FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Unser Sudetenland

Sudeten_Krim

Heute, fünf Jahre nach der Annexion der Krim, kann man voller Überzeugung konstatieren, dass die Analogie mit dem Jahr 1938, mit Hitlers Annexion des Sudetenlands äußerst zutreffend gewesen ist. Und das nicht nur aufgrund der erstaunlichen Ähnlichkeit der Handlungen und der Logik der beiden Führer, Adolf Hitler und Wladimir Putin, sondern vor allem aufgrund der Reaktionen auf ihre Taten, der internationalen wie der ukrainischen Redaktion.

Die internationalen Garantiemächte unserer Souveränität und territorialen Integrität haben uns betrogen, genauso wie Großbritannien und Frankreich vor 80 Jahren die Tschechoslowakei betrogen haben. Aber weshalb? Eben darum, weil sie sich erstens nicht mit dem Aggressor einlassen wollten, und zweitens, weil es unterschwellig, nicht laut ausgesprochen den Gedanken gab, dass der Aggressor sich das Seine nimmt, etwas „Heimatliches“.

Und tatsächlich: Die Mehrheit der Bevölkerung im Sudetenland stellten ethnische Deutsche. Heutzutage würden wir sie natürlich als Österreicher bezeichnen, aber zu dem Zeitpunkt der Annexion war Österreich selbst schon eine gewöhnliche Provinz des Reichs. 1918 war auf dem Territorium des Sudetenlandes die Eigenständigkeit Österreichs ausgerufen worden. Und die Eingliederung in die Tschechoslowakei sicherten das Militär des neuen Landes und der Vertrag von Saint Germain. Allerdings blieben während all der Jahre, die das Sudetenlandes zur Tschechoslowakei gehörte, die prodeutschen Einstellungen in der Region sehr stark, die Sudetendeutsche Partei hatte die Unterstützung der Mehrheit der Wähler.

Alle entsprechenden Argumente lassen sich auch im Fall der Krim anbringen: Die Zugehörigkeit zur Russischen Föderation bis 1954, die Mehrheit der ethnischen Russen, der Autonomie-Status und die Unterstützung jener Kräfte, die für besondere Beziehungen zu Russland eingetreten sind, bis hin zu einem Anschluss an Russland. Was soll daran anders sein als im Falle der Sudeten?

Als Chamberlain und Daladier beschlossen, diese Hitler zu übergeben, hofften sie, dass der Führer sich darüber beruhigen würde. Wenn die Deutschen damit „heim ins Reich“ geholt wären, was sollten sie noch mehr wollen? Und der Krieg wäre abgewendet!

Aber sie unterschätzen den Appetit des Führers gewaltig. Und dennoch haben sich 75 Jahre später westliche Politiker zur Krim mit einer Strategie a la Sudetenland verhalten. Barack Obama hat nicht zufällig unablässig von Putin gefordert, die Hände vom ukrainischen Kernland zu lassen – weil für ihn vorstellbar war, dass sich der Menschenfresser mit der „heiligen“ Krim begnügen werde. Aber der Appetit des Kremlführers, wie der seines Vorgängers im NS-Reich, wuchs vorhersehbar beim Verspeisen der blutigen Mahlzeit. Und dass es nach der Annexion der Krim nicht so schnell zum Dritten Weltkrieg gekommen ist, wie es zum Zweiten Weltkrieg kam, lässt sich sehr einfach erklären: mit dem Vorhandensein von Atomwaffen. Wenn es diese nicht gegeben hätte, hätte ringsum schon alles in Flammen aufgegangen sein können, die Städte Europas würden erneut in Ruinen daliegen, die Franzosen würden die Russen am Vormarsch auf Paris hemmen, die russische Luftwaffe würde Salisbury seiner Umgebung gleichmachen – und niemanden würde sich auch nur im geringsten dafür interessieren, egal wie bedeutend die Kathedrale von Salisbury ist…. In Kiew, Odessa, Dnepr, Kursk und Brjansk würden unglückliche Frauen über den Gräbern ihrer gefallenen Söhne schluchzen .

Alles dies ist zum Glück bei diesem Mal noch nicht passiert. Wir haben uns hingegen verlagert in die Epoche eines weltweiten hybriden Kriegs. Und dessen Ende ist nicht absehbar.

Aber ich werde nicht allein den Westen für alles verantwortlich machen. Man muss auch die ukrainische Reaktion auf die Annexion der Krim beachten. Sie war ähnlich Tschechoslowakei-artig. Präsident Edvard Beneš, der gezwungen war, dem Münchner Abkommen zuzustimmen, trat umgehend zurück, denn er hatte verstanden, dass damit das Begräbnis des von ihm geschaffenen Staates stattfand. Aber alle Anderen blieben und nahmen am Begräbnis teil, die Politiker ebenso wie die Bevölkerung. Und erfüllten gehorsam alle Forderungen nach der weiteren Auslöschung der Tschechoslowakei: von der Föderalisierung zur Umwandlung der Tschechei in ein deutsches Protektorat und der Slowakei in einen Marionettenstaat. Wir feiern heute 90 Jahre Ausrufung der Karpaten-Ukraine, wobei wir allerdings vergessen, dass ihre kurze Existenz eine direkte Folge der Zerschlagung der Tschechoslowakei, eine direkte Folge des Münchner Abkommens war.

Die Ukrainer haben sich nicht daran gemacht, die Krim zu verteidigen, genauso wie sie sich dann daran gemacht haben, das Kernland zu verteidigen – und ich habe dabei die Bürger im Blick und den Staat selbst. Wir haben einfach dabei zugeschaut, wie man unser Land vergewaltigt – und zwar deshalb, weil keine (Streit)Kräfte da waren und weil die unausgesprochene Überzeugung herrschte, dass die Russen sind an der „heiligen“ Krim verschlucken und dann von uns fern bleiben würden. Unser wichtigstes Ziel war es damals, das Militär herauszuführen – und es eben nicht „hineinzuführen“. Und dabei konnten wir auf das volle Verständnis des Westens zählen, genau dieses „Münchner“ Westens.

Es sind fünf Jahre vergangen und noch immer wollen wir nicht Rechnung ablegen, was damals passiert ist. Wir glauben, man könne sich entwickeln, als sei nichts geschehen, mit abgetrennten Territorien und mit unbestimmten Grenzen. Wir hören den Idioten zu, die versprechen, „mit Putin einig zu werden“ und die überzeugt sind, dass wir anfangen sollten, besser zu leben und die Korruption zu bekämpfen – und dass die Krim und der Donbass von selbst zurückkommen werden, wie im Märchen.

Wir verstehen nicht, dass wir ein Invaliden-Staat geworden sind. Ein Invalid, der auch lebt und sich entwickelt, aber es ist eine andere Entwicklung als bei einem gesunden Menschen. Das sind andere Kraftanstrengungen, übermenschliche. Wenn Sie es nicht glauben, dann erkundigen Sie sich bei Paraolympioniken.

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Wenn die Ukraine überleben will, dann sollte sie ein solcher Paraolympionik werden. Ein Land übermenschlicher Mühen, ein Land nationaler Solidarität, der Abtrennung von dem Aggressor, des völligen Bruchs mit diesem. Eines Landes, dessen Bürger nicht beim Feind arbeiten, dessen Sänger nicht in dessen Nachtclubs Faxen machen, ein Land, deren Politiker nicht davon träumen, dem Menschenfresser die Hand zu küssen.

Im anderen Fall wird uns früher oder später das Schicksal der Vorkriegs-Tschechoslowakei ereilen. Wir werden aufhören, ein Land zu sein und ein Protektorat des Feindes werden. Und in den Hauptstädten der Welt wird erleichtert geseufzt werden – über die falsche Entscheidung, dass man sich – nur in diesem Fall – schon mit dem Kreml werde einig können.

15. März 2019 // Witalij Portnikow

Quelle: Lewyj Bereg

Übersetzerin:    — Wörter: 1011

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 4.6/7 (bei 11 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)7 °C  Ushhorod8 °C  
Lwiw (Lemberg)5 °C  Iwano-Frankiwsk6 °C  
Rachiw4 °C  Jassinja4 °C  
Ternopil4 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)7 °C  
Luzk6 °C  Riwne6 °C  
Chmelnyzkyj4 °C  Winnyzja8 °C  
Schytomyr5 °C  Tschernihiw (Tschernigow)5 °C  
Tscherkassy7 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)7 °C  
Poltawa6 °C  Sumy8 °C  
Odessa8 °C  Mykolajiw (Nikolajew)8 °C  
Cherson8 °C  Charkiw (Charkow)7 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)8 °C  Saporischschja (Saporoschje)9 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)6 °C  Donezk9 °C  
Luhansk (Lugansk)10 °C  Simferopol8 °C  
Sewastopol8 °C  Jalta8 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Weshalb wollt ihr zusammenziehen, wenn Deine Rente nicht reicht? Du kannst diese Frau nicht ernähren? Dann ist sie doch bisher besser dran, hat ihr Bürgergeld und Wohnraum etc., Krankenversicherung hat...“

„Sie kann als Untermieterin bei Dir einziehen dadurch bildet Ihr keine Bedarfsgemeinschaft. Nur Ihr BG wird gekürzt, wie viel weiß ich nicht. Erkundige Dich mal in diese Richtung.“

„Wenn die Ukrainer/innen schon einen Flüchtlingsstatus haben, ist ein weiterer Status als Flüchtling in Europa nicht mehr möglich. Es zählt das Erstaufnahmeland. In Deutschland wird sie dann nicht mehr...“

„Was soll der Quatsch wieder? Der Krieg noch voll im Gange, aber schon wird wieder an solchem Zeug raumgemacht. Haben die keine anderen Probleme?“

„Mittlerweile sind wieder Blockposten bei Korczowa bzw. Krakovez. Am letzten Dienstag jedenfalls wurde ich angehalten im Wald kurz vor der Grenzkontrolle. Wahrscheinlich brauchen sie wieder Männer an deren...“

„ Heute 10:30 Einreise in Urgyniw, waren bis Ende 40 Minuten, also sehr stabil, Montag, diese Uhrzeit...das läuft.
Heute wurde ich nach der polnischen "Endkontrolle" zur weiteren Kontrolle in die Garage eingeladen, hat mich mit Wartezeit, andere waren vor mir dran, genau eine 1h gekostet. Seit happens! Zu früh über die 40 Minuten gefreut.

Vielleicht mal noch eine Info, man fährt in d3n Zollbereich ein, es liegen dann 5 bis 6 Spuren vor einem, offensichtlich ist dann die Spur wo "alle" stehen, die ist ca. In der Mitte. Die EU Spur ist links davon, es gibt ein Leuchtzeichen (Leuchtreklame) über der Spur, die ist nur kaputt und man gerade noch das EU Symbol etc. erkennen. Dann passt das. Der PKW ist entscheidend, es dürfen dann auch Ukrainer im PKW sitzen.


„Einreise als Flüchtling, bedeutet......., nicht als Deine zukünftige Frau, bist dann erst einmal ihr Vermieter, mehr Hilfestellung gibt es jetzt aber nicht mehr.“

„Gehe auf das Ausländeramt Deiner Gemeinde und erkundige Dich, kann ja sein ich irre mich, derzeit können Ukrainer als Flüchtlinge einreisen und unterliegen dem Paragraphen 24, aufgtund dessen läuft...“

„Grundsätzlich könnte ich die Sachen mit in die Ukraine nehmen, bis Luzk, ABER Der Zoll und die Einfuhr muss geklärt sein und die Kosten und daran wird es wohl scheitern!“

„Jetzt lief gestern um 23:30 Uhr alles wie geschmiert in Ustyluh/Zosin, Einreise UA in ca. 50 Minuten. Dieses Mal die Polen schnell 3 PKW, bei den Ukrainern länger, 2 Busse und sonst ein paar Fahrzeuge,...“

„Hallo, die Heirat an sich ist nicht sonderlich aufwändig und Bürokratisch, wenn man in der Ukraine heiratet. Bei Anreise Montag oder Dienstag, kann die heirat am Donnerstag oder Freitag derselben Woche...“

„Guten Tag, ich habe Kontakt zu einem Unfallchirurgen aus Sumy, der zur Zeit in einem Fronthospital arbeitet. Durch meinen Beruf habe ich aus Kliniken 10 Kisten (130kg) chirurgische Instrumente und Implantate...“

„Hallo, die Heirat an sich ist nicht sonderlich aufwändig und Bürokratisch, wenn man in der Ukraine heiratet. Bei Anreise Montag oder Dienstag, kann die heirat am Donnerstag oder Freitag derselben Woche...“

„Hallo zusammen, ich (Deutscher und wohne in Süddeutschland) bin seit fast 4 Jahren mit einer Ukrainerin zusammen. Sie ist bei Kriegsbeginn aus der Ukraine in die Schweiz geflüchtet. Sie wohnt aktuell...“

„Gestern Freitagnacht auf Samstag, 2 Uhr Kiewzeit, habe ich bei Zosin/Ustyluh ins Klo gegriffen, ca. 12 bis 15 PKW und pro Einlas nur 5 PKW..., der weitere Ablauf bei den Polen, unerträglich langsam, das...“

„Meine derzeitige Ein- und Ausreisestrategie sieht wie folgt aus, Einreise am Grenzübergang in Ustyluh, zuletzt beide Grenzen in 18 Minuten passiert, Lichtgeschwindigkeit. 1 Uhr in der Nacht (Kiewzeit)...“

Newsletter jeden Morgen

Sie möchten täglich über Neuigkeiten auf der Seite benachrichtigt werden? Dann ist vielleicht ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Beiträgen der vergangenen 24 Stunden für Sie interessant. Der Versand erfolgt jeden Tag 6.00 Uhr morgens.




Nach dem Eintrag Ihrer E-Mailadresse erhalten Sie eine E-Mail zum Bestätigen Ihrer Adresse und können dann die Eintragung abschließen (so genanntes "Double Opt-In-Verfahren"). Ihre E-Mailadresse wird dabei nur auf unserem Server in Deutschland gespeichert und nicht an Dritte übermittelt.