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Präsidentschaftswahlen: Erste Umfragen sehen Komiker Wolodymyr Selenskyj an erster Stelle

Collage Umfragen Wolodymyr Selenskyj, Julija Tymoschenko und Petro Poroschenko

Zwei Monate vor dem Wahltermin für die ukrainischen Präsidentschaftswahlen liegt der Komiker Wolodymyr Selenskyj (Wladimir Selenskij) nach zwei Umfragen größerer Institute deutlich in Führung. Um den zweiten Platz und damit den Einzug in die erwartete Stichwahl würden demnach Amtsinhaber Petro Poroschenko und Ex-Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko kämpfen. 26 Kandidaten wurden bisher offiziell von der Zentralen Wahlkommission registriert.

Wenn man den Umfragen glauben schenken will, konnte der 41-jährige Selenskyj seit der Ankündigung seiner Kandidatur in der Silvesternacht die bisher in allen Befragungen führende 58-jährige Tymoschenko vom Spitzenplatz verdrängen und sogar einen Vorsprung aufbauen. Die Ex-Regierungschefin müsste demnach sogar bei ihrem dritten Versuch um den Einzug in die entscheidende Runde bangen. Amtsinhaber Poroschenko (53) hingegen kann sich wiederum nach der kurzzeitigen Ausrufung des Kriegsrechts und der kirchenrechtlichen Anerkennung der neu geschaffenen Orthodoxen Kirche der Ukraine durch den Ökumenischen Patriarchen in Konstantinopel (Istanbul) wieder Hoffnungen auf eine zweite Amtszeit machen. Alle anderen Kandidaten wie Ex-Vizeregierungschef Jurij Bojko, Ex-Verteidigungsminister Anatolij Hryzenko oder Lwiws Bürgermeister Andrij Sadowyj scheinen weit abgeschlagen ohne Chancen auf das Präsidentenamt zu sein. Bei ihnen dürfte der jetzige Wahlgang auch eher ein Warmlaufen für die wichtigeren Parlamentswahlen im Oktober darstellen.

PositionKandidatRating-GruppeSocis/KMIIS/RasumkowDurchschnitt
1.Wolodymyr Selenskyj23,019,021,00
2.Julija Tymoschenko15,718,216,95
3.Petro Poroschenko16,415,115,75
4.Jurij Bojko9,310,09,65
5.Anatolij Hryzenko8,18,58,30
6.Oleh Ljaschko6,77,06,85
7.Olexandr Schewtschenko3,52,93,20
8.Jewhen Murajew2,73,63,15
9.Andrij Sadowyj3,42,73,05
10Olexandr Wilkul2,42,62,50

Interessant ist an den Umfragen vor allem auch die Dynamik in den Statistiken der Rating-Gruppe, die sowohl für Selenskyj aber auch für Poroschenko spricht. Tymoschenko scheint demnach bereits den Höhepunkt ihrer Beliebtheit – zumindest in den Umfragen – überschritten zu haben. Seit November ist demnach ihr Rating von einst 21 Prozent auf nunmehr 18 Prozent gefallen. Die Werte für Selenskyj hingegen zeigen seit seiner Aufnahme in die Befragungen im März 2018 einen stetigen Trend nach oben. Waren damals ganze 6 Prozent bereit für ihn zu stimmen, stieg der Wert zuletzt auf 19 Prozent. Poroschenko scheint sich hingegen von den Umfragetiefs im Sommer vergangenen Jahres zu erholen und der Prozentsatz der Ukrainer, die ihm wieder ihre Stimme geben würden, stieg von 8 auf nunmehr 15 Prozent.

Wenig überraschend liegt der aus Krywyj Rih stammende Selenskyj in den Umfragen der Rating-Gruppe vor allem im Süden und im Osten vorn. Wenngleich auch im Zentrum und der Hauptstadt Kyjiw 14 beziehungsweise 15 Prozent bereit sind für ihn zu stimmen. Tymoschenkos Wähler leben hingegen vorwiegend im Zentrum (16 Prozent) und im Westen (15 Prozent). Poroschenkos Wähler sind vor allem in der Hauptstadt (15 Prozent) und im Westen (16 Prozent) mit Schwerpunkt in Galizien (19 Prozent) zu finden. Sein bisheriger Wahlkampf unter der Losung „Armee, Sprache, Glaube“ findet damit vor allem in den nationalpatriotischen Regionen Anklang.

Ungeachtet dessen erwarten die von Socis, KMIIS und dem Rasumkow-Zentrum befragten Ukrainer, dass entweder Poroschenko (20,5 Prozent) oder Tymoschenko (19,9 Prozent) Präsident beziehungsweise Präsidentin werden. Nach der heutigen Veröffentlichung der Umfragen dürften zu den bisherigen 10,8 Prozent der Ukrainer, die von einem Sieg Selenskyjs ausgehen, noch einige hinzukommen. Bei der Rating-Gruppe erwarten 21,1 Prozent der Befragten vor allem eine Präsidentin Tymoschenko. Eine zweite Amtszeit Poroschenkos wird nur von 15,5 Prozent erwartet. Selenskyj wird der Sieg auch nur von 9,3 Prozent der Umfrageteilnehmer zugetraut.

Hauptproblem für einen Sieg Poroschenkos dürften seine Ablehnungswerte sein. 47,9 Prozent aller von der Rating-Gruppe befragten Ukrainer würden ihn unter keinen Umständen wählen. Tymoschenkos Situation sieht nur unwesentlich besser aus. 31,1 Prozent würden ihr unter keinen Umständen ihre Stimme geben. Für Selenskyj wären die ermittelten 10,4 Prozent Ablehnung wohl nicht das Problem.

Bei einem Einzug in die zweite Runde könnte Poroschenko nach den Werten der Rating-Gruppe gegen keinen der beiden Hauptkonkurrenten gewinnen. Einzig gegen Jurij Bojko, der es kaum in die Stichwahl schaffen dürfte, hätte er eine Chance mit 23 versus 21 Prozent. Tymoschenko könnte hingegen sowohl gegen Bojko als auch gegen Poroschenko auf einen Sieg hoffen (28 vs. 18 Prozent; 27 vs. 18 Prozent). Jedoch würde sie in Selenskyj in einer Stichwahl mit 24 Prozent gegen dessen 29 Prozent genauso wie Poroschenko (34 vs. 20 Prozent) oder Bojko (33 vs. 17 Prozent) unterliegen.

Ein entscheidender unbekannter Faktor könnte dabei aber auch die weiterhin große Zahl der Unentschlossenen sein. Sind es bei der Rating-Gruppe etwa 15 Prozent, sehen die Soziologen der anderen drei Institute weiterhin über 20 Prozent an unentschlossenen potenziellen Wählern, deren Präferenz letztendlich ausschlaggebend sein könnte.

Die Rating-Gruppe führte ihre Umfrage unter einer ungewöhnlich großen Gruppe von 6.000 wahlberechtigten Ukrainern über 18 Jahren aus allen Regionen durch. Die Teilnehmer wurden in persönlichen Interviews in der Zeit vom 16. bis 24. Januar befragt. Der statistische Fehler soll nicht größer als 1,3 Prozent sein. Die Konkurrenzumfrage von Socis, KMIIS und Rasumkow-Zentrum wurde unter einer noch größeren Gruppe von 11.000 wahlberechtigten Ukrainern über 18 Jahren durchgeführt. Die Befragung fand ebenso in persönlichen Interviews in der Zeit vom 16. bis 29. Januar statt. Hier soll der statistische Fehler nur bei 0,9 Prozent liegen. In der Regel wurden bisher bei derartigen Umfragen nur etwa 2.000 Menschen befragt.

Der erste Wahlgang findet am 31. März statt. Falls erwartungsgemäß eine Stichwahl erforderlich sein sollte, dürfte der zweite Wahlgang drei Wochen später auf den 21. April angesetzt werden. Wahlberechtigt sind etwa 34,5 Millionen Ukrainer. Poroschenko hatte am 25. Mai 2014 mit 54,7 Prozent im ersten Wahlgang gesiegt. Tymoschenko erhielt damals nur 12,81 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von knapp 60 Prozent.

Rating-Gruppe

KandidatUnter allen BefragtenUnter denen, die zur Wahl gehenUnter denen, die zur Wahl gehen und sich bereits für einen Kandidaten entschieden haben
Wolodymyr Selenskyj14,116,219,0
Julija Tymoschenko13,115,618,2
Petro Poroschenko10,812,915,1
Jurij Bojko7,58,610,0
Anatolij Hryzenko6,17,38,5
Oleh Ljaschko5,26,07,0
Jewhen Murajew2,83,13,6
Olexandr Schewtschenko2,22,52,9
Andrij Sadowyj2,02,32,7
Olexandr Wilkul2,02,22,6
Swjatoslaw Wakartschuk1,82,12,4
Ruslan Koschulynskyj1,11,31,5
Walentyn Nalywajtschenko0,70,81,0
Serhij Taruta0,60,70,8
Roman Bessmertnyj0,50,40,5
Serhij Kaplin0,30,40,4
Arsenij Jazenjuk0,30,30,4
Dmytro Dobrodomow0,20,30,3
Witalij Skozyk0,20,20,2
andere Kandidaten2,32,42,8
noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt14,814,4-
Nichtwähler11,6--

Socis/KMIIS/Rasumkow

KandidatUnter allen BefragtenUnter denen, die zur Wahl gehenUnter denen, die zur Wahl gehen und sich bereits für einen Kandidaten entschieden haben
Wolodymyr Selenskyj15,917,323,0
Petro Poroschenko10,512,316,4
Julija Tymoschenko10,311,815,7
Jurij Bojko6,17,09,3
Anatolij Hryzenko5,26,18,1
Oleh Ljaschko4,65,06,7
Olexandr Schewtschenko2,42,63,5
Andrij Sadowyj2,22,63,4
Jewhen Murajew1,72,02,7
Olexandr Wilkul1,61,82,4
Ihor Smeschko1,41,72,2
Ruslan Koschulynskyj0,81,01,3
Olha Bohomolez0,60,70,9
Walentyn Nalywajtschenko0,60,70,9
Roman Bessmertnyj0,30,30,4
Serhij Kaplin0,30,30,5
Serhij Taruta0,30,40,5
Dmytro Dobrodomow0,20,20,3
Julija Lytwynenko0,10,00,1
Olexandr Moros0,10,10,2
Witalij Skozyk0,10,10,1
andere Kandidaten1,21,21,6
noch nicht auf einen Kandidaten festgelegt23,422,1
Antwort verweigert2,92,7
Nichtwähler7.3

Quellen:
Socis
Rating

Autor:   Andreas Stein — Wörter: 1403

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Leserkommentare

kauschat in Unser Sudetenland

«Interessanter Vergleich: tatsächlich so einige Parallelen. Noch hat "der Westen" nicht die Annektion auch offiziell akzeptiert....»

Wolfgang Krause in Wir müssen hier leben

«Verglichen mit anderen Kommentaren ist dieser erfreulicherweise so geschrieben das er den Versuch wagt unterschiedliche Meinungen...»

Густаво Фан Хоовен in Wir müssen hier leben

«Zunächst vermittelt der Artikel den Eindruck einer neutralen Zustandsbeschreibung. Die Bezeichnungen "pro-sowjetisch" und...»

«Ich finde den Kommentar des Übersetzers nicht ganz glücklich, da er dazu einlädt, Dinge zu "vereinfachen". Ob die Antwort...»

«Würden sich die Menschen der Ukraine doch auf die Machnobewegung besinnen, die ganze Welt könnte Hoffnung schöpfen. Der...»

«WAS soll denn an dem was der Autor geschrieben hat unfassbar sein? Ich lese da keinen Widerspruch. Wenn du eine solche Phrase...»

«Danke für Ihre Darstellung der Hintergründe der Vertriebenen Gesetze und für die Einordnung der Russlanddeutschen. Es...»

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