Die letzten eineinhalb Jahre vergingen in der Ukraine im Zeichen der Konsolidierung der Macht. Die Ermüdung durch die Ungewissheit unter dem orangenen Präsidenten und die chronische Krise in der politischen Führung könnten eigentlich dem neuen Team die Unterstützung der Gesellschaft bringen, um tiefgründige Veränderungen zu unternehmen, welche das Schicksal des Landes über die nächsten Jahrzehnte prägen würden.
Es war offensichtlich, dass die von der Fassadendemokratie enttäuschte überwiegende Mehrheit der Ukrainer bereit war, einen autoritären Herrscher zu akzeptieren.
Beide Finalisten des Präsidentschaftsrennens 2010 kann man nicht als Freunde der Demokratie bezeichnen. Zwischen Wiktor Janukowitsch und Julija Tymoschenko zu entscheiden, hieß sich zwischen zwei autoritären politischen Stilen zu entscheiden.
Der Sieg Wiktor Janukowitschs bedeutete eine politische Konsolidierung nach Donezker Art. Dieser Donezker Stil zeichnet sich vor allem durch folgende Merkmale aus:
- Stark postsowjetisch geprägte Identität, die sich aus dem Respekt vor der sowjetischen Vergangenheit, dem orthodoxen Humanismus und den Vorgehensweisen der Neokosaken der wilden 1990-er zusammensetzt
- Unterschätzung der Mittel und der Werte der öffentlichen Politik sowie der Formen der „weichen Regierung“
- Pragmatismus, der durch das Können, sich nur mit „eigenen Leuten“ zu verständigen, eingeschränkt ist
- und am Ende die Unfähigkeit, politische Ziele mit politischen Mitteln zu erreichen.
Der konkurrierende Dnipropetrowsker Stil zeichnete sich durch effizienten Populismus aus, der auf den besten politischen Technologien, der Fähigkeit, verschiedene ethnische und kulturelle Gruppen zu manipulieren und dem außergewöhnlichen Talent zur ideologischen Mimikry aufbaute.
Zwischen der Dnipropetrowsker Sichel und dem Donezker Hammer haben sich die Ukrainer für das Werkzeug der Proletarier entschieden. Das war eine Entscheidung für eine einfache und klare Politik der „eisernen Hand“ eines Wirtschaftsfunktionärs. Diese Politik schien vielen das Land wenn nicht politisch, so zumindest wirtschaftlich vorantreiben zu können.
Das orangene Zeitalter hat den Glauben des Volkes daran untergraben, dass Reformen auf demokratische Weise durchgeführt werden können. So haben die Ukrainer zu einem anderen Fehler gewechselt.
Der Donezker Stil hat den Ton der politischen Konsolidierung der letzten Jahre angegeben.
Der Stil hat vorbestimmt, wie die Verfassung „wiederaufgebaut“, die Kaderpolitik durchgeführt, die Vertikale der Einparteienmacht vom Ministerkabinett bis zum Bezirksrat gestaltet, die Parlamentswahlen verschoben, die öffentlichen Meinung und die Arbeit der Medien missachtet, die Gruppen, deren Interessen bei Entscheidungsfindungen berücksichtigt werden müssen, auf ein Minimum reduziert wurden.
Derselbe Stil hat das Schicksal der Reformen und die Beziehungen mit den Nachbarn vorbestimmt.
Die Ukraine ist ein Land, dessen Entwicklung der Staatlichkeit unzulässig lange in einer Keimform blieb. Was wir als Reformen bezeichnen ist im Grunde genommen ein grundlegender Schritt in der institutionellen Entwicklung des Staates und dem Umbau ganzer Wirtschaftssektoren.
Unter diesen Umständen wurde eine politische Konsolidierung bzw. Konzentration der Macht in den Händen einer Partei als legitime Strategie angesehen.
Das schweigende Einvernehmen der Gesellschaft über die Konsolidierung der Macht in den Händen einer politischen Kraft resultierte aus der Erwartung, dass das nötige Minimum an für den Aufbau des Landes wichtigen Entscheidungen in kürzester Zeit erreicht sein wird. Die Konsolidierung hatte lediglich als vorübergehendes Zugeständnis an die politischen Eliten zugunsten des gemeinsamen Anliegens Sinn.
Nach eineinhalb Jahren hat die soziale, wirtschaftliche, rechtliche und politische Realität aufgezeigt , wie unhaltbar die Erwartungen der Gesellschaft und trügerisch die Argumente für die Konsolidierung waren.
Die Konzentration der Macht in den Händen einer kleinen Gruppe der Politiker und Oligarchen führte dazu, dass das politische System der Ukraine noch stärker aus dem Gleichgewicht kam. Die Interessengruppen hatten nur einen begrenzten Zugang zu zentralen Gremien der Entscheidungsfindung. Dies löste zahlreiche Prozesse aus, die die Entwicklung des Landes und der Staatlichkeit unterdrücken.
Erstens können nur auserkorene Interessengruppen innerhalb einer politischen Kraft Entscheidungen auf staatlicher Ebene beeinflussen, was einen eingegrenzten Zugang zu Ressourcen als Folge hat. Nur eine winzig kleine Gruppe bekommt überdurchschnittliche Gewinne. Die Lebensbedingungen der restlichen Bevölkerung werden schlechter. Die soziale Grundlage des politischen Systems verringert sich. Unternehmer zu sein ist mittlerweile Luxus und Untertauchen ein Mittel zum Überleben geworden. Die reale Wirtschaft des Landes wird bald auf dem Radar der Steuerbehörden nicht mehr zu sehen sein. Die Aktiva werden ausgeführt, die Außeninvestitionen werden nicht mehr getätigt. All das ist die natürliche Reaktion auf die Politik der Konsolidierung.
Zweitens stützen sich die in den letzten eineinhalb Jahren durchgeführten Reformen auf den verworfenen Glauben daran, dass schicksalhafte Entscheidungen von einem kleinen Kreis der Politiker getroffen werden können, ohne dass die Letzteren sich mit den Bevölkerungsschichten beraten, deren Lebens- und Arbeitsbedingungen direkt von diesen Entscheidungen abhängen. Die sagenumwobenen Gesetzesentwürfe von anstehenden Reformen und Vorhaben werden zu undurchdachten Gesetzbüchern, Gesetzen und Verordnungen, die gleich am Tag, an dem sie beschlossen, auch revidiert werden.
Drittens werden diese undurchdachten Gesetze von den Menschen in Kraft gesetzt, die auf eine gute Erfahrung im postsowjetischen Geschäftsleben zurückblicken können, aber keine Ahnung davon haben, wie sie in der öffentlichen Politik arbeiten sollen.
Eine Abgrenzung zwischen der Unternehmerschaft und dem Staat ist nicht zustande gekommen. Ganz im Gegenteil sind sie verschmolzen und diese Verschmelzung hat sich als der Mörtel des heutigen Systems der Entscheidungsfindung erwiesen.
Kurzfristige Ergebnisse mit nicht politischen, auch öfters nicht rechtlichen Mitteln zu erreichen, ist eine politische Handlung, die die Stabilität des politischen Systems untergräbt.
Viertens hat die Opposition keine Möglichkeit mehr, bei für die ganze Nation wichtigen Entscheidungen mitzuwirken. Der Pluralismus war lange Zeit fast die einzige Quelle der sozialen und politischen Entwicklung der Ukraine. Von August bis September 2011 wurde diese Quelle auf ein Minimum reduziert. Somit ist die heutige ukrainische Führung zu einem höheren Risiko verurteilt, dumme und ineffiziente Entscheidungen zu treffen.
Die fragwürdige Gerechtigkeit in den Strafverfahren gegen führende Oppositionelle verstärkt nur die Widersprüchlichkeit des politischen Systems.
Fünftes haben das Ungleichgewicht im politischen System und die undurchdachten Entscheidungen nicht nur zu einem Chaos in der ukrainischen Gesellschaft und Wirtschaft geführt, sondern auch die bisher gepflegten außenpolitischen Bänder zerrissen.
Die Ukraine war nie ein starker Akteur in internationalen Beziehungen. Jedoch war unser Land in diesem Jahrhundert noch nie dermaßen schwach. Die außenpolitischen Fehler unserer Führung bedeuten für jeden einzelnen ukrainischen Bürger Verluste.
Das heutige innen- und außenpolitische Chaos ist eine logische Folge aus der nicht gerechtfertigten politischen Konsolidierung.
Das universelle Gesetz politischer Systeme lautet: Werden Entscheidungen in einem kleinen politischen Kreis und ohne Berücksichtigung der Kritik von Expertenkreisen, Oppositionellen, unabhängigen Medien getroffen, geriet eine politische Führung in eine Situation, in der fehlerhafte Entscheidungen viel häufiger auftreten und ihre Auswirkung viel größer ist.
Die heutigen führenden Politiker verurteilen das ganze Land zu einer Existenz, die nur aus eigenen Fehlern und Misserfolgen besteht.
Der einzige Ausweg aus dieser Situation ist ein neuer politischer Kurs.
Ein Dialog mit der Opposition über sämtliche wichtigen Themen der politischen Tagesordnung muss angefangen werden.
Den über die Strenge schlagenden Steuerbeamten müssen wieder rechtliche Rahmen gesetzt werden. Man muss in kürzester Zeit den Unternehmern aus allen Bereichen das Leben leichter machen und sich von der Kontrolle über die Medien abwenden.
Die Abneigung gegen die führenden Politiker verhindert Reformen in verschiedenen Bereichen, die Vorbereitung einer neuen Verfassung und die Abhaltung fairer Wahlen.
Nicht durch die Verstärkung der polizeilichen Überwachung und der Kontrolle über die Medien, sondern durch einen neuen politischen Kurs und einen nationalen Dialog können dramatische Ereignisse vermieden und die begangenen Systemfehler wieder gutgemacht werden.
25. Oktober 2011 // Alexander Blank, Michail Minakow
Quelle: Ukrainskaja Prawda


Forumsdiskussionen
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?
“
Awarija in Ukraine-Nachrichten • Re: Die Ukraine hat Sanktionen gegen die Macher der Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ verhängt
„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“
Awarija in Ukrinform • Re: Russland attackiert erneut Grenzübergang zu Moldau in Region Odessa, Verkehr gesperrt
„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Hallo julib77,
Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.
Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)
Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.
Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.
“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“