FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Die neue galizische Gemeinschaft

0 Kommentare

Im nächsten Jahr jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Des Krieges, der den Prozess der Zerstörung der Welt unserer Vorfahren eingeleitet hat, mit deren Werten die heutige Erwachsenengeneration der Völker Zentral- und Osteuropas hauptsächlich erzogen wurde. Mit Werten, ohne deren Verständnis eine Annäherung an Europa für uns nicht möglich sein wird.

Noch im Laufe des Krieges haben all jene Zerstörungsprozesse angefangen: der Kampf “aller gegen alle”, die Konkurrenz um eigene Nationalinteressen, die Blüte der Nationalismen und die Tragödie des Zweiten Weltkriegs, zu dem alles geführt hat. Sie haben jene europäischen Völker geteilt, die im Kultur- und Weltanschauungssinne einst eine einzigartige, wenngleich vielfältige Gemeinschaft dargestellt haben.

Es handelt sich allerdings nicht um die Gemeinschaft der “Patrioten”, sondern um die der “Bewohner”, denen der Lebensstil in galizischen Städten und Schtetl, Alltagskulturelemente gemein waren; die für verschiedene Sprachgruppen gemeinsamen Wörter und Begriffe, die in Galizien gebraucht wurden. Und natürlich die Küche – noch heutzutage ist es in Galizien auf beiden Seiten der Grenze kaum zu bestimmen, welche Gerichte “polnische” und welche – “russische” Herkunft haben. Sie hatten aber vor allem identisches Verständnis solcher Begriffe wie Gut und Böse, Gerechtigkeit und Unrecht, Würde und Schande usw.

Viel davon ist glücklicherweise bei den Galiziern erhalten geblieben und dessen Verlust wäre eine unannehmbare Verantwortungslosigkeit gewesen. Das ist dasjenige Positiv, auf dessen Basis wir eine neue Gemeinschaft schaffen können und sollen.

Genug mit diesen Teilungen, infolge deren selbst die heutigen Einwohner des ukrainischen Galizien, der Transkarpaten oder der Bukowina von der ehemaligen Gemeinschaft fast nichts wissen und sich argwöhnisch und misstrauisch zueinander verhalten. Noch schlimmer ist es um die Nachbarn aus dem Ausland bestellt. Die Nachkriegsgrenzen haben Ethnien, Religions- und Kulturgemeinschaften “bei lebendigem Leib” zerschnitten.

Die halbhundertjährige sowjetische Besetzung mit ihrer Isolationspolitik hat dazu geführt, dass die Ukrainer und Polen des ehemals einheitlichen Galiziens über sich selbst immerfort weniger wissen und sich auch ein wenig wie “Fremde” füreinander interessieren. Dasselbe gilt für die Einwohner der Transkarpaten und die Slowakei, Ungarn, Tschechien usw.

Wie die 22-jährige Unabhängigkeitserfahrung gezeigt hat, bieten Kyjiw und seine regionalen Diener, unfähig zur Bewältigung dieser Probleme, eine “Chochlandisierung” (Chochol ist ein im Russischen verwendeter Begriff für Ukrainer, A.d.R.) aller Regionen innerhalb des Landes statt Gemeinschaftsbildung an und bauen die bilateralen Beziehungen zu den Nachbarn auf der Basis von Konkurrenz zwischen den Nationalismen aus, was von Nationalisten aus jenen Ländern freudig aufgegriffen wird. Die Ukraine fürchtet wie ein schwacher und von Komplexen geplagter Mensch ihre Nachbarn und weicht offenem Dialog durch Hervorhebung von Forderungen wegen „historischer Ungerechtigkeiten“ aus.

Diese Situation ist unbefriedigend und sogar schädlich vor der Perspektive der Annäherung der Ukraine an die Europäische Union. Nur die EU gibt Hoffnung, dass die Völker der heutigen Westukraine in die europäische Völkerfamilie – vor allem in ihre “historische” Region – zurückkehren. Damit dieser Prozess natürlich und zivilisiert verläuft, müssen wir das Bewusstsein der Einheit dieser Region – historisch, kulturell, mental usw. – wiedererlangen, die einst die “östliche Mauer” von Österreich-Ungarn dargestellt hat und künftig den östlichen Vorposten der EU bilden kann.

Deshalb sollten wir Galizier, die Initiative ergreifen. Die Initiative der Bildung der neuen galizischen Gemeinschaft auf der Basis von all jenem Schönen, das eine alte Vorkriegsgemeinschaft – jenes “Volk mehrerer Völker” vereinigt hat (worüber Andrzej Chciuk geschrieben hat).

Die Grundlage für eine neue Gemeinschaft sollten alle bilden, die sich als Patriot Galiziens betrachten, unabhängig davon, welchen Familien sie entstammen: ob den Vorkriegsgaliziern verschiedener Nationalitäten und Glaubensbekenntnisse, die noch heute in der Heimat auf beiden Seiten der Grenze leben, oder den weltweit verstreuten galizischen Familien. Und auch den Nachkriegsfamilien, nämlich den heutigen Einwohnern Galiziens, die Geschichte, Kultur und Mentalität dieser Region angenommen haben und deren Patrioten geworden sind, damit die eigene Zukunft und die Zukunft ihrer Kinder verbinden.

Da es gerade um den Aufbau einer glücklicher Zukunft und nicht um die Wiederauferstehung einer “glücklichen Vergangenheit” geht. Und gerade eine solche Herangehensweise sollte uns vereinigen. Der Vergangenheit kann man natürlich nicht entfliehen, aber man kann sie in den Hintergrund schieben, damit sie uns nicht teilt.

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Das muss die Gemeinschaft der normalen, durch den galizischen Boden vereinten Leute sein. Die Bildung einer solchen Gemeinschaft wird uns viele Vorteile bringen. Erstens wird sie Kraft geben, sich die Heimat zurückzuholen. Und zweitens wird sie dabei helfen, Vertrauen wiederzuerlangen und die Zusammenarbeit mit Völkern anderer Teile des ehemaligen Österreich-Ungarn, die vom Schreckgespenst des ukrainischen Nationalismus angewidert wurden, in Gang bringen.

Das gilt vor allem den Polen. Eine echte ukrainisch-polnische Versöhnung und die Vereinigung auf menschlicher Ebene, die auf Emotionen beruht und nicht nur auf dem zwischenstaatlichen Niveau, dessen Basis Geschäftspragmatismus ist. Jeder schmerzliche Punkt betrifft ja vor allem die Galizier (Krieg um Lwiw, die Zwischenkriegstätigkeit der OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten), die Massaker von Wolhynien und die Aktion Weichsel), und nicht die Einwohner der großen Ukraine, sodass sie Galizier mit Galiziern lösen müssen.

Das gestaltet sich schwierig aber möglich, wenn wir es – ich wiederhole – verstehen werden die Vergangenheit, die uns teilt, in den Hintergrund zu schieben, damit Platz für den Aufbau gemeinsamer Zukunft schaffend. Der Zukunft liegt in der einheitlichen Gemeinschaft europäischer Völker, denen wir von der Mentalität her näher als den Klein- oder Großrussen stehen. Für den Anfang müssen wir doch unsere eigene Gemeinschaft bilden, die auf den kultivierten europäischen, von den galizischen Vorfahren geerbten, Werten beruht.

14. Oktober 2013 // Wolodymyr Pawliw

Quelle: Zaxid.net

Übersetzung: Dmytro Tschaplja

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.5/7 (bei 4 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)-17 °C  Ushhorod-1 °C  
Lwiw (Lemberg)-14 °C  Iwano-Frankiwsk-12 °C  
Rachiw-5 °C  Jassinja-6 °C  
Ternopil-16 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)-13 °C  
Luzk-19 °C  Riwne-18 °C  
Chmelnyzkyj-18 °C  Winnyzja-18 °C  
Schytomyr-24 °C  Tschernihiw (Tschernigow)-25 °C  
Tscherkassy-20 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)-18 °C  
Poltawa-20 °C  Sumy-21 °C  
Odessa-9 °C  Mykolajiw (Nikolajew)-11 °C  
Cherson-10 °C  Charkiw (Charkow)-24 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)-13 °C  Saporischschja (Saporoschje)-11 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)-14 °C  Donezk-12 °C  
Luhansk (Lugansk)-14 °C  Simferopol-8 °C  
Sewastopol-6 °C  Jalta-3 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Das sind Untermenschen, normale Menschen verhalten sich anders. Slava Ukraine Nachricht von Moderator Handrij volontaer45 wurde für diesen Beitrag verwarnt. Nazisprache ist hier unerwünscht! Un|ter|mensch,...“

„Hallo Lev, habe das im Internet gefunden, Probleme ist wohl die Grenzkontrolle ohne EU Pass, dann wird es eine Warterei von 2h..., Mein Browser hat mir das automatisch auf Deutsch übersetzt.“

„Hat eventuell jemand hier im Forum, Erfahrung mit der neuen Zugverbindung und dem Umstieg in Przemyel ?“

„Zuletzt war ich zweimal kurz hintereinander in Ustyluh/Zosin im Röntgenapparat (Polen), kostet halt jedes Mal auch noch ca. 15 - 20 Minuten..., das nervt. Nach Kiew würde ich ebenfalls die "nördliche"...“

„Kowel-Sarnyj-Korosten-Kiew, weil wesentlich weniger Verkehr als die A4-Route im Süden. Ach die Strecke kann man normal fahren? Da ist nur der Grenzübergang Dorohusk nicht möglich.“

„Das hat sich spätestens erledigt seitdem "die Russen" ein Teil der Russen von damals hinterhältig überfallen hat. Und ein Teil der Russen von damals über "den Russen" von heute genauso denkt. Heisst...“

„In diesem Zusammenhang würde mich ja Mal interessieren welche Rolle E-Autos in UA unter den derzeit herrschenden Bedingungen spielen ?“

„Gerade wir als Deutsche sollten uns jetzt hüten wieder in alte verhängnisvolle Denkmuster gegenüber "den Russen" zu verfallen !“

„Ja das könnte passen. Der stand da mitten im Wald auf der Strasse mit der Kalaschnikow um den Hals. Da waren es noch paar km bis zur Grenze. Hatte da nur den EU-Pass gezeigt, hat er mich durch gewunken....“

„Bin erst 2025 das erste Mal bei Uhryniv über die Grenze, der Blockposten ist Schätzungsweise 7 Kilometer von der Grenze weg. Ansonsten lässt sich noch vermuten ggf. Gibt da was in der Nähe, dass gerne...“

„Interessant, Blockposten gibt es an den anderen Grenzorten schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Budomierz oder Korczova, Astey, Kosun, Richtung Ungarn. Uhryniv .... Ist das nicht der wo Armeeposten...“

„"RESPEKT " ist vermutlich das "Fremdwort" schlechthin für einen Russen. Meine Erwartungshaltung wurde " leider " nicht enttäuscht, faschistisches Russenpack, ist bleibt was es ist, ein Haufen voller...“

„Wieso Respekt? Werden die Russenfaschisten mit Absicht gemacht haben - wie kann man auch die Feiertage wie im Westen nutzen ....“

„Ja, das ist interessant, eigentlich sollen ja mit unter, Männer vor der Annäherung zur Grenze abgehalten werden und natürlich dann die Flucht außer Landes. Du hast recht, im Sommer hatte ich in Astey...“

„War über die Feiertage in der Ukraine in Luzk bei der Familie, die Russen sind schon blöde Arschlöcher, Luzk als Stadt zählt meiner Ansicht nach auch eher noch zu den ruhigeren Plätzen im Kriegsgebiet,...“

„Interessant, Blockposten gibt es an den anderen Grenzorten schon lange nicht mehr. Zumindest nicht in Budomierz oder Korczova, Astey, Kosun, Richtung Ungarn.“

„Grenzübergang Urgyniw - Dolgobytschuw Wollte in der Nacht von Samstag 3.1.26 auf Sonntag 4.1.26 am Grenzübergang Urgyniw um ca 2 Uhr ausreisen, daraus wurde aber nichts, da wir am "Blockposten" - Kontrollpunkt...“

„Was wohl die Russen davon halten, dass die Ukrainer beinahe schon nach belieben jede Raffinerie erfolgreich angreifen können, Putins Residenz aber so derartig gut gesichert ist, sodass sie angeblich 91...“

„Was wohl die Ausgebombten aus Dnipro oder die Bauern im Kursker Gebiet denken wenn sie erfahren würden daß sich ihre Kriegsherren selbst gegenseitig nur mit Samthandschuhen anfassen ?“

„Also bisher habe ich nichts davon gelesen dass es entsprechende Angriffe gab. Letztes Jahr gab es mal ein Ziel in der Nähe vom Präsidentenpalast. ... denke mal das läuft auf Gegenseitigkeit hinaus...“

„Mal ganz abgesehen davon daß dieses behauptete Ereignis vermutlich nur als Vorwand konstruiert wurde um sich vor ernsthaften Friedensverhandlungen drücken zu können: Putin scheint wohl ein schlechter...“

„Bin am 24.12.25 in Zosin/Ustyluh in die Ukraine eingereist, war das erste und einzige Auto, in ca. 45 Minuten durch gewesen. Ausreise nach Polen, ca. 10 PKW zu der Zeit.“

„Typisch Russenkasper welche vom korrupten Putin und der Machtelite um ihn herum verarscht werden. Zu mehr als zivile Ziele in Städten zu zerstören reicht es nicht.“

„Warum sollten die sich auch trollen?? Für mich ist es immer wieder eine Offenbarung, wenn man mal wieder feststellen kann, mit welch limitierten Fähigkeiten und Qualitäten jene Russlandfans unterwegs...“

„Hallo Hendrij, habe mal ne Frage zu der neuen Zugverbindung Leipzig - Krakau - Przemyel. Wir fahren ja seit vielen Jahren immer mit dem Wohnmobil und im Winter mit dem Bus nach Lwiw. Da wir unweit von...“

„Meine Ehefrau ist eine Ukrainerin, und ich kenne sie schon seit dem 4. Oktober 2016. Das ist der Grund, weshalb ich mich als deutscher Zivilist in der Ukraine aufhalte. Als Gerhard Schröder noch Deutschlands...“

„Irgendwas stimmt mit dieser Meldung wohl nicht. Katar ist schon seit mehreren Jahren in der Tat aus der OPEC ausgetreten. Warum wird diese offenbar längst überholte Nachricht jetzt wieder aufgewärmt...“

„Danke. Ergänzend dazu habe ich heute gelesen daß es wohl auch noch eine Truppe "Achmat Ost" im Gebiet Saporischschija geben soll.“

„Achja, das Großmaul Kadyrow.ist auch noch da. Das Blatt scheint sich zu wenden. Von den angeblichen Heldentaten seiner Kadyrowzy in der Ukraine ist ja schon länger nichts mehr zu hören. Weiß jemand...“

„@kobmicha Besonders helle scheinst Du nicht zu sein. Falsches Forum für Dich, geh Dich bei den Russen anbiedern, Troll.“

„Tauchen hier eigentlich immer neue Idioten auf oder sind das die gleichen? Offensichtlich sind es immer die gleichen Idioten die hier Schreiben.Sieht man ja an Ihnen. Sie,wahrscheinlich; heldenhafter Ukrainer....“

Newsletter jeden Morgen

Sie möchten täglich über Neuigkeiten auf der Seite benachrichtigt werden? Dann ist vielleicht ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Beiträgen der vergangenen 24 Stunden für Sie interessant. Der Versand erfolgt jeden Tag 6.00 Uhr morgens.




Nach dem Eintrag Ihrer E-Mailadresse erhalten Sie eine E-Mail zum Bestätigen Ihrer Adresse und können dann die Eintragung abschließen (so genanntes "Double Opt-In-Verfahren"). Ihre E-Mailadresse wird dabei nur auf unserem Server in Deutschland gespeichert und nicht an Dritte übermittelt.