FacebookTwitterTelegramVKontakteMail

Hat sich der Maidan gelohnt?

Nach Angaben von Amnesty International leiden über eine Million Menschen in der Ukraine unter Polizeigewalt. Die Tradition der Grausamkeit, die noch von den sowjetischen Geheimdiensten stammt, steht jetzt im Dienst von korrupten Beamten und politischen Usurpatoren. Bis vor kurzem schlief die ukrainische Gesellschaft und versuchte, diesen Schmerz, den ihr das monströse „Ordnungssystem“ zufügte, nicht zu beachten.

Als der Euromaidan ausbrach, wurde er sofort mit den Methoden konfrontiert, mit denen die Polizei ohnehin Gegner auf Befehl der Regierung bekämpft. Und da kosteten wir in einer sehr konzentrierten Form das, womit wir eigentlich die letzten Jahrzehnte gefüttert wurden – das führte zu Einsicht und zu einem Aufstand. Wir begriffen, dass die Sondereinheit Berkut nicht aus Menschen besteht, dass im Land jetzt nur eine Seite überleben kann – entweder wir oder sie. Diese Erkenntnis und dieser Aufstand sind für heute das Hauptergebnis.

Aber nicht alle von uns Ukrainern (und umso weniger die Menschen im Westen) verstehen den Sinn unseres Aufstandes. Es sind vor allem die Politiker von allen Seiten, die dies als einen politischen Konflikt darstellen und ihn mit den für sie üblichen Methoden lösen wollen – versteckten Ränkespielchen und peinlichen Kompromissen, indem sie die Protestierenden mit „Abstimmungen“ und „Verhandlungen“ hypnotisieren. Das führt zum Nachlassen der Aktivität, aber jedes Mal bringen uns die nächsten sadistischen Ausschreitungen der Polizei und des staatlichen Terrorismus in die Wirklichkeit zurück. Und wir begreifen langsam, dass Verhandlungen mit Terroristen unmöglich sind.

Verstehen Sie, wir kämpfen nicht gegen die Partei der Regionen! Wir kämpfen gegen die Donezker Bande „Lux“, die unmittelbar mit Achmetow, Janukowytsch und anderen Machthabenden verbunden ist. Gegen die Bande, deren Methoden – Folter, Kidnapping, Mord, Geiselnahme – heute offener Teil der Staatspolitik sind. Dass wir über die Grenzen der heimtückischen ukrainischen „Politik“ hinaus den Weg des Kampfes beschritten haben – gerade das ist die Hauptleistung des Euromaidans.

16. Februar 2014 // Ihor Luzenko, Journalist und Aktivist der Bürgerinitiative „Für die Erhaltung des alten Kiews“.

Quelle: Blogeintrag bei der Ukrajinska Prawda

Übersetzung: Olha Sydor

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Artikel bewerten:

Rating: 6.3/7 (bei 3 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

Kommentar schreiben

Neueste Beiträge

Aktuelle Umfrage

Wer gewinnt die Stichwahl am 21. April 2019 und wird der nächste Präsident?
Interview

zum Ergebnis
Frühere Umfragen

Karikaturen

Andrij Makarenko: Selenskyj lässt den Dschinn aus der Flasche

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)15 °C  Ushhorod19 °C  
Lwiw (Lemberg)16 °C  Iwano-Frankiwsk15 °C  
Rachiw17 °C  Jassinja10 °C  
Ternopil14 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)14 °C  
Luzk17 °C  Riwne18 °C  
Chmelnyzkyj14 °C  Winnyzja12 °C  
Schytomyr14 °C  Tschernihiw (Tschernigow)14 °C  
Tscherkassy9 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)13 °C  
Poltawa13 °C  Sumy13 °C  
Odessa13 °C  Mykolajiw (Nikolajew)12 °C  
Cherson12 °C  Charkiw (Charkow)13 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)13 °C  Saporischschja (Saporoschje)13 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)13 °C  Donezk12 °C  
Luhansk (Lugansk)12 °C  Simferopol8 °C  
Sewastopol9 °C  Jalta4 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Leserkommentare

kauschat in Unser Sudetenland

«Interessanter Vergleich: tatsächlich so einige Parallelen. Noch hat "der Westen" nicht die Annektion auch offiziell akzeptiert....»

Wolfgang Krause in Wir müssen hier leben

«Verglichen mit anderen Kommentaren ist dieser erfreulicherweise so geschrieben das er den Versuch wagt unterschiedliche Meinungen...»

Густаво Фан Хоовен in Wir müssen hier leben

«Zunächst vermittelt der Artikel den Eindruck einer neutralen Zustandsbeschreibung. Die Bezeichnungen "pro-sowjetisch" und...»

«Ich finde den Kommentar des Übersetzers nicht ganz glücklich, da er dazu einlädt, Dinge zu "vereinfachen". Ob die Antwort...»

«Würden sich die Menschen der Ukraine doch auf die Machnobewegung besinnen, die ganze Welt könnte Hoffnung schöpfen. Der...»

«WAS soll denn an dem was der Autor geschrieben hat unfassbar sein? Ich lese da keinen Widerspruch. Wenn du eine solche Phrase...»

«Danke für Ihre Darstellung der Hintergründe der Vertriebenen Gesetze und für die Einordnung der Russlanddeutschen. Es...»

KOLLEGGA mit 150 Kommentaren

Alex Alexandrewitsch mit 60 Kommentaren

Wolfgang Krause mit 29 Kommentaren

Christos Papaioannou mit 29 Kommentaren

Torsten Lange mit 24 Kommentaren

franzmaurer mit 18 Kommentaren

Mario Thuer mit 17 Kommentaren

Poposhenko mit 17 Kommentaren

Anatole mit 17 Kommentaren

Jusstice For All mit 17 Kommentaren