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Weshalb finden in der Ukraine keine ökonomischen Reformen statt?

Ich würde gerne zu Beginn festhalten, dass ökonomische Reformen in der Ukraine schwer umzusetzen sind. Zum einen, weil die Ukrainer bereits seit 300 Jahren, vielleicht auch seit 1300 Jahren, nichts für ihre jeweilige Regierung übrig haben (nicht mit dem Land verwechseln), ganz gleich, wie diese geheißen haben mag. Und die letzten 20 Jahre stellen diesbezüglich keine Ausnahme dar.

Der zweite Grund resultiert aus der Tatsache, dass die Reformierenden (die “Elite”) und die zu Reformierenden (das Volk, die Geschäftswelt), um es direkt zu sagen, bezüglich ihrer kulturellen Entwicklung leider Gottes hinter den stärker zivilisierteren Ländern zurückbleiben. Und zudem sind sie häufig unzureichend gebildet. Jedenfalls kenne ich keinen Politiker aus den 20 Jahren Unabhängigkeit, der auch nur entfernt etwas über die jüngsten wirtschaftswissenschaftlichen Erkenntnisse oder gar Strategien im Original gelesen hat. Hinterwäldlertum ist zur Norm der ukrainischen Wirtschaftspolitik geworden.

Ich hatte mehrfach die Gelegenheit, mich mit zwei großen Reformern des letzten Jahrhunderts direkt auszutauschen – mit dem Professor, ehemaligen Ministerpräsidenten und Präsidenten der Nationalbank Polens, Leszek Balcerowicz, sowie dem Finanzminister, Ministerpräsidenten und jetzigen Präsidenten der Tschechischen Republik, Václav Klaus. Ich erinnere mich an die unzähligen Debatten, ja sogar Dispute an der Harvard University zu den ökonomischen Reformen der 1989-1991 Jahre und möchte betonen, dass sowohl die Expertise, wie auch die allgemeine Sachkenntnis, die Belesenheit dieser Menschen sich nicht hinter der prominenter Harvard-Professoren, wie Lawrence Summers (der spätere Finanzminister der USA), Jeffrey Sachs u.a., zu verstecken brauchte, diese sogar in vielen Bereichen überflügelt hat. In diesem Kontext möchte ich auch Jegor Gaidar nennen (der, meiner Meinung nach, zu Beginn der 90-er Jahre nicht wenige Russen vor dem Hunger bewahrte).

Als L. Balcerowicz die Reformen in Polen anging (die sogenannte Schock-Therapie), waren ich sowie meine Kollegen, Ökonomen aus den USA, Russland und anderen Ländern hundertprozentig überzeugt, dass diese einen erfolgreichen Abschluss finden würden – mit einem wirtschaftlichen Wachstum und einem realem Anstieg der Einkommen. Woher diese Überzeugung? Das lässt sich ganz einfach erklären: Die Reformen basierten auf ökonomischen Theorien, Kenntnissen, Fakten sowie Erfahrungen aus anderen Ländern, und nicht auf spontanen, populistischen Entscheidungen, an die wir uns in der Ukraine gewöhnt haben.

Was sind ökonomische Reformen? Sie bestehen in dem Versuch, wirtschaftswissenschaftliche Theorieannahmen in die ökonomische Praxis umzusetzen, um vorab erwartete positive wirtschaftliche und soziale Resultate in kurzfristiger Perspektive – von wenigen Monaten bis zu einem Jahr – zu erzielen.

Beispielsweise sollte die Rentenreform in der Ukraine, sofern diese angemessen umgesetzt wird, zu einer gerechteren Rentenverteilung führen – zu einem wesentlichen Anstieg der mittleren Renten und einer Restringierung der oberen (korruptionsbedingten) Rentengrenze; zu Anreizen für ein langes und anstrengendes Berufsleben, zu legitimen Einkommen; zum Aufbau finanzieller Ressourcen für langfristige Investitionen in die ukrainische Wirtschaft.

Dabei ist es von außerordentlicher Bedeutung, solche Bestimmungsgrößen wirtschaftlicher Reformen wie soziale Gerechtigkeit einzubeziehen. Ökonomische Reformen sollten faktisch eine Annäherung an ein gesellschaftliches Gefüge gewährleisten, in welchem soziale Gerechtigkeit herrscht. Die Ukrainer spüren sehr deutlich die soziale Scheinheiligkeit, wenn “Reformer” im Vorfeld der Wahlen dem Volk sozialpopulistische Phrasen “predigen”.

Allgemein sollte mindestens ein Jahr vor den Wahlen verboten sein, irgendwelche Reformen zu initiieren. Da ist es doch besser, die Gelder einfach an arme Menschen zu verteilen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor für ökonomische Reformen betrifft die Menschen, die diese in die Wege leiten. Ein erforderliches Charakteristikum habe ich bereits erwähnt – ein sehr hohes Niveau an Professionalität. Das zweite Charakteristikum berührt ihren Idealismus. Uns fehlt es an Idealisten, denn wenn nicht wenigstens ein Mindestmaß an Idealismus vorhanden ist, sind Reformen nicht denkbar.

In den Händen starrer und nüchterner Materialisten werden Reformen zu einem Instrument für die Beschaffung von Geld und Macht. Diesen Betrug nehmen die Menschen wahr, und manchmal betreten sie selbst die Hauptbühne – auf dem Majdan. Es fällt schwer, an dieser Stelle nicht Wilhelm von Humboldt zu zitieren: “Wenn es nun schon ein schöner, seelenerhebender Anblick ist, ein Volk zu sehen, das im vollen Gefühl seiner Menschen- und Bürgerrechte seine Fesseln zerbricht, so muss – weil, was Neigung oder Achtung für das Gesetz wirkt, schöner und erhebender ist, als was Not und Bedürfnis erpresst – der Anblick eines Fürsten ungleich schöner und erhebender sein, welcher selbst die Fesseln löst und Freiheit gewährt und dies Geschäft nicht als Frucht seiner wohltätigen Güte, sondern als Erfüllung seiner ersten, unerlässlichen Pflicht betrachtet”. Wie dieser in seiner Abhandlung “Die Grenzen des Staates” schreibt. Wir warten auf unseren eigenen Philosophen…

Abschließend möchte ich etwas zu einer letzten Bedingung für das Gelingen ökonomischer Reformen sagen – zur Unterstützung dieser Reformen seitens des Volkes und der Journalisten. Zweifelsfrei dürften Reformen, die zu einem Anstieg der individuellen Einkommen und sozialer Gerechtigkeit (sofern dies in einem kurzen und klar umrissenen Zeitraum geschieht) führen und von Experten und Idealisten initiiert wurden, von der Gesellschaft unterstützt werden. Zumindest dürfte die Wahrscheinlichkeit einer Unterstützung durch die Bevölkerung mit der Zeit wachsen, wenngleich diese niemals hundertprozentig sein kann. Warum? Zum Einen existieren im wahren Leben weder ideale Reformen noch ideale Reformer. Zum Anderen findet ein politischer Kampf statt, das bedeutet, es existiert auch eine politische Opposition. Ferner herrscht bei uns die Tradition, alles schwarz oder weiß zu zeichnen. Wenn Opposition, dann gegen alles. Alle Entscheidungen der Regierung sind äußerst schlecht, korruptionsbedingt, so dass auch manch richtige und für die Gesellschaft unabdingbare Entscheidung scharf kritisiert und mit aller Gewalt durch die Opposition blockiert wird. Alsdann schalten sich Journalisten (ich spreche an dieser Stelle von normalen Journalisten) ein, die glanzvoll die Fehler der Regierung analysieren und kritisieren, aber nie die richtigen Entscheidungen begrüßen. Das ist unsachgemäß. Auf diese Weise wird die Regierung niemals konditioniert (rufen Sie sich Pawlow in Erinnerung).

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Ich kann nachvollziehen, dass positive und respektvolle Artikel und Kommentare zu den wenigen richtigen Maßnahmen der Regierung von Kollegen als weniger wissenschaftlich oder weniger politisch engagiert bewertet und aufgefasst werden können als verurteilende. Aber ungeachtet dessen möchte ich dazu aufrufen, die Systematisierung der Auffassungen und Maßnahmen sowohl der Regierung als auch der Opposition auf einen höheres Niveau zu heben. Den Journalisten folgend wird auch die Gesellschaft richtige Maßnahmen der Regierung unterstützen und falsche ablehnen, was bedeutend ist. Ich möchte noch einmal betonen, dass richtige Reformen ohne die Unterstützung der Gesellschaft scheitern werden. Die Zeit des nackten und totalen Nihilismus ist vorbei, es ist an der Zeit für eine kritische Analyse und einen gesellschaftlichen Dialog mit der Regierung.

Unsere Gesellschaft steht Reformen sehr argwöhnisch gegenüber (eine bittere Erfahrung der letzten dreißig Jahre), sie wünscht keinen Wandel, möchte aber dennoch besser leben. Die Aufgabe der “Elite” und der Journalisten besteht darin, die Gesellschaft auf einen Wandel vorzubereiten, unabhängig davon, wer die Regierung bildet und wer die Opposition. Ohne Reformen werden wir am Abgrund verharren.

27. April 2012 // Alexander Sawtschenko

Quelle: Serkalo Nedeli

Übersetzerin:    — Wörter: 1109

Jahrgang 1978. Yvonne Ott hat Slavistik und Wirtschaftswissenschaften an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg studiert. Seit 2010 arbeitet sie als freie .

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Forumsdiskussionen

„Bei Ankunft am Blockposten im Internet (nakordoni.eu) 4h Wartezeit und 40 PKW am Grenzübergang, einen Teil der Wartezeit sitzt man am Blockposten ab, die halten die PKW Warteschlange von dem eigentlichen...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ich dachte z.B. Krakovetz hat diese Spur nicht, jedenfalls bin ich in 2025 mit allen anderen bei den Ukrainern durchgeschleust worden, anschließend bei den Polen EU Spur..“

„ Hallo julib77,

Bzgl. Ausreisen mit PKW nach Polen möchte ich Dir deutlich widersprechen, ich weiß nicht woher Du Deine Informationen beziehst.

Schau einfach hier einmal Thread nach "An welchem Grenzübergang geht's am schnellsten? Da musst Du nicht suchen, der steht derzeit auch immer weit oben. Auch wenn wir da, nur über die Abläufe und die Wartezeiten berichten, findest Du nicht einen Kommentar darüber, dass Ukrainer schlecht behandelt werden. (2025 bis heute, ca. 25 Ein- und Ausreisen)

Ich kann nur sagen, ich beobachte keinerlei Repressalien, ganz im Gegenteil, die Ukrainer werden respektvoll behandelt, ist stelle keinen Unterschied zu mir als Deutschen fest. Das einzig berichtenswerte ist, dass die meisten Ukrainer-Innen fotografiert werden, bei der Ein - und Ausreise. Dieser Vorgang läuft professionell ab, ich kann dabei keine "Erniedrigung " beobachten, es wird gelacht und gescherzt dabei und die Frauen richten ihre Haare etc. Damit es ein 'schönes" Bild gibt.

Bzgl. Ungarn kann ich nur von einer Einreise berichten in 2025 (noch unter Orban), an dem mir sehr gut bekannten Grenzübergang "Lushanka" (Berehove HU), die Ausreiseseite kann man beobachten, ich kann nichts berichten, d.h. für mich normale Abläufe bei der Ausreise, wie auch bei der Einreise. Normale PKW Schlange, ganz im Rahmen. Kurz um, mir ist damals nichts aufgefallen. Alles war SICHER, wie die letzten 70 Mal, als ich den Grenzübergang von 2004 an bis 2025 überquert habe. Ein- und Ausreise.


„Ich werde am Sonntag ca. 12 Uhr auch wieder in Uhryniw Ausreisen. Dazu mal eine Frage, in Uhrnyiw gibt es ja die besagte EU-Spur, die ja durchweg bei den Ukrainern und den Polen die Ausreisezeit doch erheblich...“

„Auch wenn ich diese Verbindung toll finde, hätte ich ehrlicherweise Angst, von Polen aus in die Ukraine zu reisen. Die Polen werden immer gewaltsamer gegen Ukrainer und ukrainische Projekte. Außerdem...“

„Ups, ja. Irgendwie war zwar die Rede von einem durchgängig buchbaren Fahrschein, aber das bedeutet in der Tat wohl nicht auch zugleich eine unterbrechungsfreie und bequeme Fahrt mit der Bahn. Schade“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„Ja auf dem Papier sieht das wohl alles sehr einfach aus. Offenbar hat Leo da den Mund etwas zu voll genommen, scheint übrigens typisch für die private Verkehrsbranche zu sein. Soweit ich sehe hat sich...“

„ Obwohl der Leo-Express angeblich seit Juni den Betrieb auf dieser Strecke aufgenommen hat wird die "Bahnfahrt" über Przemysl nach UA wohl noch lange Zukunftsmusik bleiben.
Wie zu lesen ist gibt es noch nichtmal für das polnische Streckennetz eine Zulassung so daß derzeit dort wohl noch mit Bussen gefahren wird.


„изображение.png изображение.png Da muß man wohl mit den Daten etwas herumspielen ... Da wird wohl noch nicht täglich gefahren. Trotzdem Danke.“

Der Link zum Anbieter ist ja da.
Ist korrekt, aber ich finde man hätte trotzdem im Text gleich darauf hinweisen können.
War aber nicht "böse" gemeint ...
Bis jetzt sind die Tickets auch noch nicht auf der Webseite buchbar - warum auch immer ...
Hab´s versucht - bekomme aber immer angezeigt "auf dieser Strecke fahren wir nicht" :-([smilie=dntknw.gif]

„Man sollte aber explizit dazu schreiben, daß es ein Zug von LeoExpress ist - und nur auf deren Webseite kann man die Fahrkarten kaufen. Zumindest ist es die erste Umsteigefreie Verbindung von Deutschland...“

„Vielen Dank, mit einem Briefchen meiner Frau im Gepäck gab es keine Probleme“

„Am besten wäre natürlich, wenn die Frau mit dabei ist. Alleinreisende Männer stehen schließlich immer unter Verdacht.“

„Kein Zoll. Du musst an sich nur sagen dass das privat ist und du nicht damit handeln willst. So lange das nicht Originalverpackt ist und ersichlich das nicht neu sollte es keine Probleme geben“

„Hallo Leute, ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin mit meiner Anfrage. Ich möchte 4 Umzugskartons mit gebrauchter Straßen Kleidung bei der Einreise in die Ukraine mitnehmen. Es ist gebrauchte Kleidung...“

„Wir sind mit unserem Wohnmobil, wie geplant am Montag 15.6. in Krakovets rüber. Sehr zeitig los gegen 5 Uhr in der Früh. Mit sehr sehr wenig Verkehr, super bis zur Grenze. Nur 8 PKW vor der Schranke....“