FacebookXVKontakteTelegramWhatsAppViber

Kiew erlebte ersten "Tag des Zorns"

0 Kommentare

Am Sonnabend fand in Kiew vor dem Gebäude der Werchowna Rada eine Protestaktion statt, welche die Bezeichnung „Tag des Zorns“ erhielt. Die Opposition forderte Präsident Wiktor Janukowitsch und das Ministerkabinett zum Rücktritt auf und vorgezogene Wahlen zur Rada anzusetzen. Die Aktion wurde durch ein Urteil des Bezirksverwaltungsgerichts Kiew verboten und der „Tag des Zorns“ endete in Prügeleien zwischen Oppositionellen und Milizionären.

Hauptorganisator des „Tags des Zorns“ – einer Protestaktion der Opposition mit der Forderung des Rücktritts des Präsidenten, des Ministerkabinetts und der Auflösung des Parlaments – war die gesellschaftliche Bewegung „Spilna Sprawa/Gemeinsame Sache“. Diese wird von Alexander Daniljuk angeführt, der früher einer der Koordinatoren des „Steuermaidans“ war. Der „Tag des Zorns“ sollte vor dem Gebäude der Werchowna Rada durchgeführt werden. Jedoch verbot das Kiewer Bezirksverwaltungsgericht am 13. Mai auf Gesuch der Kiewer Stadtverwaltung jegliche Massenveranstaltungen vor dem Parlament.

Zur Durchsetzung dieses Urteils wurden am Gebäude der Rada etwa anderthalbtausend Angehörige der Miliz und der Spezialabteilung des Innenministeriums „Berkut“ zusammengezogen. Jedoch hielt das die Organisatoren des „Tags des Zorns“ nicht auf; gegen 10 Uhr morgens begannen sie sich im Marinskij Park beim Gebäude der Rada zu versammeln. An der Aktion beteiligten sich etwa 600 Menschen. Die Auftretenden hielten sich nicht mit Kritik an der herrschenden Regierung zurück:

„Wiktor Janukowitsch hat nicht ein Wahlversprechen erfüllt. Weder Russland, noch Amerika, niemand hilft uns. Wir müssen selbst unsere Zukunft verteidigen. Ich glaube, dass wir nicht mehr lange warten müssen, bis dieses Regime fällt!“, verkündete der Parlamentsabgeordnete Andrej Pawlowskij („Block Julia Timoschenko – Batkiwschtschyna“) unter Zurufen und Applaus.

„Das Volk hat das Recht zum Aufstand gegen diese Regierung!“, verlautete proklamierte Daniljuk noch kategorischer.

„Es ist nichts schlimmes daran, dass wir wenige sind. Früher oder später führen unsere Anstrengungen dazu, dass die Situation ‘eskaliert’ und Volksrebellionen beginnen“, unterstützte der Aktivist des Kongresses Ukrainischer Nationalisten, Nikolaj Kochanowskij, Alexander Daniljuk.

Nach dem Mittag wurden zum Parlamentsgebäude einige Zelte transportiert, welche die Teilnehmer des „Tags des Zorns“ im Marinskij Park aufstellen wollten. Als Kochanowskij damit begann das erste Zelt aufzustellen, warfen sich die „Berkut“ Angehörigen auf die Versammlungsteilnehmer. Sie versuchten die Versammelten zu umringen, doch leisteten letztere Widerstand. Es entfalteten sich gleich mehrere Schlägereien, den Milizionären wurde die Kopfbedeckung heruntergeschlagen. Im Durcheinander warf jemand eine Rauchbombe. Einige Schläge bekam auch der Parlamentsabgeordnete Michail Wolynez („Block Julia Timoschenko – Batkiwschtschyna“) ab: er versuchte die Festnahme von Aktivsten zu behindern, die von den „Berkut“-Leuten zu den Milizautobussen geschleift wurden. Ungeachtet der Bemühungen von Wolynez nahm die Miliz sechs Teilnehmer der Aktion fest und führte diese zu den Bussen.

Unerwartet tauchte der Parlamentsabgeordnete Wladimir Subanow (Partei der Regionen) in der Menge auf.

„Helfen Sie dabei die Miliz zu stoppen!“, wurde ihm zugerufen.

„Es ist richtig, dass sie festgenommen werden!“, antwortete der Abgeordnete.

„Hinweg! Weg von hier! Judas!“, schrie eine ältere Frau und spuckte Subanow an.

Den täglichen oder wöchentlichen Newsletter abonnieren und auf dem Laufenden bleiben!

Die Aktivisten verbrachten in den Bussen etwa drei Stunden, wonach sie freigelassen wurden, Protokolle über die Festnahme aufsetzend. Gegen Abend gingen die Versammlungsteilnehmer auseinander und am Parlamentsgebäude verblieben etwa 50 Menschen, die beabsichtigten im Park zu übernachten – ihnen wurden Schlafsäcke gebracht. Gegen 19.00 Uhr wurde Alexander Daniljuk von der Miliz für zwei Stunden festgenommen, dabei wurde er des Verstoßes gegen das Versammlungsrecht beschuldigt. Daneben teilte am Sonnabend der Pressedienst der Kiewer Hauptverwaltung des Innenministerium mit, dass während der Schlägereien ein Milizionär einen Schlag in die Leistengegend erhalten hat und ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Gestern Morgen verblieben beim Parlamentsgebäude nicht mehr als 30 Menschen, die auf den Bänken im Marinskij Park saßen.

„Die Ereignisse an der Rada haben gezeigt, dass wir keine gesetzliche Regierung haben“, erklärt Alexander Daniljuk dem “Kommersant-Ukraine”.

Der Pressedienst der „Spilna Sprawa“ teilte gestern mit, dass die nächste Versammlung am 19. Mai gemeinsam mit der gesellschaftlichen Aktion „Wpered/Vorwärts“ stattfinden wird.

Artjom Skoropadskij

Quelle: Kommersant-Ukraine

Übersetzer:   Andreas Stein — Wörter: 627

Hat Ihnen der Beitrag gefallen? Vielleicht sollten Sie eine Spende in Betracht ziehen.
Diskussionen zu diesem Artikel und anderen Themen finden Sie auch im Forum.

Benachrichtigungen über neue Beiträge gibt es per Bluesky, Facebook, Google News, Mastodon, Telegram, X (ehemals Twitter), VK, RSS und täglich oder wöchentlich per E-Mail.

Artikel bewerten:

Rating: 5.5/7 (bei 2 abgegebenen Bewertungen)

Neueste Beiträge

Kiewer/Kyjiwer Sonntagsstammtisch - Regelmäßiges Treffen von Deutschsprachigen in Kiew/Kyjiw

Karikaturen

Andrij Makarenko: Russische Hilfe für Italien

Wetterbericht

Für Details mit dem Mauszeiger über das zugehörige Icon gehen
Kyjiw (Kiew)17 °C  Ushhorod22 °C  
Lwiw (Lemberg)19 °C  Iwano-Frankiwsk18 °C  
Rachiw17 °C  Jassinja16 °C  
Ternopil17 °C  Tscherniwzi (Czernowitz)18 °C  
Luzk17 °C  Riwne17 °C  
Chmelnyzkyj17 °C  Winnyzja16 °C  
Schytomyr15 °C  Tschernihiw (Tschernigow)15 °C  
Tscherkassy15 °C  Kropywnyzkyj (Kirowograd)14 °C  
Poltawa14 °C  Sumy13 °C  
Odessa18 °C  Mykolajiw (Nikolajew)16 °C  
Cherson16 °C  Charkiw (Charkow)12 °C  
Krywyj Rih (Kriwoj Rog)15 °C  Saporischschja (Saporoschje)15 °C  
Dnipro (Dnepropetrowsk)14 °C  Donezk13 °C  
Luhansk (Lugansk)14 °C  Simferopol17 °C  
Sewastopol20 °C  Jalta16 °C  
Daten von OpenWeatherMap.org

Mehr Ukrainewetter findet sich im Forum

Forumsdiskussionen

„Ich habe mal sie Einreise in die UA (aus Polen), am Grenzübergang Uhryniw gemacht. Inzwischen 3 Mal am Freitagabend 21 Uhr MEZ. Nur zwei bis drei PKW, was schon gut ist. Aber der Hit ist, dort gibt es...“

„Inzwischen hat sich ja auch die Tagesschau etwas eingehender mit diesem Thema befaßt. Demnach seien indirekte Geldflüsse zum Kreml der Grund für das erfolgte Verbot der Serie. Ich schätze jedenfalls...“

„ Ist die Meldung überhaupt aktuell, die "Welt" schrieb offenbar schon 2023 über genau dieses Thema ?


“

„Kennt jemand vielleicht die Hintergründe dafür ? Soweit ich das sehe handelt es sich doch um eine völlig harmlose Kinderserie ohne jede Spur von Propaganda oä ?“

„ Was meint "erneut" ??
Bislang glaubte ich daß man sich als Reisender zumindest in unmittelbarer Grenznähe sicher fühlen konnte ?


“

„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


“

„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“