Die Unternehmen des Metallkomplexes in der Ukraine überwinden die Krise. Den vierten Monat in Folge erhöhen die Werke ihre Stahlproduktion. Die Metallurgen selbst halten sich mit Prognosen zurück, sie erklären das Produktionswachstum mit der Auffüllung der aufgebrauchten Lagervorräte. Doch Branchenanalysten sind optimistisch eingestellt – bis Ende des Jahres wird die Nachfrage nach ukrainischem Stahl stabil bleiben und die Preise vorteilhaft.
Den laufenden Daten nach haben die Metallunternehmen der Ukraine im Juli 2,71 Mio. t flüssigen Stahls hergestellt, was 16% mehr ist als einen Monat vorher, teilte gestern die Branchenagentur “Metallkurier” mit. Und obgleich die Metallunternehmen den Ergebnissen nach von Januar bis Juni 34% weniger Stahl ausbrachten, als in der analogen Periode des Vorjahres, wird in der Ukraine eine Tendenz zur monatlichen Ausweitung der Produktionsmengen beobachtet. “Außerdem gelang es praktisch allen Metallunternehmen ihren Auftragsbestand bis Oktober zu füllen, was die Grundlage gibt von einer schrittweisen Überwindung der Krise in der Branche zu reden”, betont Oleg Gnitezkij, Experte des Staatsunternehmens “UkrPromWneschExpertisa”. Den Daten des Unternehmens nach, waren Ende Juli die Kapazitäten der ukrainischen Stahlhersteller zu 65,5% ausgelastet, wo Anfang des Jahres kaum mehr als 50% gemessen wurden.
Wladimir Chilko, Direktor für außenwirtschaftliche Tätigkeit und Produktabsatz bei “Donezkstal”, erklärt den Produktionsanstieg mit der Auffüllung der aufgebrauchten Lagervorräte durch die Metallhändler und ebenfalls der Wiederbelebung der Nachfrage auf dem asiatischen Markt, insbesondere in China. Den Worten von Olga Okunewa, Analystin der Deutschen Bank, nach, ist China in Verbindung damit, dass es den chinesischen Stahlunternehmen bislang nicht gelang, langfristige Verträge für die Lieferung von Eisenerz abzuschließen (normalerweise werden diese bis zum 1. April geschlossen), gezwungen Rohstoffe auf dem Spotmarkt zu kaufen, was zu einem Anstieg der Spotmarktpreise von 60$/t im April auf fast 100$/t derzeit. “Das verursachte eine Erhöhung der Kosten für die chinesischen Produzenten, was die Preise für Stahl antrieb und den Export von Metall aus der Ukraine rentabel machte”, sagt Okunewa. Dmitrij Choroschun, Analyst bei “Sokrat”, betont, dass seit Anfang des II. Quartals bis Juli die Preise für ukrainische Halbfabrikate und Walzgut um 15-30% gestiegen sind. Dies ist, den Schätzungen von Sergej Gajda, Analyst bei der Investmentfirma Dragon Capital, nach, vollständig ausreichend, damit die Metallurgen rentabel arbeiten können.
Jack McLechlan, Direktor der Abteilung für Stahl und Walzgut bei der “Metinvest Holding”, meint, dass die Metallurgen aufgrund des Moratoriums auf Preiserhöhungen für Dienstleistungen der Staatsmonopolisten rentabel arbeiten können. Erinnern wir daran, dass die Regierung im Oktober 2008 für eine Überwindung der Krise die Zuschläge auf den Gaspreis auf Null setzte, die Tarife für Gütertransporte per Eisenbahn und Elektroenergie für Unternehmen der Metallbranche senkte (Ausgabe des “Kommersant-Ukraine“ vom 11. November 2008). Den Angaben des Wirtschaftsministeriums nach, konnten die Unternehmen aufgrund dieser Bevorzugung mehr als 1,2 Mrd. Hrywnja (ca. 120 Mio. €) einsparen. “Außerdem befinden sich die ukrainischen Metallunternehmen aufgrund der Abwertung der Hrywnja in einer Sonderposition”, sagt Alexander Kogut, Seniormanager bei Deloitte.
Chilko schließt übrigens nicht aus, dass das Marktwachstum sich bald erneut in einen Rückgang wandelt. “Es gibt ein Risiko dafür, dass die Ausweitung der Stahlproduktion in der Ukraine und Russland ein Überangebot auf dem Markt in China schafft, was den Markt seinerseits destabilisiert”, sagt er. “Bislang gibt es kein spürbares Wachstum beim realen Stahlverbrauch, das heißt eine Nachfrage, die von metallnutzenden Sektoren erzeugt wird”, konkretisiert Alexander Martynenko, Analyst bei “Troika Dialog Ukraina”. “Jedoch gibt es die Hoffnung auf eine kleinere Erhöhung der realen Nachfrage im IV. Quartal dank der erwarteten Erhöhung der Finanzierung der Realwirtschaft”.
Alexander Tschernowalow
Entwicklung der Stahlproduktion in der Ukraine, in Mio. t
| Januar 2008 | Feb. | März | Apr. | Mai | Juni | Juli | Aug. | Sep. | Okt. | Nov. | Dez. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 3,64 | 3,49 | 3,87 | 3,7 | 3,92 | 3,65 | 3,67 | 3,2 | 2,48 | 1,86 | 1,60 | 2,03 |
| Januar 2009 | Feb. | März | Apr. | Mai | Juni | Juli | |||||
| 2,12 | 2,32 | 2,38 | 2,14 | 2,34 | 2,3 | 2,71 |
Quelle: Kommersant-Ukraine


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