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Warenaußenhandelsdefizit auf Vorkrisenniveau

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Der wirtschaftliche Aufschwung in der Ukraine führte zu einer Beschleunigung des Anstiegs des negativen Saldos im Außenhandel. Im Oktober erreichte das Außenhandelsdefizit zum ersten Mal Vorkrisenniveau – 1,5 Mrd. Dollar. Ökonomen heben hervor, dass die Erhöhung der Wareneinfuhr vor dem Hintergrund der Inflation vom stabilen Hrywnjakurs angeregt wird, was eine Abwertung der Hrywnja bereits innerhalb des nächsten Jahres hervorrufen könnte.

Der negative Außenhandelssaldo bei Waren stieg im Oktober um das anderthalbfache im Vergleich zum Septemberwert – auf 1,42 Mrd. Dollar, teilte man gestern beim Statistikamt mit. Das letzte Mal wurde ein solche hohes Monatsdefizit im Außenhandel im November 2008 (1,55 Mrd. Dollar) festgestellt. Aufgrund dessen stieg das Defizit in den zehn Monaten des laufenden Jahres auf 6,86 Mrd. Dollar (+60 Prozent).

Die Oktoberverschlechterung der Handelsbilanz erklärt sich mit der scharfen Abbremsung des Exportwachstums (der Export stieg lediglich um 1 Prozent auf 4,75 Mrd. Dollar), wobei der Import sich um 26,4 Prozent auf 7,18 Mrd. Dollar erhöhte. Vor dem Hintergrund des Wachstums bei Speiseölen (um 144 Prozent auf 239 Mio. Dollar) und Getreide (um 12,2 Prozent auf 300 Mio. Dollar) verringerten sich im Oktober die Lieferungen von Produkten der Metallwirtschaft (um 2 Prozent auf 1,49 Mrd. Dollar), der chemischen Industrie (um 3,4 Prozent auf 326 Mio. Dollar) und von Transportmitteln (um 15,8 Prozent auf 278 Mio. Dollar). Andrej Gerus, Analyst der Investmentgesellschaft Concorde Capital, nach ist der Rückgang im Oktober beim Metallexport keine Tendenz: „Im Bereich der Metallurgie sind die Prognosen zurückhaltend optimistisch, daher sollte sich der Rückgang nicht fortsetzen“.

Die Erhöhung des Imports wird wiederum über die Erhöhung des Einkaufs von Importgas um 47 Prozent auf 1,09 Mrd. Dollar erklärt. „Ungeachtet dessen, dass die Gasvorräte im Sommer aufgefüllt werden, erwies sich das Wetter als schlechter als prognostiziert, daher war eine Erhöhung der Vorräte erforderlich. Außerdem war es für ‘Naftogas’ nach dem Gerichtsentscheid zu RosUkrEnergo notwendig die Gasmengen zu erhöhen“, hebt der Stellvertreter des Direktors des wissenschaftlich-technischen Zentrums „Psicheja“, Gennadij Rjabzew, hervor. Dabei wird ein hoher negativer Saldo auch den Ergebnissen des Novembers nach festgestellt – für das im letzten Monat verbrauchte Gas bezahlte „Naftogas“ bereits 1,04 Mrd. Dollar.

Eine Erhöhung der Lieferungen wurde auch bei anderen Warengruppen gemessen. Um 7,9 Prozent auf 189 Mio. Dollar stieg der Import von Kohle, was Gerus mit den Einkäufen von „Metinvest“ erklärt. Chemische Produkte wurden für 604 Mio. Dollar (+5,6 Prozent) eingeführt, Transportmittel für 874 Mio. Dollar (+3,6 Prozent ). Es verringerte sich nur der Import von Erdöl und Erdölprodukten (um 9,4 Prozent auf 406 Mio. Dollar) wegen der planmäßigen Reduzierung der Verarbeitung in ukrainischen Raffinerien.

Der Direktor des Instituts für Ökonomie und Prognostik bei der Akademie der Wissenschaften der Ukraine, Walerij Gejez, vermutet, dass bei einer Beibehaltung des Kurses von 8 Hrywnja/Dollar die hohen Werte des negativen Saldos bestehen bleiben werden: „Die negative Tendenz wird bereits seit dem II. Quartal beobachtet – vor dem Hintergrund der Erhöhung der Binnenmarktpreise bleibt der Kurs der Hrywnja stabil und provoziert einen Anstieg der Importe. Falls die derzeitige Situation beibehalten wird, könnte der negative Saldo Ende 2011 sehr stark wachsen und es setzt ein Devisenabfluss aus dem Land ein“, ist er sich sicher. „In der Verschlechterung des Saldos gibt es nichts unerwartetes, da die Energieträger auf den Import drücken. Doch das Defizit wird nicht durch einen Zufluss an Investitionen gedeckt und das bedeutet, dass bei uns das wirtschaftliche Wachstum über Kredite sichergestellt wird“, sagt der Präsident des Ukrainischen analytischen Zentrums, Alexander Ochrimenko.

Jurij Pantschenko

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 587

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