des Teams von Frau Suprun. Und ich erinnere mich an die prophetischen Szenen in Dostojewskis Roman „Die Dämonen“. Selbstgefällige, radikale und gnadenlose Revolutionäre sind immer destruktiv.

Ja, so ist das. Mit der Zeit kommt das Verborgene ans Licht. Die kleinen Beteiligten dieser „medizinischen Revolution“ werden zu Boden sinken. Schaum fällt immer in sich zusammen, mit ihm aufgewirbelte Schmutzpartikel sinken zu Boden. Das ist ein physikalisches Gesetz. Aber ob unser Präsident wohl die Verantwortung übernehmen wird für das Gesundheitssystem, das die Pseudoreformatoren mit ihren groben und ungeschickten Händen errichten?

10. April 2017 // Semjon Glusman

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:    — Wörter: 585

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Telegram, Twitter, VK, Facebook, RSS und per Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 6.3/7 (bei 6 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Beendet der Gipfel der Normandie-Vier am 9. Dezember in Paris den Krieg in der Ostukraine?
Interview

zum Ergebnis
Frühere Umfragen
Kiewer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew

Karikaturen

Andrij Makarenko: Selenskyj lässt den Dschinn aus der Flasche

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)0 °C  Ushhorod3 °C  
Lwiw (Lemberg)2 °C  Iwano-Frankiwsk2 °C  
Rachiw7 °C  Jassinja4 °C  
Ternopil2 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)2 °C  
Luzk1 °C  Riwne1 °C  
Chmelnyzkyj2 °C  Winnyzja-1 °C  
Schytomyr2 °C  Tschernihiw (Tschernigow)1 °C  
Tscherkassy1 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)2 °C  
Poltawa2 °C  Sumy1 °C  
Odessa3 °C  Mykolajiw (Nikolajew)1 °C  
Cherson2 °C  Charkiw (Charkow)1 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)0 °C  Saporischschja (Saporoschje)0 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)0 °C  Donezk1 °C  
Luhansk (Lugansk)1 °C  Simferopol10 °C  
Sewastopol11 °C  Jalta6 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Forumsdiskussionen

„Im übrigen bin ich froh daß ich in einer Zeit leben darf in der die vergiftete Saat eines retlaw-walter "Mielke" nicht mehr aufgehen wird.“

„Ich hätte Nordstream 2 nie gebaut! Aber sie ist nicht allein das Problem, auch in der Türkei gibt es eine neue Pipeline- Merkel wird versuchen, dass die ukrainische Pipeline erhalten bleibt, aber letztendlich...“

„Die Bewohner der Krim hatten ihre Freiheit in ihrer autonomen Republik und vor 5 Jahren sah auch Russland etwas besser aus als heute. Die Richtung war auch damals klar! Die fehlende Freiheit merkt man...“

„Liebe Steffi, Kannst du dir vorstellen wie gefährlich es für jemandem ist einen Koffer oder Karton über die Grenze zu bringen, die er selber nicht gepackt hat??? Ich würde das niemals machen!!! Sorry....“