FacebookTwitterTelegramVKontakteMail

Rascha Sraka in the middle of nowhere

Russia sraka

Vor kurzem ging eine Nachricht durch die sozialen Netze und Nachrichtenseiten: Slowenien hat die bekannte Judoka Raša Sraka zur Botschafterin in der Russischen Föderation gemacht, die dank ihres für Ostslawen ungewöhnlichen Namens zu einem bizarren Mem geworden ist. Auf den ersten Blick eine offensichtliche Falschinformation. Auf den zweiten Blick ist die Falschinformation noch offensichtlicher. Doch Tausende Ukrainer glaubten aufrichtig daran. Warum? Da lohnt es sich ausführlicher darauf einzugehen.

In der Zeit nach dem Sieg des Euromaidans, oder auch der Revolution der Würde, bildete sich bei einem bedeutenden Teil der Gesellschaft die Meinung heraus, dass Europa Russland nicht mag und statt dessen uns liebt und unterstützt. Nun, wenn nicht ganz Europa, so wenigstens das östliche, das den Geschmack des kommunistischen Regimes erfahren hat. Wie kann man da nicht glauben, dass die brüderlichen Slowenen von der umgangssprachlichen Bedeutung des Wortes «Rascha» [lies Russia, A.d.Ü.] erfahren haben und gleichzeitig davon, dass «Sraka» [im Ukrainischen und Russischen in etwa der Arsch, A.d.Ü.] bei uns nicht mit der 40 gemeinsam hat und sogleich beschloss dem Kreml zu zeigen, was sie von ihm denken. Wie, wozu? Nun, um die Ukraine zu unterstützen und diese vor der russischen Invasion in Zukunft zu schützen!

Tatsächlich zieht Slowenien gerade aktiv russisches Kapital an und denkt überhaupt nicht daran sich mit der russischen Invasion zu beschäftigen. Wie wir uns nicht mit dem, sagen wir mal, türkischen Einmarsch beschäftigen, obgleich die Türkei auf Zypern einmarschierte, und vor kurzem in Syrien. Ja und der Genozid an den Armeniern schmerzt die Ukraine überhaupt nicht, wenn wir türkische Investitionen anziehen und uns in türkischen Badeorten erholen. Verständlich, dass es sinnlos ist, auf irgendeine antirussische Solidarität vom fernen Slowenien zu hoffen. Jedoch gibt es viele derjenigen, die trotz all dieser Argumente den Scherz über Raša Sraka für bare Münze nahmen.

Vielleicht braucht man es nicht ein überflüssiges Mal zu erwähnen, doch … Jeder Staat hat seine eigenen Interessen. Die Ukraine ist nicht der Nabel der Welt. Russland ist nicht der größte Feind der westlichen Zivilisation, schon allein deswegen, weil dessen Hochrangige es lieben im Westen Immobilien und Unternehmen zu kaufen. Und, unbestreitbar, die ukrainische Armee verteidigt überhaupt nicht Europa vor dem russischen Ansturm, schon allein daher, da an der Grenze von Russland und Weißrussland mit der Europäischen Union alles ruhig ist, wie auch an der Grenze dieser Staaten mit der Oblast Tschernihiw. Und auch hat Charles de Gaulle niemals die UPA [Ukrainische Aufstandsarmee: westukrainische Partisanenarmee, die in den 1940er und 50ern gegen die als Besatzungsmacht verstandene Sowjetunion kämpfte und ethnische Säuberungen mit zehntausenden Toten vor allem in Wolhynien vornahm. A.d.Ü.] gelobt.

Der größte Unterstützer der Ukraine im derzeitigen Europa ist weiterhin, wie verwunderlich es auch sein mag, Polen. Doch das ist ebenfalls nicht das Verdienst der Ukraine, eher des polnischen Schulprogramms mit Literatur und Geschichte einerseits und praktischen Erwägungen ökonomischen Charakters andererseits. Abgesehen davon können unterschiedliche Politiker die «ukrainische Karte» ziehen, doch nicht für die Ukraine, sondern für die Untermauerung der eigenen politischen Ansichten vor der Wählerschaft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in Litauen die proukrainische Rhetorik funktioniert, doch in den Niederlanden nicht. Denn für die Niederlande ist der bewaffnete russisch-ukrainische Konflikt das Gleiche, wie für uns ein Konflikt zwischen Uganda und Tansania. Stellen Sie sich nur vor, dass während eines solchen Krieges zufällig ein ukrainisches Flugzeug abgeschossen würde. Würde uns das zwingen, uns damit zu auseinanderzusetzen, wer recht hat, wer Schuld an diesem afrikanischen Krieg hat?

Ich wiederhole das noch einmal: Man kann so oft, wie man will die Militäruniform anziehen und geharnischt von einer internationalen Koalition und dem Widerstand gegen den Kreml reden. [Anspielung auf die Auftritte des im April abgewählten Präsidenten Petro Poroschenko, A.d.Ü.] Doch solange die Ukraine ein korruptes und rückständiges Loch in the middle of nowhere, «Spam auf der Landkarte Europas» ist, das höchstens gegen die selbst gewählten korrupten Führer aufstehen kann, werden wir keinerlei Mitgefühl bei den Volksmassen der Länder der «Ersten Welt» haben. Und alles, was uns bleibt, ist an Raša /Rascha Sraka als sphärische Geste der Unterstützung im Vakuum von unseren zivilisierten «Brüderchen» zu glauben. Nun, oder selbst zivilisiert zu werden, was wesentlich schwieriger als nur eine Uniform und schöne Worte ist. Die Wahl ist an uns.

4. September 2019 // Pawlo Subjuk

Quelle: Zaxid.net

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 708

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Telegram, Twitter, VK, Facebook, RSS und per Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 6.0/7 (bei 2 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Haben Präsident Wolodymyr Selenskyj und die ukrainische Regierung nach dem Abschuss der ukrainischen Boeing 737 bei Teheran korrekt gehandelt?
Interview

zum Ergebnis
Frühere Umfragen
Kiewer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew

Karikaturen

Andrij Makarenko: Selenskyj lässt den Dschinn aus der Flasche

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)0 °C  Ushhorod1 °C  
Lwiw (Lemberg)3 °C  Iwano-Frankiwsk2 °C  
Rachiw3 °C  Jassinja0 °C  
Ternopil5 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)3 °C  
Luzk3 °C  Riwne1 °C  
Chmelnyzkyj1 °C  Winnyzja-1 °C  
Schytomyr1 °C  Tschernihiw (Tschernigow)0 °C  
Tscherkassy1 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)2 °C  
Poltawa0 °C  Sumy0 °C  
Odessa4 °C  Mykolajiw (Nikolajew)5 °C  
Cherson5 °C  Charkiw (Charkow)0 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)3 °C  Saporischschja (Saporoschje)3 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)2 °C  Donezk3 °C  
Luhansk (Lugansk)2 °C  Simferopol6 °C  
Sewastopol8 °C  Jalta4 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Mit eMail-Adresse kann ich nun sogar 4 Artikel lesen. Meckert nur rum dass das Profil unvollständig ist“

„Bin schon öfters mit dem Bus nach UA und zurück gefahren und habe auch schon 10 h in Medyka im Bus Richtung Polen verbracht. In die UA gibt es aber auch Zeiten wo es eine Schlange von Bussen gibt. Meine...“

„Odessa =* findet sich hier: ...“

„Kommt drauf an was du mit den Teilen machen willst. Wenn du den Zöllnern glaubhaft machen kannst dass du damit keinen Handel betreibst gibt es keine Probleme. Ich nehme eigentlich immer technische Geräte...“

„Grundsätzlich ist bei der Erteilung des nationalen Visums das Ausländeramt der Ansprechpartner. Von denen hängt es ab, wie schnell das Visum erteilt wird. Man kann aber auch bereits vor der Einreichung...“

„Ich gebe Ihnen absolut recht, Frau Kleopatra - solche Verbote hätten schon viel eher kommen müssen.- Ich kann es nicht mitansehen, was die Tiere mitmachen müssen. Und in einen Zirkus geh' ich sowieso...“

„Das mit den Ölgesichtern schreibt er im falschen Kontext. Ist wohl wieder irgend ein Quark von der AfD "Am Laufen gehalten wird das Schiff durch die Maschinenmenschen, die sogenannten Ölgesichter, die...“

„Dass bei gestiegenen Export-Preisen die Nachfrage zurückgeht, wird in der ukrainischen Ökonomie übersehen. Das mit der sinkenden Nachfrage ist richtig - eine uralte wolkswirtschaftliche Weisheit, auch...“

„Während des Zweiten Weltkrieges haben die deutschen Besatzer in der Ukraine über 12.000 Rom*nija ermordet. Doch im Gedächtnis von Deutschen wie Ukrainer*innen ist dieser Völkermord kaum verankert....“

„Das fiel mir nur auf, nachdem ich mir das kurze Interview anhörte. Schade, würde mir gerne den gesamten Film auch mal anschauen. Vielleicht wird er irgendwann einmal im TV gesendet.“

„Ladendiebstahl ist nichts Neues, kommt bei und in allen Nationen vor, auch bei Deutschen. Ein "Flaschenpfandsammler" oder regelmäßiger Tafelkunde sieht hier sicher eine lukrativere Chance zu etwas zu...“