Die russischen Medien bezeichnen die Separatisten im Südosten der Ukraine als „Föderalisten“. Dies ist ein Propagandacliché, an das man sich schon derart gewöhnt hat, dass die Konsumenten der russischen Informationsproduktionen sich, glaube ich, nicht besonders wundern werden, wenn sie erfahren, dass die „Föderalisten“ einen Kampf unter Einsatz neuster Waffentechnik führen, rechtmäßig gewählte Bürgermeister und Stadträte entmachten, mit einem Wort, sich unabhängig von ihrem Wohnort wie ganz gewöhnliche Okkupanten aufführen. Denn Okkupanten zwingen der Mehrheit der Menschen ihre eigene Meinung auf und vernichten die Andersdenkenden. Egal was für Märchen Moskau über die „ukrainische Junta“ erzählt, bleibt es doch ein Faktum dass [durch die Kiewer Regierung, A.d.Ü.] seit der Flucht von Viktor Janukowitsch in der Ukraine – bis auf das Krimparlament, das sich entschied, mit den Okkupanten zu kooperieren – nicht ein Bezirks- oder Stadtrat aufgelöst wurde, nicht ein Bürgermeister abgesetzt wurde, d. h., nicht gegen den Willen des Volkssouveräns auch nur einer Stadt oder Region der Ukraine verstoßen wurde. Die „Föderalisten“ dagegen sind vor allem daran interessiert, die Macht zu ergreifen.
Und das ist wenig verwunderlich, denn es handelt sich um die russische Variante von „Föderalisten“. In Europa gibt es schon so eine Föderation, die buchstäblich mit Blut zusammengeklebt ist, das in einem Bürgerkrieg floss, den bei Weitem nicht die örtliche Bevölkerung, sondern das Nachbarland ausgelöst hat, das davon überzeugt war, einzig und allein zu wissen, wer wie zu leben hat. Diese Föderation ist der Staat Bosnien und Herzegowina, in dem es im Wesentlichen drei Regierungen gibt – den Staat selbst, die moslemisch-kroatische Föderation Bosnien und Herzegowina und die serbische Republik Srpska.
Bis zum Zusammenbruch Jugoslawiens war von einer Republik Srpska nichts zu sehen. Sie entstand nach den ethnischen Säuberungen, die unter Beteiligung von „Föderalisten“ und Soldaten des benachbarten Serbiens stattfanden. Natürlich wollten diese „Föderalisten“ einfach nur die Hälfte des Territoriums aus Bosnien herauslösen und sie (oder besser noch ganz Bosnien und Herzegowina) Serbien zuschlagen, doch es gelang ihnen einfach nicht, alle auszuschalten, die damit nicht einverstanden waren. Deswegen mussten sie einen Kompromiss aushandeln. Doch aus dem von ihnen kontrollierten Gebiet konnten die „Föderalisten“ alle vertreiben – die Moslems, die Kroaten und natürlich auch diejenigen Serben, die einfach nur in einem geeinten Bosnien ohne ethnische Konflikte weiterleben wollten. Und dann schufen westliche Unterhändler mit Unterstützung des serbischen Diktators Slobodan Milošević einen neuen Staat, in dem zwei Teile bis heute keinen Frieden miteinander finden – aber auch nicht auseinandergehen können.
Doch das Schicksal Bosniens in dieser Situation ist um einiges beneidenswerter, als das Schicksal der Ukraine in dem Falle, dass die „Föderalisten“ mit ihren Maschinenpistolen und MGs ein Stück von der Ukraine abspalten. Denn Serbien hat sich in den Jahren nach dem Jugoslawienkrieg verändert, die Diktatur beendet und strebt selbst in die EU. Und wird dort übrigens früher ankommen als Bosnien, daran besteht wohl kaum ein Zweifel. Aber unser „Föderationsbezirk Sowjetunion“ [gemeint ist die von den Separatisten proklamierte „Volksrepublik Donezk“, unter deren Anhängern sich viele Sowjetnostalgiker befinden, A.d.Ü.] grenzt an das bräunelnde Russland an. Es wird überschwemmt werden von Nazipropaganda, die buchstäblich aus den Fernsehschirmen des russischen TV spritzt, von chauvinistischem Hochmut, Hass auf die zivilisierte Welt, Ignoranz und der Überzeugung, dass alle Fragen auf dieser Welt durch Gewalt und Diebstahl zu lösen sind. Und es wird diese giftige Soße auf den Rest des vor den „Föderalisten“ und dem neuen Reich geretteten Staatsgebietes ausstrahlen.
Eine wirkliche geeinte Ukraine kann man so nicht schaffen. Ein geeintes Land ist ein Land, das dem Faschismus widersteht, ein Land mit Bürgern, die verstehen, dass die braune Gefahr vom Kreml ausgeht und alles Mögliche unternimmt, um sich von der neuen Pest zu schützen. Ein Land dagegen, in dem versucht wird, die Interessen der Faschismusgegner und der Europäer [gemeint sind die proukrainischen Kräfte, A.d.Ü.] mit einer nazistischen Weltanschauung [gemeint ist: wie sie die Separatisten vertreten, sprich, der Vorschlag, eine Ukraine aus zwei Föderationssubjekten zu bilden, A.d.Ü.] zu vereinen, wird nicht lange existieren.
6. Mai 2014 // Witalij Portnikow, ukrainischer Journalist und Publizist. Er ist Kolumnist bei Radio Free Europe/Radio Liberty und veröffentlicht regelmäßig analytische Artikel in ukrainischen und russischen Publikationen
Quelle: Newsru.ua


Forumsdiskussionen
julib77 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“
Awarija in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht"
“
MHG1023 in Berichte und Reisetipps • Re: Mit dem Zug in die Ukraine
„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Re: Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“
Anuleb in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“
Frank in Recht, Visa und Dokumente • Re: Seit Anfang des Jahres haben die Zollbeamten Verstöße im Wert von fast 11 Milliarden aufgedeckt
„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“
Eric in Recht, Visa und Dokumente • Deklaration gebrauchter Kleidung beim Zoll
„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“
Frank in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Gestern 6 Stunden warten vor der Grenze Richtung Polen in Krakowez mit dem Kleinbus. Abfertigung ging dann schnell da auch Passagiere mit EU-Pass dabei waren“
Bernd D-UA in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Bin am Montag 15.6.26 um 8 Uhr in Urgyniw ausgereist, das erste Mal an einem Montagmorgen ca. 15 Fahrzeuge vor mir, bin sonst der Erste oder Zweite, egal, nach ca 20 Minuten wurde dann die nächste Welle...“
lev in Berichte und Reisetipps • Re: An welchem Grenzübergang zwischen Polen und der Ukraine geht es am schnellsten?
„Derzeit, ist es überall sehr voll an den Grenzen Ukraine/ Polen. Zb. Krakovets 100 PKW ca. 10 h Wartezeit. Wollen Montag rüber, versuchen es sehr früh.“