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Die Ukraine im Spagat: Zwischen Modernisierung und Korruption

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Miss Ukraine 2015Nina Horynjuk, Teilnehmerin der Ukraine am internationalen Schönheitswettbewerb Miss International 2015
Die Ukraine sitzt in der Grätsche, im Spagat. Mit einem Fuß hat sie einen ziemlich bedeutenden Schritt nach vorn Richtung Modernisierung gemacht, als sie die Diktatur überwand, Reformen in die Wege leitete, die Armee erneuerte und einen Aggressor im Unabhängigkeitskrieg stoppte.

Mit dem anderen Fuß ist das Land in der Vergangenheit an Korruption und einem ineffizienten Staatsapparat klebengeblieben. Lange in einer solchen Grätsche zu sitzen ist unmöglich.

Modernisierung ist ein Prozess, von dem die Mehrheit der “Zweit-Liga”-Länder träumt, da gerade sie die Barriere ist, die die Fähigen und Blühenden von jenen trennt, welche sich nicht aus der Armutsfalle herauswinden können. In den meisten Fällen entpuppt sich dieser Traum als Alptraum. Viele Länder erreichen nicht einmal annähernd die Anforderungsschwelle zur Chance auf Modernisierung.

Die Ukraine mit ihrem riesigen menschlichen Kapital hat die Schwelle erreicht. Eine kritische Masse an Bürgern, die Modernisierung fordern (ich erinnere daran, dass der Majdan einen tatsächlichen Systemwandel verlangte und nicht lediglich den Austausch von Gesichtern), führte zur Einleitung von Reformen. Die Einen konnten nicht mehr und die Anderen wollten nicht mehr auf die alte Weise leben, also begann eine Bewegung hin zu einer neuen Lebensweise.

Aber irgendetwas ist schiefgegangen.

Man kann eine Modernisierung hinauszögern, sie bremsen, einfach nicht beginnen. Man kann sie geradlinig und entschlossen durchführen, wie es von Polen bis Südkorea viele Länder gemacht haben. Sie lässt sich langsam und beständig aufziehen, mit Blutvergießen, doch auf Sieg hoffend. Man kann eine Modernisierung verhindern und stattdessen einen Archaismus wieder einführen, also das Land in die Vergangenheit zurückziehen, wie unser Nachbar im Nord-Osten.

Der Varianten gibt es unzählige, die Geschichte ist voller vielfältiger Beispiele – nur eine Variante ist unmöglich.

Man kann eine Modernisierung nicht, wenn man einmal damit begonnen hat, mittendrin anhalten. Es gelingt nicht, im Spagat sitzenzubleiben und sowohl die Einen als auch die Anderen zufriedenzustellen. Entweder entschlossen voran oder unter dem Gewicht der eigentlichen Probleme zurück.

Es ist eine aktive Minderheit im Volk, die nach Modernisierung strebt, doch es ist nicht das Volk, sondern die Elite, von der die Umsetzung ausgeht. (Hier und im Folgenden verstehen wir unter Elite im weitesten Sinne jene, denen die Macht über Wirtschaft, Politik, Information, Armee, Kirche usw. obliegt.)

Die Eliten lassen sich aufspalten: Auf der einen Seite sind diejenigen, die für Macht und Geld danach streben, das geschlossene System zu erhalten, dessen Zeit abgelaufen ist.

Auf der anderen Seite sind diejenigen, die für Macht und Geld danach streben, das System zu öffnen (eigentlich zu zerstören und alle dazu zu zwingen, auf neue Weise zu leben), denn wenn das System nicht offen ist, wird es zerrissen werden.

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Charakteristisch für das alte geschlossene System sind in erster Linie die eingeschränkten Möglichkeiten seiner Menschen.

Die Wirtschaftsrechtslage für den einfachen Mann ist bedrückend, es ist fast unmöglich, ein Geschäft ehrlich aufzuziehen. Gleichzeitig gibt es Leute mit einem anderem Status, ganz gleich wie man sie nennt, ob Barone, Nomenklatur oder Oligarchen – ihre Möglichkeiten sind prinzipiell andere. Sie sind nicht anders, weil sie reich sind, sondern sie sind reich, weil sie anders sind. Weder Talent noch Arbeit bringt ihnen ihren Reichtum ein, sondern Macht oder wenigstens Nähe zu ihr. Außerdem bringt Reichtum Macht hervor und so schließt sich der Kreis. Auf dem Majdan erkämpfte das Volk politische Freiheit. Derzeit bedroht nichts und niemand die Meinungs- oder Versammlungsfreiheit, auch nicht die Freiheit Kritik zu äußern oder politische und gesellschaftliche Organisationen zu gründen. Trotz “Hick-Hack” bei den Wahlen und der Passivität eines bedeutenden Anteils der Bevölkerung ist die Ukraine ein ziemlich freies Land, im politischen Sinne.

In Kombination damit bleibt die Wirtschaftsfreiheit jedoch eine der niedrigsten im weltweiten Vergleich.

Im Ranking der Wirtschaftsfreiheit nahm die Ukraine den 162. Platz ein, im vergangenen Jahr war es der 155., das heißt, es gibt “schon heute eine Verbesserung”. Wir stehen am hintersten Ende – in charakteristischer Gesellschaft: Kongo, Iran, Turkmenistan, Simbabwe, Venezuela, Kuba.

Was bedeutet Wirtschaftsfreiheit? Sie ist eine komplexe Kennziffer, welche die Hoheit des Rechts beinhaltet, darunter den Schutz des Eigentumsrechts, die Freiheit von Korruption, Nichteinmischung des Staates in die Wirtschaft (angemessene Steuern, angemessene Staatsausgaben), effektive Regulierung von Geschäften und Geschäftsbeziehungen, Offenheit der Handelsmärkte, Investitionen, Finanzoperationen.

Die Frage ist diese: Wie lange kann ein Land mit hoher politischer Freiheit ökonomisch unfrei bleiben?

Es ist selbstverständlich, dass die Menschen, wenn sie auf politische Freiheit drängen, auch versuchen werden, sich Wirtschaftsfreiheit zu erkämpfen. Zumal politische Freiheit nicht nur an sich notwendig ist, sondern auch um ein würdiges Leben zu gewährleisten. Die Möglichkeit eine Regierung an jeder Ecke zu kritisieren stellt lediglich eine schwache Gesellschaft zufrieden, wenn die Kritik ohne jegliche Folgen bleibt. Und dass die Ukrainer definitiv keine schwache Gesellschaft sind, haben sie bewiesen.

Letztendlich steigt entweder die Wirtschaftsfreiheit bedeutend an und dann werden Millionen Menschen (wie seinerzeit die Europäer) sich daran machen mit ehrlicher Arbeit neue Wohnungen, Autos und Reisen zu verdienen, ihre Energie also für etwas Positives aufzuwenden und nicht für Protest.

Oder es gelingt den Eliten, für den Erhalt der Wirtschaftsunfreiheit, Stück für Stück die politische Freiheit wieder etwas zu verringern. Wie der letzte Versuch dahingehend endete, wissen wir. Einer sitzt in Rostow, der Rest irgendwo anders, und internationale Geheimdienste machen Jagd auf ihre Aktiva.

Die politischen Eliten müssen heute auf ihren Selbsterhaltungsinstinkt hören. Der rasche Wirtschaftsaufschwung, der wohl unmittelbare Folge zunehmender Wirtschaftsfreiheit wäre, würde ihre Vermögen schnell vergrößern. Doch stattdessen könnte die nächste heiße Phase der politischen Krise mit dem Ruin des ganzen Landes enden und dann besteht das Risiko, mit leeren Händen zurückzubleiben. Es muss eine Entscheidung getroffen werden. Mit lautem Pfiff Einschränkungen zu verkünden geht nicht auf.

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Die allerersten Schritte hin zu Wirtschaftsfreiheit sind Steuer-, Haushalts- und Gerichtsreformen. Diese unerfüllte Aufgabe von 2015 hat auch heute noch oberste Priorität.

Wir werden nicht vergessen, dass der Majdan, der jene an die Macht brachte, die sie jetzt innehaben, nicht nur eine national-befreiende und wertvolle, sondern auch eine wirtschaftliche Revolution war.

11. Januar 2016 // Walerij Pekar

Quelle: Ukrajinska Prawda

Übersetzerin:   Annegret Becker — Wörter: 984

Annegret Becker hat Slawistik und Linguistik, insbesondere Ukrainisch und Tschechisch, in Greifswald studiert. Sie übersetzt vor allem journalistische, historische und Sachtexte aus dem Ukrainischen.
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„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


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„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“