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Der Gesang von "Verrat" und "Sieg"

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Ein Vierteljahrhundert teilte sich das Land in Anhänger Moskaus und Kiews. Der Majdan und der Krieg setzten alles zurück. Jetzt teilt sich das Land in Adepten des „Verrates“ und des „Sieges“.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass das Glas der Anhänger des „Verrates“ halbleer ist. Dass ihre Erwartungen traurig und ihre Gedanken betrübt sind. Dass sie in jedem Honigfass mit Anstrengung einen Löffel Teer finden. (im Deutschen: „ein Haar in der Suppe finden“, A.d.R.) Dass ihre Gesichter und ihre Accounts Kummer sowie Pessimismus ausstrahlen.

Und anders herum: die Adepten des „Sieges“ sind unverzagt. In jeder Neuigkeit können sie die helle Zukunft erblicken. Und wenn die Nachricht traurig ist, schöpfen sie ihren Optimismus aus dem Faktum ihrer Publikation. Weil es ein Marker für die Freiheit des Wortes und ein Zeichen der Diskussion ist.

Und es scheint uns, dass das erstere Lager ein Lager für Pessimisten ist, und das zweite für Optimisten. Das Erste ist eine Art kollektives „Oh“, und das Zweite – ein nicht weniger kollektives „Ah“.

In der Tat ist das Gegenteil der Fall.

Die „Verratsliebhaber“ sind unaufhaltsame Optimisten. Nur ein Optimist kann so vehement an ein Land und an ein Volk glauben. Nur er kann der Meinung sein, dass man den Krieg noch gestern hätte gewinnen können. Und die Reformen bereits vorgestern beenden.

Nur der unendliche Glaube an die Menschen kann ihn zwingen zu denken, dass die Politiker schlimmer sind als die Normalbürger. Dass die Zerrüttung kein Hindernis für die Prosperität ist. Dass unter den Bedingungen einer Invasion und Besatzung die nationale Währung in Bezug auf den Dollar nicht fallen wird.

Ein „Verratsliebhaber“ ist der größte Humanist. Aus seiner Sicht ist das ukrainische Volk die Geisel der Eliten. Die, aus dem Nichts erscheinend, die Menschen bereits seit einem Vierteljahrhundert vor sich hin vegetieren lassen.

Der Adept des „Verrates“ ist überzeugt, dass die Durchschnittstemperatur im Land viel höher ist als „an der Spitze“. Er ist sich vollkommen sicher, dass die Ukraine betrogen wird – und wenn sie nicht belogen werden würde, hätte sie Israel schon längst in Hinblick auf den Wirksamkeitsgrad übertroffen.

Auf dem gegenüberliegenden Pol ist alles streng andersherum.

Der Adept des „Sieges“ ist ein vollkommener Pessimist. In den vergangenen vier Jahren hat er sich auf das schlimmste vorbereitet: Ruin, Niederlage, Desintegration. In seinem Weltbild gleicht das Fehlen des Schrecklichen einem Wunder. Jede Morgendämmerung empfängt er als eine onkologische nach einer Chemotherapie.

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Er hatte von Anfang an keine Illusionen. Es sah, auf was für dünnem Eis sich das Land bewegte. Entgegen seinen Erwartungen brach das Eis nicht. Ganz im Gegenteil: Es begann, dicker zu werden.

Er erinnert sich, wie man mit einem „Anschieber“ die Armeemaschinerie gestartet wurde. Wie 2014 der Aufruf, man solle Winteruniformen für die Armee kaufen, als defätistisch erklärt wurde. Weil es allen so schien, als würde der Sieg noch vor dem Tag des Wissens (1. September, A.d.R.) eintreten.

Der Adept des „Sieges“ hält die Politiker nicht für Ausgeburten der Hölle. Er ist sich sicher, dass sie für Land und Leute relevant sind. Denen, die den Politikern Mandate und Befugnisse übergaben. Deshalb schaut er auf Umfragen und will keine vorgezogenen Wahlen. Um diese zu wollen, muss man an „die Weisheit des Volkes“ glauben. Aber das tut er nicht.

Die „Verrratsanhänger“ schreiben zum Jahrestag des Majdans Trauriges. Sie erwarteten etwas Strahlendes und Helles und alles dazwischen war für sie nicht genug. Sie wollten einen „Ferrari“ gewinnen, bekamen jedoch einen „Fiat“.

Enttäuschte Erwartungen entstehen aus überhöhten Erwartungen.

Die Adepten des „Sieges“ jedoch strahlen einen vorsichtigen Optimismus aus. Sie waren jeden Tag auf den Zusammenbruch gefasst – aber er kommt immer noch nicht. Das ist genug um das wertzuschätzen, was man besitzt.

Vor allem, wenn man versteht, inwieweit die Chance besteht, alles zu verlieren.

Wir haben uns einfach in den Reflexionen verfangen. Der Pessimismus des „Verrates“ entsteht aus inneren Hoffnungen. Aus der Überschätzung von Menschen und Umständen. Aus den Illusionen, dass das Land erwachsen, verantwortungsvoll und pflichtbewusst ist. Dass es kein Geisterfahrer ist und kein Porzellan zerschlägt. Dass derjenige schuldig ist, der das Bestechungsgeld nimmt, und nicht derjenige, der es überreicht.

Und der Optimismus des „Sieges“ ist die Folge des mangelnden Glaubens. Der mangelnde Glaube an ein „Happy-End“ und an den „Deus ex machina „. Daran, dass die Davids verdammt dazu sind die Goliaths zu schlagen.

Denn die Welt ist nicht gerecht: Es gewinnen die, die mehr Ressourcen zur Verfügung und eine bessere Organisation haben. Das eine wie das anderes ist in der Ukraine defizitär.

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Die Adepten „des Verrates“ leben in der Welt von Tolkien. Dort ist alles in schwarz und weiß geteilt und das Haupthindernis ist der doppelzüngige Saruman.

Die Adepten „des Sieges“ leben in der Welt von George Martin. Dort bilden die Armee und die Wirtschaft, Strategie und Verbündete die Gewähr für den Sieg. Und das ethische im Recht sein bedeutet nicht, dass du am Ende der ersten Staffel nicht abgeschlachtet werden kannst.

Denn man sollte den inneren Drachen nicht mit dem echten verwechseln.

8. Dezember 2017 // Pawel Kasarin

Quelle: Ukrainskaja Prawda

Übersetzerin:   Yuliya Komarynets — Wörter: 828

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