FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

ELB-MAIDAN: Antiwestliche Komparatistik aus der Volxküche

0 Kommentare

Telepolis: Hamburg und der Maidan in Kiew
Es wurde eigentlich schon aller Schwachsinn über die Krawalle von Hamburg gesagt – aber noch nicht von jedem.

Nun kommt also ein gewisser Florian Rötzer mit der rechten linken Gesinnung und behauptet mit Krokodilstränchen im Knopfloch, der einzige Unterschied zwischen dem Schanzenviertel und dem Kiewer Majdan sei der, dass die vermummten Majdan-Gewalttäter von westlichen Regierungen unterstützt worden seien, während die Gewalttäter in Hamburg mit ihrem Protest auf sich gestellt seien – „auch die russische Regierung“ unterstütze sie nicht.

Unheiliger Sankt Florian, schütze unser besetztes Haus, zünd andre dafür an. Ich will mich gar nicht lange mit den eklatanten Unsinnigkeiten dieser Gleichsetzung aufhalten; es genügt, darauf zu verweisen, dass die mit Bauarbeiter- und Motorradhelmen, Holzschilden und Latten Bewaffneten auf dem Majdan sich diese Montur zulegten, NACHDEM Dutzende Regierungsgegner durch Polizei-Prügel schwerstverletzt, in Wälder bei Kiew verschleppt, nackt ausgezogen und gefoltert wurden, oder aus Krankenhäusern abgeholt wurden, um sie in Polizeirevieren derselben Behandlung zuzuführen.

Es genügt, auf die Nuance hinzuweisen, dass die westlichen Regierungen auch damals jede Gewaltanwendung verurteilten und hohe Politiker zur Vermittlung nach Kiew entsandten, aber außerstande waren, die bereits entfesselte Dynamik zu stoppen.

Es genügt, daran zu erinnern, dass auf unbewaffnete Demonstranten scharf geschossen wurde. Unter ihnen waren einige Dutzend ukrainische Benno Ohnesorgs, die ihren Uni-Schreibtisch, ihre Arztpraxis, ihr Ingenieursbüro, ihre Hörsaalbank aus Protest gegen eine Prügelperser-Kleptokratie verlassen hatten, welche dabei war, das ukrainische Staatsvermögen auf offshore-Konten zu privatisieren.

Vielleicht sollte man auch daran erinnern, dass die Kiewer Revoluzzer keine Supermärkte, Sparkassen und Drogerien plünderten, sondern dass Kiewer Omas ihr Sparkonto plünderten, um in den Supermärkten und Drogerien Lebensmittel und Hygieneartikel zu kaufen und diese an die Demonstranten zu verteilen. Na, fällt der Groschen?

Aber gerne können wir natürlich auch, wenn schon von Regierungssympathien für gewalttätige Protestbewegungen die Rede ist, auf die Rolle der „russischen Regierung“ zu sprechen kommen. In diesem Falle sollte unser Florian seinen feind-fixierten Blick von der Roten Flora einmal nicht nach Kiew, sondern in den Donbass schweifen lassen.

Dort hat nämlich die „russische Regierung“ vorexerziert, wie man es richtig macht, und hat sozusagen die Schwarzblock-Lehre von Hamburg antizipiert. Diese Lehre besteht aus zwei Aussagen und funktioniert folgendermaßen:

  1. Eine zu allem entschlossene kleine Minderheit von 1000-2000 Gewalttätern kann das zivilisierte Gemeinwesen eines urbanen Raums binnen Stunden in einen rauchenden Aschehaufen verwandeln. Die Voraussetzung dafür ist, dass die ansässige Bevölkerung diesem Treiben keinen Widerstand entgegensetzt, sei es aus begründeter Angst, sei es aus Opportunismus; ferner, dass die Polizei, aus welchen Gründen auch immer, die ihr zur Verfügung stehenden Machtmittel nicht ausschöpft.
  2. Wenn dieser zu allem entschlossene Haufen von Gewalttätern außerdem von einem Außenakteur mit Kriegswaffen ausgestattet wird, kann er die Staatsgewalt stürzen und sein Terrorregime zum Alltag machen.

Und genau dies ist im Donbass geschehen: Die russische Regierung hat die Gewalt in die Städte am Ostrand der Ukraine injiziert, indem sie einheimische, gewaltsam protestierende Gruppen unterstützte und mit Kriegsgerät versorgte. Mehr noch: sie hat aus dem eigenen Land in Gestalt von Söldnern und regulären Truppen Verstärkung geschickt.

Sogar einen schwarzen Block gab es: nur heißt so was in Russland und der Ukraine černosotency, „Schwarzhunderter“. Gemeint sind jene Rechtsextremisten aus vor-1917-Tradition, welche ihre Pogromgewalt mit Ikonen, Zarenbannern, Fantasieuniformen und antisemitischen Parolen gegen die „Judenregierung“ in Kiew garnieren. Nebenbei auch mit Folterzentren in den Kellern von Fabriken, in Kasernen, Turnhallen und Universitäten. Wie aus dem Lehrbuch der Pinochets und Videlas – oder sollen wir sagen, der Dzeržinskijs und Berijas?

Was deutsche Linke, auch im Parlament vertretene, nicht daran hindert, die „Volksrepubliken“ am Ostrand der Ukraine, die mit Volk und Republik genauso wenig gemein haben wie die Hamburger autonomen Volxküchen mit Volk oder Küche, als antifaschistisches (weil antiwestliches) Projekt zu euphemisieren, teilweise sogar zu hofieren. Einer der wenigen Punkte übrigens, wo sich unsere Linken mit der AfD einmal einig sind. Kommt ein Krim-Urlaub dabei heraus, ist man in der Lage, auch mal ein Auge zuzudrücken.

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Und hier schließt sich auch der Kreis zu unserem Möchtegern-Komparatisten Rötzer. Ein Gewaltakteur und -entrepreneur, der gegen die Westernisierung kämpft, kann allemal auf klammheimliche Freude – und Freunde – im linken Salon rechnen. Ob Elbe, ob Dnjepr.

8. Juli 2017 // Anna Veronika Wendland

Quelle: Facebook

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.1/7 (bei 10 abgegebenen Bewertungen)

Kommentare

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)12 °C  Ushhorod14 °C  
Lwiw (Lemberg)11 °C  Iwano-Frankiwsk14 °C  
Rachiw9 °C  Jassinja10 °C  
Ternopil14 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)13 °C  
Luzk15 °C  Riwne14 °C  
Chmelnyzkyj13 °C  Winnyzja10 °C  
Schytomyr12 °C  Tschernihiw (Tschernigow)11 °C  
Tscherkassy13 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)13 °C  
Poltawa10 °C  Sumy10 °C  
Odessa15 °C  Mykolajiw (Nikolajew)14 °C  
Cherson12 °C  Charkiw (Charkow)10 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)12 °C  Saporischschja (Saporoschje)11 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)11 °C  Donezk9 °C  
Luhansk (Lugansk)10 °C  Simferopol13 °C  
Sewastopol15 °C  Jalta11 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Ich habe mal sie Einreise in die UA (aus Polen), am Grenzübergang Uhryniw gemacht. Inzwischen 3 Mal am Freitagabend 21 Uhr MEZ. Nur zwei bis drei PKW, was schon gut ist. Aber der Hit ist, dort gibt es...“

„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


“

„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


“

„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


“

„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“