Die amerikanische Dichterin des 19. Jahrhunderts Emily Dickinson schrieb ein ganzes Leben lang von Tod und Einsamkeit. Sie lebte abgeschlossen-zurückgezogen und pflegte kaum Kontakt zur Außenwelt. Es war ihr vollkommen ausreichend, lyrisch in sich selber nachzugrübeln. Es gibt solche Menschen, Genies, alleinstehende Monaden, geboren für großartige Worte. Als ich einige Untersuchungen zu Dickinson las, fiel mir ein Detail besonders auf. Es stellte sich heraus, dass sie nie, in keinem einzigen ihrer Gedichte oder Briefe, auch nur ein einziges Wort über den amerikanischen Bürgerkrieg verlor. Als wäre er nie geschehen. Die Gründe des grundsätzlichen Schweigens der Dichterin kenne ich nicht.
Aber jetzt verstehe ich sie ein wenig. Ich weiß auch nicht, wie oder was ich jetzt schreiben soll nach der Erschießung der Himmlischen Hundertschaft (gemeint sind die Toten des Maidans, A.d.R.). Alle Worte scheinen nichtig und nutzlos wie Pusteblumen. Es ist nicht möglich, über anderes nachzudenken. Alles scheint Verrat, wovon einem kotzübel wird: „Wie jetzt über Nikolajitsch Tolkuschkin [russischer Nachbar des Autoren, Figur in vielen seiner Beiträge] oder eine kranke Katze schreiben?“ Dazu noch besteht das Problem darin, dass Du über die Himmlische Hundertschaft nichts schreibst. Wie kann man darüber schreiben? Du bist hier, und sie sind aus irgend einem Grunde dort. Wie man den Zustand eines Menschen mit einer Kugel in seinem Herzen beschreiben? Denn auch jetzt noch ist sie dort. Aus den Toten und Verwundeten haben sie sie herausgezogen, aber unsichtbare Metallstücke werden für immer bei uns bleiben. Wir werden wieder arbeiten gehen, erneut beginnen, das Leben zu genießen und Kinder zu haben, aber unsichtbare Kugeln werden für immer in unseren Herzen herumwandern und an ihnen nagen. Die größte Scham: warum nicht wir? Wo die meisten von uns nicht bewusst in den Kugelhagel liefen, da liefen sie in den Tod, ein Trauma, von dem wir nie loskommen werden. Alles, was man machen kann ist zu einem Psychologen gehen, aber wo wirst Du jetzt einen Psychologen finden ohne eine Kugel in seinem Herzen?
„Nach Auschwitz ist es unmöglich, Gedichte zu schreiben“, schrieb einst ein weiser Deutscher. Sie trugen auch eine Schuld, die auf ihre gesamte folgende Geschichte ausstrahlte. Genau das hat uns jetzt auch erfasst. Wenn sie auf uns sahen, wie sehr haben sie da immer wie mit einer Lupe Nazis und Extremisten gesucht? [Erst] unsere Himmlische Hundertschaft hat ihnen [als Gegenbeweis] gereicht. Und so sage ich nun: „Gedichte schreiben ist nach Auschwitz unmöglich“. Ich sage es und glaube den eigenen Worten nicht. Obgleich ich auch nicht Emily Dickinson bin.
27. Februar 2014 // Andrij Bondar
Quelle: Zaxid.net
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